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Wem müssen unsere Fotos gefallen? Freude an der eigenen Fotografie

Wem müssen unsere Fotos gefallen? Freude an der eigenen Fotografie

Wem müssen unsere Fotos gefallen? – Freude an der eigenen Fotografie: Vor einiger Zeit las ich einen hochinteressanten Artikel darüber, wie Social Media, in dem Fall Instagram, die individuelle Fotografie beeinflusst, lenkt, und massentauglich sichtbar macht. In dem Beitrag ging es um die teils unergründliche Arbeit der Algorithmen, durch die diese Systeme funktionieren, und es ging um die Beeinflussbarkeit der Nutzer und deren Arbeitsweisen. Neben allen Gedanken dazu, ob mitmachen, oder ob nicht, ging mir vor allem eine Frage durch den Kopf. Die Frage, wie sich unsere Fotografie generell zeigt und verändert, wenn wir entweder nur für uns agieren, oder wenn wir mit den Ergebnissen in die Öffentlichkeit treten.

Wem müssen unsere Fotos gefallen? Freude an eigener Fotografie
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Fotos veröffentlichen

Wenn wir über das Veröffentlichen unserer Fotos reden, dann ist der Begriff „Öffentlichkeit“ ein weites Feld. Das kleine Bild des Partners/der Partnerin am Armaturenbrett des Autos, oder das Familienalbum mit Kinderfotos und Urlaubserinnerungen, sind in aller Intimität schon Veröffentlichungen. Ein paar Drucke (selbst ohne Namen oder Signatur) an den Wänden des kleinen Cafés im Ort ist eine Veröffentlichung. Ein eigener Bildband in den Buchläden des Landes ist Öffentlichkeit. Der eigene Artikel bei *fotowissen.eu ist öffentlich. Alle anderen digitalen Verbreitungswege, vom WhatsApp-Status bis hin zu Facebook, YouTube, Instagram, und allen vergleichbaren Plattformen, sind ganz sicher auch Öffentlichkeit.

Algorithmen steuern unseren Geschmack

Die Algorithmen zeigen uns allerdings selten das, was uns weiterhilft, sondern das, was der Analyse unserer Verhaltensmuster entspricht. Mainstream punktet, der Rest wird aussortiert. Spätestens seit Corona wissen wir, wie das läuft. Wer in der hitzigen Phase der Pandemie auf den üblichen Plattformen seine Videos mit kritischen oder alternativen Inhalten veröffentlichte, und das “C”-Wort ungekürzt aussprach, musste Gefahr laufen, gesperrt, gelöscht, oder angemahnt zu werden. Nicht ganz so krass, aber der Einflussnahme her ähnlich, verhält es sich mit allen Themen, so auch der Fotografie. Mainstream punktet, alles andere wird nicht mehr vermittelt, oder wird bei den Zielbeiträgen nicht gelistet. Das kann zwangsläufig nur dazu führen, dass das Spektrum der sichtbaren Angebote nicht weiter, sondern immer enger wird.

Kleiner Test gefällig? Vergleichen Sie doch mal das Angebot der Filme bei YouTube in ihrem eingeloggten User-Modus mit denen, die Sie als nicht eingeloggter Unbekannter aufgetischt bekommen. Oder noch eine Möglichkeit: Drucken Sie bitte eines ihrer Lieblingsfotos aus, die bislang ausschließlich auf ihrem Mobiltelefon sind. Die Enttäuschung wird nicht lange auf sich warten lassen. Die Wirkung, die beim Betrachten am Display noch genau dem Geschmack entspricht, fehlt am ausgedruckten Foto meistens gänzlich. Woran liegt das? Ihr Smartphone kennt Sie besser, als Sie ahnen. Es zeigt Ihnen ihre Fotos schon so, wie es vermutlich „ins Bild“ passt. Algorithmen stellen uns Nutzern die Fotos intern so zur Ansicht bereit, wie wir unsere Fotos selbst bearbeiten und demnach gerne mögen. Auch dort verengt sich also der Blickwinkel, und das hat Folgen.

Wem müssen unsere Fotos gefallen? Freude an eigener Fotografie
Wem müssen unsere Fotos gefallen? Freude an eigener Fotografie
YouTube ist gesteuerte Meinung

Ein kurzer Abstecher zu Youtube (kurz: YT): Bei YouTube (Google ist Betreiber) werden kleinere YouTuber gar nicht mehr in den ersten Suchergebnissen auftauchen, egal wie gut ihre Beiträge für Sie geeignet sein mögen. In den ersten Ergebnissen Ihrer Suche werden die YouTuber gezeigt, die ein Kamera-Team und Schnitt-Team von Google gestellt bekommen und hunderttausende Follower haben. Das führt zu einer klaren Weisung von Google, was Sie ansehen sollen. Egal, ob ein kleiner Kanal besser zu Ihnen passt, Sie bekommen meist Mainstream vorgesetzt.

