Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Streetfotografie in Hongkong – ein erster Erfahrungsbericht

Artikel ursprünglich verfasst am 19. August 2017

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Welche Fotos erzählen eine Geschichte?

Schon ofte habe ich gelesen, dass Fotos eine „Geschichte“ erzählen sollen. In der Regel erzählen mir meine Bilder auch diese Geschichte, selbst die von mir so bevorzugten „Blümchenbilder“. Und sei es nur, dass sie mich an einen schönen Spaziergang erinnern… Nichts desto trotz frage ich mich oft, ob meine Aufnahmen denn auch dem unbekannten Betrachter etwas erzählen oder geben. Da meine eigene Phantasie sehr schnell bei Fotografien von Menschen anspringt habe ich mir für den diesjährigen Urlaub die Aufgabe gestellt, Straßenimpressionen aufzunehmen und mich bewusst dem Thema Streetfotografie bzw. Menschen zu nähern.

Erste Erfahrungen mit der Streetfotografie

Da wir in Hongkong waren kam eine zusätzliche Sprachbarriere hinzu, so dass oft mit Mimik und Gestik zu klären war, ob ich das Foto aufnehmen dürfe oder nicht. Aber ich bin ohne Ausnahme auf freundliche Menschen gestoßen, die es zumeist gewohnt waren, dass sie abgelichtet werden. Viele haben sich gefreut und mich mit einem Lächeln belohnt, einige wenige wiederum wollten nicht fotografiert werden und haben sich bewusst abgewandt, gezeigt was ich fotografieren darf oder verneint.

Im Laufe der Tage hat sich das Thema entwickelt und ich habe viele Menschen bei der Arbeit fotografiert.  Meine persönliche Herausforderung bestand allerdings -neben der technischen (vielfältigste, extreme Lichtverhältnisse)- in dem Zugehen auf fremde Menschen mit der Bitte, sie fotografieren zu dürfen. Aus meiner Erfahrung in Hongkong heraus kann ich aber allen Mut zusprechen sich zu trauen,  ich habe nicht eine negative Reaktion erlebt.

Bildbearbeitung

Zur Streetfotografie gehört für mich die Bearbeitung in schwarz-weiß, zumal viele Fotos dieses Urlaubes einfach auch extrem bunt sind und ich den Bildeindruck dann doch gern reduzieren wollte. In Sachen Bildbearbeitung habe ich die Fotos in Lightroom in sw gewandelt, teils Ausschnitte gewählt, das Format (neuerdings mag ich quadratisch ;-) ) angepasst, sowie zumeist den Kontrast und die Klarheit erhöht. Eine weitere, neue Vorliebe ist der Einsatz einer Vignette, ich finde sie unterstützt oder lenkt teilweise den Blick ins Bild. Ich muss allerdings auch zugeben, dass ich vergleichsweise wenig Zeit in die Bearbeitung investiere, hier habe ich auf jeden Fall noch Entwicklungspotenzial!!!!! Leider habe ich wohl beim Export vergessen, die Metadaten anzufügen – Entschuldigung!

 

So, hier nun aber die Ergebnisse (wobei man manche wirklich nicht in Farbe sehen möchte…). Ich bin gespannt, ob sie ihre Geschichten erzählen und freue mich auf Kommentare, Anregungen, Kritik, …

 

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Autor: Maike Lehmann

Ich fotografiere mit einer Nikon D610 und versuche mich in die digitale Fotografie und die verschiedenen Genres einzuarbeiten. Ich bin fasziniert von der Makrofotografie, versuche aber auch bewusst Abstecher in verschiedene andere Bereiche zu unternehmen. Früher habe ich gern gemalt und gezeichnet, es scheint als würden sich meine Vorlieben für Aquarelle und den Impressionismus auch in den Fotografien wiederfinden können. Ich bin auf der Suche nach meinem eigenen Stil und finde diesen Weg sehr spannend. Schaut gern bei Instagram vorbei: mai_leh Ich freue ich über eure Kommentare!

9 Kommentare

  1. Hallo Maike,

    na da hat du dich ja auch auf einen weiten Weg gemacht um uns diese Bilder hier zeigen zu können. Vielen Dank dafür.

    Genau wie auch du habe ich mit dem freundlichen Anprechen von Menschen oft positive Erfahrung gemacht. Und wenn es nicht erwünscht ist dann ist das auch ok für mich.

    Die meisten deiner Bilder haben sicherlich ihre eigene Geschichte. Hongkong ist bestimmt eine tolle Stadt um solche Fotos zu machen.

