Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Nikons Zukunft nach Verlusten – Meinung

Tony Northrup bringt es in seiner Analyse zu Nikons Zukunft nach Verlusten auf den Punkt. Der Fotokenner sagt, Nikon kann jetzt wieder Profit machen und muss sich um viele Verbesserungen kümmern. Was halten Sie selbst von Nikon und der Zukunft des Unternehmens?

Nikons Zukunft nach Verlusten ungewiss?

Um es vorweg zu nehmen: Der Artikel ist meine Meinung. Nicht mehr und nicht weniger. Also bitte:

Nikon D5500 LCD Display - Nikons Zukunft nach Verlusten

Typisches Nikon Display – hervorragend gelöst. Aber hat Nikon noch eine Zukunft?

Im Februar 2017 hat Nikon selbst einen riesigen Verlust vermeldet. Dieser beruht scheinbar nicht auf dem Fotogeschäft, sondern liegt hauptsächlich an Verlusten in der Lithografie. Gleich darauf, vor wenigen Tagen, hat das Unternehmen mit 100 jähriger Geschichte die Einstellung von drei DL-Kameras angekündigt. Zusammen mit der Tatsache, dass viele Fotofachgeschäfte Nikon bereits nicht mehr bevorraten, entsteht der Eindruck, das Unternehmen könnte für Fotografen bald nicht mehr interessant sein. Ist das so?

Tony Northrup sagt nein. Er sagt voraus, Nikon habe eine Zukunft nach Verlusten, da es sich nach den Unternehmens-Korrekturen konsolidieren könne. Gleichzeitig bringt er eine lange Liste an Verbesserungsvorschlägen, die ich schon lange selbst auch Canon vorschlug. Von der Gliederung der Menüführung und einfachen Bedienung einer Kamera, über das schlecht funktionierende Snapbridge des Unternehmens, bis hin zum Augen-gesteuerten-Autofokus hat Nikon sehr viele Möglichkeiten zur Besserung.

Die größten Foto Fehler von Nikon in letzter Zeit in meinen Augen

  • Die GoPro Kopien der Photokina 2016
  • Flagschiff D5 – ein Totalversager
  • Snapbridge – funktioniert nicht gut
  • Fehlende spiegellose Systemkameras im Highend (siehe auch Canon!)

Verbesserungsvorschläge an Nikon

Klar ist, dass die Fotohersteller allesamt Schwierigkeiten mit den Kompaktkameras bekommen, da diese durch die Smartphones ersetzt wurden. Also muss sich der Kamerahersteller heute auf das Fotografieren, nicht das Knipsen konzentrieren.

Die Hersteller Canon und Nikon haben viel zu spät erkannt, dass der Smartphone-Markt ihnen Schwierigkeiten bereiten würde. Heute jedoch gibt es tendenziell mehr Fotoamateure und Fotografen, die gute Kameras mit besten Optiken schätzen. Vielmehr als die Smartphones sollten Canon und Nikon ihre eigene Unfähigkeit zur richtigen Modellpolitik fürchten. Erst heute kündigte Canon drei Kameras an, von denen ich glaube, dass zwei davon keiner benötigt. Ein Abstecher zum Markführer:

Neue Canon Modelle – die keiner braucht

Die Canon EOS M6 ist ein Rückschritt von der EOS M5, fehlt der Kamera doch zunächst der Sucher (ist optional erhältlich). Warum die Kamera eine höhere Nummer trägt als die M5 weiß nur Canon. Mir erschließt sich diese Modellpolitik nicht. Die neue EOS 77D ist der Burner. Das Modell erscheint nach der EOS 80D und trägt dennoch eine kleinere Nummer. Die EOS 77D soll mehr AF-Messfelder besitzen, schnellere Bildfolge bringen und mehr RAW-Formate als die EOS 80D. Himmel hilf! Wer benötigt denn so etwas? Diese Kameras gibt es doch bereits (EOS 7D Mark II). Einzig die EOS 800D kann für Einsteiger interessant sein, so meine ich. Canons Modellpolitik ist in meinen Augen das Totalversagen eines konservativen japanischen Unternehmens, welches sich nichts traut.

Was der Fotoamateur und Fotograf sich wünscht, ist eine tolle Kamera mit einfacher Menüführung, einem Blendenbracketing, einem Schärfebracketing, einfachem Bluetooth bzw. WiFi und Klappmonitor. Canon und Nikon halten uns immer wieder die Funktionen vor und begnügen sich damit, abgespeckte, kastrierte Modelle auf den Markt zu werfen, die später beim Supermarkt verramscht werden. Ich halte das für einen großen Fehler.

