Digitale Fotografie Featured Fotografieren lernen FotoWissen Naturfotografie

Pflanzenfotografie Systemkamera

Systemkameras bieten vielfältige Möglichkeiten in der Pflanzenfotografie

Für eine Systemkamera gibt es mehrere Möglichkeiten zur Verringerung der Naheinstellgrenze. Eine Systemkamera ist eine Kamera, bei der die Objektive ausgewechselt werden können. Viele Jahrzehnte lang hatten diese Kameras eingebaute Spiegel – die Spiegelreflexkameras. Seit einigen Jahren sind Systemkameras auf dem Markt, bei denen auch Objektive gewechselt werden können, die aber keinen Spiegel haben. Meine Erfahrungen beruhen auf der Arbeit mit Spiegelreflexkameras, sowohl analoger als nun auch digitaler.

Nahlinsen verwenden

Für die Verwendung der Nahlinsen an einer Systemkamera gilt das, was ich im Teil 3 über deren Verwendung an Kompaktkameras schrieb.

Zwischenringe zusammen mit der Systemkamera einsetzen

Zwischenringe sehen unterschiedlich aus, haben aber gemeinsam, dass sie hohle Metallrohre sind, also keine Linsen enthalten. In aller Regel gehören zu einem Satz drei Ringe: ein kleiner, ein mittlerer und ein großer. Sie werden zwischen Corpus und Objektiv eingeordnet. Durch ihren Einsatz wird aus einem Normalobjektiv ein Makroobjektiv.

Kamera (2)

Der komplette Satz einfacher Zwischenringe an einer analogen Spiegelreflexkamera.

Die Naheinstellgrenze wird durch die Zwischenringe abhängig von der Ringlänge verkürzt – je länger der Ring um so stärker fällt die Verkürzung aus. Sie beeinflussen die Bildqualität so gut wie gar nicht, „schlucken“ aber Licht, was Sie durch das Öffnen der Blende oder Verkürzung der Belichtungszeit oder beides ausgleichen können.

  • Setzen Sie zuerst den kürzesten Zwischenring ein und versuchen Sie das Fotoobjekt wie gewünscht ins Bild zu bringen.
  • Reicht dieser nicht aus, probieren Sie dann den mittleren …
  • … und schließlich auch den längsten, …
  • … schlussendlich kombinieren Sie die Zwischenringe.

Bei einem dreiteiligen Satz Zwischenringe ergeben sich insgesamt sieben verschiedene Einsatzmöglichkeiten: Jeder Ring allein und die Kombinationen aus Ring 1 und 2 oder Ring 1 und 3 oder Ring 2 und 3 und Ring 1, 2 und 3.

Bei der Arbeit mit Zwischenringen muss sehr viel gewechselt werden. Arbeiten Sie dabei sorgfältig, um nicht die Objektivlinsen versehentlich zu verschmutzen oder sogar zu verletzen. Auch der Corpus ist zeitweilig offen, was zu Verschmutzungen und Beschädigungen führen kann. Wechseln Sie Zwischenringe nicht in staubiger Umgebung oder gegen den Wind aus. Suchen Sie nach einer Möglichkeit Ihre Ausrüstung unter den gegebenen Bedingungen zu schützen.

Einfache Zwischenringe sind preiswert, deaktivieren aber einige Kamerafunktionen, nur beim Einsatz automatischer Zwischenringe können alle genutzt werden – dafür sind diese aber auch entsprechend teuer

Objektive der Systemkamera in der Retrostellung verwenden

Bei dieser Technik wird das Normalobjektiv einer Systemkamera mit der Frontlinse zur Kamera (also in der Umkehrstellung) angebracht. Dazu wird ein Adapter, der Retroadapter benötigt, den es schon für wenig Geld gibt, der aber einige Kamerafunktionen deaktiviert. In der teuren Variante bleiben alle Kamerafunktionen erhalten. Der Retroadapter hat auf der einen Seite ein Gewinde, das in das Filtergewinde des entsprechenden Objektivs passt und auf der anderen den Bajonettanschluss für die Kamera.