    Schwarz/weiss bietet sich bei klaren Linien und starken Kontrasten unbedingt an. Aber nicht immer passt diese Art der Bearbeitung für mich. Ist aber natürlich Geschmackssache. Ein anderer Betrachter mag das anders sehen.
    Bild 21 zum Beispiel wird für mich dadurch igendwie zu „flach“. Vielleicht speziell bei diesem Bild doch die Farbversion oder zumindest eine andere Bearbeitung? Du kennst die Google Nik Collection?

    Was hälst du denn davon vielleicht mal zusätzlich hier die identischen Farbfotos als Galerie bereitzustellen?

    Gruß
    André

    Beantworten
  2. Hallo André,
    herzlichen Dank für deine Rückmeldung! Allerdings wird die Geschichte der 21 und 24 jeweils recht blutig, wenn ich sie in Farbe zeige… ;-) Google Nik Collection sagt mir nichts, werde ich aber mal nachforschen. Gerade wegen dieser Kommentar schätze ich fotowissen.eu sehr, zeigt sich doch immer wieder, wie unterschiedlich die Fotos wahrgenommen werden. Die 21 ist eines meiner Lieblingsbilder, erstaunlicher Weise gerade in s/w, daher wird es wohl keine Farbversion geben. Aber ich denke darüber nach…
    Viele Grüße
    Maike

    Beantworten
  3. Ich finde alle Bilder hervorragend, gelungen, gut gestaltet und auf den Punkt. Diese Bilder dürfen keinesfalls in Farbe gezeigt werden, sie müssen sw sein! Ich finde die Fotos sind hundertprozentig Straßenfotografie, wie ich sie mag. Ganz tolle Fotografie, Maike!

    Beantworten
    • Vielen herzlichen Dank für das Kompliment, Peter! Wir sind uns einig, ich finde die Bilder auch sehr gelungen, schließlich ist es mein Erstversuch in Sachen Streetfotografie. Aber ich werde noch einige Eindrücke in Farbe zusammenstellen und euch zeigen.
      LG Maike

      Beantworten
  4. Liebe Maike,

    einen tollen Einblick in eine ganz andere Kultur und ein ganz anderes Leben hast Du uns ermöglicht! Ganz lieben Dank dafür!
    Ich gebe zu, Streetfotografie ist nicht so ganz meins, aber die Bilder #19 und #8 sprechen mich sehr an. Ich für meinen Teil finde die Umwandlung in s/w sehr gelungen und kann mir schon denken, das ein Großteil in Farbe einfach nur erschlagen würde.
    Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, was Du uns noch aus Hokong zeigen wirst.

    LG
    Britta

    Beantworten
  5. Beim Durchforsten dieser wunderbaren Fotowissen-Website stieß ich vor 2 Monaten auf diese beeindruckenden Fotos aus Hongkong von Maike Lehmann.

    Zu dem letzten Foto der Serie machte ich mir besonders viel Gedanken und betrachtete es sehr lange – es ist ein echter fotografischer Knaller !

    Mein Vorhaben, dazu etwas zu schreiben, konnte ich mangels Zeit nicht umsetzen, aber heute habe ich sie endlich gefunden. Die Fotos, insbesondere das Letzte, haben eine Würdigung verdient.

    Also los:
    Zunächst beweist das Foto, daß die alte (aus der Landschaftsfotografie stammende) Regel nicht immer stimmt, wonach man nie zur Mittagszeit fotografieren sollte: Es ist vermutlich zwischen 11 und 13 Uhr Ortszeit, kürzere Schatten sind kaum möglich. Die Sonne steht glücklicherweise leicht im Rücken von Maike und so fallen keine bzw. nicht so viele steile Schatten von den Vorsprüngen des gegenüber liegenden Gebäudekomplexes, sondern er wird minimal „von Vorne“ beleuchtet, vermutlich auch nicht unerheblich zusätzlich indirekt durch umliegende Gebäude und/oder ein paar hellen vereinzelten Wolken/Dunst. Das führt dazu, daß (möglicherweise auch durch sehr gute, gelungene Nachbearbeitung) sehr viele feine Strukturen zum Studieren der Fassaden einladen und ein wunderbarer Gesamteindruck entsteht. Insgesamt zeigen sämtliche Bilder eine gekonnte Belichtung/Bearbeitung auf, mit herrlich differenzierten Grautönen, es gibt nur dort tiefe Schwärzen, wo es vermutlich nicht mehr anders geht. Das alleine ist bereits wirklich bewundernswert! Chapeau!

