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Kameras gestern, heute und morgen

Kameras gestern, heute und morgen

Kameras gestern, heute und morgen: Sorgen um die Kamera-Industrie? Wirklich? Gibt es geschichtlich und geschäftlich betrachtet hierfür tatsächlich Anhaltspunkte?

Anmerkung der *fotowissen-Redaktion: Der Beitrag von Roland Gosebruch bezieht sich auf einen Artikel, der sich in einem neuen Tabulator öffnet, damit Sie hierher zurückkehren können: Sorge um die Kameraindustrie.

Bilder gestern

Schon immer schufen Menschen Bilder, seit Jahrtausenden. Diese stellen Personen dar, erzählen Geschichten, zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse, berichten von der Jagd. Man fand und findet sie in Stein oder Metall geritzt, als Kohlezeichnung in alten Höhlen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Später kam die Malerei, die im Verlauf der Zeit sich von der Zweidimensionalität zur perspektivischen Dreidimensionalität entwickelte. Die Genauigkeit der Darstellungen verbesserte sich permanent. Heute bewundern wir Kunstwerke alter Meister, die im Aussehen wohl recht genau der abgebildeten Realität entsprechen, seien es Porträts, Landschaften, Bauwerke etc.

Fotografie gestern

Bis es dann Joseph Niepce und Louis Daguerre 1826 gelang, erstmalig ein fotografisches, beständiges Bild aufzunehmen. Sie gelten heute als die Erfinder der Fotografie. Grundsätzliches Wissen im Bereich der Chemie trug wesentlich zum Erfolg bei. Zunächst einmal bezeichnete man die neuartige Technik als Daguerreographie, bis diese dann später zur uns bekannten Photographie wurde. Der Name bot wohl die komplizierte Stolperfalle.

*fotowissen-Info: Wikipedia sagt, Fotografie / Photographie komme aus dem Griechischen und bedeutet in etwa, mit Licht malen.

Diese Erfindung läutete einen Paradigmenwechsel ein. Es war ein grundlegender Umbruch in der Art und Weise Bilder zu erzeugen, was nicht heißt, wie wir alle wissen und bis heute sehen, dass die alten Techniken damit zu Grabe getragen werden. Nein, sie bestehen bis heute fort. Eine parallele Technik erblickte mit der Photographie das Licht der Welt.

War die neue Technik nun einmal erfunden, geschah, was immer in solchen Fällen geschieht: Erfinder, Entwickler, Praktiker machten sich ans Werk. Rasch verbesserten sich die Aufnahmegeräte (Apparate) und Prozesse (heute Labortechnik). Erste Plattenkameras in diversen Größen mit lichtempfindlichen Glasplatten als „Film“ erschienen, ebenso wie die chemischen Verfahren zur „Entwicklung“ der Glasplatten (alle schwarz/weiß Negativ) und deren Reproduktion auf lichtempfindliches Papier als schwarz/weiß Positiv. Die Zahl interessierter Photographen wuchs, damit die Nachfrage. Eine neue Industrie war geboren.

Pioniere der Fotografie

Edward Steichen

Zwei der frühen und später berühmt gewordenen Pioniere möchte ich hier erwähnen, Edward Steichen (1879-1973), in Luxemburg geboren, mit den Eltern nach den USA ausgewandert (s. Edward Steichen – Ein Leben für die Fotografie, Herausgegeben unter Mitwirkung des Museum of Modern Art, ECON Verlag, 1965).

Sein erstes Foto, aufgenommen im Alter von 16 Jahren, war dieses seiner Schwester aus dem Jahr 1895 >>

Seine Mutter ermöglichte ihm den Kauf einer Rollfilmkamera für 50 Aufnahmen der Firma Eastman Kodak und nur dieses eine Foto wurde vom Labor für gut genug empfunden, weil „scharf genug“. Völlig frustriert wegen des langen Wartens auf die Ergebnisse seines ersten Films und das Resultat seiner Mühen, ging diese Kamera wieder an den Händler zurück im Austausch gegen eine 4×5 Inch Plattenkamera, eine „Primo Folding View“, die jeweils eine Platte belichten konnte, die es dann zu entwickeln galt. Die Dunkelkammer im Keller des Hauses ließ nicht lange auf sich warten. Einer lebenslangen, erfolgreichen Karriere als Fotograf stand ab diesem Moment nichts mehr im Wege.

