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Reinigung der analogen und digitalen Kamera / Sensorreinigung

Peter Roskothen | 29. Juli 2006

Die Reinigung der Kamera ist eine wichtige Aufgabe, die man vor jedem Fototermin bedenken muß. Schmutz auf der Linse oder auf dem Sensor (SLR/Spiegelreflex) ist hinterher viel Ausfleck-Arbeit und geht zu Lasten der Qualität. Schon die analoge Kamera hatte mit Fett, Regen, Wasser oder Fusseln auf der Optik immer einen Grund zum Putzen geboten. Schlimmer noch war der Staub im Labor, der nie wirklich ganz zu beseitigen war und sich in jedem Abzug verewigte. Der Sensor digitaler Kameras ist oft noch viel schlimmer dreckig. Auf dem Sensor sieht man jedes Staubkörnchen in immenser Vergrößerung bei kleiner Blende auf ruhigen Motiven wie dem Himmel oder dem Studiohintergrund. Viele Amateure sehen das nicht – die seien hier bitte nicht aus dem Schlaf gerissen, denn die Reinigung des Sensors ist sehr viel regelmäßige Arbeit. Profis jedoch wissen öfter um diesen Schmutzfaktor und die Sensoren mit den elektrischen Strömen, die in ihnen fließen und den Staub magisch anziehen.

Objektiv-Reinigung:
Objektive von analogen und digitalen Kameras aller Bauarten reinige ich lieber nicht mit einem Tuch, weil dann die Schutzschicht gleich mit abgetragen wird. Ich nutze auf Anraten des Fachmanns, Herrn Hamacher, Foto Allkauf in Kempen (dort bekommt man dieses Utensil auch), einen “Hama Lenspen” für Staub und dessen Gegenseite für Tropfen oder Fett auf dem Objektiv. Mit Gegenseite meine ich einen konkaven “Stöpsel” (unten links im Bild) der einen schonenden Belag für die Reinigung der konvexen Frontlinsen von Kameras hat. Das funktioniert sehr gut und selbst hartnäckiger Dreck kann ich durch leichtes Anhauchen der Linse und anschließendes Reinigen mit dieser Seite beseitigen.

Lenspen (von Hama)

Den Lenspen nutze ich nur für das Objektiv oder Filter. Dafür eignet er sich aber sehr gut.

Tip: Übrigens halte ich UV-Filter, die oft nur als Schutz für die oberste Linse des Objektivs aufgeschraubt werden, im Zeitalter der digitalen Fotografie für relativ viel rausgeschmissenes Geld. Polfilter hingegen erfüllen auch bei digitalen Kameras einen guten Zweck, der nicht vollständig von Software-Filtern ersetzt werden kann.

Der Dreck auf dem Sensor von digitalen Spiegelreflexkameras ist schwieriger zu beseitigen. Es handelt sich meist um Feinstaub welcher über Zoomobjektive und den Wechsel der Objektive in die Kamera hinein gelangt. Dieser Staub ist mikroskopisch klein und schwer auf dem Sensor selbst zu entdecken (wenn überhaupt dann mit Lupe). Dafür aber ist dieser Staub auf dem Sensor (genauer auf dem Tiefpassfilter davor) in den Fotografien von Himmel und Studiohintergründen leicht zu entdecken, als runde kleine graue Pünktchen. Diese treten erst etwa bei Blende 11 oder 16 auf und nicht etwa bei Blende 2.8 oder Blende 4.

Es gibt im Handel viele Kauf-Vorschläge, von denen in meinen Augen die folgenden nicht geeignet sind:

  1. den sogenannten “Speckgrabber”. Der hat bei mir oft mehr Staub auf den Sensor getragen als beseitigt
  2. auch die Klistier-Spritze aus der Apotheke sollte man besser rektal nutzen als für das Herauspusten des Staubes. Das kann nicht funktionieren, denn in der Luft ist meist mehr Staub, der hineingesogen wird als auf dem Sensor.
  3. völlig verzichten kann man auf die vermeintliche Lösung des Hineinpustens. Das Pusten produziert Tropfen auf dem Sensor und hat denselben Nebeneffekt wie die Spritze oder
  4. das Pusten mit trockener Druckluft (die im übrigen nie wirklich trocken zu sein scheint). Finger weg!
  5. auch nicht geholfen hat bei mir das Spray, welches über ein Ventil als Mini-Staubsauger fungieren soll. Das ist mit etwa EUR 30,- sogar richtig teuer und in meinen Augen völlig ungeeignet. Angeblich ist das Ding ein Testsieger; bei mir jedenfalls nicht
  6. und nicht gut waren auch die bereits feuchten Stäbchen, die im Handel bei dem vorher beschriebenen Staubsauger-Spray mit dabei lagen. Die haben im sehr staubigen Indien starke Schlieren produziert und uns dann mit mehr Problemen als vorher stehen lassen

Zwei Dinge, die wir in unserer Agentur noch nicht selber probiert haben:

  1. ist der Scotch-Klebestreifen, der mit einem Hilfsmittel wie einer alten, zurechtgeschnittenen Scheckkarte leicht angeklebt und dann wieder abgezogen wird. Angeblich ist das Rückstandsfrei? Ich bezweifle das bis heute, lasse mich aber gerne von entsprechenden Erfahrungen eines Besseren belehren. Kommentare erwünscht
  2. der Kunstfaserpinsel der mit seiner Aufladung den Staub abzieht. Diese Lösung scheint gut und ich wäre dankbar für Kommentare und Tipps (wie lädt man den Pinsel auf?)

Sensor-Reinigung:
Ich habe für unsere SLR-Kameras einen Rhythmus von 14 Tagen zum Reinigen als perfekt herausgefunden. Diese Kameras sind aber auch oft in Gebrauch und der Objektivwechsel gehört oft dazu. Ein Sensor sieht bei uns nach 14 Tagen Einsatz etwa so aus (Dialeuchtfläche oder weißes Blatt Papier fotografieren bei kleinster Blende 22 oder 32, Entfernung auf Unendlich eingestellt, Autofokus aus):

verschmutzter Sensor einer 20D

Ich reinige dann mit dem “Sensor-Wand”, einem Plastikutensil, welches recht preiswert unter der unten aufgeführten URL zu erhalten ist. Darauf wird ein fusselfreies Tuch (PED-PAC) mit einem kleinen Streifen Tesa oder ähnlichem befestigt und dann kommen zwei Tropfen “Eclipse” Reinigungsflüssigkeit darauf. Die Kamera stelle ich bei vollem Akku (!) auf “Sensorreinigung” ein. Das Objektiv nehme ich ab und stelle es bei Seite. Mit dem Sensor-Wand gehe ich jetzt mit leichtem Druck über den Tiefpassfilter (ein Glas), der vor dem eigentlichen Sensor sitzt. Danach reinige ich mit demselben Tuch noch vorsichtig sämtlichen Staub oder Abrieb um das Bajonett und am Objektiv (nicht die Linse!). Ich ziehe das dreckige Tuch ab und dann wiederhole ich den Vorgang mit einem trockenen PED-PAC-Tuch auf dem Sensor-Wand. Dann das Objektiv setze ich wieder vorsichtig drauf und schalte die Kamera aus. Ich prüfe die Verschmutzung mit einer Aufnahme vor der Reinigung und nach der Reinigung, wie oben beschrieben. Sollte noch Dreck auf dem Sensor sein, so wiederhole ich den Vorgang – immer mit frischen Tüchern. Das Ganze mache ich in einer relativ staubfreien Umgebung wie der Küche, da dort durch Fett und Dampf weniger Staub in der Luft ist. Oberflächen der Tische wische ich vorher feucht ab. Die Kamera um das Bajonett wische ich ebenfalls feucht ab. Die Reinigungsflüssigkeit ist übrigens hochgiftig und kann durch Einatmen und Kontakt zur Haut zu Gesundheitsschäden führen. Das Tragen von puderfreien Einweg-Handschuhen (nicht einfach zu bekommen) ist auch wegen des Saubes der Hände sehr anzuraten.

