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Fuji GFX 100 – ein subjektiver Erfahrungsbericht

Da es sich hier um einen subjektiven Erfahrungsbericht Fuji GFX 100 handeln soll, muss ich kurz beschreiben welche subjektiven Voraussetzungen durch meine Person hier Grundlage sind.

Erfahrungsbericht Fujifilm GFX 100

Ich fotografiere um Bilder zu erzeugen. Das heißt für mich: Im Endergebnis sind Drucke angestrebt wie Gemälde, die man sich an die Wand hängt, weil einen gerade dieses Bild berührt und man es um sich haben möchte. Ich sammle die Drucke in Mappen, an Themen orientiert. Mit den Drucken und vor allem mit Zusammenhängen zwischen den Bildern nach Themen beschäftige ich mich immer wieder. Auch Fotobücher mit Drucken in guter Qualität sind eines meiner Ziele. Das setzt – für mich – jeweils gewisse Formate voraus. Bei Bildern ist mein Standardformat für die Präsentation 40 x 60 cm (oder 40 x 53 – bei 3:4) in Passepartouts von 50 x 70, bei ausgesuchten dafür besonders geeigneten Bildern auch größere Formate ohne Passepartouts. Die Größe der gewählten Formate folgt aus meinen Erfahrungen und Wahrnehmungen in Räumen oder bei der Präsentation. Bei Fotobüchern finde ich das Format 20 x 30 passend (oder entsprechend 4:3). Es geht mir um das Sehen und das aufmerksame Wahrnehmen, das für mich beständig zunimmt. Meine Wahrnehmung richtet sich auf den gesetzten Rahmen, Ausschnitte, auf Strukturen, Details, Farben, Inhalte, Bezüge zwischen Bildern und vieles andere. Wie durch den Musikgenuss im Hören fühle ich mich durch das Fotografieren und die ständige Übung darin (eine Kamera ist eigentlich immer dabei) im Sehen, in meiner Aufmerksamkeit, in Präsenz und Gegenwärtigkeit unendlich bereichert. Dafür trage ich selbst Gewicht gerne mit mir herum.

Erfahrungsbericht Fuji GFX 100 - Beitrag und Fotos von Matthias Stauch
Erfahrungsbericht Fuji GFX 100 – Beitrag und Fotos von Matthias Stauch

Analoge Vergangenheit

Ich habe lange Zeit analog fotografiert (Zeiss Kamera und Zeiss Objektive), ohne Autofokus mit Belichtungsmessung an der Kamera. Später habe ich auch einige Zeit mit dem Handy fotografiert, bis die Umsetzung der Ergebnisse für mich völlig unbefriedigend wurde. Vor dem Einstieg in die digitale Fotografie wartete ich lange ab, weil ich mich nicht für eine bestimmte Kamera entscheiden konnte und ich noch Zweifel an der Qualität und Beständigkeit hatte.

Fujifilm

Ich würde mich jetzt als überzeugter Fuji-Fotograf bezeichnen, wegen der Qualität der Kameras und Objektive und wegen ihrer Handhabung. Meine erste Digitale war die Fuji X-E2, mit der ich fast 3 Jahre intensiv fotografiert habe (u.a. in Japan, China, Neuseeland und Europa). Anschließend stieg ich um auf die Fuji X-T2, die ich vom ersten Tag an nicht mehr aus der Hand gelegt habe. Der Sucher, die fast analogen Bedienungsmöglichkeiten und die selbstverständliche Qualität der RAWs und JPEGs waren für mich fraglos.

Die Auswahl von Kamera, Objektiven und Zubehör habe ich nicht danach bestimmt, was diese Ausrüstung technisch kann, sondern danach, welche Bilder ich machen wollte. Immer wenn ich an Grenzen der technischen Qualität und der Handhabung für meine Bilderzeugung gestoßen bin, versuchte ich die Möglichkeiten zu erweitern. Es ist und war mir wirklich wichtig, weil es so nah an meinem Empfinden und Wahrnehmen ist. Das, was ich – wahrscheinlich zum einzigen Mal in diesem Moment und nicht wieder – sehe und wahrgenommen habe, wollte ich auf die beste Art festhalten und ausdrücken; wie beim Wandern in den Bergen: Ich bin immer davon ausgegangen, dass ich einen Weg und eine Tour nur einmal im Leben gehe, also nicht einfach durchlaufen (oder knipsen), sondern jetzt so intensiv wie möglich daran teilhaben und dabei sein möchte.