Die von Google unterstützten YouTuber, sind nicht immer diejenigen, die fachlich fundiert arbeiten. Populäre YouTuber und Influencer (werden von der Industrie für ihre Beiträge bezahlt) sind die von Google oben gelisteten in den Suchergebnissen. YT (Besitzer Google) macht diejenigen, die die meisten Zugriffe haben, damit noch erfolgreicher. Was Sie bei YouTube finden, ist daher meistens Bildzeitungsniveau. Nur wenn Sie sich weiter vertiefen in Beiträge, die nicht oben in Suchergebnissen auftauchen, werden Sie die Juwelen finden.

Beispiel Fotografie: Unter den wertvollen YT-Beiträgen sind etwa auch Fotografen mit weit unter 100.000 Followern, die sich allein um Landschaftsfotografie oder Straßenfotografie kümmern und nicht Kameras und Objektive besprechen. Von diesen können wir lernen, aber die werden nicht oben aufgeführt, weil YT sie nicht bevorzugt.

Unser fotografischer Stil verändert sich durch Algorithmen

Der Stil, von dem, was wir uns oft genug ansehen, ist möglicherweise nicht mehr weit weg von dem Stil dessen, was wir veröffentlichen. Das macht alles nichts, solange wir das wissen und für gut befinden.

Mach nicht ein Foto, mach DEIN Foto!

Fotos nur für uns …

Wem müssen unsere Fotos gefallen? Freude an eigener Fotografie
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Nun kommt aber die schwierige Partie. Es ist an der Zeit, sich für ein paar Fragen zu öffnen. Gefallen uns die Fotos, die wir machen und veröffentlichen? Wenn ja, warum? Weil sie so sind, wie wir sie mögen, oder weil sie so sind, wie tausend andere Menschen sie mögen? Fotografieren wir aus unserem Gefühl heraus, ein uns entsprechendes Foto zu belichten, oder bestimmt algorithmischer Applaus, wie unsere Fotos zu sein haben? Ist die Meinung vieler überhaupt ein Indiz für ein “gutes Foto”? Und macht es Spaß, nach der Meinung anderer zu fotografieren?

Kurzum, mir nicht. Es ist völlig ok, wenn Dritte meine Fotografie mögen. Aber es wird unangenehm, wenn klar ist, dass die Fotos schon im Sinne der Gunst Dritter entstehen. Unsere Fotografien mögen Dritten gefallen. Gründe dafür gibt es also zwei. 1.: Die Fotos sind wirklich gut, ganz egal, was gerade Mainstream ist. 2.: Die Fotos finden Anklang, eben weil sie Mainstream sind. Punkt 1 oder 2, das müssen wir einfach auseinanderhalten können. Punkt 1 sind höchstwahrscheinlich UNSERE Fotos. Punkt 2 könnten auch unsere Fotos sein, es sind allerdings eher die uns weniger entsprechenden, angepassten, algorithmisch korrekten Bilder für Dritte.

Freude an und mit der Fotografie könnte für uns bedeuten, wenn wir so fotografieren dürfen, wie es uns entspricht, und wenn wir in erster Linie unseren Spaß daran haben. Leben wir ein Leben, oder leben wir unser eigenes Leben? Machen wir ein Foto, oder machen wir unser eigenes Foto? Als großen Erfolg würde ich nennen wollen, wenn unsere Fotos als die unseren erkannt werden. Unsere Fotografie ist dann deshalb gut, weil sie uns möglicherweise zugeordnet werden kann. Vieles ist erreicht, wenn unsere individuelle Fotografie einfach sein darf, sie Akzeptanz findet, und zwar so, wie sie ist. Freude entsteht, wenn es echt ist und unkompliziert sein darf. Einfach machen. Fotos nur für uns.

