Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Lensbaby Objektive – kreative Fotografie mit Tilt Effekt

Die Lensbaby Objektive erlauben kreative Fotografie mit dem Tilt-Effekt. Doch was ist der Tilt-Effekt überhaupt? Dieser Fotoeffekt sieht in einigen Fällen so aus wie ein Miniatureffekt. Oft wird der Effekt auch als Modelllandschaft bezeichnet. Allerdings macht das Lensbaby auch einfach nur Spaß. Ein Erfahrungsbericht mit Tipps und Anleitung:

Venedig mit Lensbaby Tilt - * On Tour

Venedig mit Lensbaby Tilt – * On Tour – Fotografiert mit Lensbaby Composer und 80mm Edge 80 Optik

Kreative Fotografie mit Tilt Effekt – das Lensbaby Objektiv

Original Lensbaby Composer (ohne Pro)

Original Lensbaby Composer (ohne Pro)

Als ich mit sieben Jahren zu fotografieren begann, hatte ich noch kein Lensbaby Objektiv. Meine Kamera war eine analoge Kompaktkamera, die ausschließlich ein festes Objektiv hatte. Ich erinnere mich an eine sehr kompakte Kamera, die das Fotoformat 1:1 hatte.

Inzwischen sind alle Fotoeinsteiger, Fotoamateure und Fotografen in der digitalen Welt, die viel mehr schöne Fotos produziert, weil wir alle sofort das Ergebnis sehen und auch korrigieren können. Diese Zeit lohnt das Ausprobieren von Effekten, Makrofotografie, Fotografieren mit kleiner Schärfentiefe und auch das Verschieben der Schärfeebene, wie es mit einem Tilt-Objektiv möglich ist. Doch was bedeutet Tilt überhaupt? Dazu möchte ich ein paar Grundlagen erläutern, die Sie überspringen können, wenn es für Sie nicht interessant ist:

Was ist der Tilt-Effekt?

Das Tilten (Verb) ist ein Verschwenken der Linse oder des Linsensystems vor der Kamera, um die Schärfeebene zu verändern. In anderen Worten ist das Motiv nicht mehr parallel zur Kamera scharf, sondern die Schärfeebene kann in einem Winkel zum Sensor verändert werden.

Früher wurde dies mit Fachkameras erreicht, welche diese einzigartigen Balgen hatten, der wie eine Ziehharmonika aussieht und sich verschwenken ließ. Heute ist dies mit Tilt-Objektiven wie dem Lensbaby Composer oder Spezialobjektiven (Tiltshiftobjektiven) möglich.

Mit der Tiltfunktion können Sie

  1. zum Beispiel in der Produktfotografie die Schärfentiefe unterstützen
  2. oder in unserem Falle einfach Spaß haben und die Schärfeebene verlegen, um das Auge des Betrachters auf etwas Bestimmtes zu lenken, den Miniatureffekt zu bekommen oder sogar um zu verwirren. Die Fotos mit dem Tilteffekt können teilweise schon recht künstlerisch wirken.

Mich persönlich interessiert übrigens der Miniatureffekt überhaupt nicht. Ich möchte gerne mit der Schärfeebene spielen, um den Betrachter zum intensiven Betrachten anzuregen. Zum genaueren Hinsehen ist der Effekt bestens geeignet.

Foto mit Lensbaby Composer

Foto mit Lensbaby Composer (alte Version ohne „Pro“) 50mm

Was ist der Shift-Effekt?

Nur am Rande erklärt werden soll hier der Shift-Effekt (kommt aus dem Englischen shift = verschieben) , da er mit dem Lensbaby rein gar nichts zu tun hat. Das Lensbaby soll nur die Schärfeebene verschwenken.

In der professionelle Architekturfotografie möchte man gerne keine keine so genannten stürzenden Linien, wie sie diese vermutlich von Hochhäusern kennen, die unten im Foto breit sind und oben schmal zulaufen. Ein Shiftobjektiv hat die Aufgabe die Linien eines Objektes (z.B. Gebäude) parallel abzubilden. Dazu wird das Shiftobjektiv geshiftet, also parallel zum Sensor verschoben. Mit Hilfe dieses Verschiebens des Objektivs wird es möglich, stürzende Linien oder „kippende“ Objekte, Gebäude, Maschinen und mehr zu vermeiden.

Tiltshiftobjektive

Canon TS-E 17mm Shift- und Tiltobjektiv

Canon TS-E 17mm Shift- und Tiltobjektiv

Um die Schärfeebene zu verschieben (tilten) benötigen Sie ein Lensbaby oder ein spezielles Tiltshiftobjektiv wie zum Beispiel von Nikon oder Canon, welche für die Landschaftsfotografie und Architekturfotografie entwickelt wurden. Tiltshiftobjektive können mit Hilfe der Shiftfunktion die Linien von Häusern, Innenräumen und Objekten begradigen. Diese Spezialobjektive bieten zum zweiten die Möglichkeit des Tilt-Effekts, sprich zur Verschiebung der Schärfeebene. Beide Funktionen sind zwei Paar verschiedene Schuhe, können aber sogar kombiniert werden.

