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Fotografie früher und heute

Fotografie früher und heute im Vergleich
[ilj_no_linking]Wenn wir die Fotografie früher und heute vergleichen, stellen wir fest, dass die digitale Technik uns ins Foto-Paradies geführt hat. Hohe ISO ist kein Problem, Fotos sind sofort nutzbar. Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. *fotowissen beleuchtet das Thema bewusst von zwei Seiten:

  •  Editorial: Fotografie früher und heute
  • Die besten Kameras des Jahres 2024
  • Die Kameras mit Seele
  • Dirk Trampedach: Street-Photography Menschen hautnah fotografieren
  • Dirk Trampedach: Leere Bilder Fotos vom Nichts
  • Negativer Raum in der Fotografie Tutorial
  • Herbert Neidhardt: Astrofotografie
  • Neues Fotografisches Sehen und Entdecken
  • EXCIRE Foto 2024 KI Bildverwaltungssoftware Test
  • DxO PhotoLab 7 im Test – Neue Funktionen
  • DxO Filmpack 7 Test neue Funktionen
  • Das Fujifilm INSTAX System im Test
  • Test BenQ SW272U 4K 27-Zoll-Monitor
  • Einfach automatisch den Monitor kalibrieren – Tutorial Monitor Kalibrierung
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Editorial

Kameratechnik früher und heute

Wer nicht im analogen Zeitalter fotografierte, der wird sich vielleicht wundern, was damals möglich war und welche Vorteile die analoge Fotografie über die digitale hatte. *fotowissen hat viele Beiträge zu der analogen Kameratechnik publiziert. Roland Gosebruch unter anderen, schrieb einen wunderbaren Artikel über “Meine Jahre mit der Fotografie”, der gut verdeutlicht, wie sich die Technik veränderte. Der Artikel ist wertvoll und lesenswert. Man könnte argumentieren: Was schert mich die Vergangenheit, ich lebe jetzt? Aber das wäre kurzsichtig, denn das Jetzt resultiert aus der Entwicklung und muss immer wieder hinterfragt werden:

Wenn Sie diesen Beitrag öffnen, dann automatisch in einem neuen Tabulator, sodass Sie hier gleich weiterlesen können:

Heute sind Dinge möglich, die zur Zeit der analogen Fotografie unmöglich, ja gar nicht vorstellbar waren. Wer damals eine ASA / ISO verändern wollte, der benötigte entweder einen zweiten Kamerabody oder ein Wechselmagazin, wie das einer Hasselblad 500. In der zweiten Kamera oder im Wechselmagazin ließen sich andere Filme laden, die sich in der ASA oder den Farben unterschieden.

Heute lässt sich bei jedem Foto automatisch die ISO verändern und damit werden Fotografien möglich, die damals undenkbar waren. Von einem ruhigen schwarz-weißen Landschaftsfoto mit F11 bei 1/250 Sekunde im Einzelbildmodus bei AF-S, auf ein farbiges Wildlifeserienfoto mit AF-C eines Vogels im Flug bei F5.6 und 1/1000 Sekunde Belichtungszeit zu wechseln, ist bei Kameras mit Custom-Funktionen ein einfaches Drehen an einem Modus-Wahlrad. Der Autofokus stellt dank künstlicher Intelligenz (KI) präzise auf das Auge des Vogels oder seinen Körper scharf. Früher dauerte es, bis wir die Kamera manuell eingestellt hatten.

Ist ein Mehr an technischen Möglichkeiten folgerichtig ein Mehr an Freude?

Die technischen Grenzen der analogen Fotografie

Viele jüngere Menschen wissen nicht, was eine Verschlusszeit ist oder dass wir Fotografen früher nicht mit einer 1/32.000 Sekunde, einer 1/4.000 Sekunde oder ähnlich kurzen Belichtungszeiten arbeiten konnten. Auf einer Mittelformatkamera mit Zentralverschluss war die kürzeste Verschlusszeit in den allermeisten Fällen eine 1/500 Sekunde (Wer weiß, warum das technisch begrenzt war oder wen es interessiert, der mag das im Kommentar schreiben. Ich könnte es erklären.). Das bedeutete bei einem 400 ASA Film und viel Licht bei vielen Fotos die Wahl einer großen Blendenzahl von F11 oder F16, ohne dass wir es vielleicht wollten. Natürlich gab es auch damals schon Graufilter, die uns helfen konnten, trotzdem offenere Blenden zu nutzen. Andersherum war es unmöglich eine schnelle Bewegung einzufrieren, wenn wir nur eine 1/500 Sekunde und wenig Licht zur Verfügung hatten.

Keine Chance bot das Mittelformat also für Sport, Action und Wildlife. Der Bereich wurde von Fujifilm mit den GFX-Kameras grundlegend überholt. Inzwischen sind sieben Fotos pro Sekunde bei extrem kurzen Belichtungszeiten möglich. Wer Landschaftsfotos oder Portraits aus der Hand fotografieren möchte, der kann dank IBIS mit hervorragenden Objektiven und großen Blendenöffnungen selbst bei Dunkelheit arbeiten.

Reden wir über tausende Fotos: Im Mittelformat waren es 8, 10, 12 oder 16 Fotos pro Rollfilm, die wir belichten konnten. Danach war Schicht im Schacht und ein neuer Film oder ein vorab geladenes Magazin mussten ran. Im Kleinbild waren es bis zu 36 Fotos. Wer Sport, Action oder Wildlife fotografierte und mehr Fotos in Serie schießen wollte, musste in der Dunkelkammer selbst Film-Meterware in ein 250er-Filmmagazin laden (wer kennt das noch?).