Ansel Adams

Ansel Adams (1902-1984) lebte in Kalifornien, USA. Auch er begann im zarten Alter von 14 Jahren mit der Fotografie. Seine erste Kamera stammte ebenfalls von Kodak, eine „Brownie Box“. Als Fotograf erschuf Ansel Adams nicht nur Landschaftsaufnahmen Kaliforniens, die bis heute nur mit Hochachtung bewundert werden können, sondern näherte sich der Fotografie auch von der analytisch wissenschaftlichen Seite, wie in den Büchern „The Negative“ und „The Print“ eingehend erläutert. Bis heute kennen wir das von ihm entwickelte Zonensystem für Negative von 0 (schwarz ohne Zeichnung) bis 10 (weiß ohne Zeichnung), die Wechselwirkungen auf Kontrast und Filmkorn durch die Entwickler-Flüssigkeit, für die er Rezepturen entwickelte und vieles, vieles mehr. Meine Bücher zu Ansel Adams:

Ansel Adams Bücher
Ansel Adams Bücher
Ansel Adams Bücher
Ansel Adams Bücher

Wer sich hauptsächlich für die Entstehungsgeschichten der weltberühmten Fotos interessiert, dem sei das Buch „The Making of 40 Photographs“ wärmstens empfohlen.

Ansel Adams arbeitete hauptsächlich mit einer großformatigen Plattenkamera, getragen von einem stabilen Holz Stativ. Von Entschleunigung kann man da nicht sprechen. Den Begriff gab es damals wahrscheinlich noch gar nicht. Vielmehr war es eine mühsame Schlepperei, was die Künstler dieser Generation auf sich nahmen. Es ging eben nur so.

Natürlich blieb die Kamera Entwicklung damals nicht stehen. Man wollte weg von den klobigen und schweren Holzkisten. Kleinere, bequemere und vielseitigere Kameras erschienen, die Glasplatte löste der Rollfilm ab. Waren die ersten Abzüge (Prints) nur im Filmformat möglich – wir sagen heute Kontaktabzug dazu – erschienen mit den kleineren Filmen auch die ersten Vergrößerungsgeräte, die Prints in verschiedenen Papiergrößen ermöglichten. Langsam entstand ein Bedarf an Zubehör (Filter, Blitzgeräte etc.). Neue, darauf spezialisierte Unternehmen entstanden.

Oskar Barnack

Und dann geschah es. Im Jahr 1914 gelang dem Leica Feinmechaniker Oskar Barnack die Erfindung der Ur-Leica. Nach jahrelangen Tests kam sie 1925 auf den Markt. Ein einmaliger Siegeszug begann. Warum? Erstmals gab es eine Kamera, die das bis heute gängige Filmformat 24×35 mm (Kleinbild) einführte, klein und leicht, mit einem für damalige Begriffe scharf zeichnenden Objektiv.

Kameras gestern

Nur 30 Jahre hat es gedauert, bis in den 50er- und 60er-Jahren allein in Deutschland so viele Hersteller im Markt konkurrierten, dass die Modelle Kataloge von 200 Seiten und mehr füllten. Die Mechanik und die Haptik dieser Kameras waren ein Genuss, sie in der Hand zu halten, ein Grund zur Freude. Neben schwarz/weiß Filmen gab es früh schon Farbfilme, Farbnegativ, wie auch den Dia Positiv Film. Hier zeige ich, was aus diesen Jahren noch im Schrank liegt, nachdem die meisten Kameras nach Beginn des digitalen Zeitalters verkauft wurden:

Agfa Silette, 1959
Agfa Silette, 1959
Agfa Silette 1959
Agfa Silette 1959

Agfa Silette Kamera

Meine erste Kamera, eine Agfa Silette, 1959 gebraucht für DM 50,00 gekauft. Heute lächelt man nur müde über solch ein einfaches Ding. Immerhin verfügte sie über einen Blitzanschluss und Selbstauslöser. Am Tag nach dem Kauf durfte ich per Eisenbahn/Fähre nach England reisen und die Sommerferien in der Nähe von London verbringen. Für 2 schwarz/weiß Filme reichte noch das mir mitgegebene Taschengeld. Der Anleitung entnahm ich Folgendes: Bei Sonne Blende 8 und 1/125 Sekunde Belichtung, bei Wolken Blende 5,6. Das war es. Herausgekommen sind durchaus brauchbare Ergebnisse:

R. Gosebruch – 1959 London, Kiew Gardens

R. Gosebruch – 1959 London, Kiew Gardens.

R.Gosebruch - 1959, London, Houses of Parliament und Big Ben

R.Gosebruch – 1959, London, Houses of Parliament und Big Ben.

R. Gosebruch – 1959, London, Piccadilly Circus es schüttete in Strömen

R.Gosebruch – 1959, London, Piccadilly Circus; es schüttete in Strömen.

Kameras gestern, heute und morgen

Restbestand heute- v.l.n.r: Exakta Varex IIa, Sekonic Bel.Messer, Kodak Retina IIc und Agfa Silette

Kodak Retina Kamera

Wer jedoch meint, die Handhabung z.B. einer Kodak Retina sei simpel, der irrt – gewaltig. Sie fühlt sich wunderbar an, sie ist leise, sie kann vieles. Und all dies ist in ein enges Kleid geschneidert. Aber Achtung: ein kleiner Fehler z.B. beim Filmeinlegen und es ist passiert. Bedienungsanleitungen älterer analoger Kameras kann man leicht im Internet finden. Die für die Retina IIc umfasst etwa 50 Seiten, die für eine Exakta Varex nur 19 Seiten. Bei einer Fuji X-H1 sind es 308 Seiten, einer Canon EOS R 644 Seiten und die Canon EOS R5 wird auf 973 Seiten erklärt. Darüber sollten sich die Hersteller doch bitte einmal Gedanken machen.

Japanische Kamerahersteller

Neben den zahlreichen deutschen Herstellern tummelten sich im Markt vor allem die USA, angeführt von der Eastman Kodak Company in Rochester, NY., sowie einige wenige europäische Produzenten. In Fernost, namentlich Japan, vollzog sich eine in Deutschland kaum bemerkte Entwicklung. Im Jahr 1917 wurde die Firma NIKON gegründet, 1937 Canon. Beide Unternehmen entwickelten optische Geräte, Kameras und Objektive und Ende der 50er- / Beginn der 60er-Jahre kamen sie in Europa an.

Wir alle kennen die Folgen. Geringe Preise bei akzeptabler Qualität lösten ein Massensterben der deutschen Kamera-Industrie aus. Die Kamera-Industrie verlagerte sich fast komplett von Europa/USA nach Japan. Zum damaligen Zeitpunkt waren Sorgen um die (deutsche) Kamera-Industrie durchaus berechtigt. Wer in den 60er- bis 80er-Jahren Foto-Ausstellungen besuchte, Fotozeitschriften las und sich für die Bilddaten interessierte, der fand fast ausschließlich Hinweise auf NIKON oder Canon.

Irgendwie erinnert das Sterben der deutschen Kamera-Industrie an den von Lee Iacocca von General Patton aus dem 2. Weltkrieg abgewandelten Spruch: „In this business you lead, follow or get out of the way (In diesem Geschäft führst Du, bist Zweiter oder verschwindest besser).