    Sehr bemerkenswert ist auch, daß diese Szene auch OHNE einen eher klischeehaft wirkenden, langen Schatten der Person und des Karrens wirkt und sehr beeindruckt!

    Zum Bildaufbau:?
    Gebäudekomplex = obere zwei Drittel, Kreuzung mit Hauptdarsteller = unteres Drittel.
    Das Bild lebt erst einmal von diesen zwei eindrucksstarken Ebenen:
    Den hochaufragenden, senkrechten Gebäuden und der horizontalen Ebene Kreuzung.
    Durch die WW-Aufnahme werden sogar die räumlichen Tiefen der zerklüfteten Gebäude, ja sogar die Straßenecke mit (meiner Vermutung nach) leicht aufwärts führender gegenüberliegender Straße im ersten Moment eher flächig , mithin als ein zunächst einheitlicher Bildbestandteil, wahrgenommen. Trotz der hohen strukturellen Differenzierung und den wunderbar differenzierten Grautönen lenkt daher Nicht von der Hauptdarstellerin ab, sondern wirkt zunächst (!) eher wie ein dezenter Vorhang hinten auf einer Bühne, auf der die Hauptdarstellerin vorne steht.

    Ebenso klar ist die ebene Fläche der Straßenkreuzung, hier glücklicherweise kaum bevölkert durch weitere Passanten. Die diagonalen Felder sorgen für eine extrem hilfreiche Verdeutlichung der Tiefe des Kreuzungsraums – dies sogar derart unübersehbar, daß der Betrachter die Ampel zunächst nicht einmal wahrnimmt, die bei anderer Konstellation /Gegebenheiten eher stark stören würde, weil sie genau zwischen Person und dem Wagen liegt. Hier stört sie aber praktisch nicht – vermutlich sorgt die diagonal schraffierte Bemalung der Kreuzung dafür, daß unser Hirn diese beiden fast übereinander liegenden Bildbestandteile ganz souverän RÄUMLICH KORREKT trennt… man sieht mal wieder, wie genial die Natur und unsere lebenslange, zunehmende räumliche Erfahrung das differenzierte Sehen und Wahrnehmen unbewußt prägt!

    Grob-Strukturell sehe ich beim betrachten erst einmal eine „Schmetterlingsstruktur“ :
    Der Leib des Schmetterlings liegt quer horizontal, auf der Drittellinie des Bildes. Ein geöffneter Flügel ist gewissermaßen die Gebäudestruktur, der Andere die Horizontalebene der Kreuzung.

    Was das Bild so extrem beeindruckend macht, ist diese starke grafische Verdeutlichung des rechten Winkels, in welchem diese beiden Hauptebenen aufeinander liegen.
    Dies wird EINERSEITS durch die grundsätzliche Weitwinkelperspektive erreicht, aber auch dadurch, daß die Gebäude leicht überhängend wirken, wie eine überhängende Steilwand.
    Überhängende Steilwände sind abweisend, sind unerreichbar-majestätisch. Man erinnere sich nur an die vielen Bilder des berühmten, schauerlich-schönen , respekteinflößenden „Half-Dome“ im Yosemite-National Park.
    ANDERERSEITS wird diese Bildwirkung durch eine oder zwei WEITERE Effekte erreicht:
    Es könnte entweder eine deutliche kissenförmige Verzeichnung des (vermutlichen Zoom-) Objektivs sein, welche hier nicht stört, sondern – ganz im Gegenteil – sogar positiv dramatisierend wirkt (Bildstörungen sind eben gelegentlich besser als ihr Ruf) oder eine Objektivachse, welche leicht nach unten geneigt ist – oder eine positive, synergistische Kombination von beidem.

    Diese ganzen Effekte, welche einerseits den Raum stark betonen, ihn andererseits jedoch stark vereinfachen und auf den extrem dominanten rechten Winkel reduzieren, haben eine plastische, abstrakte Wirkung:

    Das Bild ist wie ein perfektes Modell für ein Bühnenbild: Man schaut quasi auf das 1:30 Modell eines äusserst geschickten und erfahrenen Bühnenbildners: Die zwei riesenhaften aufeinander stehenden Flächen, mit perfekter Inszenierung des Hauptdarstellers in der Schlüsselszene eines Dramas, vermutlich sogar der Schlussakt.