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Es gab auch Sonderlösungen für alle möglichen Situationen. Kenner schafften es, analoge Filme zu pushen und bei 3.200+ ASA zu belichten. Aber irgendwann war das Korn zu mächtig und weiteres Pushen verbot sich. Und wer die 12 oder 36 Fotos nicht verschoss, der musste den Film meist mit weniger Belichtungen in die Entwicklung geben oder monatelang in der Kamera belassen.

Die technischen Grenzen der digitalen Fotografie

Die digitale Fotografie hat andere Grenzen. Zunächst konnten wir auf Film verzichten und jedes Foto mit einer anderen ASA belichten, die inzwischen in ISO umgetauft wurde. Die Grenzen waren zunächst bei 3 Megapixeln, die schnell zu 6, 10 oder 12 Megapixeln avancierten. Heute sind es mit PhaseOne bis zu 150 Megapixel pro Aufnahme, was das analoge Mittelformat in der Auflösung deutlich übertrifft. Selbst die Auflösung einer 60 Megapixel Sony Alpha R oder die 100 Megapixel einer GFX 100 waren analog nur im Großformat zu erreichen.

Wir können tausende Fotos auf eine Speicherkarte bannen, die bei einem Terabyte Speicherplatz nie voll zu werden scheint. In der Dunkelheit zu fotografieren, ist dank Verstärkung eines elektronischen Suchers kein Problem. Wer eine höhere Schärfentiefe als Blende F11, F16 oder F22 nutzen möchte, der verschafft sich unendliche Schärfentiefe in hunderten Fotos mithilfe von Fokus-Bracketing und anschließendem Fokus-Stacking per Software.

Noch immer sind nicht alle Barrieren durchbrochen. Wer das Fokus-Bracketing bei einem Makromotiv an einem windigen Tag probiert, der wird an die Grenze kommen. Der Rolling-Shutter einer Kamera macht kürzere elektronische Verschlusszeiten schwierig. Aber auch das wird sich mithilfe von modernen Sensoren irgendwann erledigen. Licht ist für gute Aufnahmen immer noch eine der Voraussetzungen, aber es spielt nicht mehr die Rolle wie zu analogen Zeiten. Zu gut ist das Entrauschen dank Software von Topaz DeNoise AI, DxO und Adobe Bildbearbeitungssoftware.

Die Nachteile der digitalen Fotografie

Nur Wenige reden über die Nachteile der digitalen Fotografie. Vergleichen wir die Fotografie früher und heute, dann benötigen wir Fotografen heute alle einen Datenspeicher und ein Backup. Früher wurden die Filme oder Dias in den Schrank gelegt und dank einer Beschriftung schnell wiedergefunden. Heute fotografieren wir schnell zehntausende oder gar hunderttausende Fotos, die wir ohne eine Disziplin nicht wiederfinden. Es ist nur logisch, dass ohne die Kosten des Films, ohne die Ausgabe für die Entwicklung, mehr fotografiert wird. Nach einem Tag Wildlifefotografie gleich mehrere tausend Fotos auf dem Rechner auszusortieren, war vor 30 Jahren noch undenkbar und viel zu teuer.

Wir sollten mal hinterfragen, ob es immer ein Vorteil ist in RAW zu fotografieren, tausende Fotos zu sortieren und damit auch einen schnellen Rechner, sowie Bildbearbeitungskenntnisse besitzen zu müssen. Oder war es vielleicht viel schöner, sich auf 36 Fotos zu konzentrieren und die fertigen Abzüge zu betrachten?

Die viel interessantere Frage aber ist, wie stark unsere Ansprüche mit der technischen Entwicklung gestiegen sind. Früher musste ein Hochzeitsfotograf sicherlich noch fitter sein und mit weniger Fotos auskommen, um dennoch den Tag hervorragend festzuhalten. Aber es wurden auch Fotos abgegeben, auf denen einer der Partner die Augen nicht geöffnet hatte. Und nicht jedes Foto war immer möglich. Die Objektiv-Entwicklung eines 70-200mm F2.8 Zoomobjektivs mit OIS hat durchaus auch zu besseren Portraits am Hochzeitstag beigetragen. Die Serienbilder machen es möglich, ein bestes Foto aus dem überraschenden Lachen der Braut auszusuchen.

Früher waren wir mit weniger Fotos und anderen Qualitäten zufrieden. Ein Dia konnte nicht mehr “gecroppt” / beschnitten werden. Ausschnittvergrößerungen waren in vielen Fällen durch die Qualität eines Kleinbildfilms auf ein DIN-A4-Format oder kleiner beschränkt. Aber kommen tatsächlich bessere Fotos im digitalen Zeitalter heraus?

Ansprüche an die Fotografie früher und heute

Wenn Sie Fachleute aus Fotolaboren fragen und diese Menschen Ihnen ehrlich antworten, dann ist die Qualität der Fotos heute en gros zum Lachen oder sogar mehr zum Weinen. Die meisten Menschen knipsen ohne Verstand und belichten Selfies in einer Art von Selbstverliebtheit, die früher undenkbar war.

Aber reden wir von uns anspruchsvollen FotografInnen. Wir würden heute ungern Portraits abgeben, bei denen die Augen geschlossen oder halb geöffnet sind. Deshalb fotografieren wir mehrere Aufnahmen. Und müssen im Nachhinein mehr Arbeit leisten. Bei einer Hochzeitsfotografie von 5 Stunden, hatte ich mindestens 15 Stunden Nacharbeit mit dem Sortieren und Bearbeiten der Fotografien.

