Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Urbane Naturfotografie *Buchrezension

Mit Urbane Naturfotografie aus dem mitp Verlag von Verena Popp-Hacker und Georg Popp ist ein hilfreiches Buch zum Thema Wildlife- und Naturfotografie erschienen, speziell für all jene Fotografen die in Städten leben. Wer kann es sich im Alltagsleben mal eben leisten auf die Pirsch nach dem perfekten Natur- und/oder Wildlifefoto zu gehen. Viele von uns leben in Städten, da sind diese Begriffe eher widersprüchlich. Wer erwartet Wildlife und Natur in einer Stadt?

Das Autorenpärchen zeigt mit seinem Buch: Wir Fotografen müssen umdenken!

Urbane Naturfotografie

Nicht immer ist die Safari in Afrika, der Dschungelausflug in Südamerika oder der Tauchausflug in Australien das Maß aller Dinge in Sachen Wildlife- und Naturfotografie. Tatsächlich zeigen uns die Beiden sehr eindrucksvoll was eine Großstadt – in ihrem Fall handelt es sich um Wien – für engagierten Fotografen zu bieten hat. Lasst Euch gesagt sein, es ist erstaunlich was die Fotografen in ihrem Buch zeigen.

Doch das Buch auf ein Bilderbuch zu reduzieren wäre ein Verbrechen. Nicht, dass die Bilder nicht alle herausragend wären und jeder auf den Blick direkt versteht, was urbane Naturfotografie bedeutet. Nein, Verena Popp-Hacker und Georg Popp können auch sehr gut erklären und fangen im Vorwort direkt damit an. So sei ihnen auch die Werbung für ihr – nebenbei beachtliches Projekt „Wiener Wildnis“ – verziehen

Mich hat der Titel des Buches schon angesprochen. Als Stadtkind bin ich von Natur fasziniert und habe mir ein Loch in Bauch gefreut, als ich meine ersten Eichhörnchenfotos machen konnte – von der heimischen Veranda aus! Nach dem ersten Blick in Urbane Naturfotografie weiß ich nun, es gibt noch so viel mehr! Unsere Städte werden grüner und mit jedem kleinen grünen Fleckchen erobert die Natur auch wieder ein Stückchen Lebensraum zurück. Nicht gänzlich, sondern häufig sorgsam gehegt und gepflegt, was aber die Tiere einfach nicht stört. Andere Fleckchen werden gerade nicht mehr gehegt und gepflegt und hier erobert die Natur ihren ursprünglichen Lebensraum zurück. Dort wo die Natur eigentlich keine Natur mehr ist, erobern sich die Wildtiere ein Stückchen ihres Lebensraums zurück und arrangieren sich mit den Gegebenheiten, die für sie häufiger einfacher sind, als die reale Natur, die ebenfalls von Menschenhand stark eingedämmt wird. Schon der Titel der Einleitung „Natur erobert Stadt“ sagt alles! Mein Lieblingssatz:

„Urbane Naturfotografie ist so etwas wie die kleine (etwas schmuddelige) Schwester der ehrenhaften Wildlife-Fotografie.“

Dann wollen wir mal mit dem ersten Kapitel, den urbanen Naturlandschaften, beginnen. Glänzten in der Einleitung die Fotografen noch mit verblüffenden Tieraufnahmen im urbanen Umfeld, kommen nun hervorragende Landschaftsfotos von Friedhöfen, Parks etc. zum Zuge. Dieses Kapitel gibt dem angehenden urbanen Naturfotografen die ersten Anregungen, wo er mit seiner Suche nach Motiven beginnen könnte – Mitten in der Stadt!

Erscheinen die urbanen Naturlandschaften noch einfach, so geht es in Kapitel zwei mit der urbanen Tierwelt ans Eingemachte. Die Autoren fangen klein an und zeigen Insekten, Spinnen und andere Kleintiere in ihrem urbanen Kontext. Was sich so einfach anhört, zeigt sich gerade in der urbanen Naturfotografie als besondere Herausforderung. Es reicht nicht einfach das Makro zu nutzen und einige Nahaufnahmen zu machen, denn da geht der urbane Kontext verloren. So ist der angehende urbane Naturfotograf froh um die tollen Beispielbilder und tollen Tipps, wo man die kleinen Lebewesen finden kann. Übrigens, so am Rande, Urbane Naturfotografie ist ein recht neues Segment der Fotografie, so dass es nur wenig Bildmaterial gibt. Einzigartige Fotos sind also vorprogrammiert!

Beispielbilder aus Urbane Naturfotografie von Verena Popp-Hacker und Georg Popp

Highlight dieses Kapitels sind sicherlich die Bilder am und um das Wasser. Die noch größere Herausforderung ist die Einbindung des urbanen Umfelds bei Unterwasserbildern (neben dem kostenintensiven Equipment), denn unter Wasser sieht man das Urbane nicht mehr. Da lohnt es sich, die Kamera mal zur Hälfte aus dem Wasser zu heben. Geniale Bilder!

