Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Megapixel-Wettrennen

Artikel ursprünglich verfasst am 2. September 2019

Ein großes Megapixel-Wettrennen schien lange Zeit beendet, jetzt (2019) geht es wieder los. Was bedeutet der Auflösungs-Wettlauf für Sie persönlich und können Sie den Angaben der Hersteller überhaupt trauen? Welche Kamera sollen Sie kaufen, wenn Sie als Fotograf gerne 2 m große Abzüge in ihrer Wohnung aufhängen und selbst bei 2 m Betrachtungsabstand noch eine hervorragende Schärfe im Bild feststellen wollen? Manche nennen die Entwicklungen der Kamerahersteller eine Megapixel-Lüge. *fotowissen dagegen möchte Sie genau aufklären:

Das große Megapixel Wettrennen

Neue Kameras mit 61 und 100 Megpixeln

Benötigen Fotografen eine hohe Auflösung?

Für Instagram reichen 2 Megapixel

Wieviele Megapixel Sie brauchen

Der technische Aufwand für eine hohe Bildqualität ist groß

Großes Megapixel-Wettrennen Canon Nikon Sony Fujifilm

Nachdem die neue Sony A7R IV mit 61 Megapixeln angekündigt wurde, gibt es Gerüchte über einen 80 MP Canon Sensor. Technisch sind sogar 120 Megapixel für Canon längt möglich. Hochauflösende 50 MP waren wir schon von der Canon EOS 5DsR gewöhnt. Eine annähernd hohe Auflösung bietet uns Fotografen die Nikon D850 (46 MP) oder die Sony A7R III (43 MP). Mit der Sony A7R IV (61 MP) wurde gerade die 50 MP-Grenze im Vollformat geknackt. Fujifilm bietet im Mittelformat mit der GFX 50S und GFX 50 R eine Auflösung von 50 MP und mit der GFX 100 eine Auflösung von 100 MP.

Auch im APS-C Bereich gibt es einen neues großes Megapixel-Wettrennen, wie die Canon EOS 90 D mit etwa 32 MP zeigt. Die Frage ist, benötigen Sie als Fotografin / Fotograf diese Auflösungen überhaupt?

Hohe Auflösungen

Für ein Instagram Bild würde auch eine 2 MP-Kamera vollkommen ausreichen. Ein 20 x 30cm Abzug erscheint vielen Familien schon recht groß. Für diese Größe benötigen Sie nur eine 8 MP-Kamera, die schon in vielen Smartphones verbaut wird. Reden wir aber über große Poster an der Wand, dann besitzen wir besser eine Kamera mit höherer Auflösung. Wir Fotografen können zwar mit der richtigen Software Bilder hochrechnen, so dass diese Bilder niemals Pixel-Treppen zeigen werden, aber die Informationen werden aus den nebenstehenden Pixeln hinzugefügt. Damit erreicht man keine höhere Bildqualität. Möchten Sie also große Abzüge Ihrer Fotografien in hoher Schärfe an die Wand hängen, so ist eine hochauflösende Digitalkamera von Vorteil. Damit Sie sich einen Überblick verschaffen können, gibt es diese *fotowissen Postertabelle:

*fotowissen Tabellenvergleich Megapixel PostergrößePostergröße (300 dpi)
(hervorragende Auflösung)
Angabe etwa / ca.
Poster (240 dpi)
(gute Auflösung)
Angabe etwa / ca.
16 Megapixel
(Fuji X-100S, Panasonic FZ 1000, ...)
40 x 30cm52 x 34 cm
24 Megapixel
(EOS 5D II, Fujifilm X-T20, Sony Alpha 6000, ...)
50 x 34cm60 x 40cm
30 Megapixel
(Canon 5D IV, ...)
57 x 38 cm71 x 47 cm
50 MP - 3:2
(Canon 5DsR, Nikon D850, ...)
75 x 50 cm90 x 60 cm
50 MP - 4:3
(Fuji GFX 50SR)
70 x 52 cm87 x 65 cm
100 MP - 4:3
(Fujifilm GFX 100)
100 x 75 cm123 x 92 cm

Für diese Tabelle ist tatsächlich der Betrachtungsabstand sehr wichtig. Sie können auch aus einer kleinen Auflösung ein riesiges Plakat für die Bahnhofswerbung erstellen. Das Plakat sieht aber ausschließlich in einer großen Entfernung brauchbar aus. Zuhause geht man schon mal näher an Fotos heran und betrachtet kleinere Details.

Die Lüge der Megapixel-Hersteller?

Das große Missverständnis mit den Megapixeln liegt beim Zusammenspiel der Sensoren mit den Optiken. Nur mit hervorragenden Objektiven, lassen sich wirklich gute Bildqualitäten an hochauflösenden Sensoren erzielen. So hat schon DXOmark.com herausgefunden, dass hochauflösende Vollformatkameras ausschließlich mit exzellenten Objektiven eine Auflösung von maximal 33-40 Megapixeln erreichen, auch wenn die Kamera selbst 50 MP auf dem Sensor anbietet. Wir reden bei diesen Tests von vereinzelten Festbrennweiten und vergessen als Fotografen dabei, dass wir meist sehr durchschnittliche Objektive auf diese hoch auflösenden Kameras schrauben:

Beispiele der Auflösungen von hochauflösenden Sensoren mit besten Objektiven wird durch die Optiken begrenzt (Quelle DXOmark.com):

  • 30 MP – Nikon D810 mit Sigma 35mm F1.4 DG HSM A
  • 37 MP – Nikon Z7 mit Nikkor Z 50mm F1.8
  • 42 MP – Sony A7R II mit FE 90mm F2.8 Macro G OSS
  • 33 MP – Canon 5DS R mit Sigma 35mm F1.4…

Wie schon geschrieben: Mit durchschnittlichen Zoom-Objektiven oder Festbrennweiten sind diese resultierenden Auflösungen überhaupt nicht in greifbarer Nähe, sondern liegen meist weit darunter (z. B. bei 24 MP). Fujifilm kommt auf dieser DXOmarks-Webseite gar nicht erst vor. Das kann zum einen daran liegen, dass DXO keinen Wert auf Fujifilm legt und die Verkaufszahlen noch aus der Vergangenheit betrachtet, zum anderen daran, dass das französische Unternehmen seine Software nicht für Fujifilm anbietet.

