Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Focus Stacking in der Makrofotografie

Artikel ursprünglich verfasst am 1. März 2019

Die Makrofotografie und auch Produktfotografie stellt ganz besondere Anforderungen an den Fotografen und an das Fotoequipment (Stickwort Focus-Bracketing / Focus-Stacking). Viele Fotoamateure und Fotografen schätzen in der Makrofotografie vor allem auch die Vordergrundunschärfe und die Hintergrundunschärfe um einem Bild eine wunderschöne Stimmung zu geben. Schwierig wird es aber, wenn man eine etwas größere Schärfentiefe haben möchte. Hier kommt das Focus-Stacking ins Spiel, welches leicht zu erlernen ist:

Focus Stacking In Der Makrofotografie

Focus-Stacking mit Fujifilm Einstellung auf Bracketing (BKT)

Produktfotos und Makrofotos mit Focus-Stacking

Möchte man ganz nah ran ans Motiv, dann ist man selbst mit einer Blende F16 manchmal nicht in der Lage mehr als 5mm Schärfentiefe zu erhalten. Nehmen wir zum Beispiel ein Makroobjektiv mit 80 mm Brennweite bei Blende F-16 und einer Distanz zum Objekt von 25 cm bei einem APS-C Sensor mit dem so genannten Crop-Faktor 1.5. wir haben hier eine Schärfentiefe von 4,25 mm. Das reicht wirklich nicht sehr weit. Selbst bei einer Blende F22 liegen wir hier nur bei etwa 6 mm Schärfentiefe. Das kann zu einem Problem werden.

Ganz davon abgesehen, dass die meisten Objektive zwar mehr Schärfentiefe liefern, wenn man höhere Blendenzahlen nimmt, das Bild insgesamt aber an Schärfe verliert, je weiter man die Blende schließt (Diffraktion = Beugungsunschärfe durch kleine Blendenöffnungen). Daher sind die allermeisten Objektive am schärfsten bei Blendenswerten wie F5,6 oder F8.

In einem solchen Falle hilft es mit einer Blende F8 zu fotografieren und verschiedene Schärfeebenen von vorne bis hinten zu belichten. Diese Schärfeebenen werden dann in einer Software wie Helicon Focus Pro, Photoshop oder FOCUS projects 4 professional zusammengerechnet. Heraus kommt ein Bild, welches von vorne bis hinten scharf ist. Diese Technik nennt sich „Focus-Stacking“ und ist frei übersetzt so etwas wie „Fokus-Ebenen stapeln„.

Focus-Stacking Software Photoshop

Focus-Stacking Software Photoshop

Anforderung vom Focus-Stacking an den Computer

Stellen Sie sich vor Sie fotografieren 60 oder 70 Aufnahmen von verschiedenen Fokusebenen. Der Rechner, der dies in der entsprechenden Software zusammenrechnen soll, benötigt schon eine moderne und große Ausstattung. Wir reden von einem schnellen Prozessor, genügend RAM und nach Möglichkeit einer SSD Festplatte. Dann jedoch lassen sich mit diesen drei Softwarepaketen hervorragende Bilder zusammenrechnen:

  • Photoshop CC
  • Helicon Focus Pro
  • FOCUS projects 4 professional

Hinweis: Photoshop CC schaffte in unserem Falle nicht, die 50 Ebenen zu verrechnen. Es gelang mir nicht Photoshop zu dieser Tätigkeit zu überreden. Bei nur 10 Ebenen hingegen funktioniert Photoshop CC.

Die Fotografie mit Focus-Stacking

Die Fotografie mit dem Focus-Stacking erfordert entweder eine Software wie Helicon Focus Pro, welche ihre Kamera ferngesteuert (Tethering für Canon und Nikon), oder eine kamerainterne Funktionen, die eingestellt werden kann. Ich nahm für das Video und diesen Bericht eine Fujifilm X-T3 Kamera. In vielen Fujifilm Kameras (X-T3, X-T2, X-H1, GFX 50S, GFX 50R) können Sie exakt einstellen, wie viele Bilder Sie hintereinander belichten möchten, mit welchem Fokusabstand Sie diese Bilder benötigen und welches Intervall zwischen den Aufnahmen liegen soll.

Drücken Sie dann auf den Fernauslöser, so macht die auch Kamera in kürzester Zeit selbstständig die 10, 50 oder mehr Aufnahmen. Später gilt es diese Aufnahmen der speziellen Focus-Stacking Software anzuvertrauen. Diese Software rechnet dann die Ebenen gekonnt übereinander und sie können ein einziges Bild abspeichern, welches von vorne bis hinten scharf ist. Gut zu sehen ist die Technik in diesem Video:

Video Focus-Stacking

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Photoshop schaffte es in unserem Falle nicht die 50 oder mehr Ebenen miteinander zu verrechnen. Ich habe dann erfolgreich mit Helicon Focus Pro und FOCUS projects 4 professional diese viele Ebenen zusammengerechnet. Vergleicht man die beiden Softwarepakete, so lohnt sich Helicon Focus Pro für die Canon und Nikon Fraktion. Canon und Nikon Kameras werden durch Helicon Focus Pro ferngesteuert. Hier kann man softwaretechnisch festlegen, welchen vordersten und hintersten Punkt man im Motiv scharf haben möchte. Die Software rechnet dann auf Basis der eingestellten Blende aus, wie viele Fotos für die optimale Schärfentiefe notwendig sind. Sie löst die Kamera aus und verstellt den Fokus immer um die entsprechenden Schritte. Zu guter letzt kann sie sogar das Bild zusammenrechnen. Dieses bewährte Programm kostet aber auch in der aufwändigsten Version etwa 180 $.