Retroadapter (7)

Der Retroadapter

Retroadapter (6)

In das Filtergewinde eingeschraubte Retroadapter.

Retroadapter (5)

Objektiv in Retrostellung an der Kamera.

So bringen Sie das Objektiv mit dem einfachen Adapter in die Retrostellung:

  • Schrauben Sie den Retroadapter in das Filtergewinde des Objektivs.
  • Stellen Sie eine Blende zwischen 11 und 16 ein.
  • Drücken Sie die Abblendtaste und halten Sie diese gedrückt.
  • Lösen Sie das Objektiv von der Kamera, drehen Sie es herum.
  • Verbinden Sie das Objektiv mittels Bajonettanschluss mit der Kamera.
  • Lassen Sie die Abblendtaste los.

Durch diese Verfahrensweise bleibt der Blendenwert eingestellt, nur der Autofokus kann nicht arbeiten, weshalb Sie durch Veränderung des Abstand der Kamera vom Objekt fokussieren müssen..

So bringen Sie das Objektiv mit dem automatischen Adapter in die Retrostellung:

  • Schrauben Sie den Retroadapter in das Filtergewinde des Objektivs.
  • Lösen Sie das Objektiv von der Kamera, drehen Sie es herum.
  • Verbinden Sie das Objektiv mittels Bajonettanschluss mit der Kamera.
  • Fotografieren Sie wie üblich.

Objektive in der Retrostellung haben eine sehr geringe Schärfentiefe, Sie müssen also manuell äußerst genau auf die wichtigen Bildinhalte scharf stellen.

Mit Makroobjektiven an der Systemkamera fotografieren

Die idealen Arbeitsgeräte für die Pflanzenfotografie sind und bleiben die Makroobjektive, zusammen mit einem Einstellschlitten, leider sind diese nicht billig. Ihre Leistung wird durch den Abbildungsmaßstab angegeben. Die Angabe 1:1 bedeutet, dass die Abbildung auf dem Sensor genau so groß ist wie das Objekt. Bei der Angabe 1:2 ist die Abbildung auf dem Sensor nur halb so groß wie das fotografierte Objekt.

Objektiv (4)

 50 mm Macro von Canon                                                                                              

180 Macro

180 mm Macro von Tamron

Einstellschlitten

Einstellschlitten

So arbeiten Sie mit einem Makroobjektiv und dem Einstellschlitten:

  • Montieren Sie den Einstellschlitten auf das Stativ
  • … und die Kamera auf den Einstellschlitten.
  • Schließen Sie den Kabelauslöser an.
  • Stellen Sie die gewünschte Blende ein.
  • Bringen Sie das Objekt und die Kamera in die entsprechende Position.
  • Stellen Sie am Objektiv den gewünschten Abbildungsabstand ein.
  • Verschieben Sie die Kamera auf dem Einstellschlitten bis Sie ein scharfes Bild erhalten. Manchmal muss auch das Objekt in einen anderen Abstand zur Kamera gebracht werden, um fokussieren zu können.
  • Beurteilen Sie, ob Sie den richtigen Abbildungsmaßstab und …
  • … den richtigen Ausschnitt gewählt haben.
  • Beginnen Sie die Veränderungen der Einstellungen immer mit der Veränderung des Abbildungsmaßstabes.

Ich fotografiere gern mit dem 50 mm und dem 180 mm Macro. Kann ich ohne Probleme an das ausgewählte Objekt sehr dicht heran, befindet sich an meiner Spiegelreflex das 50 mm Makro. Das ist leicht und ich kann so manche Aufnahme auch aus der Hand machen. Hin und wieder ergibt sich aber die Situation, dass ich, aus welchen Gründen auch immer, vom Objekt einen größeren Abstand einhalten muss. Dann wähle ich das 180 mm Macro von Tamron. Das hat allerdings sein Gewicht, weshalb Aufnahmen aus der Hand sehr selten sind. Das ist aber nicht der einzige Grund warum ich mit Makroobjektiven fast immer ein Stativ verwende.

