Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Neue Kamera? Welche? Welches System? Unter 1000 €? *Meinung

Zeitgleich mit Peters Artikel https://www.fotowissen.eu/kameras-weihnachten-2018/ wurde dieser von mir fertig, allerdings haben wir andere Ansätze zum gleichen Thema. Neue Kamera? Welche? Welches System? Kameras unter EUR 1.000,-:

Spiegellose Systemkameras

Zurzeit überschlägt sich der Hype*) um spiegellose Kamerasysteme, auch DSLM-Kameras**) genannt, jetzt sind (bald) auch Zeiss, Nikon und Panasonic auf dem Markt, dazu hat Canon ein neues System vorgestellt. Alle wollen nur das EINE: Marktanteile auf einem sehr umkämpften Markt. Die bisherigen Markt“führer“ Sony und Fuji haben, wenn man den Statistiken Glauben schenken darf, schon einen zweistelligen Anteil abgegeben. Aber bleibt das so? Und auf welchem Niveau, welche Stückzahlen?

Welcher Preis darf es sein?

Da jedoch der ganz normale Fotofan ein durchschnittliches jährliches Bruttoeinkommen von maximal 40.000 € sein eigen nennt (so die Statistiken), bleiben nach Abzug aller Kosten für Miete, Auto, Verpflegung, Kleidung, Urlaub etc. vielleicht gerade mal ein hoher dreistelliger Betrag pro Jahr übrig, der fürs Hobby – für eine neue Kamera zum Beispiel – ausgegeben werden kann. Und deshalb möchte ich mich hier für Komplettlösungen – Kamera + Standardzoom – für maximal um diese 1.000,- € konzentrieren. Daher kommt nur ein APS-C-System in Frage, welches einen aktuellen Sensor mit  24 Millionen Pixel (24 MP) hat.

  

Und wenn ich mir so die Preise ansehe, da gibt es nur von Sony mit der etwas betagten aber immer noch aktuell verkauften Alpha 6000 ein Modell, dessen Gehäusepreis unter 500,- € (Straßenpreis) liegt. Fuji bietet auch noch eine X-T100 für 599,- € an. Dazu kommen aber noch die Objektive, und brauchbare Zooms gibt es bei Sony erst für 599,- € (SAL 16-50/2,8 DT SSM) und bei Fuji sogar für 699,- € (XF 2,8-4/16-55 R LM WR), also liegen wir schon deutlich über der Grenze (es sei denn wir erwerben gebrauchte Systeme).

Aber bei den DSLM-Kameras ist es mit dem Kauf von Kamera und Objektiv allein nicht getan, ein zweiter Akku ist zwingend notwendig (und manchmal auch noch eine Ladeschale, weil der Akku nur in der Kamera geladen werden kann). Ein 18-200 bietet z.B. auch Sony an, aber es liegt dann bei mindestens 700,- € (mit Cashback 630,- €), ein ähnliches von Tamron für Sony liegt bei etwas einem Drittel (200,- €), bei Fuji gibt es leider zurzeit noch nichts Äquivalentes.

Links zu Calumetphoto unter 1.000,- €

Fujifilm X-T100 mit XC 15-45mm >>

Links zu Calumetphoto über 1.000,- €

Fujifilm X-T100 Gehäuse >>

Fujifilm 18-55mm Objektiv >>

X-T20 mit 18-55mm >>

Neue Kameras unter 1.000,- €

Also bleibt dem Interessenten, der eben nur etwa diese 1.000 € zur Verfügung hat, nur die Möglichkeit, ein bewährtes System, also ein Spiegelreflex-Kamera-System, zu erwerben. Wirklich?

Canon Spiegelreflexkameras

Hier sieht der Markt auf dem ersten Blick schon deutlich besser aus, weil wir unter viel mehr Anbietern und Kameras wählen können. Beginnen wir mit Canon, hier sehen wir die 200D für etwa 500,- € und die 77D für 730,- €. Letztere ist natürlich etwas besser und fast gleich so gut wie die 80D, die noch etwas teurer angeboten wird. Obwohl die Kameragehäuse auch preislich auch relativ hoch liegen, haben wir hier den Vorteil, ein Superzoom, zum Beispiel das 18-200 dazu zu kaufen, von Canon kostet es um die 350,- €, wobei wir gerade die Preisgrenze erreicht bzw. überschritten haben. Kaufen wir ein ähnliches Objektiv von Tamron, dann liegen wir bei etwas mehr als die Hälfte (180 €), das Objektiv ist aber im großen und ganzen durchaus vergleichbar. So wäre sogar die 77D „drin“ und das Budget noch nicht überschritten. Und wer bereits schon Canon-Objektive hat, der kann sich sogar eine 80D  für 999,- € „leisten“.

