Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Sind Künstler und Fotografen nur Hampelmänner und Clowns?

Immer öfter stelle ich mir die Frage, ob die Gesellschaft und Unternehmen uns Fotografen nur als Hampelmänner und Clowns sieht. Hintergründe der Fragestellungen sind unliebsame Erfahrungen:

Sind Künstler und Fotografen nur Hampelmänner und Clowns?

Sind Künstler und Fotografen nur Hampelmänner und Clowns? Copyright wojtekdesign

Nur um es vorweg anzubringen: Die geschilderten Vorgänge sind eher die Ausnahme. Es gibt auch Unternehmen und Private, welche die Arbeit von Künstlern und Fotografen schätzen. Man darf sich sicher nicht durch Ausnahmen herunter ziehen lassen. Wie ich immer so schön sage:

Absagen geben Raum für Chancen

Sehen Unternehmen uns Künstler und Fotografen als Hampelmänner?

Sind Aufträge in exotischen Locations Vergnügungsreisen für den Fotografen? Erst neulich wurde mir eine solche Reise angeboten. Impliziert wurde, dass es sich um eine Vergnügungsreise handele, bei der ich mich nur unter die Mitreisenden mischen sollte. Es waren höchstens 6-7 Stunden Arbeit pro Tag, so das Angebot. Flug, Essen, Sonne inklusive.

Diejenigen unter Ihnen, die ihr Geld mit Fotografie verdienen, oder sogar davon leben müssen, wissen, dass es sich bei einer solchen Auftragsarbeit nicht um eine Vergnügungsreise handelt. Wer glaubt an maximal 7 Stunden Arbeit? Sind das nicht sehr wahrscheinlich mehr 10-12 Stunden pro Tag? Dazu noch Nachtstunden, um die Fotos in Lightroom zu sortieren und  einige Fotos zu bearbeiten und vorab an die Marketingabteilung zu senden.

Dazu kommen Jetlag sowie Klimaänderung in zwei Fällen. Und eine Nachbearbeitung der Fotos im Studio dauert meist doppelt bis dreimal so lange wie die Reise. Raten Sie bitte, wie die Vergütungsvorschläge ausfielen.

Falsche Annahmen von allen Seiten?

Vermutlich dachte der Anbietende

Schöne Reise, erste Klasse, der Fotograf hat eine Urlaubsreise und darf dabei sogar noch fotografieren.

Vermutlich hatte ich angenommen

Klasse, endlich mal ein toller Auftrag, der auch noch gut honoriert wird und ich werde erstklassige Bilder abliefern.

Interessante Vergütungsvorschläge für Fotografen

Sicherlich überstiegen die Reisekosten für den Auftrag in diesem Falle die Höhe der angebotenen Vergütung. Aber darf das Angebot deshalb unter einer bestimmten respektablen Grenze liegen? Berufsfotografen wissen, welche Tagessätze sie nehmen müssen, um die Kosten zu decken und auch noch Butter auf dem Brot zu haben. Wer darunter anbietet, der muss gute Gründe haben.

Und wir wissen alle, wie anstrengend fünf, sieben oder gar 12 Stunden Fotografie sind. Wer einmal eine Hochzeit fotografiert hat und die Verantwortung für das Festhalten der Geschehnisse hatte, der weiß wovon ich rede.

Auftrag akzeptieren oder ablehnen?

Ich bin sicher, dass nach meiner Ablehnung mit Begründung von Know-how, Kunst und Kosten meinerseits keine Aufträge mehr folgen und ein Ersatz schnell gefunden wurde. Vielleicht kein professioneller Fotograf, aber billig genug. Und billig reicht?

Sagt mir doch gleich ins Gesicht:

Du bist als Fotograf nur ein Hampelmann.

Oder nehmt ein Smartphone mit und macht die Bilder in gewohnter unterirdischer Qualität selbst. Sicher reicht das für ein Markenunternehmen, welches seinen Managern Millionen im Jahr zahlt. Vielleicht nehme ich es zu schwer und Smartphone Qualität war sogar genug? Ich weiß es nicht und irgendwie will ich es auch nicht mehr wissen.

Respektlose und respektvolle Unternehmen

Ist es ein Fehler deutlich abzusagen? Darf ich das Angebot überhaupt werten oder war alles ein großes Missverständnis? Sind Fotografen Hampelmänner?

Mein Fehler bestand in diesem Falle klar darin, den Termin zu blocken und eine Hochzeitsreportage im Zeitraum abzusagen, bevor die Vergütung geklärt war. Ich setze einen Haken dahinter und bin mit freundschaftlicher Kompetenz und Enthusiasmus für andere da. Vor allem möchte ich zuverlässig erstklassige Arbeit an Unternehmen abliefern, welche Kunst, Qualität, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit schätzen. Vermutlich war alles ein Missverständnis. Das Unternehmen dachte wirklich, dass eine Arbeit in solchen warmen Gefilden mit Spesen inklusive eine Vergnügungsreise für den Fotografen ist.

Ausstellungen und andere künstlerische Erfahrungen

Ähnliche Erfahrungen werden uns Künstlern immer wieder auf eigenen Vernissagen zuteil. Da steht ein Besucher vor dem Bild, schaut es zwei Sekunden an, geht zum nächsten, bevor er ohne ein Wort die Ausstellung wieder verlässt. Ich möchte beinahe kurz fragen, welches Bild beim Konsumieren im Gedächtnis bleibt.

Oder die Besucherin, welche vor einem Bild ein paar Sekunden mehr verweilt. Freundlich spricht man diese an, ob ihr das Bild gefalle. „Ganz gut“ heißt es großzügig. Was daran gut gefalle konnte die Besucherin nicht recht erklären. Auf die Frage, ob es in Frage komme, heißt es dann zum Schluss der kurzen Konversation:

Das fotografiere ich selbst.