Makroobjektive sind nahe am Objekt und die geringste Bewegung der Kamera wirkt sich deutlich auf die Bildqualität aus, Verwacklungsunschärfen sind dann häufig anzutreffen. Außerdem haben alle Makroobjektive ohnehin eine geringe Schärfentiefe. Dadurch müssen Sie, was das Fokussieren betrifft, sehr genau arbeiten. Sie haben aber auch die große Chance, dass sich die Bildinhalte, die ihnen wichtig sind, deutlich vom völlig unscharfen Hintergrund abheben können – so wie es mir gelang aus einem relativ üppigen Bestand des Wurmfarns einen austreibenden Trieb herauszuheben.

Wurmfarn

Wie groß dieser Schärfentiefebereich ist, das hängt von der Brennweite des betreffenden Makroobjektives ab: Je größer die Brennweite, desto geringer ist der Schärfentiefebereich. Will ich sicher gehen, dass sich das Objekt deutlich vom Hintergrund abhebt, so verwende ich nicht das 50 mm Macro, sondern das mit der Brennweite von 180 mm. Außerdem überlege ich in solchen Fällen besonders gründlich, welche Blende ich wähle. Dazu können Sie meine Erfahrungen im Teil „Die Blende in der Pflanzenfotografie“ lesen.

© Günter Hauschild ist Autor, Fotograf und Biologie-Lehrer in Pension. Er schreibt über Pflanzenfotografie Systemkamera

Geschrieben von:

Günter Hauschild

Günter Hauschild ist Hobbyfotograf. Seine Begeisterung für die Digitalfotografie verbindet er mit seinem Interesse für die Natur und seinen didaktisch - methodischen Fähigkeiten. Sein "Fotokurs für junge Fotografen" (http://www.vierfarben.de) wendet sich an den Fotografen-Nachwuchs, seine "Naturfotografie - Fotografisch durch die Jahreszeiten" (http://www.it-fachportal.de) an die biologische Interessierten Hobbyfotografen. Hier auf "Fotowissen" schreibt er vorrangig Beiträge zur Naturfotografie.

Bitte schreiben Sie einen konstruktiven Kommentar

Bitte schreiben Sie einen konstruktiven Kommentar. (Tipp: Kopieren Sie Ihren Text zur Sicherheit)

SD-Speicherkarte

Schnelle 64GB Speicherkarte
Erklärungen hierzu >>
(Link zu Amazon)

SanDisk Extreme PRO 64 GB SDXC-Speicherkarte bis zu 300 MB/Sek, UHS-II, Class 10, U3
SanDisk Extreme PRO 64 GB SDXC-Speicherkarte bis zu 300 MB/Sek, UHS-II

Tipp: Diese SD-Karte ist für schnelle Kameras oder schnelles Auslesen am Rechner super.

Der perfekte Monitor für Fotografen

Professionelle Bildbearbeitung ohne Mietkosten

Capture One Bildbearbeitung

Kameragurt und Handschlaufe zum Wechseln

Tipp: Zu oft war der Kameragurt im Weg und ich konnte nicht mal schnell auf eine Handschlaufe wechseln. Jetzt kann ich schnell an allen meinen Kameras entweder eine Handschlaufe oder einen zweiseitigen Kameragurt anbringen mit Peak Design.

*fotowissen Autorinnen und Autoren

Die *fotowissen Autoren

Auf dem Laufenden bleiben und wertvolle Fototipps erhalten:

Bleiben Sie auf dem Laufenden, indem Sie unseren wöchentlichen

Newsletter abonnieren >>

Einfach Fotografieren lernen im Fotokurs

Individueller Fotokurs für jeden, der gerne fotografiert:

Fotokurs digitales Fotografieren lernen ganz einfach
Einfach informieren >>

Affiliate-Links, Werbung, Testberichte, Empfehlungen

Hinweis:
Diese Seite enthält externe Affiliate-Links und Werbung. Falls Sie sich entscheiden, ein Produkt über unsere Seite zu kaufen, erhalten wir eine kleine Provision, welche hilft, diese Webseite zu finanzieren. Aber: Wir nehmen niemals Geld für positive Bewertungen und äussern immer unsere eigene, kritische Meinung.
Erfahren Sie mehr...