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So schafft es ein Foto auf ein Buch-Cover

So schafft es ein Foto auf ein Buch-Cover Peter Wilhelm

Für mein letztes Buch waren wir auf der Suche nach dem geeigneten Cover. Das Buch ist ein Ratgeber zum Themenbereich Tod, Trauer und Bestattung. Der Titel stand schon lange fest, er lautet „Wenn die Trauer kommt – so geht sie wieder“.

Auf die Titelseite sollten noch drei Elemente, mein Name als Autor, ein Untertitel „in diesem Buch steht alles drin“ und ein Marketingbanner „Der beste Ratgeber Bestattung + Trauer“. Klappern gehört ja bekanntlich zum Handwerk.

Es blieb nun die Frage offen, welches Bildmotiv auf den Titel sollte. Natürlich wurden wieder die typischen Standards vorgeschlagen: die Trauerweide, Waldbäume, eine Pusteblume und Herbstlaub.

Ehrlich gesagt: Ich kann den Quark nicht mehr sehen.

Stockfotos – Weshalb ich sie nicht will

Unter den weiteren Vorschlägen waren viele Stockfotos dabei. Doch mit diesen Fotos aus Bildarchiven habe ich keine guten Erfahrungen gemacht.

Erst einmal sehen Stockfotos immer aus wie Stockfotos. Viele sind lieblos, herzlos und ohne Herzblut gemacht. Massenware eben. Eine Fotodatenbank, die Bilder sogar kostenlos zur Verfügung stellt, wird derzeit mit Fotos eines Fotografen überschwemmt, der eine in meinen Augen nicht sonderlich attraktive Frau in den Mittelpunkt stellt. Diese Dame wird in allen nur denkbaren Posen, Situationen und Kostümierungen abgelichtet. So soll für nahezu alle Verwendungszwecke etwas Passendes dabei sein. Ganz gleich, wonach man sucht, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Foto dieser Frau bei den Suchergebnissen mit auftaucht, ist sehr groß.

Der Fotograf hofft offenbar auf eine Finanzierung seiner Arbeit über die bei dieser Plattform möglichen „Spenden“.

Abmahnungsgefahr Stockfotos

Möglich ist aber auch, und das ist mir vor ein paar Jahren mit einem Foto für einen Blogbeitrag passiert, dass ein Fotograf seine Bilder vermeintlich zur kostenlosen Verwendung in eine solche Bilderdatenbank einstellt, um dann nachträglich über Abmahnungen daran zu verdienen. Das Geschäftsmodell: Der Fotograf begibt sich auf die Suche nach Verwendungen seiner Fotos und überprüft, ob sein Name bedingungsgemäß genannt wird. Ist das nicht der Fall, kommt eine teure Abmahnung mit hoher Schadensersatzforderung. Der Clou: Die Leute, die seine Bilder auf ihren Webseiten einsetzten, haben den Namen des Fotografen ordnungsgemäß genannt. Ruft man aber durch einen Rechtsklick auf das Bild „Bild in neuem Tab öffnen“ auf, wird nur das Bild ohne die Nennung des Namens angezeigt. Gleiches gilt für WordPress-Seiten, bei denen für jedes Bild eine sogenannte Anhangsseite allein mit dem Foto angelegt wird.

Wiederverwendung

Außerdem hat man bei Stockfotos, auch bei solchen, für deren Nutzung man recht teuer bezahlt, nur das Nutzungsrecht. Das kann auch jeder andere erwerben, und noch einer …

Für eines meiner Bücher hat der Verlag Droemer-Knaur ein Foto für den Titel lizenziert. Der Titel ist ganz schön geworden, das Buch wurde sehr gut verkauft.

Aber dann entdeckte ich ein anderes Buch eines anderen Autoren, der sich das gleiche Foto für sein Cover lizenziert hatte. Das hat mir gar nicht gefallen.

Dann schlug der Grafiker für den neuen Trauerratgeber ein Cover nur mit großem Text vor. Er wollte mit verschiedenen Schriftarten spielen und riesige Buchstaben einsetzen. Auch keine schlechte Idee, die mir zunehmend besser gefiel.

Das Bild wird gefunden

So schafft es ein Foto auf ein Buch-Cover Peter WilhelmDoch dann schickte Peter Roskothen im Februar seinen wöchentlichen Newsletter raus und sinnierte in einem Artikel über den „Fotografischen Burnout“. Diesen Artikel illustrierte er mit einem im doppelten Sinne eigenen Foto. Im doppelten Sinne deshalb, weil er es aufgenommen hat und weil er als Protagonist abgebildet ist.

Ein Mann, der auf dem Boden sitzt, die Beine fast im Schneidersitz, vornübergebeugt, den Kopf aufgestützt. Ein Mensch, der nachdenklich wirkt, zugleich traurig ist und der ein wenig leer wirkt. Zu seinem Thema liegt vor ihm ein Fotoapparat. Schwarz-weiß.

Als ich das Foto sah, hat es keine 30 Sekunden gedauert und ich hatte eine Anfrage an Peter gestellt, ob ich sein Foto für mein Buchcover verwenden darf.