Wer heute ein Landschaftsfoto als Poster an die Wand hängt, der wird vermutlich die leichte Schräge noch in der Bildbearbeitung entfernen und das Bild begradigen, sonst wird es beim Besuch von befreundeten Fotografen mit gewisser Kenntnis teuer und der Austausch des Posters folgt.

Überhaupt führt die RAW-Fotografie zwar zu mehr Möglichkeiten und besserer Bildqualität, aber auch zu einem extremen Aufwand. Wir benötigen leistungsfähige Rechner, Monitore und Backup-Systeme, die früher gar nicht notwendig waren. Wir verbringen Zeit und Kenntnisse am Rechner, die wir dereinst für die Fotografie übrig hatten. Alles ist beschleunigt, bis hin zur Erwartung eine eMail am selben Tag zu beantworten (was ich mir abgewöhnt habe). Auf die Fotos warten die wenigsten gerne. Ein Bewerbungsfoto muss gleich verfügbar sein, weil es den Menschen meist erst fünf Minuten vor der Bewerbung einfällt.

Entschleunigtes Fotografieren

Wer die Fotografie als Gegenpart zur modernen Schnelllebigkeit schätzt, der mag JPG fotografieren oder sogar zum Film zurückkehren. Hier müssen wir aufmerksamer sein, den Film bewusst einlegen, korrekt belichten, den Ausschnitt genau überlegen und vielleicht den externen Belichtungsmesser bemühen. Eventuell müssen wir vom Stativ fotografieren, um wenigstens mit längeren Belichtungszeiten arbeiten zu können. Sicher ist aber ein Plus an Meditation, Entspannung, Bildqualität und Freude an der Fotografie möglich.

Hervorragende JPG-Fotografie ist schwieriger als RAW-Fotografie.

Uns erscheinen analoge Fotos außerdem echter, wenn sie vom Film auf Fotopapier belichtet werden. Ob sie besser sind als digitale Fotos? Nicht unbedingt, wenn wir etwas von der digitalen Fotografie verstehen. Aber vermutlich haben die analogen Fotos mehr Seele und fördern größere Zufriedenheit. In jedem Falle ist die Fotografie ohne künstliche Intelligenz (also auch ohne Smartphone und Gesichts-Autofokus) befriedigender und echter. Glauben und nachvollziehen werden Sie das vielleicht erst, wenn Sie es wirklich probieren.

Wer nicht analog fotografieren möchte, der probiert die Fotografie mit nur einer Brennweite, am besten mit einer Festbrennweite. Und schaltet von RAW auf JPG oder HEIF, um die Belichtung und die Bildgestaltung bewusster zu wählen. Wenn Sie das richtige Belichten einmal vertiefen möchten, dann hilft ein entschleunigter Fotokurs weiter.

Das Fotografieren mit einer Freundin oder einem Freund kann ebenfalls entschleunigen und die Freude an der Fotografie vergrößern. Neue Fotoideen werden Sie vor neue Herausforderungen stellen und Sie fördern.

Tabellenvergleich Fotografie früher versus heute

Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber sie stellt die wichtigsten Fakten der Fotografie früher versus Fotografie heute. Es sind nicht nur technische Möglichkeiten im Vergleich, sondern auch die Unterschiede der analogen versus digitalen Fotografie auf menschlicher Ebene eingeflossen:

Fotografie früher und heute im Vergleich
Analoge FotografieDigitale Fotografie
Wartezeit auf die Fotos
(Entschleunigung, Vorfreude)
Sofortige Fotos
Achtsamkeit, bewussteres FotografierenSerienfotos erhöhen Chancen bestimmter Fotothemen
Chemischer AbzugBetrachten am Monitor
Anspruchsvolleres Fotografieren,
Unvorhersehbarkeit
Sofortiges Verbessern möglich. Höhere Lernkurve
Besseres Wissen um Belichtungsmessung, Lichtmessung, SpotmessungAutomatiken erleichtern das Fotografieren, irren aber auch oft.
Keine einfache ISO Änderung pro FotoJedes Foto kann mit anderer ISO fotografiert werden
Begrenzungen von BelichtungszeitenVersatile Belichtungszeiten
Stativnutzung bei niedriger ISO
oder bei schweren Kameras (Mittelformat / Großformat)
Fotografieren aus der Hand auch bei längeren Belichtungszeiten dank IBIS
Aufmerksameres Fotografieren und Gestalten vom StativFreiere Gestaltung ohne Stativ
Film Aussehen (Film Look) und KornDigitale Möglichkeiten ein Foto zu verändern
Einzigartige Negative / OriginaleDigitale Daten gehen leicht verloren und erblicken oft nicht das Licht. Welche Daten sind noch original?
Imperfekte Ergebnisse, LichteinschlüsseSaubere Fotos, oft sogar steril sauber
Keine preiswerte AEB Möglichkeit, dafür hoher Dynamikumfang des FilmsHDR Möglichkeit
Dunkle SchärfentiefenkontrolleSofortige Schärfentiefenkontrolle, insbesondere bei spiegellosen Kameras
Keine schnellen Serienbilder im MittelformatUnglaubliche Serienbildgeschwindigkeiten
Meist FestbrennweitenOft Zoomobjektive
Kosten des Films, Entwicklung, ScanGratis Fotos, nur die Abnutzung der Kamera
StaubproblemeWenig staubanfällig (außer Sony Kameras)
Chemie & GelatineSaubere Sache für die Umwelt, wäre da nicht die Kurzlebigkeit der Technik
Fotolabor spart ZeitWeniger Zeit durch Bildbearbeitung. Alternative konzentriertes JPG
Rein analog wenig RetuschemöglichkeitAlles ist möglich, bis hin zum vollkommenen Bild-Manipulation
Echte Ergebnisse auf dem NegativKeiner weiß mehr, ob ein digitales Foto manipuliert wurde

Nehmen wir etwa den Punkt Festbrennweite analog versus Zoomobjektiv digital heraus. Zoomobjektive  bieten nicht nur Vorteile. Die Schärfe im Randbereich, die Lichtstärke, das Gewicht, der Preis, alles das kann manchmal auch als Nachteil geltend gemacht werden.

