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Das Kinderparadies – Fotogeschichte

Gerne erzähle ich mit “Das Kinderparadies – Fotogeschichte” die Geschichte zum Foto.

Was ist die *fotowissen Fotogeschichte?

Fotogeschichte – Die Geschichte zum Foto ist ein *fotowissen Format, welches die technische Seite der Fotografie ergänzt. Wer sich ausschließlich um die Technik von Leica, Fujifilm, Sony, Canon, Nikon, Panasonic, Olympus und anderer Hersteller kümmert, der möchte vermutlich auch über die Fotos, die Gestaltung, die Geschichte rund um die Fotografie reden.

Die *fotowissen Redaktion besteht aus Autorinnen und Autoren, die Ihr Wissen rund um die Fotografie für Sie kostenlos veröffentlichen. Und um neben den Testberichten rund um Kameras, Objektive und Bildbearbeitungssoftware den Bogen zum Foto zu schlagen, haben wir die Fotogeschichte als *fotowissen Format im Jahr 2023 eingerichtet.

Gründe, nicht zu fotografieren

Warum kennen wir immer die Gründe, nicht kreativ sein zu können?
Teilweise haben diese Gründe den gleichen Ursprung wie, warum wir nicht für eine Klassenarbeit lernen oder im Job ein schweres Projekt angehen. Manchmal denken wir, dass es ohnehin keinen Zweck hat, es anzugehen, weil das Ergebnis nicht unseren Erwartungen entsprechen wird. Dann gibt es auch noch den Sessel oder das Bett, die eine unwiderstehliche Anziehungskraft haben.

Wir warten auf eine innere Eingebung, die es uns ermöglicht, perfekt zu sein. Oder wir denken, wir sind müde bzw. würden eine Krankheit ausbrüten. Es regnet, es ist zu heiß, zu dunkel oder die Sonne zu grell. Und wenn all das nicht zutrifft, verbringen wir unsere Zeit damit, auf den einen Grund zu warten, der es uns ermöglicht, unsere Untätigkeit zu rechtfertigen.

All dies war auch bei mir der Fall, und ich muss zugeben, dass es manchmal immer noch so ist, insbesondere wenn ich auf Dienstreisen bin.

Die Fotogeschichte zu Das Kinderparadies

Wie ist die Fotografie “Das Kinderparadies” meiner Vernissage entstanden?

Irgendwann einmal hatte ich angefangen auf Dienstreisen meine Kamera in den Koffer zu packen. Natürlich hätte es auch die Kamera meines Handys getan. Diesmal nahm ich mir vor, wenn ich schon mal in Hamburg bin, die vielgelobte Hafenstadt und die Elbphilharmonie zu fotografieren. Als ich dann im Taxi vom Bahnhof zum Hotel fuhr, den Innenstadtbereich verließ und es immer trostloser wurde, dachte ich, dass ich vielleicht vorher mal hätte checken sollen, wo genau das Seminarhotel liegt.

Ich war extra am frühen Nachmittag angereist, um schon ein paar Aufnahmen machen zu können. Als ich aus dem Taxi stieg, fing es auch noch an zu regnen. Und als ich nach dem Check-in den Koffer ausgeräumt hatte, lag ich gelangweilt auf dem Bett und schaute den Regentropfen zu, die am Fenster herunterliefen.
Erst waren sie einzeln, um sich dann weiter unten mit Gleichgesinnten zu verbinden. Glücklicherweise gab es genug Gründe, liegenzubleiben.
Mit diesen Gedanken betrachtete ich das Muster der Tapete, bis mein Blick auf die Garderobe fiel, an welcher meine Regenjacke hing. Nein, ich wollte nicht aufstehen. Doch hatte ich vom Taxi aus nicht eine urige Fischbude gesehen? Sie wäre nicht nur ein Motiv, ich könnte mich auch belohnen. Urig mit Einheimischen Fish & Chips essen. Bewusst die rote Linie meiner Schüchternheit überschreiten und ins Gespräch gehen.

Fotografieren gibt Sicherheit

Es regnete immer noch, als ich aus dem Hotel trat. Also beschloss ich, mit der Kamera noch ein paar Schritte durch die Straßen zu gehen. Je länger ich ging, desto weniger vermisste ich die Motive der Innenstadt. Blumen drängten sich durch Zäune hindurch, Graffiti zeigte an, dass auch in den verlassensten Straßen Menschen vorbeikamen, und so langsam gab mir die Kamera Sicherheit.
Sicherheit, nicht einfach schüchtern aus den Augenwinkeln zu beobachten, sondern bewusst hinzusehen, manchmal auch hinter Tore oder in kleine Höfe. Interessanterweise merkte ich, dass Menschen, die mir entgegenkamen, ebenfalls entspannter wirkten, wenn sie sahen, dass ich eine Kamera in der Hand hielt. Dem Straßenverlauf folgend, kam ich über eine Brücke und hielt inne. Ich wollte bewusst die Momente und Eindrücke, aber auch die Zeit meines Lebens spüren. Ich war ruhig, ich hatte gesehen und bin nicht einfach nur gegangen. Als ich auf das Fließen des Wassers schaute und wusste, dass auch dieses nicht mehr an seine Quelle zurückkehren kann, nahm ich eine kleine Treppe, die von der Brücke zum Fluss führte, wahr. Ohne Kamera wäre es mir nie in den Sinn gekommen, dort hinunterzugehen.