Nikon Spiegelreflexkameras

Ähnlich sieht es bei Nikon aus, hier liegt die D3500 bei 499,- € und die D5600 bei 598,- € (alles Straßenpreise). Auch Nikon bietet ein 18-200 an, für das allerdings auch knapp 500 € verlangt wird, Tamron liegt wieder mit 200 am unteren Ende, wobei Sigma zwischendrin sich 315 Euronen dafür bezahlen läßt. Allerdings haben diese beiden Nikon-Kameras einen Haken für diejenigen, die vielleicht noch etwas ältere Objektive ihr Eigen nennen. Die Kameras arbeiten im Autofokus nur mit Objektiven zusammen, die einen eingebauten AF-Motor besitzen (so können z.B. die Nikon-D-Objektive nur mit manueller Scharfeinstellung benutzt werden, die G-Objektive dagegen funktionieren). Wem das nicht gefällt, der muss noch schnell zur D7200 greifen, die im Augenblick für um die 800 € ausverkauft wird (der Nachfolger D7500 hat nur 20 MP und liegt bei 1.111,- €). Bei der D7200 funktionieren auch ältere Nikon-Objektive mit AF.

Also insgesamt gesehen sind die neueren spiegellosen Systeme doch nicht ganz so teuer, wenn wir uns auf APS-C beschränken.

Reisezoomobjektive

18-200-tamronNoch ein Wort zu den sogenannten Reise- oder Superzooms. Diese Objektive können logischerweise nicht so gut wie Festbrennweiten oder hochwertige Zooms sein. Aber, ja aber, sie haben einen entscheidenden Vorteil: Der Objektivwechsel entfällt und sie sind leicht. Gerade bei den DSLM ist beim Objektivwechsel der Sensor oft ungeschützt zugänglich. Aber auch bei Spiegelreflexsystemen sollte beim Objektivwechsel draußen im Wind Vorsicht angesagt sein (Objektivöffnung nach unten halten). Ich habe jedenfalls mit derartigen Objektiven keine schlechten Erfahrungen gemacht, hiermit sind fast alle Motive problemlos fotografierbar. Wer natürlich was Besseres braucht, der darf seinen Geldbeutel noch einmal richtig öffnen. Zwar ist die Lichtstärke nicht berühmt, aber die hier vorgestellten Kameras arbeiten eigentlich alle bis hin zu ISO-Werten von 1000 oder 1600 ohne Probleme, womit ich die Lichtstärke eliminieren kann.

18-200 sonyDer normal fotografierende Amateur hat erst einmal nicht soviel Geld zur Verfügung, sein System komplett umzustellen, des weiteren nutzen meines Erachtens die Firmen, dazu zählen neben Canon und Nikon auch Sony, Zeiss und Fuji, die Vorteile der spiegellosen Systeme gar nicht richtig aus, sie bauen weiterhin Objektive wie bisher, nur wird es entsprechend verlängert und damit angepasst – und das kostet dann sogar oft noch mehr als die bisherige alte Variante für die Spiegelreflexkamera.

Warum sind Spiegellose teurer?

Was ich persönlich nicht verstehe, wieso die spiegellosen Kameras TEURER sind, als die mit Spiegel, Beispiel Z7 mit 3.849,- im Vergleich zur fast baugleichen D850 mit 3.699,-. Eigentlich müssten sie ja preiswerter sein, weil deutlich weniger mechanische Teile zum Einsatz kommen, was die Fertigung wirklich vereinfacht. Nur bei Canon ist die R preiswerter als ihr Gegenstück mit Spiegel (5D Mark IV zu 2999). Aber immer noch ein stolzer Preis. Warum? Weil der Adapter dabei ist?

Leider sprengt Nikon mit der Z6 und 2.449,- die Grenzen für eine 24-MP-Kamera, dazu sind dann die hierzu passenden Objektive längst nicht billiger – im Gegenteil. Auch Canon mit der R zu 2.499,- liegt zwar mit 30 MP etwas höher, aber – das ist meine Meinung – hier fehlt die Zielgruppe, die beide Firmen erreichen wollen. Das gleichteuere 1,2/50er Objektiv hat dazu noch erhebliche Schwächen im Randbereich (selbst noch bei Blende 5,6), was für ein 50er eher ungewöhnlich ist. Sony ist mit 2.299,- bei der Alpha 7 III etwas preiswerter, hat aber auch gewiss ähnliche Probleme, diese Kamera zu verkaufen. Bei dem Vorgängermodell Alpha 7 II gibt es zurzeit zur Preissenkung auch noch Cashback-Angebote.