An diesem tollen Foto stimmt einfach alles. Die Belichtung ist einmalig gut gewählt, die Pose ist eindrücklich und wirkt auf den Betrachter. Das Licht liegt auf der Hand vor der Stirn und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Menschen, der im Mittelpunkt steht.

Man kann vieles hineininterpretieren. Ich sehe beispielsweise in diesem Bild, dass die Hand, die für das Tun des Menschen steht, das Licht von den Augen abschirmt. Das kann ein Symbol dafür sein, dass es oft unser eigenes Tun ist, dass uns vom Licht abschirmt.

Für ein Buch zur genannten Thematik Bestattung und Trauer passt dieses Foto auf einzigartige Weise gut. Die vor ihm liegende Kamera spielt bei einem schmalen Buchcover keine Rolle, sie ist einfach nicht auf dem Ausschnitt mit drauf.

Ich bin Peter Roskothen für dieses Foto sehr dankbar. Es ziert jetzt das im Buchhandel erhältliche Ratgeberbuch. So erfährt ein gutes Foto auch abseits des Internets nochmals eine weite Verbreitung. Das gefällt mir.

© Peter Wilhelm – Autor und Journalist – So schafft es ein Foto auf ein Buch-Cover

Anmerkung von Peter Roskothen

Peter Wilhelm ist mein langjähriger Freund, der mir neben viel Humor auch immer wieder sein Wissen schenkt. Er ist einer derjenigen, die in meine Freundes-Telefonzelle passen. Und weil er auch großartig schreibt, kann ich seine Bücher alle empfehlen (die Peter aus Zurückhaltung gar nicht verlinken wollte):

Peter Wilhelm: Wenn die Trauer kommt – so geht sie wieder >>

Peter Wilhelm: Nicht senil, nur schwerhörig und ich will kein Hörgerät! >>

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Peter Wilhelm

2 Kommentare

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  • Lieber Herr Wilhelm,

    danke sehr für diese Geschichte! Mir gefällt gut, mal nachvollziehen zu dürfen, was gedanklich und handwerklich Relevantes geschieht im Zusammenhang mit der Wahl oder Entstehen eines Titelfotos. Ihr Für und Wider kann ich auch total gut verstehen, vor allem, was die Stockfotos anbelangt. Ich selbst habe da zwar keine unmittelbar eigene Erfahrung mit gemacht, was aber auch daran liegt, dass ich aus dem Bauch raus einen Bogen drum mache.

    Aber ein paar eigene Bücher habe ich mittlerweile gemacht, und für den gerade aktuellen Bildband ging mir das ähnlich. Die Aussage des Fotos deckungsgleich zur Aussage des Buches zu haben, das ist ein Ziel mit einem meistens langen Stückchen Weg davor. Was mir am Ergebnis ihres Titelfotos zum Buch auch total gefällt, ist der Umstand des Persönlichen darin. Ihnen ist es gewissermaßen doppelt gelungen, denn Sie kennen den Fotografen, und die Person im Titelfoto. Diese Lösung wird sich in ihrem Zusammenhang zwar den wenigsten Lesern zeigen, aber für Sie als Autor finde ich das höchst gelungen und genial.

    Mit herzlichen Grüßen,

    Dirk Trampedach

    • Vielen Dank, lieber Dirk! Sie haben recht, dieses ist ein wirklich gelungener Buchtitel. Bei meinen vielen Büchern ist er derzeit mein Liebling. Aber ich habe auch lange gar keinen Einfluss darauf gehabt, welches Bild auf den Titel kam.

      Ich habe geschrieben, meine Literaturagentur hat sich um die Verträge gekümmert und dem Verlag und dem Lektor habe ich den Rest überlassen.
      Wenn der Lektor, meist ein promovierter Germanist, mir die Korrekturfahnen zusandte, habe ich die immer nur abgezeichnet, aber nie angeschaut.
      Ich bin ein guter Erzähler, aber kein Weltliterat. Was würde ich mir anmaßen, jemanden, der das gelernt hat und beruflich macht, nun noch kontrollieren zu wollen? Der Lektor kann meinen Text nur besser machen.

      Genauso habe ich es mit den Buchgestaltungen gehalten. Der Verlag wird schon wissen, was am besten ist und sich gut verkauft, habe ich mir gedacht.

      Jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich Ordnung in mein Werk bringen möchte. Meine Beweggründe habe ich hier aufgeschrieben:
      https://dreibeinblog.de/interview-mit-peter-wilhelm-buecher-buecher-buecher/

      Und da es das mit sich bringt, dass ich über die Titelei selbst entscheiden kann, habe ich die Freiheit, alles so zu machen, wie es mir gefällt. Für einen anderen Ratgeber zum Thema Hörbehinderung, Schwerhörigkeit und Hörgeräte habe ich es mit KI versucht und einen schwerhörigen Opa aus dem Nichts generiert. Spannend!
      Und für den Trauerratgeber gibt es eben nur dieses eine wunderbare Foto von Peter.

Journalist, Fotograf, Fototrainer Peter Roskothen

Willkommen bei *fotowissen sagt Peter Roskothen im Namen aller Autoren.

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