Wem müssen unsere Fotos gefallen? Freude an eigener Fotografie
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Fazit Fotos nur für uns, Freude an der eigenen Fotografie

Zur Resonanz noch ein paar ganz persönliche Tipps: Ergriffenheit stellt sich ein, sobald sich andere Menschen mit unseren Fotos auseinandersetzen möchten. Ist das nicht herrlich? Konstruktive und differenzierte Kritik ist ein wertvolles Geschenk, und zudem eine Gratis-Beratung. Wir dürfen daher sogenannte Kritik von Leuten ignorieren, die einen Daumen hoch, oder oberflächliche 3-Wort-Kommentare hinterlassen. Kritik hilft uns nicht, wenn sie von Personen stammt, bei denen wir nicht sicher sein können, ob diese dafür überhaupt geeignet sind. Ablehnung und auch Zustimmung ohne fachliche Kompetenz mag als Smalltalk herhalten. Mit Blick auf unsere eigene Entwicklung ist es Zeitverschwendung.

Algorithmen lösen keine Freude an der eigenen Fotografie aus. Freude an der eigenen Fotografie ist nicht beliebig abrufbar. Wenn die Fotos, die wir machen, nicht die unseren sind, generiert sich auch keine Freude. Freude an der eigenen Fotografie ist dann echt, wenn sie ohne Applauszwerge auskommt. Freude an der eigenen Fotografie ist die Sehnsucht, mit der Kamera loszuziehen, und die Ideen in unserem Kopf zu Fotos werden zu lassen. Freude an der Fotografie meint, die eigene Entwicklung zu erkennen, und für sich selbst anzuerkennen. Freude an der eigenen Fotografie lässt sich mit wertvollen Menschen wunderbar teilen, doch in erster Linie ist es das eigene, stille Lächeln beim Belichten oder Betrachten unserer eigenen Fotos.

Wem müssen unsere Fotos gefallen?
Wem müssen unsere Fotos gefallen?

 

Mit meinen Gedanken zum Thema möchte ich gerne sensibel machen dafür, was alles Einfluss haben kann auf die Art und Weise, wie wir fotografieren, und wie wir Fotos veröffentlichen. Was Sie tun, was ich tue, auch das bleibt jedem von uns überlassen. Mich würde allerdings sehr freuen, wenn unser aller Umgang mit den digitalen Wegen in die Öffentlichkeit nicht dazu führen würde, unsere Kreativität einzudämmen und uns an Algorithmen zu versklaven. Letztlich können wir unsere Fotos auch in Papierform an Plakatwände kleben. Wir brauchen die Plattformen und ihren Algorithmus nicht, sie uns aber schon! In dem Sinne möchte ich Sie gerne in ihre tolle, individuelle Fotografie entlassen.

Herzliche Grüße,
Ihr Dirk Trampedach

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© Dirk Trampedach, Journalist für Fotografie bei *fotowissen –  Wem müssen unsere Fotos gefallen? Fotos nur für uns – Freude an der eigenen Fotografie

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Dirk Trampedach

Eine Geschichte, ein Bild, eine Stimmung. Erlebnisse, Schreiben und Fotografieren, das hängt für mich unmittelbar zusammen. Foto-Themen, denen ich mich gerne widme, sind Berichte von Touren im VW T3 WESTFALIA, Street Photography, sowie Storys um klassische Automobile und deren Besitzer. Wenn Sie mehr über mich erfahren möchten: www.dt-classics.de.

9 Kommentare

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  • Lieber Dirk,

    vielen Dank für dein Engagement zu diesem so treffenden Beitrag.

    Natürlich habe auch ich anfangs Bereiche ausprobiert und Fotografien auf diversen Fotoplattformen, in der Hoffnung auf Bestätigung und Likes geteilt. Ich merkte zum Glück früh, dass ich für Likes auf dem besten Wege war meine eigene Sprache, meine eigenen Pfade aufzugeben und ein Massenprodukt zu werden.

    Heute bin ich selbst mein stärkster Kritiker und frage mich vor dem Anfertigen meiner Aufnahmen: Was ist es Wert getan zu werden und Warum? Sowie beim Betrachten meiner Aufnahmen: War das Bild die Anstrengung Wert?
    Und weitere Fragen folgen: Wofür bin ich dankbar in dieser Aufnahme? Was gefällt mir besonders gut?
    Was war meine Absicht mit der Fotografie? Ist es mir gelungen, dass zu fotografieren, was ich ausdrücken wollte?
    Was ist das Motiv? Ist es präsent oder geht es unter? (Das Motiv muss nicht gegenständlich sein)

    Beim Fotografieren geht es mir darum innezuhalten und mich darauf einzulassen, zu erkennen, dass Fotografie nicht nur das Abbilden der Welt um mir herum sein muss. Ich möchte auch mein Ich in einen bestimmten Rhythmus zu bringen.
    Den Rhythmus der Ruhe und Inspiration, weit weg von technischen Aspekten und Problemlösungsansätzen der Bildgestaltung. Ich bin überzeugt, bevor wir uns für aussagekräftige Fotografien auf die Suche nach einem guten Motiv begeben, ist es wichtig, zumindest den Ansatz unseres Ichs gefunden zu haben.
    Und mein Ich kann ich nicht in den Likes anderer finden.

