Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Tierfotografie auf dem Balkon – Teil 2

Tierfotografie auf dem Balkon – Teil 2

Die Vorgeschichte zur Tierfotografie auf dem Balkon …

… erzählte ich im Teil 1 (Tierfotografie auf dem Balkon Teil 1). Im darin beschriebenen Herbst haben wir nicht nur für die Gestaltung des Balkons mit den entsprechenden Blumen gesorgt, sondern uns auch überlegt, wie wir Nahrung und Unterkunft für Singvögel schaffen können. Auf der Rasenfläche und in den darinstehenden Bäumen konnten wir Amseln, Blaumeisen, Kohlmeisen, Rotkehlchen, Sperlinge und Zaunkönige beobachten.
Wir entschieden uns für eine Meisenknödelhalterung, die wir am Seitengitter das Balkons befestigten. In unmittelbarer Nähe der Halterung brachten wir einen kleinen Birkenzweig an. Wir hofften nämlich, dass die Vögel sich das Futter holen aber damit nicht auf einen nahen Baum fliegen um dort in Ruhe zu fressen, sondern diesen Zweig nutzen. Wir hätten Gelegenheit zur Beobachtung und zum Fotografieren. Ich verrat es schon hier: Und was wir da alles sahen und aufnehmen konnten – besonders von den Blaumeisen – mehr dazu im Teil 3.

Die neugierige Amsel

Dass bald eine Kohlmeise am Knödel erschien, verwunderte uns nicht. Zu unserer Überraschung sahen wir eines Tages eine Amsel auf dem Zweig, die interessiert den Balkon und …

 

… die Futterstelle anschaute …

… und sich schließlich auch bediente.

Verwunderlich ist das insofern, als die Amsel ihre Nahrung doch vorwiegend am Boden sucht, wo sie besonders gern Regenwürmer, Schnecken und Insekten aufspürt

Dass in den Rasenflächen unseres Wohngebiets reichlich Regenwürmer und Schnecken zu finden sind, das bezweifle ich. Guter humoser Boden ist das sicher nicht. Und von den Insekten wissen wir ja, dass da überall großes Sterben herscht.

Wovon also soll sich die Amsel ernähren?

Das war sicher ein Grund wieso sich das Amselpärchen das ganze Jahr hindurch Futter vom Balkon holte. Daher kommt sicher auch die Forderung mancher Tierschützer, den Vögeln ganzjährig Futter anzubieten. So dokumentieren sich die Folgen des menschlichen Tuns.
Insekten sind der Anfang einer Nahrungskette, die niemand erfunden hat, die sich im Laufe der Evolution als ein Kreislauf des Lebens ergeben hat. Greift man einen Teil solcher Ketten an, verändern sich ganze Systeme: Der Mensch beseitigt aus seinem Lebensumfeld blühende Pflanzen, verspritzt auf den Feldern die Unkräuter und schon wundert sich der Autofahrer, dass seine Windschutzscheibe nicht mehr voller toter Insekten klebt. Der Naturschützer, der Nistkästen betreut erschrickt bei der Kontrolle, dass er immer häufiger in den Kästen verhungerte Jungvögel findet.

Nur weil wir Menschen unser Leben in uns genehmer Art und Weise gestalten wollen entziehen wir anderen Bewohnern dieser Erde die Lebensgrundlage; vermüllen wir das Meer; gestalten wir Wälder, die Stürmen nicht widerstehen können und Bränden leicht zum Opfer fallen; verursachen wir Weltraumschrott; überdüngt die Landwirtschaft die Felder und belastet damit unser Grundwas-ser und vergiftet auf den Feldern, was sich nicht verkaufen lässt. Fehlt es an tierischer Nahrung fressen die Amseln Beeren und Früchte und lassen sich auch notgedrungen die Meisenknödel schmecken.
Die relativ dünnen Birkenzweige und die frei hängende Knödelhalterung machten der Amsel Schwierigkeiten, bequem war das für sie nicht. Da Amseln sowieso ihr Futter gern von Boden aufnehmen erhielt sie eine eigene Futterstelle auf dem Balkonboden.

Diese nahm sie sofort an und kehrte auch nie wieder zur Halterung zurück. Hier bekam sie aber keine Meisenknödel mehr, sondern Erdnussbutter für Wildvögel, was sie auch sehr gern fraß. Täglich besuchte nun das schlicht bräunlich gefärbte Amselweibchen unseren Balkon und holte sich die entsprechende Futterration.

Eines Tages im Winter erschien auch ein Amselmännchen – schwarzes Federkleid, gelber Schabel.

Weitere Motive für die Tierfotografie auf dem Balkon

Kohlmeisen traten von Anfang an sehr selbstbewusst auf.

Sie und die anderen Besucher nahmen nicht nur das Futterangebot, sondern auch die Wasserschale an.

Allgemein gelten Rotkehlchen als recht zutraulich. Unseres war ziemlich vorsichtig. Bevor es sich ans Futter traute saß es immer wieder auf der Balkonbrüstung und schaute und schaute und schaute.

Ob das wohl fressbar ist?

Rotkehlchen startet

Bei vielen Menschen gilt der Sperling als Allerweltsvogel, er ist doch aber ein ganz schmuckes Kerlchen.