Die Tiltshiftobjektive können den so genannten Miniatureffekt, aber sie bieten in erster Linie die Möglichkeit stürzenden Linien zu vermeiden. Keine Frage: Spezialobjektive wie das Canon TS-E 17mm f4.0 haben ihre Berechtigung und sind sehr scharf und fast fehlerfrei in der Abbildung.

Ich persönlich liebe die Canon TS-E Objektive, auch wegen der sehr guten Bildqualität, habe diese Objektive aber immer nur im Rent geliehen. Wenn Sie sich selbst für den Tilt-Effekt interessieren oder ihn sogar lieben und preiswert zu Tilt-Ergebnissen kommen möchten, dann probieren Sie einmal das Lensbaby Composer Pro.

Unterschied Tiltobjektiv und Software Filter

Der Unterschied zwischen dem Nutzen eines speziellen Tilt-Objektivs und einer Software ist groß. Während die Software „nur“ einen Schärfestreifen in einer Dimension auf einem Foto freistellt und den Rest des Bildes unschärft, kann die Kamera mit einem Tiltobjektiv tatsächlich eine Schärfeebene erstellen, die bestimmte Motivbereiche scharf abbildet.

Die folgenden „echten“ Tilt-Beispiele sind fotografiert im Fotostudio, Lensbaby Composer mit Edge 80 Objektiv, Blende f4.0, Schärfe manuell im Liveview-Modus. Fotos vom Objektiv mit iPhone 6 Plus und ProCam-App, sowie dem Metz mecalight LED-72 smart (sehr empfehlenswert für mobiles Licht):

Metz Mecalight LED-72 smart Smartphone Licht für Video und Foto

Tipp Tilt: Überraschend kleine Bewegungen und Verschwenkungen des Objektives sind ausreichend, um die Schärfeebene dieses Beispieles festzulegen.

Beispiel Unterschied Tilt-Objektiv zu Software Filter:

Zum Vergleich eine Aufnahme mit dem Original LBaby Composer. Gut zu sehen, dass hier nur die Mitte des Bildes überhaupt scharf ist (Blende f5.6):

Unterstützte Kameramarken von Lensbaby

Für viele Spiegelreflexkameras und auch Systemkameras sind Lensbaby Objektive erhältlich:

  • Canon (Spiegelrefelex)
  • Nikon (Spiegelrefelex)
  • Sony Alpha A (Spiegelrefelex)
  • Sony Alpha E
  • Fuji X
  • Pentax K (Spiegelrefelex)
  • Samsung NX (Systemkamera)
  • Olympus 4/3 (Spiegelrefelex)

Lensbaby Fotos mit Composer (50mm) und Edge 80 (80mm)

Ich suche nicht gezielt den Miniatureffekt, sondern mir macht die Fotografie mit gezielter Unschärfe oder Schärfe einfach nur Spaß:

Lensbaby Fotografie macht einfach großen Spaß und fördert Ihre Kreativität!

Der Lensbaby Composer Pro Kauf

Die Lensbaby Fotografie ist keine so billige Sache mehr wie noch vor Jahren. Der ursprüngliche LB Composer war preiswert und auch billig gebaut. Inzwischen hat man sich beim amerikanischen Hersteller offenbar auf höherwertige Qualität der Optiken konzentriert. Warum, das bleibt mir ein Rätsel, denn gerade der billige Einstieg war so verführerisch.

Wer heute alle Möglichkeiten des Lensbabies ausschöpfen möchte ist mit einem Kit gut beraten. Enthalten ist zu aller erst das Lensbaby Composer Pro System zum Verschwenken der Optiken. In dieses eingesetzt werden die Optiken:

  1. Lensbaby Sweet 35 (35mm Brennweite), Blende f2.5 bis f22, welches in der Landschaftsfotografie nützlich ist.
  2. LB Sweet 50, welches mit einer offensten Blende von f2.0 glänzt und ein samtweiches Bokeh für Portrait und Landschaftsfotos verspricht.
  3. Edge 80 mit f2.8 offenster Blende. Mein liebstes Objektiv der Reihe, welches ich zuletzt in Venedig bei *fotowissen On Tour einsetzte.

Lensbaby Anleitung & Tipps

Probieren Sie das LB aus, bevor Sie es kaufen. Die Tilteinstellungen sind nicht trivial. Wenn Sie sich damit vertraut machen möchten, nehmen Sie ein Schachspiel wie in diesem Beispielen (Lensbaby 80 Edge) oder ein paar Objekte wie Spielfiguren und platzieren die Kamera mit dem LBaby auf einem Stativ. Dann schauen Sie sich die das Motiv auf dem Liveview an, tilten das LBaby und stellen danach manuell auf eine bestimmte Stelle scharf. Immer wenn Sie tilten, müssen Sie erneut scharfstellen, denn mit dem Verschieben der Schärfeebene ändert sich auch der Schärfepunkt. Schauen Sie sich das entstandene Foto sofort in Lightroom (Tethering) oder einer anderen Software an.