Auch die Bilder der nistenden Turmfalken kann ich nur sagen: Spannend, lehrreich und einfach unbeschreiblich, was Verena Popp-Hacker und Georg Popp uns zeigen.

Von der Luft landen wir wieder auf der Erde und damit bei den Säugetieren, wie zum Beispiel den Big 3 (Marder, Dachs und Fuchs) der Großstadt. Hier werden die Hilfsmittel deutlich mehr, denn ohne Lichtschranke sind viele Bilder kaum möglich. Sehr schön ist der Ehrgeiz beschrieben der einen packt, wenn man das erste Wildtier scharf auf die Speicherkarte gebannt hat. Die Vielfalt an Säugetieren und den dazu passenden Fotos nebst hilfreicher Beschreibungen zur Aufnahmetechnik, die mich das ein oder andere Mal in lautes Gelächter haben ausbrechen lassen, nehmen einen Großteil des Buches ein. Zu Recht, denn neben all den Technikhinweisen, sind auch viele komische Making-of-Bilder im Buch gelandet. Schön, wenn auch so renommierte Fotografen ihre Take-offs zeigen!

Deutlich knapper ist das dritte Kapitel mit der Pflanzenfotografie in urbanen Räumen ausgefallen. Neben Zierpflanzen in Parks, kommen hier aber auch die Mauerblümchen hier eine Bühne. Verdient!

Kapitel 4 beschäftigt sich mit der Ausrüstung und technischen Tipps und das sind nicht gerade wenige – im ersten wie auch im zweiten Fall. Wer übrigens, glaubt alle Fotos wären mit Brennweiten jenseits der 200mm aufgenommen, der sei nach einem Blick auf die Exif-Daten (Kamera-Modell, Blende, Brennweite, ISO und Belichtungszeit), die bei allen Fotos angegeben sind, kuriert. Hauptsächlich ein Standard-Zoom (24-70mm) und ein Tele (100-400mm) sind zum Zuge gekommen.

Beispielbilder aus Urbane Naturfotografie von Verena Popp-Hacker und Georg Popp

Lichtschranke und Blitz sind die nächsten Themen, die neben Fernauslöser und Stativ behandelt werden. Noch exotischer wird es beim Unterwassergehäuse aus. Neben den Profigehäusen für mehrere tausend Euros zeigen uns die Autoren durchaus auch kostengünstigere Alternativen, wie zum Beispiel Actioncams oder wasserfeste Kompaktkameras auf. Ein spannendes Kapitel, das auch dem Anfänger der urbanen Naturfotografie durchaus einen kostengünstigen Ausweg für den Beginn aufzeigt. Sehr sympathisch und informativ!

Last but not least werden für den geneigten Leser noch kleine und größere Projekte näher beleuchtet. Tolle Anregungen für Beginner sind hier inklusive.

Neben Verena Popp-Hacker und Georg Popp werden auch noch die restlichen Fotografen aus dem Großprojekt Wiener Wildnis vorgestellt, ohne deren Hilfe dieses Buch um das ein oder andere sehenswerte Foto ärmer gewesen wäre: Thomas Haider, Christine Sonvilla & Marc Graf, sowie Jessica Winter & Christoph Kaula.

 

Fazit: Ein überaus lehrreiches, hilfreiches Buch zu einem recht neuem Segment der Urbanen Naturfotografie. Wildlife und Natur mal ganz anders und häufig überraschend in Szene gesetzt in einem Kontext, wo man es so nicht erwarten würde. Eine Inspiration in die Stadt zu gehen, die Augen zu öffnen und die Kamera schussbereit bei sich zu haben. Eine absolute Empfehlung, auch für Fotografen, die einfach mal etwas Neues ausprobieren wollen!

 

Urbane NaturfotografieEine Leseprobe hat der mitp-Verlag auf seiner Homepage veröffentlicht. So kann man unkompliziert ins das Buch hineinschnuppern und schauen, ob einem der lockere und leichte Schreibstil des Autorenpaares gefällt. Leseprobe

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© Britta Dicken schreibt zum Thema: Urbane Naturfotografie

Autor: Britta Dicken

Als leidenschaftliche Amateurfotografin ist seit Sommer 2013 kaum etwas vor meiner DSLR sicher. Ob im Urlaub, auf Veranstaltungen und natürlich auch gerne im heimischen Garten, fast immer ist meine Kamera dabei. Gerne experimentiere ich auch mit speziellen Objektiven und Aufnahmetechniken. Ich möchte weiterhin meinen Horizont erweitern und freue mich daher über jede Anregung! Eine Auswahl meiner Bilder ist auch hier zu finden: www.d-photography.de/

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