Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Quadratische Bilder – Sehen und Fotografieren – Video

Quadratische Bilder – Ich bin ein Verfechter der Theorie: Was man sieht, ist das, was man bekommt. Was ich damit meine ist, dass ich ein quadratisches Foto nur dann erhalte, wenn ich auch im Quadrat denke, sehe und im quadratischen Format fotografiere:

Quadratisch Sehen und Fotografieren

Wenn ich mit einer analogen Kamera einen Orangefilter, Gelbfilter oder Rotfilter vor der Kamera habe, bin ich in der Lage schwarzweiß zu denken. Hatte ich dazu auch noch eine Hasslblad-, Rolleiflex- oder Rolleicord-Kamera, dann sah ich das Motiv im quadratischen Sucher. Im Digitalzeitalter kann ich quadratische Motive oder schwarzweiße Motive besser erkennen, wenn ich entweder

  1. einen elektronischen Sucher einer spiegellosen Kamera nutze
  2. oder nach der Aufnahme das Bild auf dem Display betrachte.

Wird mir das Motiv im Sucher bereits quadratisch angezeigt, dann erkenne ich quadratische Bilder oder Motive eher und kann sie auch entsprechend gestalten und fotografieren. In anderen Worten: die Bildgestaltung gelingt mir mit einer höheren Konsistenz, wenn ich das Motiv beim Fotografieren richtig platziere und auf andere gestalterische Elemente im gewünschten Format achte.

Quadrat Foto - Quadratische Bilder – Sehen und Fotografieren

Fotografiere ich im rechteckigen Format 2:3 (Spiegelreflex / DSLM) oder 3:4 (Microfourthirds-Sensoren), dann erhalte ich entweder ein Querformat, welches in der Regel eine beruhigende Wirkung hat. Alternativ erhalte ich ein Hochformat, welches als unruhiger oder dynamischer gilt. Sehe ich kein quadratisches Format im Sucher, dann wird von Seiten der Kamera auch die bewusste quadratische Bildgestaltung nicht unterstützt.

Vergleich Schwarzweiß

Fotografiere ich ein Schwarzweiß-Foto mit einer Farbkamera, sprich mit einem optischen Sucher und Farbdisplay, so ist kein sofortiges Schwarzweiß-Sehen möglich. Immerhin haben mittlerweile viele neueren digitalen Spiegelreflexkameras auch einen s/w-Anzeigemodus im Display, mit dem die monochrome Fotografie leichter fällt. Auf diesem Display kann ich das fertige Foto in schwarzweiß betrachten. Leider ist es im Sucher nicht möglich, ein Motiv vorab schwarzweiß zu betrachten.

Tipp: Schalten Sie im Menü Ihrer Spiegelreflex das JPG einmal für einen Tag lang in den monochromen Aufnahmemodus. Das fertige Bild im Display wird Ihnen helfen schwarzweiße Motive zu erkennen.

Noch besser geht das mit spiegellosen Kameras, Smartphones, Kompaktkameras, Bridgekameras und DSLM-Kameras (Systemkameras ohne Spiegel). Hier kann ich im Display / Sucher bereits schwarzweiß und quadratisch sehen.

Tipp: Schalten Sie Ihre spiegellose Kamera oder Smartphone mal für einen Tag in schwarzweiß und in das 1:1 Format (Quadrat).

Warum überhaupt Quadratisch oder Schwarzweiß?

Vielleicht fragen Sie sich, warum ich beim quadratischen Foto immer wieder auch über Schwarzweiß rede? Ich denke, das ist meiner geliebten Reduktion auf farblos und quadratisch geschuldet. Beide passen hervorragend zusammen.

Als Fotoamateur, Fotograf und Fotokünstler möchte ich gerne selbst entscheiden, ob ich ein farbiges Foto aufnehme oder ein schwarzweißes. Das schwarzweiße Foto reduziert den Blick des Betrachters auf das Wesentliche im Bild. Ähnliches erreicht der Fotograf doch auch mit der Hintergrundunschärfe beim Portrait. So kann der Fotograf den Blick des Betrachters in der Fotografie lenken.