Tipp 1 LBaby: Die genannten Optiken können Sie auch im alten Composer (ohne Pro-Bezeichung) verwenden. Alle (Sweet 35 Weitwinkel, Sweet 50 Normalobjektiv, Edge 80 Tele) Objektive sind zur Makrofotografie nicht geeignet, deshalb liegt dem Kit noch ein Makro Konverter mit 8mm und 16mm (zusammen 24mm) bei. Diese Konverter können für kürzeste Entfernungen zum Objekt in der Naturfotografie, genauer in der Makrofotografie verwendet werden.

Tipp 2 LBaby: Das Lensbaby Muse ist das preiswerteste Tilt-Objektiv. Ich kann das Muse aber nicht empfehlen, weil es sich nicht fixieren lässt und ein Einstellen Glücksache ist.

Tipp 3 LBaby: Das Obejtkive von LB überträgt keine Daten an die Kamera. Um sich den Tilt-Winkel und die Blende zu merken, können Sie die Kamera auf die Atomzeit einstellen. Dann dokumentieren Sie die Einstellungen mit Ihrem Smartphone und wissen auf Grund er synchronen Zeit auch in welche Richtung Sie die Schärfe veränderten und welche Blende Sie nutzten.

Das komplette Kit hat seinen Preis mit ungefähr EUR 600,- bis 700,-, je nach Kameramarke Canon oder Nikon. Für alle anderen Marken scheint kein Kit auf dem Markt zu existieren. Sprich: da wird der Kauf von mehreren Objektiven teurer.

Lensbaby 80 Edge

lensbaby 80 Edge

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Hinweis: Das Verfassen dieses Artikels hat zweieinhalb Tage beansprucht. Der Zeitaufwand ist genauer Recherche, dem Schreiben und der Fotografie im Fotostudio geschuldet. Wenn Sie uns bei *fotowissen einen Gefallen tun möchten, dann schreiben Sie einen Kommentar ganz unten und kaufen über unsere Links, denn so finanzieren sich die Server-Kosten von mehreren tausend EURO pro Jahr. Letzteres ist den vielen Zugriffen geschuldet. Herzlichen Dank!

© Peter Roskothen ist Profi-Fotograf, Fototrainer, Fotojournalist – Lensbaby Objektiv – kreative Fotografie mit Tilt Effekt

Peter Roskothen

Autor: Peter Roskothen

Ich, Peter Roskothen bin Profi-Fotograf, Fotojournalist sowie Fototrainer und schreibe auf *fotowissen für andere Foto-Amateure und ambitionierte Fotografen. Die digitale Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.

Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.

Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter Peter Roskothen Fotokunst & Design. Bei Google Plus finden Sie mich unter Google+

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3 Kommentare

  1. Susanne Bien

    Hallo Peter,

    super Artikel!!!! Du hast mir viele Fragen beantwortet.

    Wenn ich endlich „Nachwuchs“ habe dann lass ich es Euch wissen 🙂

    LG

    SusanneB

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Maike Lehmann

    Hallo Peter! Vielen vielen Dank für diesen wirklich umfassenden Artikel. Da ich seit einigen Wochen ein Lensbaby habe und nach wie vor Schwierigkeiten habe, den Schärfebereich zu erkennen, helfen mir deine Übungsideen sehr. Gerade die Anregung, ein Schachbrett zu fotografieren finde ich sehr hilfreich, weil man direkt sichtbar macht, wie sich die Schärfeebene verschiebt. Vielen Dank auch für die Recherche zu den verschiedenen Objektiven, ich kann mir gut vorstellen, dass sie eine praktische Hilfestellung für potenzielle Käufer ist. Ich übe weiter und lasse euch demnächst die Ergebnisse begutachten!
    Lieber Gruß,
    Maike

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  3. Britta Dicken

    Hallo Peter,
    ein super Artikel! Hätte ich mir das Set nicht schon gekauft, würde ich es jetzt machen.
    Leider kann ich Maike nur zustimmen. Meine ersten Versuche mit dem Lensbaby waren ernüchternd. Einen winzigen Schärfebereich hätte ich mir gewünscht, jedoch sind die Ergebnisse durchweg unscharf gewesen. Ein manuelles Einstellen des Schärfebereichs erscheint mir aus der Hand unmöglich (zumindest an der Stelle wo ich es scharf hätte haben wollen!). Meine nächsten Versuche werde ich mit Stativ bzw. Bohnensack starten. Mal schauen, ob es dann besser wird. Die ein oder andere Idee hätte ich da schon und werde sie, sofern sie vorzeigbar sind, Euch nicht vorenthalten!
    Drückt mir die Daumen, dass ich irgendwann mal etwas vorzeigbares produzieren kann, denn die zu erzielenden Effekte finde ich mehr als reizvoll!
    LG
    Britta

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