Alle Angaben ohne Gewähr. Fehler vorbehalten. Reinigung auf eigene Gefahr. Im Zweifel bitte lieber von der Fachwerkstatt oder dem Hersteller reinigen lassen. Viele Hersteller bieten eine Reinigung pro Jahr gratis an.

Links:

  • Anleitung zur Reinigung auf englisch
  • PED-PAC – Reinigungstücher (fusselfrei)
  • Sensor-Wand – Werkzeug zur Reigung (bitte achten Sie auf die richtige Größe für Ihre Kamera)
  • Eclipse – rückstandslose Flüssigkeit

Übrigens: Olympus hat eine Lösung für den Staub auf dem Sensor seiner Kameras entwickelt. Diese Lösung basiert auf Ultraschall, der beim Einschalten der SLR den Staub löst. Unten im Gehäuse sitzt ein Klebestreifen, der den Staub dann sammelt. Leider haben andere Hersteller bislang noch nicht in diese Lizenz investiert (oder dürfen nicht lizenzieren?) und lassen uns Kunden weiter “im Staub stehen”. Ich glaube die neueren Kameras müssen unbedingt Lösungen für das Staubproblem anbieten. Eine klare Empfehlung an alle SLR-Hersteller.

Haftungsausschluss: Vorsorglich weise ich darauf hin, dass eine Objektiv- oder Sensor-Reinigung mit höchster Sorgfalt durchzuführen ist. Der Autor dieses Beitrages übernimmt keinerlei Verantwortung für evtl. Beschädigungen, die beim Sensorreinigen entstehen könnten, selbst wenn dieser Beitrag fachliche Fehler enthalten sollte.

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4 Antworten

Für den Amateur, der bisher keine Flecken entdeckt hat und

Peter Sawatzki | 2. August 2006

Für den Amateur, der bisher keine Flecken entdeckt hat und den sie auch nicht störten: Bevor man mit ungeeigneten Reinigungsmitteln am Sensor herumwischt, lieber die Finger davonlassen.

Puderfreie Handschuhe liefert für kleines Geld die Firma: Pietätwaren Schaaf.
Erich Schaaf
06205/4495
06205/17837
Danziger Str. 5
68799 Reilingen

Zu den empfohlenen Polfiltern: Grundsätzlich ein sehr guter Tip! Besitzer von Digitalkameras sollten aber beachten, daß aufgrund des Wirkungsprinzips von Chip und Optik bei digitalen Kameras in der Regel circulare Polfilter verwendet werden müssen. Die aus der Analogfotografie (vielleicht mit dem Objektiv) übernommenen linearen Polfilter haben an Digicams keine oder nur eine sehr geringe Wirkung.

Noch zwei Firmen die puderfreie Handschuhe haben und etwas näher

Peter Sawatzki | 2. August 2006

Noch zwei Firmen die puderfreie Handschuhe haben und etwas näher bei Peter Roskothen liegen:

Adolf Spinnen Bestattungsbedarf
Geneikener Str. 184
41238 Mönchengladbach
Telefon: 02166-128585, Fax: 02166-25254

Adolf Gauls KG Zubehör
Orkener Str. 92
41515 Grevenbroich
Telefon: 02181-5540, Fax: 02181-9136

Den Pinsel lädt man übrigens einfach durch Anblasen mit der

Uwe | 22. August 2006

Den Pinsel lädt man übrigens einfach durch Anblasen mit der “Klistier”spritze (in meinem Fall eine Giottos Air Rocket) auf. Ein paar mal kräftig anblasen und durch die Reibung der Fasern gegeneinander ist der Pinsel aufgeladen.

Jeder hat wahrscheinlich seine eigene Methode. ich nutze wenn nötig einen Visible Dust Sensor Brush und die Air Rocket (erst pusten, dann mit dem Pinsel einmal nacharbeiten), nur wenn Pollen oder anderer haftender Schmutz da ist greife ich zu Sensor Swabs und Eclipse.

Kleiner Nachtrag zur Sensorreinung unter http://www.fotowissen.eu/?p=59

Peter Roskothen | 17. September 2006

Kleiner Nachtrag zur Sensorreinung unter http://www.fotowissen.eu/?p=59

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