    Ein künstlerisch Schaffender, in meinem Fall ein Fotograf, der für Likes auf Fotoplattformen eine Bildsprache sucht oder gar seine eigene Bildsprache aufgibt, wird am Selfie vorbei in den Abgrund stürzen.

    Liebe Grüße,
    Bernhard
    nes-lichtbilder.de

  • Guten Abend, Bernhard,

    vielen Dank für den tiefen Einblick in die Ethik deiner Fotografie. Der Grat ist oft schmal, bestimmte Systeme intelligent zu nutzen, oder sich ihnen auszuliefern, oder gar abhängig davon zu werden. Social Media zu verteufeln, ist daher auch nicht mein Motiv.
    Der Kanalisierung und Zuspitzung von Kreativität in ein System hinein mag man sich vielleicht gar nicht immer bewußt sein, Stichwort Betriebsblindheit. Allzu hart an die Sache rangehen, und dann an der eigenen Moral scheitern, bringt irgendwie auch nichts. Lieber einfach ab und zu mal schauen, was gerade so los ist im eigenen Tun und Lassen reicht ja meistes schon.

    Liebe Grüße,

    Dirk

    • Hallo lieber Dirk,

      ich kann dir nur zustimmen. Ich stelle heute auch noch auf Insta ein, doch lasse ich mich nicht durch Likes beeinflussen. Vielleicht erklärt das, dass ich wenig Follower habe ;-) Für mich ist Insta eher als Ventil zwischen Vernissagen zu verstehen. … deren Algorithmus scheint aber defekt zu sein. ich bekomme ständig Werbung zu Sport und gesunder Ernährung angezeigt (Mobbing?), ach ja und Katzenvideos.

      Meine an mich selbst gestellten Fragen: “Was ist es Wert getan zu werden und Warum? Sowie beim Betrachten meiner Aufnahmen: War das Bild die Anstrengung Wert?” können natürlich auf den ersten Blick ungemein hart und frustrierend sein, am Ende erzeugen sie bei MIR aber kreative Ideen und Schübe, die manchmal noch viel mehr stressen können, wenn denn keine Zeit zur Umsetzung besteht.

      Und so ist meine Herangehensweise an die Fotografie oftmals wie eine Achterbahn zwischen Frust und totaler Freude – der es ab und an einfach an der Leichtigkeit im Handeln fehlt. Mir ist dies, aber auch die Ursache dessen, durchaus bewusst.

      Liebe Grüße,
      Bernhard

  • Lieber Dirk,
    vielen Dank für den sehr interessanten Artikel, der ziemlich entscheidende, fast philosophische Fragen aufgreift, die ich mir auch ab und zu stelle. Noch habe ich eine große Freude an der Fotografie, und ich freue mich besonders an den einigen wenigen, die als Vergrößerungen in unserem Haus aufgehängt sind.

    Dabei stelle ich mir öfters die Frage, für wen oder was fotografiere ich eigentlich? Pragmatisch gesehen sind die Fotos, ob gelungen oder nicht, im ersten Moment für die Festplatte, in der sich Tausende von Bildern mehr oder weniger geordnet ansammeln. Am meisten Schwierigkeiten bereitet mir dann die Auswahl von einigen wenigen, subjektiv guten Bildern, um sie (oft zeitaufwändig) weiter zu bearbeiten. Und dann? Landen sie in einem speziellen Ordner wieder nur auf der Festplatte!

    Manchmal drucke ich sehr wenige Bilder für einen Fotokalender aus, den ich zu gegebenen Anlässen an Verwandte oder Freunde verschenke. Ob die Motive bei den Beschenkten ankommen und ob sie ihnen gefallen, ist dann eher offen, meist heißt es kurz nach dem Auspacken einmal wohlwollend „Ah, schöne Bilder“. Ich habe dann auf jeden Fall das Gefühl, dass meine Freude geteilt wird und sich der Aufwand gelohnt hat.