Was wir benötigen ist eine toll aussehende Kamera im Retrodesign, die richtig gut funktioniert, modern und bezahlbar ist. Die Zeiten von hunderten Modellen ist doch längst vorbei. Schaut doch mal bei Fujifilm ab, die bieten grundlegend vier hervorragende Modelle mit schickem Design und fortschrittlichen Funktionen (von einem der besten Autofokus-Systeme mal abgesehen):

  • Flagschiff Fujifilm X-PRO 2 oder X-T2 als Systemkameras
  • Consumerkamera Fujifilm X-T20, als Systemkamera
  • Reportagekamera Fujifilm X-100 F

Dazu stellt Fujifilm hervorragende Optiken her und begnügt sich mit dem APS-C Format, da der Konsument nicht 20 Kilo auf dem Rücken schleppen möchte. Noch dazu pflegt das Unternehmen auch ältere Kameramodelle mit Firmwareupdates und wertet seine Kamera so nachträglich auf. Auch Panasonic bringt erfolgreich Updates für die bestehenden Kameras.

Es wäre alles so einfach, wenn die Japanischen Kamerahersteller nur die richtigen Berater hätten. Statt dessen verliert man sich in unsinnigen Modellen, von denen keiner mehr weiß wohin sie gehören. Es scheint doch Politik zu sein, eine möglichst unübersichtliche Modellpolitik auf dem Markt zu haben, um den Verbraucher zu verwirren. Sony ist da Vorreiter und wirft alle sechs Monate eine Kamera auf den Markt, die alle Kameras vorher wertlos machen. Das ist eine tolle Idee für die Besitzer, die sich fragen, warum ihre kürzlich erworbene Kamera so plötzlich überholt wird. Sony verheizt sich also im doppelten Sinne selbst…

Die konfuse Modellpolitik ist in meinen Augen nur ein Zeichen dafür, dass Canon und Nikon nicht mehr wissen, was sie tun und wohin sie steuern sollen. Eine Bitte an beide Hersteller: Baut bitte die besten Kameras und Objektive mit möglichst einfacher Menüführung und Software zum FOTOGRAFIEREN (nicht zum Knipsen). Konzentriert Euch auf zwei Modellreihen: APS-C und Vollformat ohne Abstriche. Eine EOS 5D Mark IV ohne Klappmonitor und viel zu hohem Preis kann Canon genauso das Genick brechen, wie Nikon die (fast) völlig verfehlte Modellpolitik (siehe Photokina 2016 – Nikons GoPro Kopien).

Video von Tony Northrup zu Nikons Zukunft

Würde ich heute Nikon kaufen?

Die Masterfrage lautet doch: Würde ich heute als Profi die Marke Nikon kaufen? Keine einfache Frage, denn das ist die Frage nach Nikons Zukunft. Wenn ich sehe, dass ein Unternehmen große Verluste macht und sich nach eigenen Worten jetzt auf Rendite konzentriert, werde ich mich verwirrt fragen: Kommen da noch Innovationen? Spiegellose Systemkameras? Haben die bei Nikon noch Geld für Entwicklungen? Was ist mit Nikons Zukunft nach solchen Verlusten?

Schaue ich mir den wachsenden Markt von spiegellosen Systemkameras an, dann befürchte ich, dass Nikon die Zukunft verschlafen hat. Zweiter Dauerschläfer ist übrigens Canon. So viel Innovationslosigkeit kann auch große Marken irgendwann den Markt kosten. So wie VW an seiner Arroganz zu scheitern droht, ist das auch bei Nikon und Canon. Hey Canon: ich bin ein großer Fan von Euren Kameras, aber was soll das? Wollt Ihr zusammen mit Nikon behaupten es gäbe keine Nachfrage an leichteren Kameras mit elektronischem Sucher? Falsch. Total falsch.

Sicherlich muss jeder diese Fragen nach den Kauf von Nikon Kamerasystemen für sich selbst beantworten. Ich persönlich bin in der goldenen Lage zwei Marken zu vertrauen: Canon, die entwicklungstechnisch derzeit – immerhin zuverlässig – hinterher hinken und Fujifilm, die wunderschöne und technisch fast perfekte Kameras bauen. Beide Unternehmen werden die Zeit überleben. Da bin ich sicher.

Es ist eine ausweichende Antwort, das weiß ich. Fragen Sie mich lieber noch mal persönlich 🙂

© Peter Roskothen ist Profi-Fotograf, Fototrainer, Fotojournalist – Nikons Zukunft nach Verlusten – Meinung

Peter Roskothen

Autor: Peter Roskothen

Ich, Peter Roskothen bin Profi-Fotograf, Fotojournalist sowie Fototrainer und schreibe auf *fotowissen für andere Foto-Amateure und ambitionierte Fotografen. Die digitale Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.


Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.


Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter Peter Roskothen Fotokunst & Design. Bei Google Plus finden Sie mich unter Google+

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5 Kommentare

  1. Ich kann Nikon nicht beurteilen, wohl aber Canon. Selbst fotografiere ich mit der 1D Mk2 und der 500D und sehe keinerlei Gründe weiter aufzurüsten. Das Geld stecke ich lieber in gute Objektive, denn immer noch gilt der alte Spruch: Man braucht gute Objektive, das schwarze Kastl dahinter ist sekundär. Erst neulich beobachtete ich einen Fotographen, der mit einer 5D Mk3 und einem Voigtländer 28-210 Zoomar arbeitete. Mir erscheint dies wie ein Porsche mit Diagonalreifen. Und dann soll die Kamera schuld sein an mittelmäßigen Ergebnissen?

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  2. Thomas M

    Hallo Peter,

    die Innovationsfähigkeit von Nikon und Canon kann ich nicht beurteilen. Deine Meinung zu Sony möchte ich so aber nicht teilen. Warum ist meine Kamera, nur weil ein neues Modell auf den Markt gebracht wird? Entscheidend ist, ob die Kamera zum Zeitpunkt des Kaufes zu mir passt und ich sie über Jahre hinweg gerne in die Hand nehme. Da spielt nach meiner Meinung nach ein Punkt eine Rolle, die bei vielen Amateuren vernachlässigt wird. Die Menüführung. Aber zurück zu Thema. Nach meiner Erfahrung reduziert sich das Handling des ambitionierten Fotografen nach einiger Zeit auf die Grundlagen. Zeit, Blende, ISO. Die tausend neuste Programmautomatik interessiert mich nicht mehr. Ist dies nicht gerade auch der Erfolg der Firma Leica? Aber statt z.Bsp. für eine Leica Q Typ 116 utopische 4000 € zu bezahlen, bietet mir Sony mit seiner Sony 7R eine spiegellose Vollformatkamera für knapp 1000 € an. Das ist Innovation.

    Liebe Grüße

    Thomas

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  3. Peter Roskothen

    Hallo Thomas, danke Dir. Sicherlich ist der Erfolg einer Systemkamera nicht allein abhängig von den Kamerabodies, sondern auch von hervorragenden, bezahlbaren Objektiven, Blitzgeräten, Service und Firmwareupdates. Gerade bei letztem hapert es bei vielen Herstellern erheblich. Anstatt die Kameras auch nachträglich mit Funktionen zu versehen – meinetwegen sogar kostenpflichtig – werden immer neue Modelle auf den Markt geschmissen, die keinen interessieren, aber doch immer wieder signalisieren: Du hast nicht mehr das beste Modell.

    Natürlich ist es jedem selbst überlassen, an einer guten Kamera festzuhalten. Ich selbst habe acht Jahre lang keine neue Canon gekauft, sondern mit der 5D II weiter fotografiert, bevor ich die völlig überteuerte 5D IV kaufte. Auch an der 5D II hätte man mit einem Firmwareupdate vieles positiv verändern können. Daran sind die Hersteller Canon, Nikon und Sony aber nicht interessiert. Oder gibt es bei Sony einen erkennbaren Willen alte Modelle per Firmware zu verbessern?

    Die von Dir erwähnte Sony 7R kostet nach meinen Informationen UVP 2.099,-. Das innovative ist der elektronische Sucher und Wegfall des Spiegels, sowie die damit verbundene kleinere Bauform. Die spiegellose Technik ist sicherlich die Zukunft und das wirklich Interessante an Olympus, Panasonic, Sony und Fujifilm.

    Auf diese Innovation geht aber Canon und Nikon offenbar nicht ein und daran werden die beiden Vertreter auch in meinen Augen scheitern, wenn nicht bald Geld in die Entwicklung der DSLMs gesteckt wird. Ich hoffe sehr, dass Fuji und Sony weiterhin viel Erfolg haben werden. Die EOS M5 von Canon jedenfalls ist keine Lösung, denn es liegen gerade mal sieben Linsen für das Modell vor und die Kamera bleibt wieder weit hinter den Ansprüchen der Fotografen zurück. Von Innovation kann man bei Nikon und Canon sicherlich nur sehr bedingt reden.

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  4. Ich denke, dass Canon und Nikon die DSLR noch sehr lange im Programm haben werden. Der Grund sind die großen Werte wegen der vorhandenen Objektive vieler Nutzer.
    Wer komplett umsteigt, kann den Objektivpark nicht mitnehmen. Wenn man tatsächlich adaptieren kann, dann nur mit Verlust von Geschwindigkeit und Funktionen.
    Es sind auch viele Profis, die der Meinung sind dass zahlende Kunden beim Profi genau diese beiden Marken erwarten. Kurzum: nur die wenigsten gewerblichen Fotografen trauen sich mit einer Fuji zum Shooting. Klingt seltsam aber so ist es noch.
    Bei den Amateuren ist der Wandel von der schweren zur leichten Kamera fast vollzogen. Und es sind Fuji und auch die MFT Familie, die jetzt im allgemeinen besser am Kunden dran sind. Service und Modellpflege sind in Zukunft hoch gewertete Eigenschaften. Kein Kamerabesitzer will und kann alle Augenblicke sein Gehäuse tauschen.

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