Wir betrachten Vorteile und auch Nachteile, wie bei der analogen Fotografie versus der digitalen Fotografie. Nichts im Leben bietet nur Vorteile, alles hat auch immer Einschränkungen. Leider reden heute nur noch wenige Fotografen von den vielen Vorteilen der analogen Fotografie. Die Schnelllebigkeit der digitalen Fotografie hat vor allem auch Auswirkungen auf das Betrachten der Fotos im Sekundentakt, die Oberflächlichkeit, die Freude, die Entspannung und auf den Sinn der Fotografie genommen.

Fazit Fotografie früher und heute im Vergleich

Vergleichen wir die Fotografie früher und heute, dann ist das Hobby heute bemerkenswert billig geworden. Ich rede nicht von Smartphones, die uns für wenige hundert Euro sofortige Ergebnisse knipsen lassen. Ich rede mal von preiswerten gebrauchten oder neuen Kameras.

Wir haben keine Filmkosten oder Entwicklungskosten, um ein Foto auf dem Monitor anzusehen. Vieles war früher besser vom Stativ möglich, was heute auch aus der Hand funktioniert. Die Änderung der ISO pro Foto und das Fotografieren hunderter Fotos in Folge schaffen Möglichkeiten in der Wildlife-, Sport-, Action-, Reportage- oder Makrofotografie, die früher undenkbar waren. Denken wir an das Fokus-Bracketing oder die mechanischen Belichtungszeiten von 1/8.000 Sekunde, dann haben wir heute einen wünschenswerten technischen Zugewinn.

Mit der digitalen Technik haben sich Kameras verändert, sind Objektive weiterentwickelt, sind leiser, komplizierter und anspruchsvoller geworden. Aber die Ansprüche der Menschen an die Qualität und Quantität der Fotografien haben sich nicht immer zum Besseren entwickelt. Mit der Technik müssen unsere Kenntnisse tiefer sein. Wir müssen uns immer weiter informieren und natürlich wird die Fotografie komplexer und vielleicht auch interessanter.

Mehr Möglichkeiten, weniger Freude

Mit den zunehmenden Möglichkeiten, die kaum jemand alle nutzen kann, werden wir aber nicht unbedingt glücklicher. Es kann ein Fluch sein, in den Untiefen der Kamera-Menüs eine bestimmte Einstellung zu finden. Es ist unglaublich aufwendig hunderte Fotos zu sortieren oder in tausenden Bildern zu suchen. Viele FotografInnen haben bereits tausende digitale Fotografien verloren und bemerkt, wie viele Emotionen damit einhergehen. Und dann wäre da noch der Wert der Fotografie, der mit der Quantität deutlich gesunken ist. Wer bedankt sich denn heute noch mit der gleichen Wertschätzung für ein selbst gemachtes Foto als Geschenk? Bei einer Kunstausstellung hatte ich zu einem Schmuckstück ein Foto angefertigt und fragte beim Kauf des Schmuckstücks, ob das Foto nicht infrage kam. Ich erhielt die Antwort:

Das Foto mache ich selber nach.

In der Masse der Bilder geht auch Qualität und das Wissen um gute Fotos verloren und nicht immer wird bewusst und entschleunigt fotografiert. Das dreimalige Abdrücken vom gleichen Standpunkt zeigt doch bei fast jedem von uns auch, wie wenige Gedanken wir uns vorher gemacht haben. Manch einem fällt erst am Ende des Tages auf, dass die ISO oder die Blende falsch eingestellt waren.

Eine *fotowissen Fotoaufgabe für bessere Fotos

Wagen wir ein *fotowissen-Fotoprojekt für 2023 oder 2024, um unser Wissen zu erweitern: Nehmen Sie sich Ihre analoge oder digitale Kamera mit einer Festbrennweite und begrenzen sich auf ein Fotothema (Geschwindigkeit, Linien, Geometrie, Strukturen, Kontraste, Bäume, Blätter, Pfützen, Menschen) und auf 12 schwarz-weiße Fotos. Fotografieren Sie analog oder in JPG und nehmen ein Stativ mit. Wählen Sie eine feste ISO von 100, 200 oder 400 und fotografieren alle 12 Aufnahmen so, wie es bei unveränderter ISO möglich ist. Nehmen Sie maximal eine 1/500 Sekunde Belichtungszeit in manueller Belichtung und packen mehrere Graufilter und einen Polfilter ein. Probieren Sie das mal und sagen uns im Kommentar, ob dabei wertvollere Fotos und mehr Zufriedenheit herausgekommen sind. Ich möchte wetten, es werden 8-10 wertvolle Fotos dabei herauskommen. Das spräche gegen die vielen technischen digitalen Möglichkeiten. Aber warten wir es ab. Ich bin gespannt auf Ihre Ergebnisse.