In diesem monochromen, quadratischen Foto werden Sie vermutlich eine Dreieck-Beziehung erkennen. Diese ist tatsächlich schon bei der Aufnahme geplant worden:

Quadratisches Bild Monochrom

Hinzu kommt eine große Ruhe im Bild, die durch das 1:1 Format gefördert wird. Warum soll ich also als Fotograf nicht quadratische Fotografien belichten dürfen? In diesem Format kann ich am besten fotografieren, wenn ich auch im Sucher ausschließlich ein Bild mit gleichen Kantenlängen angezeigt bekomme.

Quadratische Bilder mit quadratischem Sensor?

Mit einer analogen Rollei Mittelformat oder Hasselblad-Kamera (es gibt noch andere Hersteller) erhalte ich ein quadratisches Negativ (6×6). Wenn ich ein Foto mit einer analogen oder digitalen Kleinbildkamera fotografiere, dann erhalte ich meist 2:3 oder 3:4 Formate. Das ergibt zwar nachträglich mit entsprechender Bearbeitung auch ein quadratisches Foto. Da ich das Bild aber nicht quadratisch aufgenommen habe, sondern im Quer- oder Hochformat, ist es meist auch nicht als quadratisches Foto geeignet, denn ich habe den Bildinhalt bei der Aufnahme nicht als solches gemeint und gestaltet. Bei vielen Kameras kann ich das Motiv im Sucher nicht quadratisch ansehen. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Auf der Suche nach dem quadratischen Sensor oder der quadratischen Sucheranzeige sah es 2015 noch mau aus. Damals hatte ich zum Thema quadratische Fotografie bei Calumet eine Anfrage gestartet:

Welches ist die preiswerteste Methode, digital quadratisch zu fotografieren?

Als Antwort habe ich ein gutes Angebot über 7.500 EUR netto für ein Digitalback erhalten. Dazu müsste man aber noch eine alte Hasselblad und mindestens ein Mittelformat-Objektiv haben. Insgesamt ist man also mit ca. EUR 11.000,- inklusive Mehrwertsteuer dabei. Heute ist das anders:

Spiegellose Kameras können quadratisch! (Update)

Im Jahr 2017 können viele Kameras schon vor der Aufnahme im Sucher Schwarzweiß und das quadratische Format anzeigen und fotografieren. Viele Bridgekameras belichten auf Wunsch quadratische Bilder. Kompaktkameras sind in der Lage das Format von 2:3 auf 1:1 umzustellen. Auch Systemkameras ohne Spiegel, so genannte DSLM-Kameras können Schwarzweiß und das quadratische Format im Sucher vor der Aufnahme bereit stellen. Mit meiner Fujifilm X-T2 ist es möglich quadratisch schwarzweiß zu sehen, zu denken, Motive zu entdecken und Bilder entsprechend zu gestalten. Das können auch andere Kameras.

Achten Sie beim Kauf der Kamera bereits darauf, dass sie im Sucher das quadratische Format anzeigt. Lassen Sie sich nicht von der Kamera in Ihrer Kreativität beschränken!

Video quadratische Bilder

Keine quadratischen Sensoren oder Formate

Dass Spiegelreflexkameras auch im Jahr 2017 immer noch keinen elektronischen Sucher bereitstellen ist verwunderlich. Nikon hat meines Wissens ein Patent auf den Hybridsucher angemeldet. Hier wird zukünftig auf Wunsch der Spiegel einer SLR hochgeklappt und ein Monitor oben im Sucher eingeblendet. So erhält man die Wahl zwischen dem optischen und elektronischen Sucher. Schade, dass dies bei der Nikon D850 noch nicht umgesetzt wurde. Sonst wäre es genauso möglich wie im obigen Video Quadratische Bilder.