Auflösung versus Bildqualität.

Mit dem Wissen um die begrenzte Auflösung von mächtigen Sensoren mit begrenzten Objektiven, bemerken wir Fotografinnen und Fotografen den Unterschied von Angaben zur Auflösung der Kamera versus der wirklichen Bildqualität. Das spiegelt sich auch in einem Vergleichstest wieder. Fotografiert habe ich mit einer Fujifilm GFX 50S mit GF 45mm f/2.8 bei Blende f/11 versus einer Canon EOS 5DsR mit einem EF 35mm f/2 bei Blende f/9, um eine vergleichbare Schärfentiefe zu erhalten. Das dabei die Blende f/11 eine insgesamt schlechtere Schärfe haben kann, als eine Blende f/9 ist eine schlechte Voraussetzung für das Mittelformat. Das Ergebnis beider Bilder geht jedoch eindeutig zu Gunsten der Mittelformatkamera aus:

50 Megapixel Kamera Vergleich Mittelformatversus Vollformat

50 Megapixel Kamera Vergleich Mittelformat GFX 50S links versus Vollformat Canon EOS 5DsR rechts

Nun muss nicht jedes Objektiv im Vollformat von Canon, Nikon, Sony und anderen Herstellern eine durchschnittliche Qualität aufweisen. Fakt ist aber, dass die meisten der tausenden Objektive am Markt nicht für diese hohen Auflösungen im Vollformat entwickelt wurden. Deshalb wird auch eine 80MP Canon Kamera vergebliche Liebesmühe des Unternehmens sein.

Der wirkliche Unterschied zwischen Auflösung und Bildqualität liegt in den Objektiven.

Mittelformat für große Auflösungen

Nicht umsonst greifen Profifotografen für höhere Bildqualitäten (nicht alleine Auflösungen) zu Mittelformat Sensoren. Es existieren vier Anbieter, die immer wieder genannt werden:

  • Phase One
  • Pentax
  • Hasselblad
  • Fujifilm

Dadurch dass diese Mittelformat-Hersteller Objektive mit größerem Bildkreis und höherer Schärfe rechnen, zeigen diese Kameras bessere Auflösungen und Bildqualitäten als Kameras im Vollformat. Dazu kommen höherer Mikrokontrast und andere Werte. Die Megapixel-Angabe im Vollformat stimmt rein rechnerisch nicht mit dem Qualitätsergebnis überein. Es handelt sich hierbei nicht um eine Lüge der Hersteller. In jedem Falle jedoch lohnen sich höher auflösende Kameras vor allem im Mittelformat. Dort erhalten Sie die bessere Bildqualität durch bessere Objektive.

Der technische Aufwand des Herstellers und finanzielle Aufwand des Fotografen für die hohe Bildqualität ist im Mittelformat höher als im Vollformat.

In eigener Sache:

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Fotograf und Fototrainer Peter RoskothenMöchten Sie gerne Ihre eigene Fotografie ausbauen, dazulernen und suchen einen besseren Fotokurs? Ich schule individuell (auf Wunsch auch zu Zweit plus Trainer) Fotografie für Einsteiger und Fortgeschrittene. Der individuelle Kurs schult Ihre Grundkenntnisse oder baut auf Ihren bestehenden Kenntnissen auf und wird genau auf Sie abgestimmt. Mehr noch: die Schulung macht großen Spaß und neben Theorie unternehmen wir auch eine eigene Fotoexkursion.

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© Peter Roskothen ist Profi-Fotograf, Fototrainer, Fotojournalist – Großes Megapixel-Wettrennen

Autor: Peter Roskothen

Ich, Peter Roskothen bin Profi-Fotograf, Fototrainer ganz besonderer Fotokurse sowie Fachjournalist für Fotografie. Ich schreibe auf *fotowissen für Fotoamateure und ambitionierte Fotografen. Die Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.

Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.

Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter Peter Roskothen Fotokunst & Design.

1 Kommentar

  1. Hallo Herr Roskothen,

    vielen Dank für den interessanten Artikel.

    Dieses Megapixel-Wettrennen ist ähnlich wie der Gigahertz-Wahn früherer Computergenerationen (heute ist es die Anzahl der Prozessor-Kerne) oder die PS-Angaben von Autos: Schön „griffig“ und eingängig für Otto-Normalverbraucher, ohne dass er sie wirklich benötigt bzw. weiß, was dahinter steckt.
    Dann werden die Kameras auch noch mit den oft bemitleidenswert schlechten Kit-Objektiven verkauft.
    Selbst „früher“ bei 16 Megapixeln bin ich selten an die Grenzen gestoßen, höchstens wenn ich am Rechner etwas mehr zoomen wollte, weil ich mein Tele mit mit hatte oder die Brennweite nicht ausgereicht hat.

    Wilfried Babutzka

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