Vorschläge für Ihr *fotowissen Fotoprojekt

  • Ein Thema aus diesen: Geschwindigkeit, Linien, Geometrie, Strukturen, Kontraste, Bäume, Blätter, Pfützen, Menschen.
  • ASA / ISO 100 oder 200 oder 400 fest einstellen.
  • Kamera und eine Festbrennweite Ihrer Wahl.
  • Schwarzweiß im Kameramenü oder analoger SW-Film.
  • Ausschließlich JPG oder analog fotografieren.
  • Graufilter / Polfilter / Farbfilter erlaubt.
  • Stativ mitnehmen (freie Nutzung).
  • Schnellste Belichtungszeit 1/500 Sekunde.
  • Maximal 12 Fotos pro Projekt belichten.

Gerne nehme ich Ihre 12 Fotos (vollständig) mit einem kurzen oder längeren Artikel an, prüfe und veröffentliche Ihr Projekt als Gastbeitrag oder im Rahmen eines Artikels mit mehreren Kandidaten. Dann bitte mit kurzer Bio und Portrait auf Wunsch per eMail einreichen. Fotos bitte mit 1200 Pixeln maximale Kantenlänge und JPG, Copyright auf Wunsch einbinden. Analoge Filme bitte digitalisieren (lassen).

Herzlich,
Ihr Peter R.

 


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Geschrieben von:

Spiegelreflexkamera Für Einsteiger – Empfehlung

Peter Roskothen

Peter Roskothen
Ich bin Profi-Fotograf, Fototrainer ganz besonderer individueller Fotokurse und Fachjournalist für Fotografie. Ich schreibe auf *fotowissen für Sie als Fotograf*in. Die Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.

Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.

Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter P. Roskothen Fotokunst & Design.

10 Kommentare

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  • Hallo Herr Roskothen,
    es ist digital tatsächlich schwierig, Bilddateien längere Zeit zu lagern. Regelmäßiges Backup ist notwendig oder eben ein völlig anderes Medium als die Festplatte. Ich meine hier die Millenium Disc oder auch M.Disc. Ein Datenspeicher als DVD, der seine Daten laut deren Eigenwerbung 1000 Jahre erhält. Zum Speichern ist ein M-Disc Laufwerk notwendig, auslesen kann man die Daten mit jedem herkömmlichen DVD Laufwerk auslesen. Die M-Disc hat eine anorganische Schreiboberfläche, deswegen soll sie die Information 1000 Jahre erhalten. Glaube ich persönlich nicht, aber 100 Jahre Haltbarkeit wären durchaus möglich. Das ist schon lange gegenüber 10 Jahre max. bei der normalen DVD. Kritiker könnten jetzt auch sagen, in hundert Jahren gibt es keine Laufwerke mehr, aber optische Laufwerke sind einfach gestrickt und immer herzustellen. Außerdem brauchen wir dauerhafte Speicher, weil unser modernes Wissen verloren geht.

  • Sie sprechen viele Bereiche an. Zu einigen möchte ich etwas beitragen.

    Die Begrenzung auf 1/500s fand bei Kameras mit Zentralverschluss statt, der sich von innen nach aussen zentrisch öffnet. Bei sehr kurzen Zeiten wird es immer ungenauer. Unterschiedliche Blenden können nicht mehr proportional belichten. Den Trick der Schlitzverschlüsse mit dem 2. Vorhang, der schon abläuft bevor der 1. angekommen ist, kann ein Zentralverschluss nicht. Er belichtet immer das ganze Bild. Deshalb kann man auch bei allen Zeiten blitzen. Die Zentralverschlüsse, die irgendwann nicht grösser werden konnten, begrenzten auch die Lichtstärken. Lichtstarke Objektive waren erst möglich, als Schlitzverschlüsse eingebaut wurden.

    Der Hinweis zu den Festbrennweiten gilt vor allem für Mittelformatsysteme. Für Kleinbild gab es sehr viele und oft sehr gute Zooms. Schönrechnen gab es nicht. Sie hatten oft vergleichsweise höhere Lichtstärken als heute. Ein 35-105 mm bei durchgehend 3.5 war normal und bezahlbar. 20-35 mm bei 3.5 war auch zu bekommen. Nur war es kein Klopper sondern hatte 475 g und Filter 72 mm. Im Amateurbereich werden heute Objektive angeboten, die schon offenblendig an der Beugung kratzen wie das Standard-Nikon mit 7.1 im Telebereich. Ein Zoom mit Anfangsblenden 4-5.6 war selten und nur für den absoluten Einsteiger. Darüber gab es 2.8-3.5 oder 4.0, oft sogar durchgehend. Ein 50 mm/1.4 hatte 350 g und kostete um 400.-. Heutige 50 mm mit 1.4 können auch mal 1000 g und 4000.- anzeigen und eine halbe Tasche füllen. Besonders brutal wird der Vergleich, wenn man die alten als Altglas an Digitalkameras adaptiert und mit den heutigen Objektiven vergleicht. Dieser Vergleich ist zwar äusserst unfair, weil die Kamera keinerlei Fehler herausrechnen kann wie es bei heutigen Systemen immer extremer gemacht wird. Besonders krass sehen viele neue Objektive trotz vierstelligem Preis aus, wenn man die Fotos mit einem Programm ansieht, bei dem man die Korrekturen abschalten kann. Da sieht man starke Vignetten und Farbsäume garniert mit Randunschärfen, dass man sich fragt, wo der Fortschritt geblieben ist. Wohl in den Margen der Hersteller. Ich habe von Canon FDs, die sogar eine GF voll ausleuchten wie das günstige 28 mm/2.8 oder das 50 mm/1.8. Das waren Einsteigerobjektive, die heute für billig angeboten werden. Sie zeigen sogar bei 100 MB gute Resultate. Ein FD 100 mm/2.0 zeigt Leistungen, die heute noch beeindrucken. Zeige ich Altglasfotos, werde ich immer auf die sehr schönen Farben und feinen Farbverläufe angesprochen. Digitalobjektive provozieren bestenfalls Kommentare zu Schärfe und Detail, nie zu Farben. Kein Wunder, denn sie werden auf Kontrast gezüchtet.