Erste Spiegelreflexkamera

Ihagee Dresden entwickelte zwar schon im Jahr 1936 die erste Kleinbild -Spiegelreflexkamera der Welt, bekannt als„Kine Exakta“. Sie schaffte es aber nicht zum Massenprodukt. Dieses kam ab 1959 mit der einäugigen Spiegelreflex Asahi Pentax Spotmatic aus Japan. Die Spotmatic, damals eine Sensation, verfügte neben zahlreichen Neuerungen insbesondere über einen in den Prismensucher eingespiegelten Mikroprismenring, der blitzschnelles Scharfstellen ermöglichte. Ein riesiger Erfolg und Fortschritt.

Erste digitale Kamera

Ausgerechnet ein Eastman Kodak Ingenieur, Steven Sasson, erfand 1975 die erste digitale Kamera. Das Projekt wurde nicht weiterverfolgt. Man war ja dick im Geschäft mit analogen Kameras und Filmen für die diversen Formate. Kodak hat das Potenzial der neuen Technologie nicht erkannt und ist heute im Sektor digitale Welt nur noch ein Schatten seiner selbst. Mit Ausnahme von Leica ging es den deutschen Herstellern ähnlich. Man erkannte nicht, wohin die Reise ging und zahlte den Preis.

Die japanischen Hersteller preschten nach vorn. Ich erinnere mich noch, als ich erstmals eine digitale Kamera 1988 in Händen hielt und bestaunte. Sie leistete damals so um die 0,8 Megapixel, lächerlich im Vergleich zu den heutigen Boliden. Kaum ein Monat verging, wo nicht über rasante Weiterentwicklungen in den Fotomagazinen berichtet wurde. Im Frühjahr 2003 erwarb ich meine erste Digitale, eine Canon Powershot G2 (4,1 MP,2272×1704, Zoom, Video, JPG und RAW). Klein, leicht und mit erstaunlicher Bildqualität, war sie immer mit dabei, beispielsweise auch zur Hochzeit unseres ältesten Sohns im selben Jahr in New York City.

Aufnahme 2003 Digitale Kamera Canon Powershot G2

Oben: Aufnahme 2003 Digitale Kamera Canon Powershot G2.

Wieder 20 Jahre später finden wir einen Kamera Markt vor, fest in japanischer Hand. Nachdem Rollei Braunschweig, später umfirmiert in Franke & Heidecke GmbH im Jahr 2009 in die Insolvenz rutschte, blieb bis heute nur Leica. M.E. wird sich das Unternehmen auch weiterhin gegen die allmächtige asiatische Konkurrenz halten können, bedient es doch eine besondere Klientel. Wer einmal eine Fotomesse besuchte und die Besucher am Leica Stand betrachtete, versteht, was ich meine. Zudem bedient das Unternehmen z.B. mit Hochleistungs-Mikroskopen und anderen optischen Komponenten Einrichtungen der Forschung und Entwicklung. Leica Produkte genießen weltweit einen exzellenten Ruf. Das Marketing ist einfach super. Für zahlreiche Anwender ist die eigene Leica durchaus auch Prestigeobjekt. Sie baumelt stolz und für jeden sichtbar am Handgelenk, wie ich so oft in den USA beobachten konnte.

Smartphone

Mit dem Smartphone / Handy / Mobiltelefon erlebten wir alle den nächsten Paradigmenwechsel, mit Auswirkungen auf zwei Industrien, Telekommunikation und Foto-Industrie. Mit Beginn der 80-er Jahre erschienen die ersten mobilen Telefone. Motorola war einer der Pioniere. Wenig später kam NOKIA, welches sich rasch als Platzhirsch etablierte. Was waren das für klobige Dinger anfangs! Deren Größe schrumpfte so schnell, wie sich die Leistung verbesserte, ja, bald war die erste Kamera im Mobiltelefon verfügbar, zwar mit armseliger Qualität. Aber wen störte das?