Erfahrungsbericht Fuji GFX 100 - Beitrag und Fotos von Matthias Stauch
Portrait mit GFX 100

Mittelformat

Ich war dann völlig aufgeregt, als Fuji in das Mittelformat eingestiegen ist. Der Mythos Hasselblad hat mich seit meiner Jugend eng verfolgt, ein Einstieg war mir damals nicht möglich. Ich habe schlaflose Nächte verbracht, es zunächst für unmöglich gehalten, mir dann aber doch die GFX 50s gekauft mit zwei Objektiven: Erst dem GF 32 – 64 mm und dann dem GF 120 mm, das letztere auch wegen des vorhandenen OIS. Später kamen noch das GF 110 mm und das GF 23 mm hinzu. Der Umgang mit dieser Kamera war eine unglaubliche Erfahrung. Deutlich geringere Tiefenschärfe, beim Fotografieren mit dem 32 – 64 mm aus der Hand waren sehr kurze Verschlusszeiten erforderlich. Außer bei deutlich hellen Lichtverhältnissen war auch das Stativ unverzichtbar. Diese verschiedenen Möglichkeiten führten dann dazu, dass ich nicht selten beide Kameras dabei hatte, das war manchmal doch anstrengend und meinem Umfeld nicht immer zu vermitteln. Ich habe auch immer gern in Kirchen und geschlossenen Räumen und überhaupt auch bei schwachen Lichtverhältnissen fotografiert; das war für mich die große Restriktion bei der GFX 50s. Oft kann man kein Stativ aufstellen oder mitnehmen, ich habe mir mit einem Einbein beholfen (mit ausklappbaren Füßen unten); aber auch dann bekommen die Aufnahmen einfach einen anderen Charakter, weniger Bewegung, einfach statuarischer. Die Restriktionen für das Mittelformat waren für meine Art zu fotografieren doch immer wieder deutlich. Die X-T2 war oft daneben oder sogar vorrangig erforderlich. Der Qualitätsunterschied zum APS-C Sensor waren aber – für meine Bilder – so drastisch, dass ich, wenn immer möglich, die GFX 50s mitnahm und auch benutzte.

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GFX 100

Dann kam die GFX 100. Ich habe mir die Präsentation mit dem Impetus angesehen: Kommt für mich doch nicht in Frage, zu teuer, wahrscheinlich zu schwer und sind wirklich 100 MP nötig? Bei der Präsentation war ich überrascht. Die Kamera war doch deutlich leichter als angenommen, lag nach meinem Gefühl sehr gut in der Hand und der Wurmfortsatz zum Display, der die GFX 50s etwas unförmig machte, war verschwunden. Die Kamera war in ihrer Gestalt deutlich gefälliger. Was mich zunächst gestört hatte, war der fest angefügte Batteriegriff, der die Kamera zwar nicht nach hinten, aber nach unten deutlich verlängerte und das Gewicht erhöhte. Was für mich aber das Wichtigste und das Aufregendste von Anfang an war: Die Sensorstabilisierung – IBIS. Es gab nur das 120er Objektiv mit OIS; die wunderbaren Objektive, die ich inzwischen bereits hatte und benutzte – das GF 23 mm und vor allem das GF 110 mm – wären nach meiner Vorabeinschätzung an der GFX 100 auch ohne OIS uneingeschränkt mit längeren Verschlusszeiten ohne Stativ einsetzbar. Eine Annäherung an die Möglichkeiten der X-T2. Das war für mich im Ergebnis der entscheidende Punkt auf die GFX 100 umzusteigen, nach weiteren schlaflosen Nächten und eigentlich in einer etwas irren Entscheidung: Es musste sein, weil man schon einmal so weit gegangen war und schließlich fahren wir auch nur ein sehr altes Auto. Die GFX 50s habe ich in Zahlung gegeben. Ich fürchtete auch den drastischen Wertverlust bei der GFX 50s bei der weiteren technischen Entwicklung. Von der X-T2 bin ich übrigens auch nicht auf die X-T3 umgestiegen, weil ich von vornherein auch im APS-C Format auf den IBIS warten wollte. Das hat sich dann durch die X-T4 wesentlich schneller bewahrheitet als ich zuvor angenommen hatte.

