Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Tierfotografie auf dem Balkon – Teil 1

Die Vorgeschichte zur Tierfotografie auf dem Balkon

Der Spätherbst war schön, wunderschön und das in mehrfacher Hinsicht. Da war zunächst der Herbst selbst, nicht jeder zeigt solche Farben.

Aber auch für meine Frau und mich war es ein bedeutsamer Herbst. Wir zogen in eine neue Wohnung, die altersgerecht im Erdgeschoss liegt, Innen barrierefrei ist und einen 3 x 2m großen Balkon hat. Wir beschlossen: Der Balkon wird ein zusätzliches Zimmer dieser Wohnung, er soll ab dem Frühjahr ein grüner und blühender Balkon werden und Tieren im Wohngebiet zumindest Nahrung, im günstigsten Fall auch eine Wohnung anbieten und zudem fotografengerecht sein. Das erste Vorhaben, daraus ein weiteres Zimmer zu machen, war mit Baumarkt-Hilfe schnell erledigt.

Für den blühenden Balkon waren ein, zwei Besuche auf dem Husumer Wochenmarkt nötig und wir hatten alle Pflanzen zusammen, die dafür nötig waren. Im Frühjahr blühten dann die Tulpen, Hyazinthen und Krokusse, dann folgten die Sommerblumen, die schließlich von Chrysanthemen, Erika und schönen Gräsern abgelöst wurden.

Der Balkon blüht – nun könnten doch Insekten kommen. Aber sie ließen auf sich warten. Ich wunderte mich nicht, hatte ich doch in verschiedenen Medien gelesen, dass wir in Europa mehr als die Hälfte aller Insekten verloren haben. Ein Grund ist die Ödnis der Grünanlagen und der Vorgärten in unseren Städten und Dörfern. Jede Blüte, die da aufkommen will, fällt dem regelmäßigen Rasenschnitt zum Opfer, wodurch den Insekten die Nahrung entzogen wird, wir ermöglichen den Insektentod durch Verhungern. Jeder Bürger könnte leicht einen Beitrag zur Besserung leisten. In Husum haben sich Menschen zusammengefunden, die in der Stadt geeignete Stellen aussuchen, dort den Boden entsprechend bearbeiten und Saatgut für eine Blumenwiese ausbringen. Eine entsprechende Beschilderung und die Medien informieren die Bürger.

So hatte ich Zeit zu überlegen, wie denn die Tierfotografie auf dem Balkon ablaufen könnte:

Jedes Familienmitglied hatte eine bequeme Sitzgelegenheit, auf der man es längere Zeit gut aushalten kann. Auf einem Tisch können wir arbeiten oder auch unsere Malzeiten einnehmen. Das kleine Beistelltischchen könnte die Fotoausrüstung aufnehmen. Als Rentner wird es kein Problem sein, große Tagesabschnitte auf dem Balkon zu verbringen. An die Canon EOS 550D setze ich das Tamron SP 70 – 300 / F4 – 5,6, damit ich auch Aufnahmen machen kann, wenn die Objekte etwas weiter weg von mir erscheinen. Die Canon EOS 70D wird mit dem Tamron SP 90 mm / f 2,8 Di MACRO 1 : 1 bestückt, an dem ich den Bildstabilisator sehr schätze. Mit ihr werde ich in der Regel die Besucher der Blüten fotografieren. Beide Kameras liegen griffbereit auf dem Beistelltischchen.

Die Arbeit des Fotografen beginnt

Ich beobachte die Blüten und merke, dass eine bestimmte Pflanze immer wieder von Schwebfliegen angeflogen wird. Also bringe ich mich mit der 70D in einem günstigen Abstand, fokussiere mal probe-weise auf den Bereich der Blüte, die die Schwebfliege wahrscheinlich anfliegen wird und erwarte die nächste. Sie kommt auch bald und wenn man genau hinschaut, dann zeigt sie uns, dass sie ihre Aufgabe, Blüten zu bestäuben, hervorragend erfüllt, am Kopf trägt sie die Pollen.

 

Biene mit Pollen - Tierfotografie auf dem Balkon

So verbrachte ich viele Stunden auf dem Balkon, auf dem sich immer wieder neue Besucher zeigten.

Hier einige Beispiele.

Eine Wespe stillt an einer Wasserschale ihren Durst.

Hummel auf einer Bornholmer Margeriten voller Pollen.