    Dann wird die Unvorhersehbarkeit bei Analog genannt. Das traf zu, wenn man keine Lust auf vertieftes Wissen hatte. Wer sich wirklich mit der Materie beschäftigte, wusste genau, was er für ein bestimmtes Resultat tun musste. Ich konnte ausserhalb von Messungen auf eine halbe Blende genau vorher sagen, was ich belichten musste. Wer nicht extrem knausrig war, bekam seine Filme richtig entwickelt und ohne Kratzer zurück.

    Ein für mich wichtiger Unterschied ist der Zugang zu Professionalität. Wer heute gute Drucke will, muss sich nach der Aufnahme auch um den ganzen Bereich Farbmanagement und Bildbearbeitung mit Softproof kümmern. Bis man soweit ist, geht viel Geld für Bücher/Kurse und sehr viel Studierzeit drauf. Dann muss man teure Drucker mit häufigen Spülungen anschaffen, die sehr teure Patronen verlangen. Früher konnte man seine Filme belichten und dann günstig in die Hände von Profis geben. Profilabors konnten sehr gute Qualität liefern – zwar teuer, aber ohne Kosten für eigene Infrastruktur. Wer einmal uralte, kleine Portraits auf Baryt zu sehen bekommt, wird sich schwer tun, dieses Niveau zu erreichen. Solchen Tonwertreichtum sehe ich heute ganz selten, denn die meisten reissen am Kontrastregler bis zum Anschlag. Wer heute Digitaldienstleister für Profis wählt, zahlt richtig fette Beträge für seine Prints. Seltsam ist der Umstand, dass sehr viel Geld für Kamera und Objektive ausgegeben wird, aber kaum jemand gönnt seinen Fotos mehr als ein Digitalgrab. Nur Drucke überdauern den Gerätewechsel.

    Heute kann ich Filme, die ich vor vielen Jahren belichtet habe, mit etwas Aufwand abfotografieren und sehr schöne Prints davon herstellen. Digital ist man oft gnadenlos abhängig vom Wohlwollen der Programmhersteller. Wer noch Fotos hat, die er mit Rawshooter entwickelt hat, steht auf verlorenem Posten. Als Adobe das Programm aufgekauft hat, musste man migrieren in Lightroom. Viele Korrekturen gingen verloren, die Fotos werden beschnitten wegen Profilen, die man nicht loswird. Noch schlimmer ist es, wenn man Fotos aus den Digitalanfängen hat, die z.B. PhotoLab nicht öffnen will. Wer viel Zeit mit Apples professionellem Fotoprogramm verbracht hat, musste bei dessen Einstellung komplett neu anfangen. Wer Abozwänge vermeiden will, muss immer wieder das Programm wechseln und verliert dabei sehr viel Arbeit. Film bleibt Film und es wird sich sicher immer einer finden lassen, der damit umgehen kann. Zwar für immer mehr Geld, aber ohne Fotoverlust. Kauft man neue Kameras, wird man zum Programmupdate gezwungen, weil die vorhandene Umgebung die neuen Daten nicht öffnen will und es keine Updates gibt.

    Digital entspricht dem Zeitgeist: schnell, viel, beliebig, kurz im Fokus und dann vergessen im Speicher. Eine Zwischenstufe zu Analog kann man erreichen, wenn man manuell belichtet und fokussiert. Dadurch erreicht man einen viel entspannteren Ablauf und wird sich wundern, wie viel weniger Fotos entstehen und wie viel grösser die Ausbeute an guten Bildern ist. Die Zeit, die man bräuchte, um 2000 Fotos zu sortieren und zu bewerten, kann man in ein neues Fotoprojekt investieren. Die nächste Stufe ist Altglas. Wenn man nicht gerade die Apos von Leica will, kann man für einen Bruchteil an Investition zu sehr guter Ware kommen. Wer analog loslegen will, wird staunen, mit wie wenig Kapital man ein System und ein Minilabor bekommen kann. Nach kurzer Zeit kann jeder, der ein Thermometer und eine Uhr ablesen kann, seine Film in Schwarzweiss selber entwickeln. Danach kommt die Digicam aufs Stativ und anschliessend die Fotos der Negative in den Drucker. Mit Dia geht es noch einfacher. Oder mit Entwicklerlabors, die auch scannen. Fertig ist die Freude.

  • Lieber Peter,

    ein großartiger Schwenk durch die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten der Fotografie ist es geworden, vielen Dank dafür!