Erfahrungsbericht Fujifilm GFX 100 - Beitrag und Fotos von Matthias Stauch
Erfahrungsbericht Fujifilm GFX 100 – Beitrag und Fotos von Matthias Stauch

Verdrängung des X-Formats

Seit dem 16.1.2020 fotografiere ich mit der GFX 100. Ich habe die Kamera mit dem 32-64 und dem 110er fast immer dabei, wenn ich das Haus verlasse. Sie hat ganz weitgehend das X-Format verdrängt. Ich habe einen Rucksack, mit dem ich die Ausrüstung, Wasser und etwas Proviant gut unterbringen und tragen kann. Der Unterschied – auch gegenüber der GFX 50s – ist – für meine Zwecke und Ziele – gewaltig, gegenüber APS-C ohnehin. Das betrifft vor allem die universelle Einsetzbarkeit, aber auch die Qualität der Farbwiedergabe, die Detailzeichnung, das Bokeh und die Möglichkeiten bei schwachem Licht zu fotografieren. Und schließlich die Möglichkeit, Ausschnitte aus den Bildern zu wählen, die für mich noch eine erstklassige Qualität haben, oft entdeckt man schließlich Ausschnittmöglichkeit, wenn man sich mit Bildern immer wieder auseinandersetzt, was ich tue.

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Braucht man wirklich 100 Megapixel?

Die Ausgangsfrage, die gegenüber der GFX 100 immer wieder gestellt wurde: Braucht man das wirklich? Kann ich für mich ganz klar beantworten: Ja, in vollem Umfang. Und ich genieße jede Fotosession mit dieser Kamera und diesen Objektiven. Ich möchte keinen Tag missen, an dem ich mit der GFX 100 unterwegs war und bin.

Bedienung GFX 100

Das Handling: Die Kamera stellt höhere Ansprüche an das Handling; wie mit dem Mittelformat ja auch beabsichtigt: Es wird etwas weniger schnell, mehr konzentriert und komponierend fotografiert; Knipsen – einfach mal schnell auslösen – ist zwar im Prinzip möglich, aber nicht so einfach mit positiven Ergebnissen verbunden wie im APS-C Format. Es ist auch eigentlich dieser Kamera unangemessen, das merkt man einfach beim Tun – ebenso wie der Übergang zum manuellen Fotografieren sich intuitiv anbietet. Seitdem ich mit der GFX 100 arbeite fotografiere ich ganz überwiegend mit manueller Einstellung, die Kamera verleitet einen geradezu dazu – und das macht einen enormen Unterschied. Mit dem vorderen Einstellrad bestimme ich die ISO-Zahl, mit dem hinteren Einstellrad die Verschlusszeit (lange Verschlusszeiten lassen sich direkt einstellen), vorne am Objektiv die Blende. Im Sucher oder auf dem Display – und auch im unteren zweiten Display, in dem man auch das Histogramm einstellen kann – hat man alle Daten im Blick, ohne dass man den Blick vom Objekt weg auf die Kamera selbst richten muss. Manuelles Einstellen mit diesen drei Parametern geht sehr schnell und man sieht bei der spiegellosen Kamera sofort, was die Änderungen der Einstellung für das Bild bewirken. Allgemeines Plus oder Minus spielen bei der Einstellung keine Rolle mehr, man geht immer direkt auf den Parameter, den man anpassen möchte, auch das ein Zugewinn an Bewusstheit. Handeln, gestalten und auslösen sind eine Handlung. Display und Sucher sind von extremer Qualität. Die früheren Einstellräder oben auf der Kamera fehlen mir persönlich überhaupt nicht, die Einstellung mit den Einstellrädern geht viel schneller, ohne Abwendung vom Sucher oder Display.