Apple iPhone

Bis dann 2007 der legendäre Apple – Chef Steve Jobs („The next big thing”) das iPhone aus der Taufe hob. Wie hob es sich von der Konkurrenz ab? Nun, erstmals in einem Smartphone waren ein leistungsfähiger Media Player, das beste Telefon und – und das war es – leichter und guter Zugang zum Internet möglich. Ohne diese Funktion gäbe es heute möglicherweise kein Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp etc. Die bislang üblichen Tasten der Mobiltelefone ersetzte soeben ein Touch Bildschirm. Vor allem anderen ließ das iPhone den Apple Konzern – heute knapp 3 Billionen US $ – zum weltweit am höchsten bewerteten Wirtschaftsunternehmen aufsteigen. Für Nokia läutete das iPhone den Niedergang ein. Da drängt sich doch förmlich die Analogie zur Automobil Industrie auf, insbesondere der deutschen. Erst belächelte und verspottete man Tesla und knapp 10 Jahre später gilt der US-Hersteller als Benchmark der Branche.

Und wieder begannen die diversen Entwicklungsabteilungen der Industrie, die Smartphones aufzurüsten und zu verbessern, sei es die Batterie Laufzeit, die internen Speicher und die eingebauten Kameras. Wenn man sich mal emotionslos überlegt, welches Engineering erforderlich ist, in eine Bauhöhe von weniger als 1 cm eine Kamera zu konstruieren, kann man nur sagen „Hut Ab“.

Heutige Handys erzeugen locker Bilddateien von 10 und mehr MP. Sie können immer und überall mit dabei sein, nicht nur als Foto-Kamera, auch als Video-Kamera. Sie erfordern nur insoweit Vorkenntnisse, als der Anwender die Kamera mit einem Fingerdruck aktivieren und den Kreis zum Auslösen derselben berühren muss. Fertig, und sofort versandbereit per Web und WhatsApp……

Fotografie heute

Vor wenigen Tagen besuchten wir die südlichen Toscana. Dabei waren neben einer auf Infrarot umgebauten kleinen Fuji eine Canon Vollformat Kamera der R-Serie und ein modernes Xiaomi Handy Mi 10T Pro.

Unser Hotel in San Quirico im Val d´Orcia war nur eine Minute entfernt vom Anwesen, das durch den Film „The Gladiator“ zu einiger Berühmtheit gelangte. Die Dreharbeiten erfolgten z.T. dort.

Foto: R. Gosebruch, Toscana Canon EOS R5

Foto: R. Gosebruch, Toscana Canon EOS R5. Das Telezoom auf der EOS R5 ermöglichte es, den Bildausschnitt zu bestimmen.

Foto: R. Gosebruch, Toscana Smartphone Xiaomi M10T Pro
Foto: R. Gosebruch, Toscana Smartphone Xiaomi M10T Pro.

Mit einer Brennweite von 6,2 mm kommen wir mit dem Handy nicht nah genug an das Motiv.

Und nun betrachten wir, was ein Bildausschnitt – noch – zeigt:

Foto: R. Gosebruch, Toscana Canon R5 Ausschnitt

Foto: R. Gosebruch, Toscana Canon R5 Ausschnitt. Ausschnitt Canon: noch sehr detailreich.

Foto: R. Gosebruch, Toscana Smartphone Xiaomi M10T Pro Ausschnitt

Foto: R. Gosebruch, Toscana Smartphone Xiaomi M10T Pro Ausschnitt. Ausschnitt Handy: Deutliche Unschärfen, verschwommen.

 

Also hat die Kamera noch volle Daseinsberechtigung, ich hoffe noch auf viele Jahre.

Soweit zur Geschichte bis heute.

Fotografie morgen

Muss ich nun in Sorge um die Kamera-Industrie sein? Meine Meinung ist eher nein. Eher denke ich, dass das Handy der Kamera-Industrie sogar mehr Kunden zuführen könnte, wenn diese erkennen, dass ihnen Fotografie Freude bereitet und trotz aller Fortschritte Handy Foto Dateien wenig Anlass bieten, daraus Poster bzw. Vergrößerungen über Format 18 x 24 cm zu drucken.