    Obwohl ich selbst nie entwickelt habe o.ä, steckt der bislang zeitlich größte Teil meiner Fotografie in der analogen Zeit. Eine wirkliche Fotografie, die über Hobby und bestimmte Gelegenheiten (Feste, Reisen, Familie…) hinausgeht, betreibe ich aber tatsächlich erst, seit ich digital unterwegs bin. Es könnte sein, dass es aktuell so den meisten Leuten geht, die Ü40/50 sind. Der Reichtum, der in der Vorgehensweise der “alten Fotografie” steckt, steht kontrovers den tollen Möglichkeiten gegenüber, die die Digitalfotografie uns heute schenkt. Es wäre ein großer Segen, wenn es gelingen könnte, diese 2 Welten nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten zu lassen.

    Beiträge wie dieser, oder auch der wertvolle Kommentar von Herrn Rebholz (danke!) gehen ja genau in diese Richtung. Die Beispiele, wie das funktionieren kann, zeigen sich auch u.a. im Sektor Oldtimer/Klassische Automobile. Immer mehr jüngere Leute fahren öfter einen Klassiker. Warum wohl? Einfachheit, Emotionalität, Individualität, kalkulierbare Aufwände in Arbeit und Kosten, man kann noch selbst Hand anlegen, nachhaltige Art und Weise, Spass an der Sache selbst.

    Mich freut sehr, dass wir uns hier auf *fotowissen in einem offensichtlich größer werdenden Kreise einig sind, über diese Dinge zu berichten und uns auszutauschen. Ich bin mir sicher, dass das in der Breite der Fotografie etwas bewirkt. Wenn es hier und da dazu führt, mit digitaler Technik einen wertschöpfenden Umgang zu finden, ist das ein tolles Ding!

    Herzliche Grüße, Dirk Trampedach

  • Lieber Peter, vielen Lieben Dank für die tolle Aufstellung.

    Ja, die digitale Welt hat Verlockungen des Möglichen – und die analoge Welt Verlockungen der Beständigkeit und der Ruhe.

    Ich schrieb einmal zu einem anderen Beitrag den Kommentar: „Wenn es technisch schlechte Fotografien auf dieser Welt gibt, liegt das nicht an einfachen Kameras. Wenn es Fotografien ohne Aussage auf dieser Welt gibt, liegt das nicht an einfachen Kameras. Wenn es Fotografien gibt, die in Farbe ertränkt sind, liegt das nicht an einfachen Kameras. Wenn es Fotografien gibt, die an einer Wand nicht wirken, liegt das nicht an einfachen Kameras. Wenn du mit solchen Problemen haderst, liegt es nicht daran, dass etwas in der Kamera fehlt, sondern es liegt daran, dass etwas in dir nicht erweckt wurde, in dir noch nicht zu Gänze gereift ist.“

    Mit einer modernen digitalen Ausrüstung lassen sich sicherlich technisch perfekte Fotografien anfertigen, ob sie eine Seele haben oder eine Botschaft vermitteln, wird davon abhängen, ob wir mit dem Motiv in Interaktion getreten sind bzw. uns vorher die richtigen Fragen gestellt haben. Wenn wir etwas aus-drücken wollen, müssen wir für Ein-drücke um uns und in uns offen sein.

    Und zu einem meiner Beiträge schrieb Dirk Trampedach in etwa den mich beeindruckenden Kommentar: „Ich bin davon überzeugt, dass wir alles, was wir an Kreativität nach außen abgeben, nie intensiver und bedeutsamer sein kann als das, was wir in unmittelbaren Kontakt zu unserem inneren Ich erfahren haben. Traust du dir nicht zu, diese Reise anzutreten, ist das ziemlich fatal, da weder du als Person noch die Dinge, die du tun könntest, dein volles mögliches Potential entfalten werden.“

    Oft hören wir von Fotografen, dass sie ihr Umfeld besser wahrnehmen. Licht, Schatten, Farben und Formen, nehmen sie achtsamer wahr. Die Beschäftigung mit Fotografie kann auch beitragen, das eigene ICH schärfer wahrzunehmen, besser zu belichten.
    Hierfür benötigen wir keine teure Technik, um eine bestimmte Stimmung oder Atmosphäre zu erzeugen und unser Ich oder das der Betrachter zum Schwingen zu bringen. Wenn wir erkennen, dass wir mit Geld für Technik, keine Abkürzungen gehen können, machen wir den Weg frei, mit Licht, Farben, Komposition und anderen Elementen zu arbeiten, um unser Selbst zu entdecken.

    Und zum Technischen: Mich fragte einmal ein junger Kollege, wie ich denn mit einer analogen Kamera wissen könne, ob die Aufnahme gut geworden sei, ohne sie am Display prüfen zu können… Ich kam mir plötzlich so fürchterlich alt und aus der Welt gefallen vor.

    Ob analog oder digital, probiert euch aus und habt Freude an diesem Hobby voller Möglichkeiten.