Erfahrungsbericht Fujifilm GFX 100 - Beitrag und Fotos von Matthias Stauch
Portrait vor Kunst

Portraits

Es ist ein besonderer Genuss, mit dieser Kamera Porträts zu machen. Dazu braucht man nicht unbedingt Studiobedingungen, es geht hervorragend und schnell in allen Außenbereichen und vor allem auch aus der Hand. Das hat bei meiner Arbeitsweise große Vorteile, mehr freie Interaktion, größere Spontanität ist möglich, Unbefangenheit stellt sich eher ein und Porträtierte können ihre Lieblingsorte und/oder Umstände einbringen.

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Fokussierung

Auch wenn Porträtaufnahmen ohne weiteres auch mit Auto-Fokus mit wenig Ausschuss möglich sind: Es empfiehlt sich, wenn man noch genauer sein will, ein Mix aus Autofokus und manueller Nach-Fokussierung. Die Tiefenschärfe ist wesentlich geringer als im APS-C Format, das Bokeh wesentlich größer, weicher und gestaltbarer; die Fokussierung muss deshalb wesentlich gewissenhafter und genauer eingestellt werden. Der Auto-Fokus ist etwas langsamer als im X-Format, obwohl immer noch schnell, es gibt auch den Augen-Autofokus, extrem praktisch beim Portraitieren. Aber meine Erfahrung ist, der Fokus sitzt nicht immer ganz genau da, wo man ihn wirklich haben will. Da die Kamera eine enorme Detailgenauigkeit (bis auf die einzelnen Haare, ja fast Poren) und exakte Zeichnung hat, fallen auch geringe Unschärfen gegenüber den scharfen Bereichen schnell auf, mir jedenfalls. Die Tiefenschärfe-Ebene ist oft nur in wenigen Zentimetern zu messen; daraus folgt, dass ein manuelles Nachfokussieren oft noch genauer das Ergebnis und den Fokuspunkt ergibt, den man wirklich haben wollte. Nicht selten muss man das Objektiv sogar noch leicht abblenden, weil der Fokusbereich sonst für die gewünschte Darstellung noch zu schmal ist. Aber die Ergebnisse sind dann auch von deutlich erkennbarer Qualität, die den Unterschied macht. Zu wenig Bokeh gibt es eigentlich nicht. Man kann haben, was immer man möchte. Nach meinen Erfahrungen: Ich möchte eigentlich Bilder nur noch mit dieser Kamera machen.

Einschränkungen?

Der fest angefügte Batteriegriff, ein Nachteil? Nach einem Jahr Erfahrung würde ich sagen: Gut, dass er dran ist. Das zusätzliche Gewicht für den Griff und einen weiteren Akku nehme ich in Kauf. Mir war nicht ganz klar, wie praktisch der Batteriegriff ist. Nie muss ich zur Unzeit den Akku wechseln, das findet immer statt, wenn ich gerade eine Pause oder Auszeit habe. Akkuwechsel ist durch den ausziehbaren Schacht extrem einfach und schnell. Und mit – oder vielleicht auch durch den Batteriegriff – liegt die Kamera extrem gut in der Hand. Der Griff stellt eine Art Abschluss da. Die Hand ist extrem gut aufgehoben an dieser Kamera.