Ein seltener Gast war der Zaunkönig.

Es fiel bald auf, dass die Blaumeisen am häufigsten unsere Balkongäste waren. Sie holten sich nicht nur Futter, sie untersuchten den ganzen Balkon, saßen oft auf dem Birkenzweig und erledigten sogar dort die Körperpflege. Deutlicher kann es ein Vogel nicht sagen: Hier fühle ich mich wohl, hier bin ich sicher.

Hin und wieder beobachtete ich eine Blaumeise, wie sie die Flügel seitlich abstellte und zitternd bewegte.

In der Literatur fand ich den Hinweis, dass es sich um ein Balzverhalten handeln könnte. Doch darüber in „Tierfotografie auf dem Balkon Teil 3“ mehr. Da das Amselpärchen den ganzen Winter über unseren Balkon besuchte, hatten wir die Hoffnung, dass sie vielleicht auch bei uns ein Nest bauen und brüten werden. Leider wurden wir enttäuscht. Dafür machten wir andere Beobachtungen.

Die Amsel schützt sich vor der Kälte

Das Amselmännchen sitzt mitten im Schneegestöber auf dem Balkongitter. Zum Schutz vor der Kälte hat es sich zur Kugel aufgeplustert und damit isolierende Luft unter das Gefieder gebracht. Die nackten Füße sind nicht mehr ausgestreckt wodurch der sich absenkende Körper sie mit dem Gefieder einhüllt.


Füttern die Amseln ihre Brut?

Eines Tages fiel mir auf, dass das Amselweibchen zwar von der Erdnussbutter fraß, sich aber dann den Schnabel vollpackte, sich kurz auf die Balkonbrüstung setzte und wegflog.

Erst als sich dieses Prozedere wiederholte, konnte ich sehen, dass die Amsel in eine etwa 200m entfernte Baumgruppe flog, eine Weile darin verblieb und schließlich wieder von unserem Balkon neues Futter holte. Eindeutig, dort hat sie ihr Nest und füttert die Jungen mit der Erdnussbutter, weil tierisches Futter nicht ausreichend zur Verfügung stand. Auch hier muss ich wieder an das alles denken, was wir Menschen so tun. Einige Tage später konnte ich im Bild festhalten wie sich das Männchen an Aufzucht der Jungvögel beteiligte.


Übrigens

Es war zu den ersten Besuchen des Amselweibchens. Ich saß auf dem Balkon, das Amselweibchen kam auf das Gitter geflogen, das etwa 2,5 m von mir entfernt war. Spontan wollte ich sie ermuntern zum Futter zu kommen und sagt mit ruhiger, tiefer und freundlicher Stimme: „Nun komm. Nun komm.“ Immer wieder „Nun komm.“ Ich hatte das Gefühl, dass sie aufmerksam wurde, weshalb ich bei dieser Angewohnheit bliebt und sie immer mit diesen Worten auf dem Balkon begrüßte. Von Tag zu Tag wurde sie zutraulicher.

Der absolute Höhepunkt für mich war dieser:

Ich stehe auf dem Balkon, greife gerade nach dem Futternapf für die Amsel, als sie sich auf das Gitter setzt. Ich stelle den Napf auf den Tisch, hole die Erdnussbutter aus einem Regal und fülle Futter auf. Die Amsel sitzt und schaut. Als der Futternapf gefüllt war stellte ich ihn wieder an seinen Platz. Ehe ich mich aufrichten kann kam die Amsel geflogen setzte sich unmittelbar neben meinen Füßen auf den Balkonfußboden und begann zu fressen. Ähnliches Verhalten zeigt sie gegenüber meiner Frau Renate. Wir können auf dem Balkon sitzen (Renate handarbeitet, ich fotografiere oder wir lesen) „unsere Vögel“ holen sich ihre Nahrung oder sitzen auf dem Birkenzweig und schauen oder pflegen ihr Federkleid. Wir sind überzeugt, die Vögel kennen uns, sie wissen, dass von uns keine Gefahr ausgeht und wir derjenigen sind, die für das Futter sorgen. Nur Eines mögen sie gar nicht: Ruckartige, schnelle Bewegungen. Dann sind sie auf und davon und kommen auch nicht so schnell wieder zurück. Wir brauchen uns ja nur entsprechend zu verhalten.

Autor: Günter Hauschild

Günter Hauschild ist Hobbyfotograf. Seine Begeisterung für die Digitalfotografie verbindet er mit seinem Interesse für die Natur und seinen didaktisch - methodischen Fähigkeiten. Sein "Fotokurs für junge Fotografen" (http://www.vierfarben.de) wendet sich an den Fotografen-Nachwuchs, seine "Naturfotografie - Fotografisch durch die Jahreszeiten" (http://www.it-fachportal.de) an die biologische Interessierten Hobbyfotografen. Hier auf "Fotowissen" schreibt er vorrangig Beiträge zur Naturfotografie.

1 Kommentar

  1. Ein wahrlich wunderschöner Artikel, der *fotowissen bereichert, Günter. Vielen herzlichen Dank an Deine Frau und Dich.

    Auf diesen Kommentar antworten

Ihre Meinung interessiert uns

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.