    Nun komme ich endlich zur Hauptdarstellerin:

    Das WW dehnt den Vordergrund mit Person und Karre in die Breite. Die bereits überdeutliche Körpersprache der Person, welche sich „lang macht“, um instinktiv biomechanisch bedingt die Körperstreckung, welche normalerweise lediglich zum Aufrichten des Körpers führen würde, durch maximales Vornüberbeugen möglichst weit dazu zu nutzen, um den Karren in die gewünschte Richtung zu schieben, kennen wir alle, weil wir das sowohl als Akteure (zumindest als Kind) erfahren haben, aber auch aus der Perspektive des Betrachters.

    Diese Körperhaltung ist gewissermaßen bereits in unserem Bewußtsein als bildliche Ikone, als Synonym des MÜHEVOLLEN, ENTBEHRUNGSREICHEN LEBENS und Arbeitens zutiefst verankert. Weltweit wird seit der Erfindung des Rades (welche übrigens erst erstaunlich spät in der Menschheitsgeschichte erfolgte) diese Körperhaltung bzw. -sprache bzw. Karren-Szene sofort als charakterisierende, bestimmte Form der Lebensumstände künstlerisch genutzt. So etwas verstehen wir sofort, weil es tief in uns fest mit allen Sinnen verankert ist.
    Nicht umsonst haben wir sogar das bildliche Sprichwort bzw die Metapher „Jemanden vor den Karren spannen“ – welches gleiche Körperhaltung und gleiche Mühe, ja sogar gleiche Muskelgruppen zeigt – schieben und Ziehen sind biomechanisch (bis auf den Schulter-Armbereich) ganz identisch!

    Nicht zufällig ist auch die Haltung in bildlichen Darstellungen eines gewissen „Jesus von Nazareth“ beim Tragen des Kreuzes nicht unähnlich und wird in strenggläubig durchgeführten Kreuzigungsprozessionen alljährlich – teils nur gedanklich, teils jedoch sogar physisch – nachvollzogen.

    Hier kommt noch ein ganz spezieller „Geschmacksverstärker“ ins Spiel:??Der perspektivische Geschmacksverstärker der scheinbar überhängenden Gebäude lässt uns un(ter-)bewußt einschätzen, daß der Weg bzw- die Zielrichtung in Richtung des Gebäudekolosses bzw auf der leicht ansteigenden gegenüber liegenden linksseitigen Straße NOCH mühevoller werden wird – automatisiert wird bei uns Empathie noch verstärkt: Im Sinne eines seufzend-mitfühlenden „auch das noch!“ .
    Man stelle sich vor, die Zielrichtung der Person wäre um 180 Grad gedreht: ein bildwichtiger Teil der Dramatik des Bildes würde dann fehlen!

    Herzlichen Glückwunsch zu diesem wunderbaren Bild!

    Abschliessend:

    Viele sagen ja, man muss „das Motiv für ein Bild suchen“ – ich bin mit den Jahrzehnten eher zu der Meinung gelangt, daß man sie keineswegs „suchen“ muss:??Ganz im Gegenteil – die Motive sprechen einen an, ja sie küssen einen bisweilen geradezu auf die Stirn!
    Man muss nur imstande sein, den Kuss zu spüren, sich auf diese zärtliche Berührung doch das Motiv einzulassen. Und gewissermaßen mit dem Motiv gemeinsam verschlungen tanzen, indem man das Seine gekonnt hinzufügt, um diesem virtuellen Partner beim fotografischen Tanz gerecht zu werden.
    Genau dies ist hier geschehen !

    Hochsensibel und auch technisch gekonnt wurde eine Szene erkannt, auf die „virtuelle Aufforderung zum Tanz“ auf perfekte Art eingegangen und ein geradezu ikonisches Bild geschaffen!

    Solch ein Foto schaffen m.E.n. sogar weltbekannte Fotografen nicht einmal oft.

    Und nun mein größtes Kompliment (denn ich verehre diesen Fotografen sehr):
    Würde als Autor der name „Sebastiao Salgado“ drunter stehen, würde ich das durchaus für möglich halten….

