Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Alles rund um Graufilter – Teil 3/4 – Aufnahmevorbereitung

Artikel ursprünglich verfasst am 24. Juli 2014

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Tabelle der Belichtungszeitverlängerungen

Wir wissen jetzt, dass man mit Graufiltern die Belichtungszeit um x-Stufen verlängern kann. Aber um wie viele genau? Entweder man hat die verschiedenen Reihen im Kopf (ich habe das nicht!), oder man nutzt eine Tabelle wie die nachfolgende um die erforderliche Belichtungszeit nachzuschlagen. Wer es gern bequem hat und ein Smartphone besitzt, kann dies auch ganz einfach mit einer App erledigen. Im iOS Bereich gibt es z.B. „LE Calculator“ oder „ND Calc“, die bei Angabe der ohne Filter gemessenen Belichtung sowie des zu verwendenden Filters die mit Filter resultierende Belichtungszeit anzeigen. Das ist bequem, man darf aber sein Smartphone nicht vergessen. Also sicherheitshalber die ausgedruckte Tabelle irgendwo im Fotorucksack dabei haben.

Tabelle Zeitverlaengerung

Gleichzeitige Verwendung mehrerer Graufilter

Ein ND 0,6 Graufilter und ein ND 0,9 Graufilter sollen gemeinsam genutzt werden. Dabei gilt, dass sich die Dichte der Filter sowie die Blendenreduktion addiert und der Filterfaktor multipliziert.

Filteraddition

Bei Verwendung mehrerer Graufilter sollte vorsichtshalber eine Probeaufnahme gemacht werden um zu prüfen, ob sich dadurch eventuelle Randabschattungen ergeben. Falls ja, die Szene etwas größer aufnehmen und anschließend bei der Bildverarbeitung am PC / Mac den abgedunkelten Bereich wegschneiden. Warum kann es Sinn machen einen Graufilter und einen Grauverlaufsfilter zu kombinieren? Der Graufilter dient in einem solchen Fall der eigentlichen Verlängerung der Belichtungszeit, der Grauverlaufsfilter um einen u.U. trotzdem in der Szene vorhandenen zu hohen Motivkontrast zu reduzieren. Das sind zwei verschiedene Aufgaben.

 Wie benutzt man Graufilter in der Praxis?

Hier das Vorgehen, wenn man eine Aufnahme mit einem sehr dunklen Graufilter erstellen möchte. Kommt nur ein sehr leichter Grauverlaufsfilter zum Einsatz (ist die Belichtungszeit entsprechend kurz), muss man kein Stativ benutzten und kann den einen oder anderen nachfolgend genannten Schritt auslassen. Ich denke aber, dass versteht sich von selbst, so dass es hier genügt, einmalig die maximal nötigen Schritte zu schildern. Das bedarfsweise Auslassen einzelner Schritte sollte dann kein Problem sein.

Generelle Vorbereitungen

  • Sicherstellen, dass das Stativ auf einem festen Untergrund steht. Beispiel: Jede Form von Buschwerk oder Bodendeckern ist problematisch, da sich diese während der Belichtungszeit durch das Gewicht des Stativs bewegen können. Auch loser Sand kann problematisch sein. Im Zweifel die oberste Sandschicht entfernen und das Stativ auf festeren, tiefer liegenden Sand stellen. Wer anschließend nicht die Füße des Stativs „entsanden“ möchte, kann die Stativbeine z.B. in Gefrierbeutel stecken und diese mit Gummibändern simpel fixieren. Das gilt insbesondere, wenn man nah am Wasser fotografieren möchte.
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Auf dem Bild sieht man, dass sich etwas Wasser im Beutel gesammelt hat. Das lag daran, dass eine der Wellen höher als erwartet war…. aber besser so, als auch noch Sand und Algen am Stativ.