Blicken wir auf einige wesentlichen Anwendungsbereiche der Fotografie, die Anwender und die Frage, womit fotografiert wird, ohne dass diese Auflistung Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sicherlich habe ich manche übersehen:

AnwendungAnwender / Wer?Digital Kamera
(System-K. / Kompakt-K. / Handy)
ProduktfotografieProfiSystemkamera
ModeProfiSystemkamera
HochzeitsfotografieProfiSystemkamera
HochzeitsfotografieAmateurSystemkamera / Kompaktkamera / Handy
PrintmedienProfiSystemkamera
Dokumentationen / HandbücherProfiSystemkamera
ArchitekturProfiSystemkamera
SportProfiSystemkamera
SportAmateurSystemkamera / Kompaktkamera
ReiseProfiSystemkamera
ReiseAmateurSystemkamera / Kompaktkamera / Handy
LandschaftProfiSystemkamera
LandschaftAmateurSystemkamera / Kompaktkamera / Handy
PolitikProfiSystemkamera
EventfotografieProfiSystemkamera
KreuzfahrtfotografieProfiSystemkamera
Tiere in Wildbahn / VögelProfiSystemkamera
Tiere in Wildbahn / VögelAmateurSystemkamera
Familie / PersonenProfiSystemkamera
Familie / PersonenAmateurSystemkamera / Kompaktkamera / Handy
Fine ArtProfiSystemkamera
Fine ArtAmateurSystemkamera

Zum Schluss werfen wir einen Blick, welche Kamera-Arten im Markt sind:

  • Fachkameras, Holz Plattenkamera (früher: Studio-Kamera) für diverse Filme / Plattenformate
  • Klapp- / Platten- / Balgen-Kameras, Rollfilm bzw. Platte 6 x 9 cm, 9 x 12 cm Filmformat und größer
  • Analoge Kompaktkameras / Sucherkameras mit fest verbauten Objektiven (üblich 45-50 mm Brennweite und 24 x 36 mm Kleinbild Film)
  • Analoge Systemkameras / Sucherkameras (übliches Filmformat 24 x 36 mm-Kleinbild, 4,6 x 6 cm und 6 x 6 cm Mittelformat und größer, 6 cm Rollfilm)
  • Digitale Kompakt-, Bridgekameras etc.
  • Digitale Systemkameras. DSLR, und DSLM
  • Digitale Sonderkameras wie z.B. Fuji INSTAX für Sofortbilder
  • Weitere

Schon diese kleine Zusammenstellung zeigt, wie z.T. immer noch sehr betagtes Gerät im Markt ist und vom einen oder anderen Liebhaber verwendet wird, von Profis für deren bezahlte Arbeit wohl eher nicht, es sei denn, sie wollen sich vom stressigen Job erholen, herunterkommen, entschleunigen. Dann nenne ich die Analogfotografie-Therapie. Nostalgie mag auch eine Rolle spielen, wie z.B. im Schallplatten-Markt auch erkennbar. Analoge Kameras mögen derzeit eine Art von Comeback erleben, weil sie uns mit ihrer z.T. filigranen Technik, ihrer besonderen Haptik begeistern und weil man sie, schlicht gesagt, einfach gerne zur Hand nimmt.

Wer jedoch weder über eine Dunkelkammer noch einen Hochleistungs-Scanner verfügt, wird für eine Belichtung mit Kosten von +/- € 3,- rechnen müssen. Die dafür bereite und willige Zielgruppe dürfte sich in Grenzen halten. Aber, und das ist die gute Nachricht: Wir alle können aus einem unermesslich großen Angebot an Kameras (und Foto-Software) das für uns Passende wählen und finden und damit glücklich werden.