    Beantworten
    • Hallo DWL!
      Ich bin sprachlos und dankbar zugleich. Dankbar dafür, dass du dir die Zeit genommen hast und dich offensichtlich sehr intensiv mit meiner Aufnahme auseinandergesetzt hast. Wahrlich ist dies auch nach Jahren noch mein persönliches Lieblingsbild und es hängt nun auch schon drei Jahre großformatig im Wohnzimmer. Nach wie vor sehe ich mich nicht satt daran und schaue es tagtäglich gern an. Dazu tragen sicher einige der Aspekte bei, die du hier beschrieben hast (z.B. hat mir mein Mann tatsächlich bei der Bearbeitung der Häuser geholfen, da sie im Original aufgrund der Tageszeit und Lichtsituation nicht genügend Struktur hatten, ich unzufrieden war und dies technisch in der Nachbearbeitung auch noch nicht beherrschte). In dieser Ausführlichkeit jedoch, habe selbst ich sie bewusst noch nicht wahrgenommen. Da ich bereits viele deiner Bildbesprechungen hier gelesen habe verstärkt sich mein Eindruck, als würdest du dich (vielleicht sogar) beruflich mit diesem Bereich befassen(?). Unfassbar genau beobachtest, analysierst und interpretierst du hier im Forum Fotografien und die Tiefe, Strukturiertheit und die Einbettung in verschiedenste Bezüge (in diesem Fall z.B. anatomisch und religiös) beeindrucken mich und machen mich heute sogar (ausnahmsweise mal) sprachlos. Am Ende der Tanz mit Salgado, ich fühle mich tatsächlich ein wenig geehrt und danke dir zutiefst.
      Meine herzlichsten Grüße…
      Maike

      Beantworten
  6. Halo Maike,
    Danke für die Blumen, aber ich habe beruflich lediglich zu einem geringen Teil mit der Betrachtung von bildlichen Darstellungen zu tun, allerdings viel mit ständiger Aufmerksamkeit der Sinne und der zwingenden Notwendigkeit sicherer Analysen von Zusammenhängen.

    Allerdings fotografiere ich seit über 50 Jahren und liebe die „bildenden“ Künste, welche zu meiner Jugendzeit gesellschaftlicher in hoher Wertschätzung befindlich waren. Also deutlich weniger Business (wie heute leider), sondern tatsächlich zu einem deutlich höheren Anteil als heutzutage „um ihrer Selbst willen“… jaja… die wilden 60er/70er Jahre…

    Fotografiert habe ich also über viele Jahrzehnte, allerdings berufsbedingt und auch privat bedingt in den letzten Jahren zumeist nur noch (viel zu) selten – was ich sehr bedauere und mir vorgenommen habe, fotografisch endlich wieder mehr Fahrt aufzunehmen. Dies um so mehr, als die heutigen enormen Möglichkeiten der Digitalfotografie für einen alten „Analog-MF-Dinosaurier“ wie mich das reinste fotografische Paradies sind

    Zu dem schönen, wechselseitigen und fruchtbaren Von-einander-Lernen beider Seiten (Bildautoren ebenso wie Betrachter, welche sich die Mühe machen, substanzielle Kritiken zu schreiben), wenn man einen echten Dialog führt, habe ich mich ja bereits einmal im Rahmen einer Bildkritik zu einem Bild von Dirk Trampedach geäussert.

    Substanzielle Bildkritiken sind auch viel zeitaufwendiger, als so manche Leute glauben. diese hier hat mich erstaunliche 60 min. gekostet, die aber eine gute Investition waren. Denn auch ich muss ja jedes Mal erst einmal eine erneute Übung im „Sehen“ und der Suche nach Ursache und Wirkung, nach kausalen und zufälligen Zusammenhängen absolvieren. Ist wie Mucki-Bude für die Sinne und die graue Substanz, also durchaus lustbetont. Allerdings schreibe ich auch nur weitere Bildkritiken über die allererste pro Bildautor hinaus, wenn der/die Bildautor/in zeigt, daß ein echter konstruktiver Austausch überhaupt gewünscht ist. Hier ist das eher die Regel, was mich freut. Auch dazu habe ich mich bereits einmal im Rahmen einer Bildkritik ausführlicher geäussert.

    Ich danke also auch Dir dafür, daß Du einen offenen, konstruktiven Dialog suchst und schätzt. :-)
    So, wie ich das bereits mehrfach auch von anderen Bildautoren auf angenehme Art erfahren habe.

    „Street“ Photography ist stets ein Agieren wie auf einem Drahtseil: Auf der einen Seite der Abgrund des voyeuristischen Herabschauens auf andere Menschen, auf der anderen Seite der Abgrund der narzisstischen Selbstüberhöhung, wo Leute sich für Wiedergeburten eines Henry Carter-Bresson halten, weil sie eigene, profanste, inhaltsleere und unempathische Zufallsknipsereien für große Kunst halten…

    Deine Hongkong-Straßenfotos sind hingegen ein eleganter, sicherer Lauf auf dem Drahtseil, ohne auch nur im geringsten ins Schwanken zu kommen, das ist wirklich klasse. Nicht die geringste Spur von Voyeurismus, sondern mal fühlt das Bestreben, die Menschen in einem teil ihres Lebensraums mit ACHTUNG und RESPEKT zu Portraitieren. DAS ist große Kunst.

