Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Nachwuchs am See

Eigentlich bin ich ja nicht der klassische Naturfotograf, der im Zelt übernachtet und morgens schon vor Sonnenaufgang mit dem Tele und dem Fototarnzelt auf die Pirsch geht. Irgendwie war es Zufall, diverse Wanderungen führten mich immer wieder zu diesem See, der eigentlich viel zu sehr von Touristen besucht wird, noch schlimmer, ein Freibad und ein Bootsverleih gehört ebenfalls dazu wie eine Jugend-Segelschule. Dazu kommt noch, das dieser See aufgrund seiner relativen Flachheit (max. 2,5 Meter tief) auch sich schnell im Sommer mit Blaualgen zusetzt. Eigentlich sind das alles Killer-Motive für die unbeschwerte Natur, eigentlich … Bereits im Frühjahr hatte ich hier berichtet: https://www.fotowissen.eu/fruehlingserwachen-am-see/

Nun interessiert es einen ja, wie es so weitergeht, am See. Aber fangen wir wieder vorne an. Eigentlich war es ein ganz normaler Tag, die Kamera war wie immer dabei und manchmal hatte ich eben Glück. Während sich die meisten im hinteren Schwimmbadteil tummelten, beobachtete ich ein Haubentaucherpärchen beim Nestbau.

Doch es blieb nicht dabei, auf einmal entstand ein richtiger Streit ums Weibchen, die beiden Herren schenkten sich nichts – bis einer abgeschlagen den Platz räumte.

Sofort danach wurde das Weibchen bestiegen und das Nest fertig gebaut. Stolz wie Oskar zeigte sich nun das „Königspaar“ den staunenden Gästen.

Bildarchiv

Während ein Partner brütete, passte der andere auf. Leider sind Weibchen und Männchen bei dieser Art (für mich) sehr schlecht auseinander zu halten.

Drei Wochen später bereits schlüpft das erste Küken,

Mama hilft dabei und weil es auf den Namen „Nestflüchter“ hört, ging’s sofort ab ins warme Wasser. Inzwischen hat Papa auch bemerkt, was los ist und begrüßt den neuen Erden-, sorry Wasserbürger. Kurze Zeit später wird es dem Kleinen doch zu kalt und husch husch ist er in Vaters Federkleid verschwunden, „nimm mich mit Kapitän auf die Reise“ …

Wieder ein paar Tage später sind alle geschlüpft und der Familienausflug kann gemeinsam stattfinden.

Aber die Küken werden langsam groß und gehen ihre eigenen Wege, auch wenn es eigentlich zu wackelig auf den großen Seerosenblättern ist, nur wer wagt, gewinnt …

Mama passt aufs Nest auf, wogegen das Jungvolk versucht, ihren Hunden das Schwimmen beizubringen. Aber unserer Haubentaucherin scheint das nichts auszumachen. Erstaunlich nur, dass in einem Naturschutzgebiet so etwas zugelassen wird …

Aber nicht nur die Haubentaucher haben Nachwuchs bekommen, ich entdeckte auch ein klitzekleines Blesshuhn. Und bei den Enten war sogar eine weißes Entlein dabei, das Foto spare ich mir aus Platzgründen.

Hier auf diesem Bild könnt Ihr erahnen, wie weit die Nester vom Ufer weg waren, aber mit dem inzwischen erworbenen 28-300 bei der Nikon D850 (die Bilder aus den Vorjahren entstanden mit dem 55-300 und der D5300) geht schon einiges, zumal wenn ich dazu einen Ausschnitt mache, der dann umgerechnet locker ein 1000er oder 2000er vortäuscht. Daher fehlt natürlich den Bildern das letzte bisschen Schärfe, aber für ein 30×40-Poster würde es locker noch reichen. Das Interessante daran ist noch, dass diese Objektive von diversen Testern in Zeitschriften oder Internetplattformen relativ schlecht bewertet wurden, weil es ja Allround- oder Immerdrauf-Objektive seien, und die können ja gar nicht so gut sein wie Festbrennweiten. Okay, wer mal eben einige Tausend Euronen so rum liegen hat, nur um ein paar Fotos zu machen, die hinterher sowieso keiner will … der leiste sich solche Objektive.

Ich aber bin der Meinung, besonders der Erfolg zählt und die Bilder können sich sehen lassen. Hinten auf dem toten Baum in der Mitte des Bildes sitzen zwei Kraniche, ich habe sie einmal mit 300 mm herangeholt. Da es schon Mittagszeit war, merkt man deutlich das Luftflimmern, das heisst, dieses Bild wäre mit dem teuersten Tele auch nicht besser geworden.

Währenddessen war wieder der Milan unterwegs,

wenig später brach das Seeadler-Pärchen, was auch hinten in den Bäumen ihr Gelege zu haben schien, zum nachmittäglichen Futterflug auf.

 

Ich hoffe, Euch haben die kleinen Ausflüge (es waren ja mehrere, weil alles an einem Tag nicht möglich ist) Spaß bereitet. Und wer mit einer guten Canon oder Nikon (so ab 18 MP) und dem 18-200 oder noch besser 55-300 unterwegs ist, dem werden auch solche Bilder gelingen. Denn hier kommt es aufs Motiv an, und nicht ob die linke obere Ecke noch scharf ist oder CA hat. Also: Mut ist gefragt. Und wenn Ihr keinen See in der Nähe habt, der nächste Zoo am Sonntag ganz früh bevor die Massen kommen, reicht auch oft schon aus.

Fototipps und –kurse gibt’s wie immer bei Peter https://www.fotowissen.eu/fotoschulung-fotografie-fotokurs-fotograf/

Einen schönen Herbst wünscht Euch

Euer

Klaus

Autor: Klaus D. Holzborn

Freiberuflicher Fotograf seit 1964, fotografiere gerne Landschaft und vor allem Eisenbahnen, aber genauso gerne anderes. Zur Zeit besteht die Hauptaufgabe darin, die "alten" Bilder zu digitalisieren, aber trotz allem nehme ich mir die Zeit für aktuelle Aufnahmen.

2 Kommentare

  1. Nett, daß Du uns an Deinen Beobachtungen teilnehmen läßt! Die beiden Vögel auf dem toten Baum sind übrigens Kormorane, keine Kraniche.
    Weiter schöne Naturbegegnungen wünscht
    Ulrike

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    • Danke Ulrike,
      ich war mir nicht sicher, weil Komorane meist weiße Bauchfedern haben. Aber ich habe einen Fachmann zu Rate gezogen, der hat bestätigt, dass es Komorane sind. Kraniche sitzen nie (?) auf Bäumen. Also waren es Komorane!
      Danke für Deinen Hinweis!
      LG Klaus

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