Ach ja, da gibt es noch die riesige Armada an Handys …

© Roland Gosebruch bei *fotowissen – Kameras gestern, heute und morgen

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Roland Gosebruch

Ich bin 78 Jahre alt, seit über 60 Jahren begeisterter Foto Amateur, der mit zunehmendem Alter immer mehr Spaß an der Fotografie bekommt, weil er nach einem aufregenden Berufsleben endlich Zeit hat. Fotoapparate für Formate 24 × 36 mm, 5 × 6 cm, 6 × 6 cm, 9 × 12 cm diverser Hersteller und 40 Jahre Freude in der Dunkelkammer. Alles gemacht und geliebt, seit 2002 mehr oder minder voll auf Digital. Aktuell im Einsatz Fujifilm X-H1 und Fujifilm XE1 (als Backup).

4 Kommentare

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  • Einen schönen guten Tag Herr Gosebruch.
    danke für diesen Überblick über die Entwicklung der Kameraindustrie.
    Jedoch bin ich nicht Ihrer Meinung, dass die traditionelle Kameraindustrie sorgenfrei in die Zukunft schauen kann. Dafür sind m.E. die Zeichen am Horizont zu eindeutig. Zwei Belege dafür. Sie bewerten die Smartphone-Fotografie unter dem Eindruck des heute technisch Machbaren, dem zugegebenermaßen physikalische Grenzen gesetzt sind. Doch Möglichkeiten der KI gepaart mit neuen Wegen in der Interpolation von Bilddaten werden diese Grenzen zwar nicht aushebeln aber mindestens umschiffen können.

    Und was ist dann mit all den großen und schweren Kameraboliden, die heute samt Objektive wieder mehr einer Brikett gleichen als einer eleganten Kamera? Schon jetzt müssen die Käufer neuer Kameras auf Grund geringer Produktionsstückzahlen viel tiefer in den Geldbeutel greifen als vor einigen Jahren. Seien wir doch ehrlich: Für einen Amateur (Einkommensgruppe „Normalverdiener“) werden diese neuen Modelle in absehbarer Zeit unbezahlbar.

    Nun mag es natürlich optimistische Marktbeobachter geben, die behaupten, diese zukünftige Krise im Amateursektor sei leicht durch das Marktsegment der Profis aufzufangen und es drohe höchstens eine Stagnation am Kameramarkt, wenn überhaupt. Hierbei wird aber gerne übersehen, dass unter Profis längst eine Krisenstimmung herrscht. Wer es nicht glaubt, sollte nur einmal nach monatlichen Einkommenszahlen von Kulturschaffenden googeln. Anders formuliert: Wer kaum in der Lage ist, sich seinen monatlichen Lebensunterhalt zu erarbeiten, wird auch keine neue Kamera für teures Geld kaufen.

    Und damit sind wir wieder beim Smartphone. Wenn dann eines Tages die Fototechnik in diesen kleinen Wunderdingen soweit fortgeschritten ist, dass sie auch Profis und engagierte Amateure begeistern kann, werden dann nicht in die Zukunft blickende Entwicklungsmanager der Fotoindustrie sagen, „wer sagt denn, dass wir ein Smartphone brauchen“?

    Ich weiß nicht, wie – jenseits der jetzigen „Brikettproduktion“ zukünftige Aufnahmegeräte aussehen werden. Sicher bin ich mir nur, dass schon jetzt kluge Entwicklungsstrategen in den Chefetagen darüber nachdenken.

    Mit den besten Grüßen
    Bernd Kockerols

    • Hallo Herr Kockerols,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Fotowissen.eu bietet uns, neben so vielem, auch eine großartige Plattform zum Dialog, zum Austausch von Meinungen und Einschätzungen. Was Sie beispielsweise zur KI erwähnen, sehe ich ähnlich, bedenkt man, was schon heute möglich ist. Warum sollte es nicht eines Tages gelingen, beispielsweise Aufnahmen im Handy so gut nachzuschärfen, dass die Unterschiede zur Kamera schwinden. Vielleicht kommen optische Teleobjektive beträchtlicher Brennweiten, Graufilter (ND) für Langzeitbelichtungen, Infrarotfilter für einen gänzlich neuen Look der Aufnahmen, etc. wer weiß. „Kamera“ muss im übrigen nicht in jedem Fall der schwere Ziegelstein und jede Menge Glas sein. Es gibt durchaus leistungsfähige, kleine und leichte Kameras.