    Ich selbst habe erst vor einer ganzen Reihe von Jahren an einem Wochenende die Gelegenheit gehabt mit einem enorm begnadeten Straßenfotografen (kein Profi, aber der hat in Serie Fotos zum niederknien produziert) in Hamburg auf Tour zu gehen. Unter den inzwischen (angesichts der metastasierenden Asozialen Netzwerke wahrlich bitter nötigen) juristischen „Zwängen“ – und habe innerhalb eines Tages erneut gelernt, wie fairer Umgang des Fotografen mit fairem Umgang seitens des Fotografierten „quittiert“ wird. Und meine eigenen Ängste ziemlich abgebaut. Als Fotograf kann man nicht nur von Bildkritiken (und umgekehrt) lernen, man kann auch fremde Menschen auf einer zeitlichen Kurzachse kennenlernen. Das kann sehr spannend sein.

    Beste Grüße
    DWL

    Beantworten
    • Hallo DWL,

      die „Mucki-Bude fürs Hirn“ finde ich klasse (!) und ich kann sehr gut nachvollziehen, dass sich diese Bildbesprechungen nicht von allein und nebenbei schreiben. Mein „Mucki-Bude fürs Hirn“findet sich hier hin und wieder, wenn ich über Bücher schreibe und meine ganz persönliche Einschätzung verfasse. Auch hier geht viel Zeit über den Schreibtisch, bis ich gänzlich zufrieden bin. Aktuell lese ich, und jetzt komme ich zurück zum auch von dir so geschätzten, konstruktiven Austausch über Bilder, von David duChemin „Das Herz der Kamera“. Ich habe bereits vor einigen Jahren „Die Seele der Kamera“ gelesen, hier auch vorgestellt und war sehr nachhaltig beeindruckt von seiner Herangehensweise. Nicht so klar strukturiert wie du, aber doch auch auf eine ganz eigene Weise den Dingen (Aussagen, Geschichten, ..) auf den Grund gehend. Das von auf dieser Seite ja doch inzwischen sehr ausführlich besprochene Foto scheint die Menschen mit seiner Geschichte tatsächlich anzusprechen, sonst würde nicht so viel darüber geschrieben werden. Im Sinne von duChemin glaube ich inzwischen dass es daran liegt, dass mir dieses Bild auch so bedeutsam und wertvoll ist. Er schreibt unter anderm, dass man nur Geschichten aufnehmen kann, wenn man auch welche zu erzählen hat. Und diese Geschichte hier, wird ehrlich, offen und respektvoll erzählt. Für mich ist dieses Bild fast schon „Sinnbild“ für diesen Urlaub, weil es der erste Tag in Hongkong war, weil die Eindrücke kaum aufzunehmen waren, weil ich diese Kreuzung fand (vorher viele Aufnahmen von ähnlich markierten Kreuzungen im Internet gesehen und so eine wollte ich unbedingt finden), weil es brüllend schwülwarm war und und und. Für mich transportiert diese Bild all das und wie man ja auch deiner Wahrnehmung entnehmen kann, es erzählt noch viel mehr als nur das. DuChemin bringt uns da auf die richtige Fährte, er schreibt, dass wir zunächst für uns fotografieren sollen, wir sind unser erstes, wichtigstes und kritischstes Publikum. Nur wenn ich am Ende mit diesem Bild hundertprozentig zufrieden bin, dann ist es mein bestmögliches Bild und kann dann zum ehrlichen Transporteur für Gefühle und Geschichten werden, denn es ist auch meine eigene Geschichte.
      So, ich hoffe, das war jetzt nicht zu philosophisch, aber ich habe das Buch gerade gestern beendet und es passt so gut in unsere Diskussion. Auf jeden Fall wünsche ich dir, dass du wieder mehr Zeit für die Fotografie findest, aber auch gern weiter hier im Forum Aufnahmen analysierst – das ist ein großer Gewinn für alle, die es lesen und sich damit auseinander setzen. Vielleicht ist ja auch duChmin was für dich? Schau mal in die Rezension, die nächste folgt, wenn ich genügend Zeit und Ruhe dafür finde.

      Herzliche Grüße und mein ebensolcher Dank für diesen Austausch,
      Maike

      Beantworten

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