    Um auf die Vergrößerungen zurückzukommen, die im Haus aufgehängt sind und auf die ich besonders stolz bin: die allermeisten Besucher nehmen von den doch recht großen Bildern keinerlei Notiz. Natürlich stellt man sich dann die Frage, woran das liegen könnte. Ein bisschen Aufmerksamkeit würde doch gut tun. Sind die Bilder für die anderen doch nicht so gut, dass sie eines Blickes wert wären? Dies kann sein, könnte es aber auch an der massiven Überflutung von (guten, oft stark bearbeiteten) Bildern in sozialen Medien, Zeitungen, Journalen und Plattformen liegen?

    Zu Zeiten, in denen KI zusätzlich falsche (und beeindruckende) Bilder erzeugen kann, möchte ich in diesem Zusammenhang einen bemerkenswerten Satz in die Runde werfen, den ich vor kurzem in einem Zeitungsartikel* gelesen habe und der von Prof. D. Franzreb, Professor für Mediendesign und Multimedia-Produktion an der Hochschule Neu-Ulm, stammt:

    „Das Einzige, was die Fotografie jetzt noch leisten kann, ist, die Realität zu erzählen“.

    Ist das so oder klingt es (für uns „echte“ Fotografen) doch viel zu pessimistisch? Mache ich mit Freude weiter mit dem Fotografieren (natürlich!) oder überlasse ich der KI das Feld?
    Herzliche Grüße, Peter Bäuerle, Elchingen

    *Artikel von M. Golling am 26.7.23 in der Südwestpresse: „Goldrausch im Computerkeller“ über den Fotoband „Proof of Work“ von Prof. Danny Franzreb.

  • Sehr geehrter, lieber Herr Trampedach,
    Darf ich davon ausgehen, dass sich Ihr Artikel hauptsächlich an uns Amateure und Fotobegeisterte richtet? Für den Profi gelten andere Regeln. Sein Auftraggeber ist der Kunde. Der ist bekanntlich König und sagt – hoffentlich – was er will und erwartet.
    Gleichwohl treffen Sie mit den geschilderten Gedanken , Ihrer Analyse und Beobachtungen den Nagel auf den Kopf. Was in den Social Media Systemen abläuft ist recht vielschichtig und hat in Teilen viel mit Selbstvermarktung zu tun, der Jagd nach „LIKES“. Die Fotos sind nur das Transportmittel. Manch junges Leben ging schon wegen zu wenig dieser Likes frühzeitig und völlig unsinnig zu Ende. Das System Facebook ist eine gigantische Plattform für Kommunikation und Networking, gleichwohl dürfte das eigentliche Geschäftsmodell das Sammeln von Kundendaten sein. Die lassen sich trefflich verkaufen. Was damit geschieht wissen wir.
    Also, was machen wir mit unseren Fotos? Kommen sie als Vergrößerung an die Wand, erfreuen sie nur den Fotografen/in am PC, tauchen Sie auf einer persönlichen Internetseite auf, werden sie als Stock Fotos Bildagenturen angeboten, um einige Beispiele zu nennen. Wir wissen es nicht. Da wir als Amateure keinen wirtschaftlichen Zwängen unterworfen sind, was Fotografie anlangt, gilt der alte Spruch „Der Weg ist das Ziel“. Dieser Weg kann heißen Familie, Reisen, Landschaft, Porträt, Akt, Blumen, Action, Experiment und vieles mehr. Ich persönlich experimentiere gerne, versuche Neues, wie z.B. Macro oder auch Infrarot. Nicht jeder Versuch bringt das erhoffte Ergebnis aber immer ein Mehr an Wissen. Zudem können wir uns auf der Plattform Fotowissen.eu austauschen und dazulernen. Jedem ist jede Freiheit gegeben. Und das ist das Schöne am schönsten Hobby der Welt.

    • Hallo Herr Gosebruch,

      danke sehr für ihren ausführlichen Beitrag!

      Für mich ist erstmal unerheblich, ob die Thematik Amateure oder Profis ansprechen mag. Denn im Kern betreffen die Regeln und Widrigkeiten jeden, der sich social media, oder artverwandten Systemen zuwendet. Dass sich nicht immer alles automatisch schlucken lassen muß, wenn „König Kunde“ das mag, zeigt sich ja u.a. hier bei fotowissen. eu. Obwohl Peter Roskothen als Profi kundenorientiert arbeitet, hat er sich seine kritische Haltung gegenüber den Datenkraken bewahrt. Und mancher Amateur, der das zwingend gar nicht müsste, liefert sich den Dingen grundlos aus. So ist es nun mal.