Bei der GFX 100s ohne Batteriegriff würde mir wahrscheinlich inzwischen etwas fehlen. Gibt es einen Batteriegriff für die GFX 100s? Der Batteriegriff ist mir inzwischen mindestens so wichtig wie der zweite Kartenschacht, dessen Bedeutung ja auch immer wieder – zu Recht – hervorgehoben wird. Wird die GFX 100s wirklich einen praktischen Vorteil gegenüber der GFX 100 bieten? Man wird sie leichter und vielleicht auch unauffälliger dabei haben können. Das macht sie mindestens als zweite Möglichkeit attraktiv. Erforderliche Akkuwechsel während des Fotografierens könnten hinderlich sein und wenn ich es richtig gesehen habe, sind die von der X-T4 bekannten kleineren Akkus in der GFX 100s. Man wird sehen müssen, welche Akkulaufzeiten sich für diese Kamera ergeben. Da bin ich auf die Erfahrungsberichte gespannt. Das wirkliche Gewicht bei der GFX-Reihe kommt nach meinem Eindruck im Wesentlichen auch weniger vom Body, sondern vor allem vom Gewicht und auch von der Gestalt der Objektive, die das Mittelformat und die Fuji-Qualität erfordern. So jedenfalls mein Eindruck. Ob allein der Body der GFX 100s wirklich als substantielle Wende zu sehen ist, wird sich zeigen. Ich habe da eher meine Zweifel. Wenn es ein Downsize der GFX 100 ist, wird man genau darauf achten müssen, welche Funktionen in dieser Kamera entfallen. Eine Aufstellung dazu wäre hilfreich. Gibt es etwa auch die bisherige Sucherflexibilität (Sucher entfernen möglich, und vor allem die voll flexible Sucherkoppelung mit dem Winkel-Adapter mit Suchereinsicht von oben und von der Seite?).

Tipp der Redaktion: Fakten zur GFX 100s (mit Antworten auf diese Fragen):

Fazit Erfahrungsbericht Fuji GFX 100

Als klobig, schwer und unpraktisch kann man aus meiner Sicht und nach meiner Erfahrung die GFX 100 nicht bezeichnen. Im Gegenteil: es ist eine gut zu handhabende, extrem qualitätsvolle und alle professionellen Anforderungen einlösende Kamera. Ich habe die Kamera etwas günstiger bekommen, ab ging der Erlös der GFX 50s, das hat den Preis dann eher erträglich gemacht. Den Verlust habe ich für mich als Kosten des technischen Fortschritts abgeschrieben, dem ich mit der GFX 50s mit Neugierde zunächst gefolgt bin. Auch die Erfahrung mit dieser Kamera möchte ich keineswegs missen, ohne diesen Schritt wäre ich wohl nicht zur GFX 100 gekommen oder der Einstieg wäre viel schwieriger gewesen. Die Vorstellung, mir würde ein Jahr Fotografieren mit der GFX 100 fehlen und ich hätte die Bilder – insbesondere die Porträts – nicht in dieser Qualität, wäre für mich schmerzlich.

Die GFX 50s habe ich im Übrigen als wesentlich klobiger in Erinnerung, ich vermisse sie nicht, auch nicht als eine Zweitkamera und das Gewicht mit den Objektiven ist mir inzwischen so in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich kleine Kameras für mich eher als etwas zu leichtgewichtig und nicht wirklich greifbar empfinde. Mittelformat ist eine andere Liga, in Qualität, Form und auch in Gewicht. Es gibt aus meiner Sicht da kein besser oder schlechter, sondern nur ein anders. Alles hängt davon ab, welche Bilder man machen möchte; allerdings macht man mit einem anderen Instrument, einer anderen Kamera auch noch ganz andere Erfahrungen und es eröffnen sich andere Räume. Alles hängt davon ab, was man mit Aufnahmen und Bildern machen möchte und was man tatsächlich umsetzt. Am Schluss sollten wir nur Bilder betrachten und uns daran freuen. Kameras, Objektive und Zubehör sind nur Instrumente, das Sehen zu intensivieren, den Moment einzufrieren und in etwas anderes zu transponieren. Und auch um etwas zu zeigen, was vielleicht bisher nicht oder so nicht wahrgenommen wurde. Und glücklich bin ich, wenn sich eine Kultur entwickelt, die die Qualität wirklich guter Bilder erkennen und schätzen lernt. Es gibt nicht zu viele Bilder, genauer: Gute, Interesse aufzeigende Bilder gibt es noch nicht zu viele, da kann man noch viel hinzufügen. Mein Eindruck ist, dass der Fotokunst die Zukunft gehört und dass die Wertschätzung beständig zunimmt.


