Bild der Woche

Tateishi: Das “alte” Tokyo verschwindet – *fotowissen Bild der Woche

Tateishi: Das "alte" Tokyo verschwindet - *fotowissen Bild der Woche - Foto: Detlef Rehn

Tateishi liegt im Osten der japanischen Hauptstadt und ist ein ärmerer Stadtteil. Die kleine Einkaufstraße zeigt noch recht unverfälscht, wie Tokyo vielerorts vor 50, 60 Jahren aussah. Aufgrund verschiedener Faktoren haben viele Geschäfte der Gasse für immer geschlossen, die Rolläden (engl./jap. shutter) sind heruntergezogen. Straßen dieser Art heißen daher auf Japanisch “Shutter-gai” (gai = Straße). Auch wenn in einer Reihe von Bezirken manche “Shutter-gai” “modernisiert” werden, hat sich in der Gasse in Tateishi bislang nicht viel getan. Ein paar neue Kneipen sind hinzugekommen, andere haben wieder geschlossen. Insgesamt ist nicht sehr viel Betrieb. Die  Sonnenstrahlen des Morgens auf meinem Foto verdecken den grundsätzlich etwas deprimierenden Eindruck. Vermutlich wird die Straße in ihrer jetzigen Form nicht mehr lange überleben. Ich hoffe nur, dass an ihre Stelle nicht ein anonymes Einkaufszentrum gebaut wird.

Kamera: Fuji X-T3, Objektiv: Fujinon XF 16-80, Blende 4, 1/250 sek.

Foto: Detlef Rehn, Tokio

Geschrieben von:

Avatar von Bild der Woche (Wahl der Redaktion)

Bild der Woche (Wahl der Redaktion)

Die *fotowissen Redaktion veröffentlicht das Bild der Woche, welches Leser zur Publikation eingesandt haben. Nicht alle eingesandten Fotos werden veröffentlicht. Wir publizieren grundsätzlich besondere Fotos, die herausstechen. Die einsendenden Fotografen werden gebeten, die Kommentare unter ihren Fotos zu lesen und zu kommentieren, da sich viele Leser große Mühe mit einer konstruktiven Rezension machen.

2 Kommentare

Bitte schreiben Sie einen konstruktiven Kommentar. (Tipp: Kopieren Sie Ihren Text zur Sicherheit)

  • Hallo Herr Rehn,

    wer die letzten 10-20 Jahre aufmerksam durch die altgewachsenen Innenstädte hier in Deutschland geht, müßte eigentlich bemerken, dass es sich ähnlich entwickelt, wie das ihr Foto aus Tateishi zeigt. Bis auf die hier eher untypischen Rolläden vor den Geschäften wirkt vieles ähnlich trostlos, und vor allem, perspektivlos.

    Wenn ich ihr Foto betrachte, sehe ich förmlich, wie die Dame “an der Geschichte vorbei” geht. Durch die führenden Linien von Bürgersteigpflaster, den Läden, der Hausfassade an sich, bis hin zur Dachkante am schwarzen Himmel, entsteht etwas, an dem man durch das Foto, aber auch irgendwie an dieser Entwicklung entlangschlendert. Und dadurch, dass die Zeile rechts im Bild nicht endet, sondern unerkennbar weiterzureichen scheint, findet der Betrachter auch keinen Schlußpunkt. Unterstützt wird das ganze für mein Augen vom nach hinten nur sehr langsam auslaufenden Schärfebereich. Das kleine Detail, nämlich dieses Schild mit Fahrrad, und das Fahrrad selbst auf einer Höhe, empfinde ich als einen krotesken Rest Lebendigkeit in dieser eher leblosen Szene, was als Kontrast zur gesamten Wirkung ein echter Verstärker ist.

    Ich mag das Foto sehr, herzlichen Dank dafür, es hier anschauen + besprechen zu dürfen!

    Einen schönen Sonntag, herzliche Grüße,

    Dirk Trampedach

    • Hallo Herr Trampedach,

      danke für Ihre interessanten Kommentare. Es freut mich, dass Ihnen meine Aufnahme gefallen hat.

      Ich bin beim Anblick solcher Gassen immer ein bisschen hin- und hergerissen. Einerseits teile ich Ihre Bewertung als “trostlos”, andererseits gehören sie zum “Gesamtkunstwerk” Tokyo, einer Stadt, die oft hässlich, im Ganzen aber faszinierend ist. So denke ich also oft darüber nach, was aus diesen “Shutter-gai” zu machen wäre. Wie ich in meinen Anmerkungen zum Foto schon schrieb, gibt es ein paar Versuche in einzelnen Bezirken, aber das Ergebnis scheint eher dürftig: Die Straßen sind sauber, aber vollkommen steril ohne jede Atmosphäre. Hier und da werden neue Häuser gebaut oder alte saniert, und man versucht, Touristen etwa durch Hostels und Kunstgewerbeläden anzulocken. Jedoch erkenne ich in stadtplanerischer Hinsicht keine klare Linie. Ob sich daran etwas ändern wird? Ich weiß es nicht. Warten wir die kommenden Jahre ab.