Hybridsucher

Der Hybridsucher bietet einen optischen Sucher durch das Objektiv oder am Objektive vorbei, genauso wie einen elektronischen Sucher. Der elektronische Sucher ist ein kleiner Monitor, der vom Sensor der Kamera konstant mit dem Bild versorgt wird. Die Fujifilm X100-Serie (X-100, X-100S, X-100T, X-100F) sowie die X-Pro1 und X-Pro2 haben Hybridsucher. Das ist eine sehr interessante Lösung!

Verlust an Megapixeln

Natürlich steht dem Fotografen beim quadratischen Fotografieren nicht mehr die gesamte Fläche des herkömmlichen Chips zur Verfügung. Folgerichtig erhält der Fotograf eine kleinere Datenmenge, sprich ein kleineres Bild, als wenn das 2:3 Format genutzt wird. Der Auflösungsverlust würde uns aber bei 20-24 Megapixeln brutto nicht stören. Es blieben immer noch 13-16 Megapixel netto übrig. Damit haben wir genügend Pixel für ein Poster im Format 80x80cm. Alles was kleiner ist, geht natürlich sowieso. Ich persönlich kann zum Beispiel die Firma Pixum oder Fotofox empfehlen, wenn Sie quadratische Fotoabzüge und Keilrahmen bestellen möchten, egal ob schwarzweiß oder farbig:

Tipp: Besonders schön sehen auch quadratische Fotos mit Rand oder Passepartout aus. Denken Sie bereits bei der Bestellung daran, einen großzügigen weißen Rand zu lassen.

Warum sieht man nicht öfter das quadratische Bildformat?

Ricoh war einer der ersten Hersteller, welcher eine digitale Kamera vorstellte, die quadratische Bilder erzeugt: die Caplio GX100. Diese Kamera kann man auf ein 1:1 Aufnahmeformat reduzieren. Den Testbericht finden Sie hier >>

Quadratische Bilder in Lightroom

Selbst in Adobe Lightroom können wir das Fotoformat quadratische Bilder 1:1 auswählen.

Wo kann man quadratische Fotos bestellen?

Die meisten Bilderdienste bieten das quadratische Abzugformat (1:1 Format). Ich kenne kaum einen Anbieter, der dieses Format nicht ausbelichtet. Keilrahmen, Bilder hinter Acryl-Glas oder auf Alu Dibond sind in diesem Format erhältlich.

Inzwischen existieren viele Kameras (vor allem Systemkameras mit elektronischem Sucher wie im Video Quadratische Bilder), die ein Umschalten zwischen verschiedenen Formaten zulassen. Das macht die Sache für uns Fotografen, Fotoamateure und Fotoanfänger einfacher, ins quadratische Format zu wechseln. Alternativ können Sie mit jeder Liveview-Kamera auch den Monitor links und rechts vorsichtig abkleben und das Motiv auf diese Art quadratisch sehen und belichten!

Tipp: fotografieren Sie mal einen Tag lang nur schwarzweiße / quadratische Bilder. Sie werden riesigen Spaß haben!

Ein Grund warum das quadratische Bildformat nicht mehr en vogue ist, scheint bei den Zeitungen und Magazinen zu liegen, die selten im quadratischen Format publizieren. So entsteht viel Weißraum um ein quadratisches Foto. Magazine machen aus 1:1 Formaten oft Hochformate oder Querformate. Damit verlieren Bilder im Quadrat ihre Aussagekraft.

Ein weiterer Grund, warum wir so selten quadratische Fotos sehen, ist den vorgegebenen Formaten von Kameras geschuldet. Wenn nur ein 2:3 Format oder 3:4 Format angeboten wird, dann kommt der Fotoamateur selten auf die Idee, in ein 1:1 Format umzuschalten. Auch sehen viele Fotoamateure beim fertigen Bild nicht, dass es manchmal quadratisch besser aussehen würde. Mit dem Verlust der quadratischen Sucheranzeige bei der Spiegelreflex, wurde das 1:1 Bild fast beerdigt.

Lassen Sie uns das quadratische Bild wieder zum Leben erwecken!