Schon beim Hinuntergehen fiel mir ein einsamer rosa Stuhl auf. Regentropfen rannen wie Tränen an dessen Rückenlehne hinunter und auf seinen verbliebenen drei Beinen tänzelte er über gefallenem Herbstlaub, welches die Pfützen mit ihm teilte. Den Regen hatte ich vergessen. Ich schlich um den Stuhl, betrachtete ihn aus verschiedenen Perspektiven, stellte mich auf Zehenspitzen, kniete mich hin, legte mich sogar in die Pfütze. Immer aufpassend, dass ich nicht hinter mir in den Fluss fiel. Ich machte eine Aufnahme nach der anderen.

Als ich fertig war, ging ich nass, aber glücklich mit vielen Ergebnissen den Weg zurück. Doch nicht, ohne mir noch eine Portion Fish & Chips zu gönnen. Nichts schmeckt besser, als wenn man zufrieden mit einem Fang heimkehrt.

Der Fang – unterschiedliche Betrachtungsweisen

Bei meinen erwachsenen Kindern hängt nun das Resultat in Postergröße in ihren Wohnungen. Sie erinnert es an den Zugang zu einem coolen Club.
Ich hingegen nutzte es mit einem anderen Kontext als Kernmotiv bei einer meiner Ausstellungen.
Manchmal lohnt es sich, einfach in den Regen hinauszugehen und sich an dem zu erfreuen, was der Tag so bringen mag.

Das Kinderparadies I Fuji x-pro2
Das Kinderparadies I Fuji x-pro2

Mich erinnert die Fotografie an den Liedtext “Sehnsucht” von Purple Schulz:

“Regen fällt, kalter Wind
Himmel grau, Frau schlägt Kind
Keine Nerven und so allein
Das Paradies kann das nicht sein

Warum hast Du mich geboren?
Bevor ich da war, war ich schon verloren
Land der Henker – Niemandsland
Das Paradies ist abgebrannt.”

 

https://www.fotowissen.eu/foto-wissen/fotogeschichte/

https://www.fotowissen.eu/einfach-bei-regen-fotografieren/

https://www.fotowissen.eu/fotografieren-bei-schlechtem-wetter/

© Bernhard Labestin  – Das Kinderparadies – Fotogeschichte

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Bernhard Labestin

In dem Wissen, dass ein beruflicher Werdegang in der Kunstbranche notwendigerweise Kompromisse für den Markt mit sich bringen und somit seinen in der Fotografie realisierbaren Freiheitsdrang determinieren könnte, entschied sich Bernhard Labestin für eine Laufbahn im Berufsfeld der Naturwissenschaften. Die Kamera blieb dennoch seine ständige Begleiterin: Auch heute noch darf die Fotoausrüstung trotz begrenztem Reisegepäck auf seinen Solo-Trekking-Touren über den Polarkreis nicht fehlen.
Diese Reisen führten ihn zudem zu einer essentiellen Erkenntnis:

Es ist nicht so wichtig, die Grenzen ferner Länder zu überschreiten, sondern vielmehr die Grenzen in uns selbst. Es liegt an uns selbst, ob wir uns auf das größte aller Abenteuer, das Abenteuer Leben, einlassen und uns nach ihm ausrichten, oder nicht. Wir können immer wieder etwas angehen, vor dem wir uns fürchten, das wir nicht zu schaffen glauben, das wir noch nie versucht oder im Laufe der Zeit aufgegeben haben. Denn der Tod ist nicht die größte Katastrophe – die größte Katastrophe wäre, wenn Werke, wenn Werte, wenn das, was uns wichtig ist, durch Unterlassen – praktisch durch einen Tod im Leben – liegen bliebe:
“Deswegen bedenke nicht, dass du sterblich bist, sondern werde dir gewahr, dass du lebst. Du lebst nicht nur einmal, sondern Du stirbst nur einmal – lebst aber jeden Tag.”

Aus dieser Erkenntnis leitet sich auch die Maxime seiner Werke der "Neuen Emotionalen Sachlichkeit" ab.