Mir bleibt die Luft weg. Aber ich weiß, dass es an mangelndem Verständnis, anderem Sehen und ein klein bisschen Unvermögen liegen mag, solche eine Antwort zu geben.

Kaum einer, der nicht selbst Vernissagen anbietet, weiß welches Geld und welche Arbeit in der Vorbereitung, der Auswahl der Fotografien, dem Bestellen und Hängen der Werke steckt.

Manchmal wünsche ich mir, einige der Besucher und Unternehmen hätten ein paar Stunden Fotografie auf der Schule genossen. Dann würden uns Fotografen Missverständnisse unserer Mühe erspart und wir würden uns als Künstler / Fotografen nicht als Clowns und Hampelmänner empfinden.

Bestimmt der Empfänger die Botschaft?

Alles nicht so schlimm? Übertrieben? Zu teuer? Zu empfindlich? Einzelfälle? Klarer Fall von Geiz ist Geil? Ich soll nicht weinen? Ich bin eine Witzfigur und Hampelmann? Augen zu und durch?

Oder ist das Angebot der „Vergnügungsreise“ unverwerflich und unternehmerisch?

Müssen wir uns als Hampelmänner behandeln lassen? Müssen sich Künstler und Fotografen alles gefallen lassen?

Was meinen Sie? Schreiben Sie unten im Kommentarfeld von Ihren Erfahrungen und Erlebnissen als FotografIn. Ich freue mich darauf, vorausgesetzt Sie verdienen mit der Kunst Ihr Brot und wissen um die monatlichen Kosten. Danke!

© Peter Roskothen ist Profi-Fotograf, Fototrainer, Fotojournalist – Sind Künstler und Fotografen nur Hampelmänner und Clowns?

Autor: Peter Roskothen

Ich, Peter Roskothen bin Profi-Fotograf, Fototrainer ganz besonderer Fotokurse sowie Fachjournalist für Fotografie. Ich schreibe auf *fotowissen für Fotoamateure und ambitionierte Fotografen. Die Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.

Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.

Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter Peter Roskothen Fotokunst & Design.

3 Kommentare

  1. Das Problem ist, dass du während dieser Zeit kein Geld verdienst und deine Kosten weiterlaufen. Du hast ausserdem noch Kosten, die einfach anfallen wenn du im Ausland oder auf einer Reise bist. Wie kann man trotzdem Geld mit so einem Auftrag generieren? Man verkauft die Fotos oder Teile davon über Bildagenturen. Das muss vorher aber mit dem Kunden geklärt werden. Zudem benötigst du von jeder, auf dem Foto erkennbaren Person ein Model Release. Von den Hotels benötigst du eine Property Release. Das ist alles sehr stressig und bedeutet noch einmal mehr Aufwand. Ist aber prinzipiell möglich. Sollte der Kunde damit nicht einverstanden sein kann man das als Profi nicht annehmen.

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  2. Nun, alle die im Thema Fotografie drinstecken wissen wohl was für ein Aufwand betrieben werden muss um gute Bilder abzuliefern und auch um seinen eigenen Lebensaufwand abzudecken. Aber, wir sollten uns nicht vormachen, derlei Berufe gibt es nicht wenige bei denen sich die Leute ähnliche Fragen stellen. Für eine normale Hochzeitsfeier wird erst einmal im Bekanntenkreis gesucht ob einer Lust auf ein bisschen Fotografie hat und den Job übernehmen würde. Früher, zu unserer Zeit war es noch etwas besonderes wenn man seine Hochzeit um bei dem Beispiel zu bleiben von einem Fotografen hat festhalten lassen. Heute kann sich das tatsächlich der Normalbürger fast schon nicht mehr leisten da er sein Geld ziemlich zusammen halten muss. Ich denke das diese Gruppe schon einmal fehlt. Mangelnder Respekt zu der Berufung Fotograf ist da glaube ich weniger der Grund. Die Gäste nehmen auf so einer Feierlichkeit einen Fotografen eigentlich nicht wirklich war, es sei denn das gerade ein Porträtfoto von dieser Person gemacht wird. Jahre später kann man sich aber dann noch über professionellen Bilder freuen. Denn: es ist schon ein Unterschied zu erkennen wer fotografiert hat. Aufnahmen von Fotografen sind auch nach 30 oder 40 Jahren sehr schön anzusehen.
    Ganz anders sollte es aber bei Firmen laufen. Die müssen ja nicht unbedingt auf jeden Cent achten oder haben ein entsprechendes Budget welches ausgegeben werden kann. Die Firma bekommt ja schließlich gute Fotos geliefert und sollte es respektive auch entsprechend entlohnen. Allerdings ist es auch immer Zeitabhängig wie ich meine, mal sind Ausgaben für Marketing auf einen hohem Level, anderes mal ein paar Jahre später ist das womöglich ganz anders. Aber eines sollten die Fotografen wohl wissen, wer gute Fotos zu angemessenen Preisen anbietet wird auch gerne wieder genommen. Von der anderen Seite her muss es aber auch stimmig sein. Am Beispiel oben kann man ja sehen das der Profi weis worauf er sich einlässt, nur der Laie würde hier zuschlagen.
    Bitte immer daran denken, es ist nur meine persönlich Meinung. Viele Grüße aus Oberhausen.

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  3. Ich habe Kommunikationsdesign studiert und tatsächlich sind heute die jungen digitalen einfach nur noch Witzfiguren.

    Jeder nennt sich Fotograf bevor er auch nur den ersten Kurs besucht hat, andere planen schon ihre erste „Vernissage“. Zum kotzen

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