Anmerkung von Peter R.:

Matthias Stauch ist ein liebgewonnener Fotofreund. Sein Gastbeitrag erfüllt mich mit Wärme, weil er uns Fotografen einen tiefen Einblick gewährt in die Gedanken, Gefühle und das Arbeiten mit einer Kamera und entsprechenden Objektiven. Die Fujifilm GFX-Serie ist etwas besonderes und ich vermute, dass viele Fotografen mit ihrer eigenen Traumkamera doch bessere Bilder machen, vor allem wegen der Emotionen, die ein solches Werkzeug weckt. Die technischen Fakten sind die eine Seite, die andere ist die Bedienung, die Erlebnisse und Emotionen, die wir mit einem solchen technischen Meisterwerk verbinden. Mir persönlich geht das so, obwohl oder weil ich bereits die meisten Kameras probieren durfte.

Ihnen als LeserIn wäre ich sehr verbunden, wenn Sie meinem Freund Matthias einen konstruktiven Kommentar hinterlassen. Vielen Dank!

Geschrieben von:

Matthias Stauch

Ich mache Bilder auf dem Weg der Fotografie eigentlich seit meiner frühen Jugend in den 60 er Jahren, zu Anfang über mehrere Jahrzehnte mit einer Zeiss Icarex und einem Zeiss Ultron F 1,8. Die hat mich auf langen Reisen immer begleitet, etwa in Griechenland, in Nepal, Indonesien und Thailand. Sie war Ende der 80er Jahre nicht mehr reparabel, dann habe ich zunächst weiter intensiv mit dem Handy fotografiert. Das war so etwas wie ein Filmriss. Die im Kleinformat guten Ergebnisse, aber die begrenzten Möglichkeiten, das in Bilder umzusetzen, haben dann für mich den Druck ausgelöst, auf eine wirkliche Kamera nicht weiter verzichten zu können.

Erst nach jahrelangem Prüfen, Abwägen und auch Zögern, welche Kamera denn für mich richtig sein kann, bin ich in die digitale Fotografie eingestiegen. Ich wusste auch nicht, ob ich damit klarkomme. Seitdem wegen der Farbqualitäten und den Bedienungsmöglichkeiten: Fuji fixiert und überzeugt: von der X-E 2, zur X-T 2, dann parallel zur GFX 50 s und seit Anfang 2020 mit der GFX 100. Ich bin in der angenehmen Lage weder mit der Fotografie noch mit den Bildern, Einnahmen erzielen zu müssen, ich fotografiere also zweckfrei und materiell absichtslos. Es gibt Themen, die mich in meinem Leben besonders beschäftigen oder auch Wahrnehmungen, auf die ich beim Sehen und Erleben stoße und die mich nicht mehr loslassen. Das löst bei mir immer wieder eine Art von Begeisterung aus. Entlang solcher Stränge oder Cluster finden und ordnen sich meine Bilder. Die mir wirklich wichtigen Bilder lasse ich immer drucken, sie umgeben mich in Mappen, manchmal entdecke ich sie auch erst in früheren Aufnahmen; ich bin in diesem Sinne auch mit meinen einmal gemachten Bildern oft immer weiter beschäftigt und auch daraus ergeben sich neue Wahrnehmungen und auch Interessen. Dabei gibt es viele Bezüge zu anderen Medien, etwa auch zu Texten. Mark Ruwedel: „ A photograph of a tree is very much not a tree.“ Ich verfolge auch mit nicht nachlassendem Interesse die gedruckten Bilder und Reihen anderer Fotografen, wenn sie meinem Empfinden nahe kommen, das sind vor allem Amerikaner, aber auch einige Europäer (wie Josef Koudelka). Es sind vor allem Fotobücher/Bildbände – auch aus der Fotogeschichte -; das bezieht sich aber auch auf theoretische Texte oder Texte überhaupt zur Fotografie. Inzwischen hat sich doch Erhebliches angesammelt. Wie hat John Baldessari noch so schön gesagt hat: „You have to be obsessed, but you can t will that.” Es ist mir irgendwie zugestoßen. Ich habe eine meiner Kameras eigentlich immer dabei, die Bilder sind so etwas wie mein Tagebuch – auch vor allem in der Rückschau. Oft intensiviert sich später das Erleben noch einmal (John Berger: „Fotografie ist die Wahrnehmung einer unmöglichen Rückkehr.“). So mein Impetus, für andere Leute mag das völlig anders sein, ich erhebe keinerlei Ansprüche, dass das für andere Menschen auch nur ähnlich sein müsste. Aber Fotografie in allen ihren denkbaren Formen als eine intensive Erfahrungsmöglichkeit aufzuzeigen, finde ich schon richtig. Wenn man da einen Zugang findet, kann das eine enorme Bereicherung des Lebens sein: Sehen, Wahrnehmen, Teilhaben, Mitempfinden, Interagieren. Dafür darf man auch einen gewissen Aufwand betreiben und auch Zeit aufwenden: meine ich. Meiner Umgebung versuche ich Verständnis für meine Obsession zu vermitteln. Hier entschuldige ich mich für eine gewisse Theorielastigkeit, die man auch bei Seite lassen kann.
PS: Näheres noch in meinem Erfahrungsbericht zur GFX 100. Und gern auch auf Nachfrage.