6 Kommentare

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  • Lieber Bernhard,
    wie gut, dass du dich aufgerafft hast.
    Was für ein tolles Foto !
    Das kennen doch die meisten Menschen. Trägheit oder zu deutsch: der innere Schweinehund. Obwohl wir wissen, dass zum Beispiel die tägliche Gymnastik oder das Konditionstraining wichtig für Körper, Geist und Seele sind, ist es eben leichter, im Sessel liegen zu bleiben. Vielleicht muss vorher begreifen, dass die sogenannte Komfortzone oft gleich zu setzen ist mit Konsumzone. Sie befreit von eigener Aktivität und Kreativität. Beides ist in gewissem Sinne anstrengend, aber dadurch auch befriedigend. Neulich bin ich frühmorgens bei -12C fotografieren gegangen. Es hat Überwindung gekostet, die Kuhle im Bett war warm… aber sowohl die Fotos, wie auch das Erlebnis an sich, das Wissen „etwas Sinnvolles“ getan zu haben machen zufrieden.
    Das hast du in deinem Beitrag deutlich beschrieben, ich habe die Nässe und Feuchtigkeit gespürt und so ein Foto muss man erst einmal machen!
    Klasse und danke,
    Michael

    • Hallo Michael, vielen Dank für deine netten Worte.

      Respekt dafür, dass du bei -12°C fotografieren warst!

      Wir beide kennen das Gefühl, in einem warmen Schlafsack zu liegen, während draußen nur die Kälte lockt. Früher oder später wird uns dann bewusst, dass niemand für uns zur Toilette gehen wird und wir uns zwangsläufig aufraffen müssen.

      Diese Erkenntnis versuche ich auch auf meine fotografischen Visionen zu übertragen, denn auch dafür wird niemand anders aktiv werden.

      Also, raus aus der Wärme der Komfortzone.

  • Sehr geehrter Herr Labestin,

    den ganzen Tag denke ich schon über Ihr Bild nach. Auffallend sind zunächst die starken Farben, nicht nur das Pink des Stuhls mit den drei Beinen. Der Bildaufbau ist gut gewählt- die Treppe zieht in das Bild und macht neugierig, was vielleicht dahinter kommen mag. Aber ich muss weder an den Eingang eines coolen Clubs denken wie es Ihre Kinder tun, noch an ein verlorenes Kinderparadies. Irgendwie erweckt es in mir die Assoziation zu einem Tatort. Warum? Ich weiß es immer noch nicht.
    Auf jeden Fall ein sehr gelungenes Bild, über das ich damals schon so lange nachgedacht habe, als Sie es im Rahmen der Vorstellung Ihres NES gezeigt hatten!
    Eine schöne Adventszeit und herzliche Grüße!
    F.Seeber

    • Sehr geehrter Herr Seeber,

      vielen Dank für das Teilen Ihrer Reflexion. Auch ich denke beim dieser Fotografie an den Verlust eines Kindes oder den Verlust der Kindheit (vielleicht aufgrund eines bestimmten Ereignisses).
      Ich glaube, dass wir die Informationen, die uns eine Fotografie vermittelt, bereits in uns tragen, geprägt durch unsere eigenen Erlebnisse. Daher kann die Interpretation einer Fotografie unterschiedlich ausfallen.

      Ich wünsche Ihnen einen schönde Adventszeit.
      Liebe Grüße, Bernhard Labestin

  • Lieber Bernhard,

    kurzum, das Foto ist einfach nur genial, und ich mag auch sehr, zu lesen, was du dazu an Geschichte zu erzählen hast. Die Umstände der Anreise in HH, das Zimmer, das Gefühl des Entkoppeltseins von allem, und die widerborstige Lähmung durch 99 Gründe, liegen zu bleiben, das ist schon mehr als nur ein bisschen Begleit-Info. Schön ist, dass du doch den einen Grund gefunden hast, loszuziehen.

    Belanglose Fotos von ebenso belanglosen Situationen sind unser visueller Alltag. Nur die besondere Art führt auch zu besonderen Resultaten. Dein Foto ist so eins.

    Spannend ist: Ich finde mich in den Interpretationen nicht wieder. Weder der Eingang zum Club, noch die Zeilen von P. Schultz machen was mit mir. Die Anmerkung von Frank Seeber, irgendwas in Richtung Tatort zu sehen, löst da schon eher etwas in mir was aus, obwohl es dafür noch etwas zu hell ist. Die Kanäle von Paris, Seine, oder das düstere London kommen mir dennoch in den Sinn. Schrittehall, man sieht wen laufen, schemenhaft, langer Mantel, Hut, etwas Unheimliches liegt über alledem.

    Die Treppe nehme ich übrigens nicht ins Bild führend wahr. Eher andersrum, als Stufen nach oben, Fluchtweg, Rettung ins Licht.

    Vielen herzlichen Dank für diesen erbaulichen Artikel, und beste Grüße von der Straße,

    Dirk

Journalist, Fotograf, Fototrainer Peter Roskothen

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