      Zur Verwendung/Nutzung eigener Fotos kann ich aus meiner Sicht + Erfahrung nur empfehlen, kreativ zu sein. Wieso sollte einen Amateur das von einem Profi unterscheiden? Der Aufwand, die Leidenschaft, und die Freude am eigenen Foto sind auf beiden Seiten hoch. Für als bedeutsam erachte ich, nachhaltig zu arbeiten. Die Varianten, Fotos zu zeigen, gehen daher immer einher mit einem Netzwerk, in dem das Sinn macht, und dann auch Erfolg bringt. Gutes Netzwerken schließt Konkurrenz aus. Es geht da nicht drum, wer die meisten Likes und Follower hat, sondern darum, sich gegenseitig zu fordern und zu fördern. Ein Kreis, und sei er noch so klein, der das möglich macht, ist die richtige „Plattform“. Wie Sie so schön sagen, das hier ist eine davon.

      Eine weiterhin beseelte Fotografie wünsche ich Ihnen!

      Herzliche Grüße,

      Dirk Trampedach

  • Hallo Dirk,
    herzlichen Dank für Deinen ausgezeichneten Artikel. Deine Gedanken sind toll geschrieben. Zufällig habe ich mir in letzter Zeit ähnliche Gedanken über die Fotografie gemacht. Angeregt durch eine Mitgliedschaft bei der Fotocommunity, wo ich ein wenig aktiv bin. Die Gründe weshalb ich mich dort angemeldet habe waren bestimmt auch die, die Du beschrieben hast, zu sehen was machen die Anderen und wo stehe ich selbst. In der Fotocommunity kann man schon sehr gut erkennen, dass sich die Art der Bildbearbeitung stark verändert. Es wird bunter, knalliger und dadurch lauter. Ich kann mich nicht so oft dorthin begeben, da ich die Fotografie auch als Meditation und Ausgleich empfinde. Ihr habt dies schon oft in Fotowissen beschrieben. Da passt dieser Artikel wunderbar dazu. Sicherlich ist es schön wenn man für seine fotografische Arbeit gelobt wird, doch für mich sind meine Bilder auch eine Fahrkarte in die Vergangenheit bzw. die Erinnerung an schöne Momente. Um so besser das Bild ist, um so mehr kann man aus dem Bild die Freude an dem Moment erkennen. Meine Interpretation :-))Es macht auch nichts, wenn der eine oder andere Bilderschatz auf der Festplatte liegt und nur von mir gesichtet wird, der Briefmarkensammler erfreut sich ja auch alleine an seinen Briefmarkenalben. Vielleicht kein ganz passender Vergleich aber doch wieder. Der Mix aus Festplattenschätzen und Veröffentlichungen macht wahrscheinlich die Würze in der Fotografie aus. Ich wünsche Dir und allen Fotografen auf jeden Fall weiterhin viel Freude an ihrer Fotografie. Liebe Grüße Ralf

    • Lieber Ralf,

      in Zeiten, in denen ein inbrünstig hochgereckter Digitial-Daumen die Speerspitze positiver Kritik bilden soll, sind so ausführliche, tolle Kommentare wie der deine wie von einem anderen Stern. Es freut mich auch sehr, dass du in deine Erörterung die Autorinnen + Autoren hier bei *fotowissen.eu mit einbeziehst. Stellvertretend für uns alle vielen herzlichen Dank dafür!

      Deinen Vergleich, die Charakteristik einer Onlie-Plattform als “laut” zu bezeichnen, finde ich geradezu genial, und deine Konsequenz dessen mehr als verständlich. Aber auch das ist im Grunde ja keine Pauschalabsage an sowas. Die Offenheit und Absicht, Gutes zu filtrieren, zählt für mich zur Professionalität im Umgang mit allem.

      Recht geben möchte ich dir auch im Hinblick auf Veröffentlichung/Festplatte. Alles zur gleichen Zeit rausholen funktioniert sicher nicht. Aber zu wissen, was dort am Rechner schlummert, und wie man es findet, ist essentiell dafür, immer zur rechten Zeit die richtigen Fotos ans Licht zu holen.

      Für deinen anregenden Beitrag nochmals vielen Dank, mit den besten Wünschen zu einer erfolgreichen, beseelten, und hoffentlich “leisen” Fotografie… ;-)

      Herzliche Grüße,

      Dirk Trampedach

Journalist, Fotograf, Fototrainer Peter Roskothen

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