Hummel auf einer Bornholmer Margeriten voller Pollen.

Biene in einer violett blühenden Bornholmer Margerite.

Biene in einer violett blühenden Bornholmer Margerite.

Taubenschwänzchen im Anflug

Taubenschwänzchen im Anflug

Dieses Bild vom Taubenschwänzchen verdeutlicht, warum er als „Kolibri unter den Schmetterlingen“ bezeichnet wird.

Wegen der Fotografiererei wurde für eine begrenzte Zeit sogar eine Spinne auf dem Balkon geduldet. Man mag über diese Tiere denken und fühlen wie man will, die Farben und Strukturen eines Spinnenkörpers sind sehenswert.

Der kleine Fuchs auf dem Schmetterlingsflieder. Das ist ein Strauch, der wie keine andere Pflanze Schmetterlinge anzieht, er gedeiht sogar im Topf auf dem Balkon.

Ein Gast, der nur für kurze Zeit auf dem Balkontisch blieb, war eine Motte.

 

Da unsere Wohnung im Erdgeschoss liegt, war es kein Wunder, dass eines Tages eine Schnecke in den Blumen auftauchte. Meine Angst, sie würde mir die Pflanzen anfressen war unbegründet, offensichtlich war ihr die Umgebung fremd und sie suchte und suchte – bestimmt nach einer ihr vertrauten Pflanze.

Ich machte noch eine Aufnahme von dem schön gemusterten Gehäuse und brachte sie wieder in die ihr vertraute Umgebung.

Eine der Blumen hatte als blinden Passagier eine Raupe mit gebracht.

Übrigens

Könnte man nicht verzweifeln, wenn man sich die herrlichen Tiere anschaut, die uns die Evolution beschert hat und die ich fotografieren konnte und man gleichzeitig sieht wie wir das alles rücksichtslos aufs Spiel setzen?

Schlussgedanken

Es könnte sein, dass der eine oder andere Leser sich nun etwas zurück lehnt und denkt: „Ja der als Rentner, der hats gut, der kann stundenlang auf dem Balkon sitzen und auf Vertreter der Tierwelt warten.“


Stimmt! Aber! Ich bin ja nicht der einzige Rentner. Und wäre nicht eine Balkonstunde mit der Kamera in der Hand auch für einen berufstätigen und mit vielen anderen Verpflichtungen belegten Hobbyfotografen eine Entspannung, die vielleicht auch noch zu schönen Erfolgen führt.
Und dann gibt es in der Familie die von der Fotografie begeisterten Kinder, die zusammen mit den Eltern oder allein, den Balkon einrichten und dann fotografieren, fotografieren und fotografieren, ob mit einer „richtigen Kamera“ oder mit der im Smartphone.
Ich habe auch gar nichts dagegen, wenn Leser das Wort „Balkon“ durch „Blumen – Garten“ oder „Blumen – Wiese“ ersetzen, das sind nämlich durchaus die mit den besten Bedingungen für solche Vorhaben. Für mich wird es auch in den kommenden Jahren der Balkon bleiben und darauf freue ich mich schon.

Autor: Günter Hauschild

Günter Hauschild ist Hobbyfotograf. Seine Begeisterung für die Digitalfotografie verbindet er mit seinem Interesse für die Natur und seinen didaktisch - methodischen Fähigkeiten. Sein "Fotokurs für junge Fotografen" (http://www.vierfarben.de) wendet sich an den Fotografen-Nachwuchs, seine "Naturfotografie - Fotografisch durch die Jahreszeiten" (http://www.it-fachportal.de) an die biologische Interessierten Hobbyfotografen. Hier auf "Fotowissen" schreibt er vorrangig Beiträge zur Naturfotografie.

3 Kommentare

  1. Die als Erste gezeigte „Biene“ ist eine Schwebfliege, gut zu erkennen an den Augen und den seitlich abstehenden Flügeln. Ansonsten: tolle Fotos!

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    • Ich bedanke mich für den Hinweis und das Lob!
      Mit freundlichen Grüßen
      Günter Hauschild

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  2. Hallo Günter,
    also mein absoluter Favorit ist die Biene auf der Margerite – gestochen scharf! Ich gönne es dir von Herzen, dass du dir die Zeit nimmst, dein Hobby intensiv auszuleben. Die Ergebnisse sprechen für sich und gehören unbedingt an die Wand oder wenigstens in einen Kalender. Herzliche Grüße,
    Maike

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