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Fokuswechsel, Veränderungen und die Macht von Belichtungen – Eine Bildergeschichte

Zum Jahreswechsel erlaube ich mir mit “Fokuswechsel” die Geschichte zum Foto eine weitere Fotogeschichte zu erzählen, die sich so, oder so ähnlich – aber auf jeden Fall in meinem Herzen – ereignet hat. Einige mögen diese Fotografie schon kennen. Sie war meine erste Veröffentlichung auf Fotowissen.eu

Was ist die *fotowissen Fotogeschichte?

Fotogeschichte – Die Geschichte zum Foto ist ein *fotowissen Format, welches die technische Seite der Fotografie ergänzt. Wer sich ausschließlich um die Technik von Leica, Fujifilm, Sony, Canon, Nikon, Panasonic, Olympus und anderer Hersteller kümmert, der möchte vermutlich auch über die Fotos, die Gestaltung, die Geschichte rund um die Fotografie reden.

Die *fotowissen Redaktion besteht aus Autorinnen und Autoren, die Ihr Wissen rund um die Fotografie für Sie kostenlos veröffentlichen. Und um neben den Testberichten rund um Kameras, Objektive und Bildbearbeitungssoftware den Bogen zum Foto zu schlagen, haben wir die Fotogeschichte als *fotowissen Format im Jahr 2023 eingerichtet.

Fokuswechsel; Veränderungen und die Macht von Belichtungen

Sehr oft schon fuhr ich immer wieder an diesem alten, lange leerstehenden Haus vorbei, welches in Kürze einem neuen Wohngebiet, der Moderne, weichen sollte. Heute nutzte ich eine Stunde meiner „Ich-Zeit“, um endlich meiner Neugierde nachzugeben.
Angekommen schob ich die schwere Zugangstür auf, welche mich zögerlich quietschend jedoch bereitwillig eintreten ließ. Wartende Münder offener Schränke empfingen mich.
Achtsam und mit Respekt den ehemaligen Bewohnern gegenüber, trat ich ein. Ein Zimmer, wohl ein Esszimmer, schien mit seinen bunten Tapeten einst Begegnungsstätte blühenden Lebens gewesen zu sein. Nun sind deren Farben verblichen und sie geben den rissigen Putz, wie lange verheimlichte Wahrheiten, frei.
Allenfalls kann man noch ein Wispern erwartungsfreudiger Stimmen vergangener Tage erahnen. Die Dachkonstruktion wirft dunkle Schatten auf Stühle und Tische. Ich rieche feuchte, aus dem Keller aufströmende Luft. Funkelnde Staubteilchen werden durch meine Bewegungen aus der Starre ihres Schwebens gerissen. Fasst sieht es so aus, als würden sie wiederbelebt.
In einem leeren Zimmer finde ich einen alten Holzstuhl. Mit Schrammen steht er da, einsam, ohne Begleitung. Fast traue ich mich nicht nach oben zu sehen, in Sorge ein Haken würde mir an der Decke frei gewählte Endlichkeit entgegen schreien.
Doch da war nichts. Nur ein Stuhl, ein Zimmer und der Staub meiner Gedanken. Ich zog den Stuhl an mich heran und nahm mit Blick in den Flur Platz. Und während ich der Stille lauschte, kamen die Staubteilchen wieder zur Ruhe und gaben meinem Ich den Takt vor.

Entscheidungen

Ich betrachtete die Kamera in meinen Händen und entschied, in diesem Haus lediglich eine Aufnahme zu machen. Welche Entscheidungen sind wohl in der Vergangenheit in diesem Haus getroffen worden? Welche Sorgen und Ängste hatten die Wände zu hören bekommen? Doch es waren keine Ohren, keine Augen, sondern nur Wände mit Türen. Türen, die wie Möglichkeiten die Wände durchbrachen. Ich, hier bewegungslos auf meinem Stuhl sitzend, schien fern dieser Möglichkeiten.

Traue ich mich nicht aus dem Zimmer heraus, nicht in den Flur hinein? Was könnte passieren, wenn ich hinein ginge? Welche Chance würde vorbeiziehen, wenn ich sitzen bliebe? Sind keine Entscheidungen nicht viel schlimmer als Falsche?

Die Sonne ging langsam unter und zeigte an, dass meine Ich-Zeit verging. Im Flur bildeten sich Schatten, auf welche immer wieder Lichter folgten. Ich fand den Stuhl plötzlich nicht mehr bequem. Er kam mir vor wie ein Dieb, der mich meiner Zeit beraubte und letztlich auch vom Licht fernhielt. Ich stand auf und sah aus den Möglichkeiten der Türen Licht einfallen. Ich musste mich nur durch die Schatten wagen. Schatten, die mich nicht mehr begrenzen würden. Ich nahm die Kamera vor die Augen und fing das einzige Bild des Tages ein.