    Liebe Grüße,
    Bernhard

  • Moinsen,
    Ein sehr interessanter Bericht, den ich in den meisten Punkten zustimme. Nur bei dem Punkt
    Hervorragende JPG Fotografie ist schwieriger als RAW Fotografie kann ich nicht nachvollziehen,
    da Bildgestaltung, Ausschnitt, Zeit und Blende, auch in das RAW mit übergeben werden, da RAW nur eine andere Art des Speicherns ist und einige Informationen aus dem jpg wie Farbe Korrekturen wie +/- Korrekturen uvm. neutral dargestellt werden. Ein Vorteil von RAW könnte die besseren Entrauschungsmöglichkeiten sein.
    Ich fotografiere beides und für ein schnelles Fotoalbum, nehme ich jpg und sollte ich größere Drucke haben wollen>= A2 arbeite ich in RAW.
    Ansonsten kann ich die nicht gebrauchten RAWs löschen und belaste so meine Festplatten nicht.
    Da ich früher bei analog schon selber entwickelt habe entwickele und drucke ich die Bilder auch selber.
    Haltbarkeit und Lagerung der Medien:
    Die Haltbarkeit von Medien sehe ich für mich nachrangig an, da alle wichtigen Ereignisse ausgedruckt worden sind und meine fotografische Bekanntheit nicht so groß ist, dass etwas mehrere 100 Jahre archiviert werden muss.
    Einen guter Tipp, von Ihnen ist, nur mit einer Optik loszuziehen und dabei sich nochmal mit der Herausforderung auseinandersetzen oder was sich ein Thema geben, wie z.Bsp. Bewegung abzubilden.
    Was vermisse ich bei digital? Das 6×7 Sucherbild meiner RZ, und das angenehme PLOPP nach dem Auslösen.
    Ansonsten habe ich mit der digitalen Technik, mehr Möglichkeiten mich auf den Bildaufbau zu konzentrieren und kann aber auch alle Features abschalten, wenn ich möchte. Besonders der Autofokus der jetzigen Generation ist ein Segen und ich muss mich nicht mehr auf das Scharfstellen über einen Schnittbild im Sucher auf ein scharfes Bild konzentrieren.
    Viele Grüße Günter

  • Lieber Herr Roskothen,
    dieser Newsletter war wieder ganz besonders. Sie haben sich so intensiv mit der Thematik analog vs. digital befasst, viele Stunden investiert. Danke!

    Analoge Fotografie mag heute wieder an Dynamik gewinnen, die Frage bleibt: wie groß ist der Markt? Ältere Semester – Hobbyfotografen – vielleicht. Junge kann ich mir nicht vorstellen. Profis auch nicht, es sei denn für explizit definierte Aufträge. Als Rentner bin ich gerne und viel unterwegs, reise mit Freude. Aber ich kann mich beim besten Willen an keinen jüngeren Menschen (30 Jahre oder jünger) mit einer Sucherkamera in der Hand erinnern. In der heutigen Zeit will man doch sofort sehen, wie eine Aufnahme gelungen ist. Zudem ist das Handy immer in der Tasche und bereit. Heute analog fotografieren und dann eine Woche auf das Ergebnis warten? No way.

    Als Profi und auch anspruchsvoller Hobby Fotograf mag man die Dinge anders sehen, legt mehr Wert auf Bildqualität, denkt schon einmal an die Vergrößerung an der Wand oder das Fotobuch im Großformat. Geht so ja nicht mit dem Handy shot. Vielleicht auch nur noch nicht.

    Und übersehen wir nicht den monetären Aspekt. Analoges Fotografieren heute kostet richtig Geld. Sie haben dankenswerter Weise einige Labore getestet und auch über die Kosten berichtet. Und da wären wir wieder bei der Zielgruppe, die sich das leisten kann und vor allem will. Und dies in größerem Umfang. Mit der heute verfügbaren Technik – Geräte und Software – kann jeder daran Interessierte aus seinem digitalen Bildergebnis den Look erzeugen, den er möchte.

    Soweit die rationale Betrachtung. Aber da ist noch die emotionale Seite der Geschichte. Natürlich hält man eine Topkamera von „damals“ gerne in der Hand, bewundert das Engineering, das mit diffiziler Technik erreichte, wozu heute ein Tastendruck genügt, wie z.B. die sog. Lichtwert Einstellung oder den Schnittbild Entfernungsmesser- heute eine elektronische Angelegenheit im Millisekunden Bereich etc. Trotz aller aus heutiger Sicht Unzulänglichkeiten erschufen Fotografen vergangener Jahrzehnte unsterbliche Kunstwerke. Das sollten wir nicht vergessen.

    Vielleicht lässt sich die Rückbesinnung auf die analoge Fotografie mit Nostalgie erklären, für die es auch Analogien in anderen Lebensbereichen gibt, z.B. im Oldie Bereich. Wenn wir heute an einem Kfz. die Motorhaube öffnen, was sehen wir? Eine schwarze Kunststoff Abdeckung. Beim Oldie hören und blicken wir auf Technik pur und lernen verstehen, welchen Job die einzelnen Komponenten haben im Betrieb des Fahrzeugs. Vielleicht gerade darum werden die Fahrzeuge von ihren Eigentümern so heiß und innig geliebt und gepflegt und voller Stolz auf Auto Shows präsentiert. Ähnliches gilt für die Musik. Viele prophezeien eine Renaissance der Vinyl Schallplatte einhergehend mit neuen Abspielgeräten. Wenn damit Glücksgefühle beim jeweils Betroffenen ausgelöst werden, ist das ein Zugewinn an Lebensqualität. Und danach streben wir doch alle.

    Danke nochmals und herzliche Grüße,
    Ihr Roland Gosebruch

  • Sehr geehrter Herr Roskothen,

    Ihr Fotoprojekt finde ich sehr interessant. Ich würde gerne daran teilnehmen. Mein Problem ist, dass ich zur Zeit nur das Fuji 80 mm Makro Objektiv als Festbrennweite besitze. Ist es möglich auch das Fuji 18-55mm Objektiv bei konstanter Brennweiten-Einstellung z.B. 35 mm zu benutzen? Sie können das ja an Hand der Exif-Daten überprüfen.

    Viele Grüße aus Bielefeld
    Hans Schoofs

Journalist, Fotograf, Fototrainer Peter Roskothen

Willkommen bei *fotowissen sagt Peter Roskothen im Namen aller Autoren.

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