Vergleich zum Jahr 1990

Wenn ich mir so die Preise von 1990 ansehe, da hat zum Beispiel eine Leica R6 umgerechnet etwa 2.500,- € gekostet, das wäre auf heutiges Lohnniveau umgerechnet 4.400,- €, da liegen aktuell alle drunter. Wer sich im gleichen Jahr aber mit einer Nikon FM2 begnügte, der musste damals umgerechnet nur 450,- € ausgeben (heutiges Niveau 800,- €), Canons F1 kostete das Doppelte. Leider liegen bei beiden Herstellern (von dem Canon-M-System mal abgesehen) die heutigen Preise demnach viel zu hoch, denn wer konnte sich im Jahre 1990 schon eine F1 oder R6 leisten? Da war die preiswerte A1 oder FM2 (oder eine Minolta) angesagt, die wiederum bezahlbar und fast genauso gut war(en).

Und hierin sehe ich die Probleme, die auf alle Firmen aktuell zukommen werden, die Preise für die aktuellen Systemkameras und Objektive sind deutlich zu hoch. So machen heute die Smart- und iPhone-Minikameras schon einen enorm hohen Marktanteil aus, der den meisten der Amateur-Fotografen, wenn weitere Smartphones mit Tele, Macro usw. ausgestattet werden, durchaus reichen könnte und oft sogar reicht.

Und die paar Profis, na das ist ein anderes Ding!

Wer den Black Friday oder Cashback nutzt, kann vielleicht noch das eine oder andere Schnäppchen machen – in dem Sinne, viel Glück! Auch auf dem Gebrauchtmarkt kann das eine oder andere Schnäppchen gemacht werden.

Dieser Artikel enthält meine private Meinung. Schreiben Sie doch in den Kommentaren, was Ihnen wichtig ist.

Viel Spaß mit dem eventuell neuen System

wünscht

Klaus

PS: Zur Qualität der Super- oder Reise-Zoom-Objektive habe ich ein paar Herbstbilder mit dem 28-300 bei Nikon Vollformat hier

Herbst im Harz

eingestellt, welches bei APS-C bzw. DX mit dem 18-200 in etwa vergleichbar (vom Bildeindruck) ist.

*) Hype laut Duden:

  1. besonders spektakuläre, mitreißende Werbung (die eine euphorische Begeisterung für ein Produkt bewirkt)
  2. aus Gründen der Publicity inszenierte Täuschung
  3. Welle oberflächlicher Begeisterung; Rummel

**) Wir benutzen den Begriff Systemkamera für kompakte, spiegellose System-Digitalkameras (DSLM Digital Single Lens Mirrorless) zur Abgrenzung zu den digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR), obwohl Spiegelreflexkameras eigentlich auch zu den Systemkameras gehören.

Autor: Klaus D. Holzborn

Freiberuflicher Fotograf seit 1964, fotografiere gerne Landschaft und vor allem Eisenbahnen, aber genauso gerne anderes. Zur Zeit besteht die Hauptaufgabe darin, die "alten" Bilder zu digitalisieren, aber trotz allem nehme ich mir die Zeit für aktuelle Aufnahmen.

2 Kommentare

  1. Niemand, der sich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt braucht ein Objektiv 18- 300 oder Superzoom. Das sind Linsen mit denen die Verkäufer vor ahnungslosen Kunden mal richtig auf die Kacke hauen können. (Gucken Sie mal was sie damit alles ranholen können) Ich behaupte mal, mit einem Zoom im Bereich von 24-100 mm bezogen auf Vollformat) kann man 98% seiner fotografischen Aufgaben erledigen. Lange Teles, extreme Weitwinkel und Makroobjektive sind Spezialaufgaben vorbehalten wo sie dann aber unverzichtbar sind.
    Was ist wichtig? An erster Stelle die Qualität des Autofokus, schnell und zuverlässig muss dieser sein auch bei wenig Licht. Wer hier spart braucht sich über hochwertige Objektive, Auflösung, Dynamikumfang und andere technische Finessen garnicht mehr den Kopf zu zerbrechen, weil er öfters als nötig schlicht und ergreifend Ausschuss produziert. Wer kein unberegenztes Budget zur Verfügung hat, sollte ein System anschaffen, bei dem es einen grossen second Hand Markt und viele Fremdanbieter für Zubehör gibt. Hier kann man tausende von Euros sparen.

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  2. Hier mal ein Tipp für eine Kamera unter 1000 Euro. Händler: Digitaland. Es ist die Nikon D7200 mit dem Objektiv Tamron 17-50mm f/2.8 XR Di II VC Das ganze liegt Knapp unter der 1000 Euro Schwelle. Das Objektiv ist Lichtstark und deckt den wichtigsten Bereich ab. Der AF ist in Ordnung. Ich denke mehr Kamera Objektiv Leistung ist schwierig zu bekommen. Die 7200 wird gerade abverkauft, es gibt ja die 7500. Wehrmutstropfen ist das nicht klappbare Display. Wenn man Spass an der Fotografie hat kann man sich später ein gebrauchtes Teleobjetiv und ein Weitwinkel zulegen. Die Auswahl an gebrauchten Objektiven ist gigantisch.

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