Als ich dann die Eingangstür hinter mir zuzog, war mir bewusst: Ich hatte heute mehr eingefangen als nur ein belichtetes Bild. Irgendwann heute, zwischen dem Betreten des Hauses und dem Wieder-an-die-frische-Luft-Gehen, hatte mir die Fotografie geholfen, Teile meines Lebens neu zu belichten.

neues-jahr
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Was mich zu meinem Neujahrsgruß bringt:

Man sagt ´demnächst´ sei Neujahr.
Punkt 24 Uhr sei die Grenze zwischen dem alten und dem neuen Jahr.
Aber so einfach ist das nicht.
Ob ein Jahr neu wird, liegt nicht am Kalender, nicht an der Uhr.
Ob ein Jahr neu wird, liegt an uns.
Ob wir es neu machen, ob wir neu anfangen zu denken, ob wir neu anfangen zu sprechen, ob wir neu anfangen zu leben.

J.W. Wilms (1772 – 1847), deutscher Komponist und Musiklehrer

© Bernhard Labestin – Fokuswechsel, Veränderungen und die Macht von Belichtungen – Eine Bildergeschichte

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Bernhard Labestin

In dem Wissen, dass ein beruflicher Werdegang in der Kunstbranche notwendigerweise Kompromisse für den Markt mit sich bringen und somit seinen in der Fotografie realisierbaren Freiheitsdrang determinieren könnte, entschied sich Bernhard Labestin für eine Laufbahn im Berufsfeld der Naturwissenschaften. Die Kamera blieb dennoch seine ständige Begleiterin: Auch heute noch darf die Fotoausrüstung trotz begrenztem Reisegepäck auf seinen Solo-Trekking-Touren über den Polarkreis nicht fehlen.
Diese Reisen führten ihn zudem zu einer essentiellen Erkenntnis:

Es ist nicht so wichtig, die Grenzen ferner Länder zu überschreiten, sondern vielmehr die Grenzen in uns selbst. Es liegt an uns selbst, ob wir uns auf das größte aller Abenteuer, das Abenteuer Leben, einlassen und uns nach ihm ausrichten, oder nicht. Wir können immer wieder etwas angehen, vor dem wir uns fürchten, das wir nicht zu schaffen glauben, das wir noch nie versucht oder im Laufe der Zeit aufgegeben haben. Denn der Tod ist nicht die größte Katastrophe – die größte Katastrophe wäre, wenn Werke, wenn Werte, wenn das, was uns wichtig ist, durch Unterlassen – praktisch durch einen Tod im Leben – liegen bliebe:
“Deswegen bedenke nicht, dass du sterblich bist, sondern werde dir gewahr, dass du lebst. Du lebst nicht nur einmal, sondern Du stirbst nur einmal – lebst aber jeden Tag.”

Aus dieser Erkenntnis leitet sich auch die Maxime seiner Werke der "Neuen Emotionalen Sachlichkeit" ab.

1 Kommentar

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  • Hallo Bernhard,
    dieses Foto lässt mehrere Assoziationen zu, gerade im Bezug auf die Zeit, die du treffend als „Ich Zeit“ bezeichnest. Wo stehe ich in diesem Flur? Schaut man hinein, oder hinaus? Ist dieser Türstock der Eingang in das Jahr 2024, mit einem etwas zwielichtigen Ziel ganz hinten? Der Gedanke liegt nahe, betrachtet man das zurück liegende Jahr 2023.
    Ich für meinen Teil, möchte diesen Türstock aber gerne als Ausgang sehen aus einem Jahr 2023, das allgemein und persönlich heftige Tiefschläge mit sich brachte und große Anstrengungen forderte. An dieser helleren Stelle kann man rückblickend erkennen, dass auch durchaus schöne, helle Momente dabei waren, welche man, sich in diesem Gang befindend, kaum sehen konnte. Auch 2024 wird wieder schattige Momente mit sich bringen, aber eben auch die Lichtblicke. That’s live. Wie wir das nächste Neujahr „belichten“ muss jeder selbst herausfinden. Soweit meine Gedanken zu deiner Geschichte und in diesem Sinne allen einen guten Beginn für 2024.

Journalist, Fotograf, Fototrainer Peter Roskothen

Willkommen bei *fotowissen sagt Peter Roskothen im Namen aller Autoren.

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