Ich möchte gerne gute Fotos belichten und benötige keine Zwangsvorgabe. Das quadratische Format, welches im Vergleich zum Rechteck sehr ruhig wirkt, hat für mich schlicht einen unglaublichen Reiz. Deshalb die Bitte an die Hersteller nach einer Möglichkeit die Displays und Sucher umschaltbar zu entwerfen (Sony!).

Nicht umsonst zeigen die berühmten Polaroidfotos oder Kameraapps wie Hipstamatic, dass den Menschen quadratische Fotos sehr gefallen.

© Peter Roskothen ist Profi-Fotograf, Fototrainer, Fotojournalist – Quadratische Bilder – Sehen und Fotografieren – Video

Peter Roskothen

Autor: Peter Roskothen

Ich, Peter Roskothen bin Profi-Fotograf, Fotojournalist sowie Fototrainer und schreibe auf *fotowissen für andere Foto-Amateure und ambitionierte Fotografen. Die digitale Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.


Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.


Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter Peter Roskothen Fotokunst & Design. Bei Google Plus finden Sie mich unter Google+

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8 Kommentare

  1. Britta Dicken

    Hallo Peter,

    Danke für den interessanten Artikel. Ich war kürzlich „gezwungen“ für ein Fotobuch viele meiner Bilder auf ein quadratisches Format zu „minimieren“. Tatsächlich muss ich zugeben: Einige der Bilder wirken in diesem Format viel stimmiger. Das klappt natürlich nicht bei allen Bilder, denn schließlich wusste ich zum Aufnahmezeitpunkt noch nicht, dass hinterher mit einem quadratischen Format weiterarbeiten würde. Viele der Bilder hätte ich ansonsten anders aufgenommen. Mein nächstes Ziel wird es sein, einfach mal eine Foto-Tour lang mich nur auf dieses Format zu beschränken. S/w steht ja eh schon lange auf meinem To-Do-Zettel 🙂

    LG
    Britta

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    • Peter Roskothen

      Liebe Britta, ich bin sehr gespannt auf Deine schwarzweißen, quadratischen Fotos! 🙂

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  2. Chris Kl

    Lieber Peter,
    ein guter Artikel und du hast völlig recht, was man nicht im Sucher sieht gehört irgenwie auch nicht dazu. Auch meine Kamera hat da keine gescheite Lösung im RAW Modus. Im Liveview sieht man zwar sw oder auch verschiedene Bildschnitte, aber abgespeichert wird das normal 4 zu 3 Format.
    Außerdem funktioniert es natürlich nur im Liveview, und davon bin ich nur sehr bedingt ein Freund.
    Ich mache den Beschnitt und die SW-Konvertierung also bei der RAW-Entwicklung, aber wie du sagst, da ist es ja leider zuspät um das Foto noch zu ändern.

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    • Peter Roskothen

      @Chris – Du kannst natürlich gleichzeitig in RAW und JPG fotografieren, dann sollte der Sucher auch ein quadratisches SW zeigen können. Das RAW wird immer im farbigen 2:3 Format gespeichert. Das JPG in dem Format, welches Du eingestellt hast. Aber wie gesagt, das ist zu spät. Ich möchte das bereits im Sucher sehen. Ich hatte sogar mal die Sony A7 RII anvisiert, aber die kann das nicht, trotz elektronischem Sucher. Unten haben noch einige nette Fotografen geantwortet, dass es noch mehr Kameras gibt, die das Denken und Sehen unterstützen. Das hilft uns natürlich nicht, wenn wir mehr als zwei Linsen gekauft haben und den Systemwechsel scheuen.

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  3. Die Pentax K-1 bietet das quadratische Format in der Crop-Auswahl an. Im Sucher wird es durch eingeblendete breite Linien links und rechts dargestellt, am Bildschirm durch schwarze Flächen links und rechts. Es werden dann 4.912 x 4.912 Pixel (24 MP) aufgelöst.

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    • Peter Roskothen

      @Guido – wenn ich das richtig verstehe, dann ist das Sucherbild also nicht quadratisch? Und können Sie das so gut nutzen, um quadratisch zu denken und zu fotografieren?

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