Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Wildlife in Schottland Reraig Forest

Artikel ursprünglich verfasst am 7. Oktober 2018

Schottland ist für seine beeindruckende Landschaft bekannt. Doch das ist nur die halbe Wahrheit! Schottland hat so viel mehr zu bieten, so dass ich Euch gerne von einem ganz speziellen Erlebnis erzählen möchte und natürlich auch ein paar Bilder beisteuern werden. Wildlife in Schottland Reraig Forest ist der Titel dieses Artikels, aber auch das ist nur die halbe Wahrheit. Ein Besuch des Reraig Forest ist so viel mehr als einfach nur Wildlife-Fotografie. Warum? Das werde ich Euch erzählen!

Wildlife in Schottland gibt es – speziell in den Highlands – fast an jeder Ecke. Man muss nur die Augen und Ohren offenhalten. Doch wir wollten mehr als Wildlife, wir wollten so richtig nah dran! So haben wir mit Kontakt mit Colin aufgenommen der als Wildhüter auf dem Reraig Forest Estate arbeitet. Er bietet Touren an, um den Hirschen in der Gegend ganz nah zu kommen. Die Bewertungen lasen sich einfach unbeschreiblich und so haben wir uns für die Tour entschieden. Dank diverser Beschreibungen wussten wir schon, dass wir sehr an die Tiere rankommen und das übliche Equipment, nämlich ein Tele-Objektiv nicht zwingend benötigen werden. Dennoch haben wir uns für folgende Objektive entschieden:

  • Ultraweitwinkel – Canon EF 16-35mm f/4L IS USM
  • Standard-Zoom – Tamron SP 24-70mm F/2.8 Di VC USD G2
  • Tele – Canon EF 70-200 mm 1:2,8 L IS II USM

Mit diesen Objektiven sollten wir – theoretisch – auf alles eingerichtet sein. Unsere Rucksäcke sind gepackt, wir haben dicke Wanderschuhe an und warten nur noch darauf, dass Colin uns in unserem B&B abholt, das günstiger Weise direkt in der Nähe des Estates liegt.

 

Wildlife in Schottland Reraig Forest – Die Deer-Tour

Wir haben uns dazu entschieden eine Tour für uns zwei ganz allein zu buchen. Das ist zwar etwas teurer, aber so müssen wir auf niemanden Rücksicht nehmen oder stören jemanden, weil wir andauernd und überall Fotos machen.

Colin ist pünktlich und holt uns in seinem Pick-Up ab. Wir haben nicht nur eine Deer (Hirsch)-Tour bei ihm gebucht, sondern mit ihm auch einen perfekten Fremdenführer, der sich in der Gegend sehr gut auskennt. So führt unser erster Stopp zur Ruine des Strome Castles und des danebenliegenden alten Fähranlegers. Strome Castle haben wir bereits letztes Jahr besucht und ich habe bereits in dem Artikel Schottland – Ein Tag in den Highlands darüber berichtet.

Nach ein/zwei weiteren Stopps haben wir viele weitere Geschichten und Anekdoten aus der Gegend gehört. Colin ist ein wunderbarer Geschichtenerzähler und es macht Spaß ihm zuzuhören. Auch wenn ab und an sein schottischer Akzent deutlich wird, kann man ihn hervorragend verstehen. Nur als er ins gälische wechselt, da ist es dann mit dem Verstehen vorbei :-)

Bald haben wir das Ende der Straße erreicht und halten vor einem großen Tor. Nun haben wir den Reraig Forest erreicht!

Wildlife in Schottland Reraig Forest

Die Gegend ist vorher schon einsam gewesen, doch nun gibt es gar keine Häuser mehr und wir hören nur die Vögel und den Wind! Eine traumhafte Atmosphäre, die sich bei mir persönlich recht schnell verflüchtigt, als ich unser Gefährt sehe. Das Gelände des Reraig Forest ist so unzugänglich, dass wir mit dem Pick-Up nicht mehr weit kommen würden. Also steigen wir um in einen Argo. Wer nicht weiß was es ist (ich musste mich auch erst schlau machen), ein Argo ist ein geländegängiges Amphibienfahrzeug. Wer sich nun immer noch kein Bild machen kann, hier ist er:

Wildlife in Schottland Reraig Forest

Der Argo

Unsere Fotorucksäcke verschwinden gut gepolstert auf der Ladefläche und wir quetschen uns zu dritt auf die Bank. Dann geht es los! Im wahrsten Sinne über Stock und Stein und in Winkeln, so dass man schon meinen könnte, gleich kippt dieses ratternde und knatternde Gefährt einfach um. Tut es aber nicht!

Mitten im Nirgendwo halten wir an. Durch durchgeschüttelt, aber voller Erwartung. Auf unsere Frage, ob das Wild sich nicht eher verstecken würde, bei diesem Krach, lächelt er nur und fragt, ob wir die Kameras parat hätten, denn lange würde es nicht mehr dauern, bis die Hirsche kommen. Ich gebe zu, ich habe es nicht wirklich geglaubt, aber Colin ruft und schon tauchen an der Kuppel des nächsten großen Hügels Geweihe und Köpfe auf. Das Echo ist noch nicht ganz verhallt, da kommen sie!

Wildlife in Schottland Reraig Forest

Was für ein Gewusel! Die Tiere kommen auf Armlänge an uns heran und schauen uns erwartungsvoll an. Es ist natürlich klar, dass sie nicht einfach so kommen. Colin erklärt uns, dass der Boden hier zu karg ist und die Tiere von ihm daher mit mineralhaltigem Futter beigefüttert werden, damit es nicht zu Mangelerscheinungen kommt. Charmanter Vorteil, durch das Futter bilden die Hirsche nicht nur sehenswerte Geweihe, sondern sie sind sozusagen handzahm! Doch das heißt nicht, dass man einfach so auf sie losstürmen darf, die ein oder andere Verhaltensregel sollte man im Umgang mit Wildtieren immer beachten! Colin weist uns ein und dann können wir fotografieren was das Zeug hält. Tatsächlich sind die meisten der nun folgenden Bilder mit dem 24-70mm entstanden. Doch einige der Porträts sind auch mit dem 70-200mm gemacht.

Eine der Damen hat es mir besonders angetan und sie scheint mich auch zu mögen. Nicht nur, dass sie sich immer wieder ins Bild drängelt, nein, wenn ich mich umdrehe steht sie hinter mir und atmet mir in den Nacken. Es fehlt eigentlich nur, dass sie noch mit den Wimpern klimpert um zu sagen: Vergiss die Anderen, mach nur Fotos von mir!