Der Frühling steht vor der Tür, der Pflanzenfotograf sollte Vorbereitungen treffen
Im Frühling vollziehen sich an den Bäumen Vorgänge, die ein Naturfotograf auf keinen Fall versäumen darf. Die Knospen der Bäume brechen auf. Da kommen feinste Strukturen, wie zum Beispiel beim Austrieb der Rosskastanie zum Vorschein.

Sind die Knospen aber erstmal „in Gang“ gekommen, gibt es kein Halten mehr. Innerhalb weniger Tage, manchmal sogar über Nacht, ergeben sich die tollsten Aufnahmemöglichkeiten. Die jungen Laubblätter der Waldbäume zeigen ein Grün, das so strahlend und frisch nur in dieser Zeit ist. Also jeden Tag, so Sie die nötige Zeit haben, ab in den Wald und fotografieren, was die Speicherkarte fassen kann. Jetzt können Sie alles anwenden, was Sie über den Makromodus gelernt haben. Im Makromodus werden Sie fotografieren, weil die Knospen, auch im Aufbrechen doch recht klein sind. Sie selbst sind Teil eines Baumes und um diesen stehen weitere rundherum. Deshalb könnten auf dem Foto nicht nur die Knospen sein, die Sie aufnehmen wollen, sondern auch Teile anderer Bäume, die aber Ihr ganz spezielles Bild stören können. Dazu habe ich in meiner Fotoausrüstung immer mehrere Blatt Papier in unterschiedlichen Farben. Mit einigen Wäscheklammern hefte ich die Seiten dann an einen Ast des Baumes als Hintergrund. Auch bei Pflanzenaufnahmen am Boden stecke ich hinter die Pflanze einen Zweig und klemme das Papier daran fest. Oder Sie suchen sich eine Knospe aus, deren Hintergrund der Himmel ist. Sind Sie nicht allein, könnte die andere Person mit einem Kleidungsstück in der passenden Farbe einen entsprechenden Hintergrund gestalten.
Das Frühjahr ist auch die Zeit der Baumpflege. In den Gärten, den Parks aber auch in den Wäldern fallen Zweige von verschiedenen Bäumen an. Davon können Sie einen besonders schönen Zweig mit nach Hause nehmen, um eine Fotoserie zu erstellen.
So sollten Sie dabei arbeiten:
- Informieren Sie alle Mitglieder der Familie über Ihr Vorhaben. Erklären Sie, warum die Einrichtung mehrere Tage, vielleicht ein Woche oder mehr, an dieser Stelle der Wohnung unberührt(!) stehen muss.
- Schneiden Sie den Zweig zu Hause mit einem scharfen Messer schräg an. Das Messer dürfen Sie dabei nicht in(!) das Holz drücken, sondern durch(!) das Holz ziehen. Nur mit einem ziehenden Schnitt bleiben die Leitungsbahnen im Holz offen und können Wasser aufnehmen.
- Füllen Sie eine Vase mit Wasser und setzen Sie dem einen Beutel Frischhaltepulver aus dem Blumengeschäft zu. Stellen Sie den Zweig so in die Vase, dass er nicht wackelt.
- Richten Sie sich zum Beispiel an einem Fenster ein Ministudio ein. Zu starkes Sonnenlicht mildern Sie mit einem Bogen Transparentpapier, das an der Fensterscheibe mit einem farblosen Klebstreifen befestigt wird.
- Stellen Sie die Vase mit dem Zweig in das Ministudio.
- Bauen Sie die Kamera für die erste Aufnahme auf.
- Drehen und wenden Sie den Zweig so lange, bis er die Position hat, die Sie sich wünschen.
- Kontrollieren Sie den Hintergrund.
So bleiben Zweig und Kamera über die ganze Zeit stehen und immer, wenn Veränderungen eingetreten sind, werden eine oder mehrere Aufnahmen gemacht. Sparen Sie nicht mit der Anzahl der Aufnahmen, erst am Computer treffen Sie dann die Auswahl für eine Fotocollage.
Ist der Austrieb der Bäume beendet, sind die Äste und Zweige mit herrlich grünen Laubblättern geschmückt. Dieses besondere Grün hält nur ein bis zwei Wochen an, dann verändert es sich zu diesem eher stumpfen und dunklen Sommergrün. Möchten Sie Laubblätter oder Zweige in diesem Grün fotografieren, dann müssen Sie das jetzt tun.
Ich habe mir von der Rotbuche einen Zweig genauestens unter die Lupe genommen, weil ja Naturprodukte nicht immer völlig fehlerlos sind und zuhause fotografiert.

Übrigens:
Wenn Sie durch den Wald oder Park gehen und Motive suchen, so blicken Sie nicht nur in Laufrichtung, schauen Sie auch rechts und links und drehen Sie sich auch mal auf der Stelle im Kreis. Wege, die Sie benutzen, gehen Sie auch mal in umgekehrter Richtung.
Objekte aus der Natur mit nach Hause zu nehmen, und sie nach der Aufnahme dem Biomüll zu übergeben, das ist nicht die Regel in der Naturfotografie, wohl aber vertretbar, wenn der Naturschutz beachtet wird! Im Wald hat sicher niemand etwas dagegen, in Grünanlagen der Gemeinden geht das aber gar nicht.
Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus meinem Buch “Naturfotografie – fotografisch durch die Jahreszeiten“, erschienen im mitp – Verlag.
Dies ist eine Serie von Beiträgen - Pflanzenfotografie - Lesen Sie die ganze Serie:
- Pflanzenfotografie für Einsteiger
- Pflanzenfotografie Kompaktkamera
- Pflanzenfotografie Systemkamera
- Pflanzenfotografie - Das Stativ
- Heimstudio, Computer und Software in der Pflanzenfotografie
- Die Pflanzen und der Wind
- Vorbereitungen des Pflanzenfotografen für den Frühling
- Sind Tricks in der Pflanzenfotografie erlaubt?
- Pflanzenfotografie - Die Schönheit des Vergehenden
- Pflanzenfotografie - Fleischfressende Pflanzen
- Pflanzenfotografie Weidenröschen










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