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Pflanzenfotografie – Die Schönheit des Vergehenden

Pflanzenfotografen suchen (und finden) Pflanzen, die in voller Blüte stehen. Da werden uns Farben und Formen angeboten, die schöner nicht sein können. Auch die Knospen, aus denen diese Meisterwerke der Natur hervorgehen, sind willkommene Motive. Oft werden Blüten von Spaziergängen, vom Wochenmarkt oder auch von der Fotopirsch mit nach hause genommen, um im Heimstudio in aller Ruhe Aufnahmen zu machen. Und dann haben wir ja noch so manche Pflanze in unserer Wohnung, die vielleicht auch fleißig Blüten entwickelt und die wir genau zum günstigsten Zeitpunkt fotografieren können, auch aus Perspektiven, die in der freien Natur nur schwer oder gar nicht zu verwirklichen sind.

Die Schönheit des Vergehenden

Was aber machen wir, wenn wir in der Natur vor einer Pflanze stehen, deren Blüten am Verblühen – also am Sterben sind? Wir bedauern und wenden uns ab. Zu hause gibt es die Bio – Tonne, in der die Blumen landen, wenn sie nicht mehr „schön“ sind.

Es stimmt, viele Blüten sehen im Absterben nicht besonders gut aus, es gibt aber in diesem Prozess auch Abschnitte, die sehen nicht nur gut aus, die erzählen auch eine ganze Geschichte. Zwei Beispiele habe ich im Foto festhalten können:

Verblühende Tulpe (aufgenommen im Heimstudio):

Tulpe-2

Verblühender Klatschmohn ( im Garten aufgenommen):

Klatschmohn

 

Beide Fotos zeigen die absterbenden Kronblätter, die einen in Gelb, die anderen in Rot. Sie haben mal viel Arbeit geleistet und fleißig Insekten angelockt, die auch gekommen sind. In der Tulpenblüte ging es hoch her, die Kronblätter sind mit reichlich Blütenstaub bedeckt, auch an denen des Klatschmohn ist der Pollen zu erkennen. Auf der Suche nach Nektar schütteln die Insekten die Staubblätter ordentlich durch. Da bleibt Blütenstaub nicht nur am Insektenkörper hängen. Nun haben sie ihre Aufgabe erfüllt und können „abtreten“. Die Staubblätter erleiden das gleiche Schicksal, sie haben den Pollen bereitgestellt und an die Insekten übergeben. Sie stehen nicht mehr aufrecht, sie neigen sich nach unten, sie gehen ein.

Nur das Fruchtblatt steht voll im Saft, denn das stirbt nicht – im Gegenteil, darin vollziehen sich neue Prozesse für das Leben einer Pflanze im kommenden Jahr. Aus ihm entsteht die Frucht und in ihm der Same. Beim Klatschmohn ist die Mohnkapsel schon erkennbar, bei der Tulpe ist noch Entwicklungszeit notwendig.

Einige Bemerkungen zu den Pflanzenaufnahmen

Auf unserem Clubtisch stand schon einmal ein Tulpenstrauß, bei dem mir verblühende Exemplare auffielen, also kaufte ich einen weiteren, setzte zwei Blüten in meine „spezielle Blumenvase“ (siehe unten), stellte diese ins Heimstudio, richtete Kamera und Beleuchtung entsprechend ein, beobachtete Tag für Tag und machte mehrere Aufnahmen, unter ihnen war auch die im Beitrag. Ich konnte also in aller Ruhe beobachten und entscheiden.

Ganz anders war die Situation im Garten, als ich vor einem Pulk von Klatschmohn meine Kamera aufbaute und auch schöne Aufnahmen von den prächtigen Blüten machte, bis von einer Blüte sich alle Blütenblätter lösten und für kurze Zeit (!) an der Behaarung des Blütenstils hängen blieben. Da war keine Zeit für lange Überlegungen – ich löste einfach mehrmals aus – Fotografenglück!

Meine spezielle Blumenvase für die Pflanzenfotos…

… entstand aus einer ausgedienten Schreibtischlampe: Der Lampenkörper, das Kabel und der Stecker wurden abmontiert. An die beweglichen Halterungen für den Lampenkörper befestigte ich mit Kabelbindern zwei Orchideenröhrchen. Die Blüten oder Zweige klemme ich mit Zellstoffstücken so ein, dass sie ihre Stellung nicht verändern können. Nun kann ich nicht nur die Orchideenröhrchen drehen wie ich das Objekt gern hätte, sondern sie wegen der beweglichen Lampenstreben auch in unterschiedlichen Winkeln zur Kamera stellen.

Tulpe-5

© Günter Hauschild ist Autor, Fotograf und Biologie-Lehrer in Pension. Er schreibt über Pflanzenfotografie – Die Schönheit des Vergehenden

Über den Autor

Günter Hauschild

Günter Hauschild ist Hobbyfotograf. Seine Begeisterung für die Digitalfotografie verbindet er mit seinem Interesse für die Natur und seinen didaktisch - methodischen Fähigkeiten. Sein "Fotokurs für junge Fotografen" (http://www.vierfarben.de) wendet sich an den Fotografen-Nachwuchs, seine "Naturfotografie - Fotografisch durch die Jahreszeiten" (http://www.it-fachportal.de) an die biologische Interessierten Hobbyfotografen. Hier auf "Fotowissen" schreibt er vorrangig Beiträge zur Naturfotografie.

4 Kommentare

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  • Hallo Herr Hauschild! Die Bilder und Ihr Bericht sind ganz nach meinem Geschmack, denn Blüten können gerade auch im Verfall ganz einzigartig, bizarr, ungewöhnlich und interessante Motive sein. Ihre Fotos bestechen durch deren Schärfe, der Mohn durch seine fast schon unwirkliche Farbgebung. Viele Grüße, Maike Lehmann

    • Ja Frau Lehmann, nicht nur das Werden und Entstehen ist schön auch das Vergehen. Erstmalig sah ich ein derartiges Motiv, als ich eine Blumenvase zum Biomüll machen wollte und jetzt steht manche von meiner Frau gestaltete Vase etwas länger in unserer Wohnung – man kann ja nie wissen.
      Es grüßt Günter Hauschild

  • Das ist wunderschön geschrieben und zusätzlich auch noch lehrreich, Herr Hauschild. Vielen Dank für den tollen Beitrag, die Tipps und die Fotografien. Das zweite Foto gefällt mir ungeheuer gut. Es ist schon Kunst. Und beide sind knackig scharf!

    • Ich freue mich, dass meine Art zu schreiben immer wieder Anklang findet. Danke Herr Rosskothen. Vielleicht hätte ich noch in den Beitrag mit aufnehmen sollen, dass das Mohnfoto mit der EOS 70 D und dem 50 mm Makro von Canon aufgenommen worden ist, das Bild der Tulpe aber 2006 mit einer Kompaktkamera, die in den Makromodus geschaltet wurde, meinem immer-noch-Liebling, der Sony DSC F 828.
      Es grüßt Günter Hauschild

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Die *fotowissen Autoren

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