2 Kommentare

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  • Lieber Herr Strauch, vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht. Es tut gut dies zu lesen und spricht mich an. Daher möchte ich mich erstmals in diesem Forum mit einem Beitrag einbringen. Diese Bildqualität mit dem Mittelformat von Fuji ist atemberaubend.

    Meinen Kamera Weg während der analogen Zeiten begann mit Pentax später kam Nikon. Danach war ich mit Olympus E1 und dann mit Panasonic im Four-Third Format unterwegs. Auf vielen weltweiten Reisen fotografierte ich Streetfood, Menschen, Situationen und daheim im Studio Produktfotos. Dabei bin ich immer dem Trend der jeweiligen Kamera Entwicklungen gefolgt. In 2019 fand ich die Qualität meiner Aufnahmen, die Tiefenschärfe und besonders der Pixeligkeit nicht mehr befriedigend. Im Vergleich fand ich sogar die alten Olympus Aufnahmen besser. So habe ich mich auf die Suche gemacht, Herr Roskothen hat mir das Fuji Mittelformat empfohlen. Obwohl mir das eine Nummer zu groß erschien habe ich mich am Ende doch dafür entschieden. Heute bin ich Herrn Roskothen dankbar dass ich die XFD 50S mit dem Winkelsucher und drei Fest-Objektiven mein Eigen nennen darf. Auf Reisen ist das Gewicht eine Herausforderung, was im Studio entfällt.

    Nach dem Kauf der GFX viel es mir schwer die kompakte Lumix in die Hand zu nehmen. So wollte ich mich von der umfangreichen Ausrüstung trennen. Wieder fing die Suche an, was zwar Spaß macht. Aber nachdem ich verschiedene APS-C und Vollformat Kameras ausprobiert habe musste ich einsehen dass ich durch das Mittelformat verwöhnt bin. Zum Gewicht, die alte Olympus E1 oder die analogen Apparate waren auch nicht gerade leicht. Daher behalte ich das alte Micro-Four-Third Format und akzeptiere die Qualität. Ein Laie erkennt die Unterschiede ja auch kaum.

    Das Mittelformat Kameras zu Preisen wie heute erhältlich sind war vor ein paar Jahren unvorstellbar, es ist ein Vergnügen damit zu arbeiten. Die GFX 100S mit Ihrer Kompaktheit und vor allem dem IBIS finde ich interessant aber da werde ich mir mindestens bis nach der Corona Pandemie Zeit lassen. Allerdings habe ich das GF80mm F1.7 R WR Objektiv bestellt und werde sicher das Mittelformat bevorzugt nutzen.

    Herzliche Grüße Helmut Haase

  • Mir hat die Beschreibung sehr geholfen meine eigenen Überlegungen Mittelformat betreffend voranzutreiben.
    Ich habe mir kürzlich eine gebrauchte GFX 50r zugelegt, hatte aber noch nicht die Gelegenheit sie richtig zu nutzen und mit dem FX Format zu vergleichen.
    Aber mir hat da irgendwie immer Auflösungsschärfe gefehlt….auch wenn ich kaum Prints mache.
    Mich inspirierte der Bericht den Mittelformat Weg weiter zu gehen.
    Kontakt erwünscht !
    Lg
    Stefan W.

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