Lichter und Tiefen
Bei einer Diskussion über die Bildgestaltung sollte es zu diesen Grundsätzen Konsens geben:
- Ob ein Foto als gut oder schlecht, schön oder scheußlich beurteilt wird, hängt stark von der Absicht des Fotografen und dem persönlichen Geschmack des Betrachters ab.
- Es gibt wissenschaftlich fundierte Untersuchungen über die Art und Weise wie der Mensch die Dinge seiner Welt, also auch Fotos, wahrnimmt.
- Mit den heutigen Kameras und den Möglichkeiten der Computertechnik sind bestimmte Qualitätsstandards gegeben.
- Regeln für die Bildgestaltung gibt es, sie wurden auch formuliert und doch entstehen hervorragende Fotos gegen alle formulierten Regeln.
In einem Digitalfoto haben die einzelnen Pixel unterschiedliche Tonwerte. Sie reichen von tiefsten Schwarz bis hellsten Weiß. Die hellsten Stellen im Bild nennt der Fotograf die „Lichter“ die mit den dunkelsten die „Tiefen“ und die mittleren die „Mitteltöne“. Ausgeglichene Fotos haben aus jedem Bereich die für das Motiv richtige Anzahl von Tonwerten, also Tiefen, Mitteltöne und Lichter. Es ist auch in Ordnung wenn im Bild einer Winterlandschaft überwiegend Lichter und helle Mitteltöne vorhanden sind und bei einer Nachtaufnahme die Tiefen und die dunkleren Mitteltöne überwiegen. Problematisch wird es für das Foto, wenn im Bild zu dunkle Tiefen oder/und zu helle Lichter vorhanden sind. In beiden Fällen sieht der Betrachter nur eine schwarze oder weiße Fläche und darin keinerlei Einzelheiten, Fotografen sprechen von „abgesoffenen Tiefen“ und „ausgefressenen Lichtern“ oder auch von der „fehlenden Zeichnung in den Tiefen“ oder/und „fehlender Zeichnung in den Lichtern“. Fehlende Zeichnung heißt letztlich, dass man in größeren Bereichen im Bild nur Schwarz oder nur Weiß sieht, aber keine Einzelheiten. So ist im Zentrum der Blüte des „Australischen Federbusch“ kein Blütendetail zu sehen. Ich empfinde dieses Bild wegen dieser „ausgefressenen Lichter“ als nicht gelungen, ich schaue auch immer zuerst auf diese Stelle und dann erst betrachte ich die anderen Bildbereiche.
Gleichzeitig weiß ich, dass Fehler für diese Fehlstelle im Bild bei mir liegen: – Ich habe die Kamera falsch eingestellt, sie konnte die Lichtverhältnisse nicht optimal umsetzen. Deshalb sollte ich sofort nach der Aufnahme sie auf dem Monitor kontrollierten und gegebenenfalls wiederholen. Wer noch analog fotografiert hat oder es auch heute noch tut, der weiß die Möglichkeit der sofortigen Kontrolle einer Aufnahme zu schätzen und der digital arbeitende Hobbyfotograf sollte sich das unbedingt angewöhnen.
– Im Falle einer Aufnahme im Heimstudio habe ich das Objekt falsch beleuchtet. Entweder standen die Leuchten im falschen Winkel zum Objekt oder ihr Licht war nicht optimal. Da hilft nur, die Position der Leuchte zu verändern und das immer über den Monitor(!) zu kontrollieren. Erinnern Sie sich noch an den Satz aus dem Physikunterricht: Einfallswinkel (des Lichts) ist gleich dem Ausfallwinkel (des Lichts)? Das heißt, wenn Sie und die Kamera so stehen wie in den Grafiken 1 und 2, sehen Sie ein Bild mit Tiefen und Lichtern und Mitteltönen – ihre Kamera sieht das Bild auch aber aus einem ganz anderen Winkel, also mit anderen Tiefen, anderen Lichtern und anderen Mitteltönen. Nur bei der Kontrolle über den Monitor oder auch den Sucher ( Grafik 3) sehen Sie auch das Kamerabild.

Oft sind in den ausgefressenen Lichtern doch noch Details vorhanden, die nur nicht angezeigt werden. Dann hilft das Bildbearbeitungsprogramm „Adobe Photoshop Elements 13″.

Dort gibt es im „Experte“ (1) die Befehlskette „Überarbeiten(2)- Beleuchtung anpassen (3) – Tiefen/Lichter“(4). Es öffnet sich dieses Bedienfeld,(5), in dem sich drei Schieberegler (6) befinden.

Vom Programm sind für die Tiefen Voreinstellungen vorhanden. Da ich mit den Tiefen im Bild zufrieden bin, lasse ich diese bestehen, ändere aber die in den Lichtern (7) und schon werden darin Details sichtbar, die mein Bild deutlich verbessern.

Auch im Assistent (1) können Tonwerte geändert werden. Unter „Retuschen“ (2) befindet sich die Schaltfläche „Aufhellen und abdunkeln“ (3) dort können mit den Schiebereglern (4) entsprechende Änderungen vorgenommen werden.

So wie die Lichter verändert werden können, lassen sich auch die Tiefen verbessern. Das Laubblatt der Marante hat so herrliche Farben, die aber in der linken unteren Bildecke völlig „abgesoffen“ sind. Durch die Veränderung der Einstellungen für die Tiefen werden Details sichtbar, die vorher nicht erkennbar waren.

Im Programm „Adobe Photoshop Lightroom“ gibt es diese Funktionen auch.











Klasse Beitrag, Günter :-)
Sehr informativ, Du machst sehr schöne Foto`s.
Toll erklärt! Wobei ich ganz ehrlich sagen muss, ich fand das unbearbeitete Bild schon interessant, vom Motiv, mir gefällt nur die Farbe des Hintergrunds so gar nicht. Ich finde, dass die Farben der Blüte nicht mit dem Hintergrund harmoniert. Aber das ist mein persönlicher Geschmack.
Ansonsten werde ich Deiner Anleitung mal folgen und das ein oder andere Bild von mir vielleicht doch mal bearbeiten. Danke für die Anregung!
[…] Dieses Bild vom Australischen Federbusch ( aus einem Blumenladen) gefällt mir nicht. Möchten Sie wissen, warum es mir nicht zusagt und was ich mit dem Foto schließlich gemacht habe, dann lesen Sie bitte meinen Beitrag „Bildgestaltung und Bildbearbeitung – Teil 1“ […]