  • Kamera auf dem Stativ befestigen
  • Prüfen ob die Kamera in Waage steht, damit der Horizont nicht zu einer Seite abfällt und eine nachträgliche Korrektur der Bildlage in der Bildbearbeitung unnötig wird. Bei Aufnahmen in denen eine klare Horizontlinie sichtbar ist, stört dies später beim Betrachten des Bildes deutlich. Ein Meer, das rechts aus dem Bild herauszulaufen scheint, ist nicht schön. Späteres geraderichten in der Bildverarbeitung funktioniert natürlich, schneidet aber Teile der Szene weg. Hoffentlich keine Wichtigen.
  • Fernauslöser an der Kamera anbringen
  • Falls das verwendete Objektiv einen Bildstabilisator hat: abschalten ! Auf dem Stativ werden Aufnahmen ohne Bildstabilisator schärfer.
  • Für genaue Zeitgenossen: Falls möglich, den Spiegel der Kamera vor Beginn der Belichtung hochklappen lassen, damit durch das Hochklappen des Spiegels (Spiegelschlag) zu Beginn der Belichtung keine Erschütterung in das Bild kommt. [ Nikon: Spiegelvorauslösung * Canon: Spiegelverriegelung ]
  • Weißabgleich festlegen, nach Möglichkeit nicht auf Automatik stellen. Wer im RAW-Format fotografiert, kann dies vernachlässigen, da man die Einstellung später im RAW-Konverter sehr gut korrigieren kann.
  • Gewünschten ISO-Wert einstellen, auf keinen Fall Auto-ISO aktivieren ! Da die Lichtverhältnisse durch den Graufilter für die Kamera ausgesprochen schlecht sind, würde die Kamera bei Auto-ISO den maximal möglichen ISO-Wert wählen. Dann passt die gleich zu ermittelnde Belichtungszeit nicht mehr und das Bild rauscht stark.
  • Belichtungsmessung auf Matrix-Messung (oder vergleichbares) stellen
  • Kamera auf Zeitautomatik stellen und die gewünschte Blende einstellen. [ Nikon: A (Aperture [engl.: Blende] ) * Canon: Av (Aperture Value) ]
  • Bildausschnitt festlegen
  • Belichtung prüfen und die von der Kamera angegebene Belichtungszeit merken.
  • Die Kamera auf „manuelle Belichtung“ stellen
  • Die gerade in der Zeitautomatik eingestellte Blende auch im „manuellen Modus“ einstellen. Manche Kameras merken sich die eingestellte Blende abhängig vom Belichtungsmodus so dass nach der Umstellung auf „Manuell“ andere Belichtungswerte eingestellt sein könnten als gerade bei Verwendung der Zeitautomatik vorgegeben.
  • Die gemerkte Belichtungszeit verwenden und mit der Tabelle der Belichtungszeitenverlängerung (oder den oben erwähnten Smartphone Apps) die mit Graufilter resultierende Belichtungszeit ermitteln
    • Liegt die resultierende Belichtungszeit unter 30 Sekunden, kann dieser Wert als Zeit in der Kamera eingestellt werden
    • Liegt der Wert über 30 Sekunden, die Kamera auf „Bulb“ stellen und z.B. mit Hilfe der eigenen Armbanduhr die verstrichene Zeit im Auge behalten um die Belichtung zum richtigen Zeitpunkt zu stoppen.
      Anmerkung: Wenn Sie in der späten Dämmerung (z.B. gegen Ende der „blauen Stunde“) fotografieren möchten, kann es u.U. so dunkel sein, dass Sie Ihre Armbanduhr nicht mehr ohne weiteres ablesen können.
      Wenn Sie häufiger solche Aufnahmen planen, lohnt sich u.U. der Kauf eines Fernauslösers, bei dem Sie Belichtungszeiten größer 30 Sekunden fest vorgehen können. Natürlich können Sie auch eine kleine Taschenlampe mitnehmen um Ihre Uhr abzulesen. Achten Sie dann aber darauf, dass der Lichtschein die Szene nicht erhellt oder möglicherweise der Lichtschein in das Objektiv fällt.
      Sollten Sie es lieben, alles was möglich ist mit Ihrem Smartphone zu erledigen, gibt es auch hier für Sie eine App: Gucken Sie z.B. unter „Triggertrap“ nach. Mittels eines Adapters können Sie mit dieser Lösung Ihr Smartphone für vergleichsweise kleines Geld zu einem Fernauslöser mit vorwählbarer Belichtungszeit > 30 sec. machen.
  • Motiv wie gewünscht scharf stellen
  • Nochmals den Fokus prüfen und anschließend den Autofokus auf „manuell“ stellen, da dieser mit aufgeschraubtem Graufilter mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr funktionieren wird.
    Der Autofokus funktioniert nur mit sehr! schwachen Graufiltern. Danach Acht geben, dass sich der Fokuspunkt nicht mehr versehentlich durch drehen am Objektiv verändert!
  • Filter auf das Objektiv schrauben oder stecken. Dabei weder die Lage der Kamera, noch den eingestellten Fokus verändern
  • Beim Grauverlaufsfiltern: Prüfen ob der Übergang von grau zu klar genau dort liegt wo er sein sollte. Ggf. bei den Schiebefiltern die Höhe des Grauverlaufs nochmals korrigieren.
    Prüfen ob der Filter horizontal so liegt, wie er muss. (Ein deutlich schräger Grauverlauf in einer horizontal ausgerichteten Szene wird selten passen).
  • Da man das Okular der Kamera bei einer langzeit Stativaufnahme nicht mit dem Auge verschließen kann, sollte man es unbedingt!! mit einem Okulardeckel schließen um zu verhindern, dass Streulicht durch das Okular auf den Sensor fällt.
    Manche Kameras (z.B. Nikon D800) haben auch einen eingebauten Verschluss, den man nutzen kann. Bei anderen Kameras liegen kleine Verschlusskappen bei.
    Wenn beides nicht vorhanden ist: Z.B. ein Mikrofaser Reinigungstuch (das man für die Objektive dabei haben sollte) über die Kamera legen und damit das Okular hilfsweise verschließen. So kann es aussehen, wenn Sie dies vergessen:

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Kaufempfehlung ND Filter von Peter Roskothen

Ich persönlich nutze drei ND Filter mit sogenannten Step-Up-Ringen für verschiedene Objektivdurchmesser (Links zu Amazon):

Warum drei verschiedene Stärken? Ich wollte im Laufe meiner fotografischen Jahre immer wieder mal in der hellsten Sonne lange Zeit belichten. Dann benötigt man je nach Blendenzahl den 10 EV oder 6 EV Filter. Für Aufnahmen im Wald sind oft der 3 EV oder 6EV Filter perfekt.

Warum 77mm Filterdurchmesser? Einige wenige Objektive im APS-C Format (Fujifilm) und Vollformat (Canon) haben einen größten Filterdurchmesser von 77 mm. Mein Tipp: Suchen Sie sich den größten Durchmesser ihres Objektivssortiments heraus und denken dabei noch an die Zukunft. Es kann durchaus sein, dass sie mal ein Objektiv mit 77 mm Durchmesser nutzen. Dann ist es wertvoll, dass sie alle Filter mit 77 mm Durchmesser erwerben plus den Step-Up-Ringen. Spielen Sie mit der Idee, sich eine Mittelformatkamera zu kaufen, dann sollten Sie gleich über Filter mit einem Durchmesser von 82 mm nachdenken.

Mit Hilfe der Ringe schrauben Sie diese Filter an alle Objektive, können aber die Streiflichtblende nicht mehr nutzen. Für einen Polfilter ist die gleichzeitige Verwendung der Steiflichtblende meist sowieso nicht möglich, da Sie den Filter meist immer wieder neu einstellen.

Für alle, die gerne das Beste haben möchten:

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Autor: Ulrich Schifferings

Ich bin seit vielen Jahren Hobby-Fotograf und arbeite seit 2003 mit NIKON Kameras. Zuerst mit einer der ersten digitalen Bridge-Kameras, später mit einer DSLR.

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