      Ihre Ausführungen zur Preisentwicklung im Markt teile ich. Die Situation der Profis sehe ich etwas anders. Die guten werden auch künftig ihr Auskommen haben. Heute kann sich jeder „Fotograf/in“ nennen, auch jemand, der es vielleicht nicht sollte. Die früheren strengen Regulierungen der Handwerkskammern (Lehre-Geselle-Meister) gibt es nicht mehr. Heute genügt eine einfache Anmeldung. Sog. Freiberufliche Fotografen benötigen noch nicht einmal diese.

      Danke nochmals für Ihre Gedanken.

      Viele Grüße und stets gut Licht,

      Roland Gosebruch

  • Lieber Herr Gosebruch,

    ganz herzlichen Dank für die viele Energie, ihre Erfahrung und ihr Wissen, das Sie in den großartigen Beitrag gesteckt haben!

    Obwohl ja einiges davon bekannterer Art ist, habe ich doch sehr viele Dinge gelesen, die mir so en detail unbekannt waren. Das bezieht sich vor allem auf die techn. Entwicklung der Kameras. Und auch ihr Artikel knüpft im Grunde am Thema LEICA an, zu dem ja erst kürzlich ein Artikel zu lesen war. Die Konsequenz dieser Marke hat viel mit ihrem Erfolg zu tun, und weiterführend mit der Chronik der Fotografie als Option für die Masse überhaupt. Ein paar ihrer Wegmarken kommen mir auch bekannt vor. Eine uralte Kamera zu Beginn (in meinem Fall eine WERRA-2), die CANON Powershot liegt ebenso bei mir daheim, und natürlich das Zonensystem á la A. Adams.

    Die gedankliche Reise durch die Vita der Fotografie hört für mich immer im Heute auf. Interessant ist durchaus, was da von Dritten gemutmaßt und spekuliert wird, bzw. sogar an Fakten hinzugezogen wird. Ich denke, egal wie, ich werde es nicht beeinflussen können, wie Fotografie technisch morgen aussieht. Von daher denke ich nicht sehr weit nach vorne. Gespannt, wie es weitergeht, bin ich allerdings auch, schon alleine um zu schauen, wer den besten Riecher hatte ;-)

    Beste Grüße, Dirk Trampedach

    • Sehr geehrter, lieber Herr Trampedach,

      allerbesten Dank für Ihre Zeilen. Wer lange das Hobby Fotografie lebt, wird auf Dauer nicht nur Bilder belichten und sich ggf. daran erfreuen wollen. Fragen nach der Geschichte, der Entwicklung, wichtigen Protagonisten, Techniken….kommen einem in den Sinn.
      In unserer Lebensspanne haben wir den umwälzenden Wechsel von analog zu digital miterlebt und erst jüngst, man könnte sagen, die Fusion von Fotografie und Telekommunikation in Form von Smartphones. Die Hochrüstung bei Handys geht in rasantem Tempo weiter, nach meiner Wahrnehmung vor allem bei den Kameras. Wie weit wissen wir nicht. Aber man darf in zweierlei Hinsicht gespannt sein: Hardware und Software, insbes. KI.

      Was immer auch künftig kommen mag, es wird die Kreativität des Fotografen/in sein, die bestimmend ist für ein Bild. Das ist die Konstante. Die Technik mag dabei behilflich sein.

      Nochmals herzlichen Dank und

      Beste Grüße,

      Roland Gosebruch

Journalist, Fotograf, Fototrainer Peter Roskothen

Willkommen bei *fotowissen sagt Peter Roskothen im Namen aller Autoren.

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