Vergleich: Linkes Bild F22, rechtes Bild Focus Stacking

Die andere Software namens FOCUS projects 4 professional, lohnt für Olympus-, Panasonic- oder Fujifilm-Fotografen. Diese Kameras haben meist eine Focus-Stacking / Focus-Bracketing Option im Menü, welche die Digitalkamera veranlasst, die eingestellte Anzahl von Fotografien in blitzartiger Geschwindigkeit hintereinander auf die SD-Karte zu speichern. Bei der Fotografie vom Stativ stellt man dann zunächst den vordersten scharfen Punkt mit manuellem Fokus ein. Nach den Serienaufnahmen ist es vorteilhaft, wenn man das Endbild kontrolliert, um festzustellen, ob die Schärfe bis zum Endpunkt reicht. Die Einstellung der Bilder Anzahl sowie der Fokussierungsabstände ist dabei leider eine Erfahrungssache und das Resultat aus Experimenten.

Tipp: Kontrollieren Sie nach dem Focus-Bracketing die letzte Aufnahme auf die Endschärfe hin und wiederholen die Aufnahmeserie nötigenfalls mit mehr Aufnahmen.

Bild mit Focus-Stacking aufgenommen aus 70 Bildern mit Focus Projects 4 Professional zusammengefügt

Bild mit Focus-Stacking aufgenommen aus 70 Bildern mit Focus Projects 4 Professional zusammengefügt

Fazit Focus-Stacking

FOCUS projects 4 professionalWenn Sie eine Biene in hervorragende Schärfe vom Kopf bis zu den Flächenspitzen sehen, dann ist es meist nicht eine Aufnahme gewesen, die dieses Resultat hervorbrachte. Meist ist hier diese Technik der Schärfeebenen zugrunde gelegt. Focus-Stacking / Focus-Bracketing selbst ist nicht wirklich schwierig, vorausgesetzt man verfügt über die richtige Software und Hardware. Das Arbeiten mit einer Software wie Helicon Focus Pro hat den Vorteil der genauen Fernsteuerung einer Kamera, aber auch den Nachteil, dass man einen Rechner zur Verfügung haben muss. Für Aufnahmen im Studio oder zu Hause ist das eine fabelhafte Lösung für Canon Kameras und Nikon Kameras. FOCUS projects 4 professional hingegen kann für Kameras mit internem Focus-Stacking (Fujifilm / Panasonic / …) hervorragende Ergebnisse abliefern.

Tipp: Alternativ zum Focus-Stacking kann man sich auch mit Tilt-Objektiven helfen, wenn man große Schärfeebenen erhalten möchte.

Software Franzis Focus Projects Professional >>

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Fotograf und Fototrainer Peter RoskothenMöchten Sie gerne Ihre eigene Fotografie ausbauen, dazulernen und suchen einen besseren Fotokurs? Ich schule individuell (auf Wunsch auch zu Zweit plus Trainer) Fotografie für Einsteiger und Fortgeschrittene. Der individuelle Kurs schult Ihre Grundkenntnisse oder baut auf Ihren bestehenden Kenntnissen auf und wird genau auf Sie abgestimmt. Mehr noch: die Schulung macht großen Spaß und neben Theorie unternehmen wir auch eine eigene Fotoexkursion.

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© Peter Roskothen ist Profi-Fotograf, Fototrainer, Fotojournalist – Focus Stacking mit Fujifilm in der Makrofotografie / Produktfotografie / Landschaftsfotografie

Autor: Peter Roskothen

Ich, Peter Roskothen bin Profi-Fotograf, Fototrainer ganz besonderer Fotokurse sowie Fachjournalist für Fotografie. Ich schreibe auf *fotowissen für Fotoamateure und ambitionierte Fotografen. Die Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.

Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.

Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter Peter Roskothen Fotokunst & Design.

2 Kommentare

  1. Lieber Herr Roskothen,
    angeregt durch Ihren Beitrag habe ich mit meiner X-H1 einen Forsythienstrauss mit Fotostacking (25 Bilder, Schritt 3) aufgenommen und die Bilder anschließend erst mit Foto Projects professional und dann alternativ mit Lightroom/ PS CC 2019 zusammen gefügt. Ergebnisse:
    1. Das Programm von Franzis konnte die RAFs nicht öffnen, mit jpg´s hat es dann funktioniert. Das Ergebnis war von minderer Bildqualität, durchsetzt mit Artefakten.
    2. Mit PS dauerte der Prozess deutlich länger, das Ergebnis überzeugte dagegen auf ganzer Linie. Ich werde das Verfahren sicherlich in Zukunft öfter anwenden. Und danke für die tolle Anregung.

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    • Guten Tag Herr Schwenk,

      bitte sagen Sie mir mal, ob Sie auf einem Windows Rechner oder Mac arbeiten. Ein ein Tipp für Sie: Wandeln Sie die RAFs doch mal in TIF Bilder und versuchen ist dann erneut mit der Software von Franzis. Bei mir Funktion etwas fabelhaft.

      Herzlich, Peter Roskothen

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