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Kolga Tbilisi Photo in Georgien I Vom Geheimtipp zum internationalen Fotofestival

Alle Bilder in diesem Beitrag wurden während Kolga Tbilisi Photo 2017 mit der Fujifilm X-100F Kamera fotografiert.

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Tina Schelhorn mit Festival-Tasche

Seit 17 Jahren findet in der Hauptstadt Georgiens, Tbilisi, ein internationales Fotofestival statt. Ein Traum für alle Fotobegeisterte, ist doch Georgien als eines der attraktivsten Reiseländer Europas fast schon kein Geheimtipp mehr. Kolga Tbilisi Photo hat internationales Renommee zu bieten, aber auch eine schöne familiäre Atmosphäre mit viel Tuchfühlung zwischen Fotografen und Juroren.

Bis zum 15.März kann man sich am Kolga Award beteiligen, bei dem es attraktive Preisgelder zu gewinnen gibt. Der Wettbewerb ist für alle Fotointeressierte offen.

David Klammer (DK) sprach für fotowissen.eu mit der Kölner Kuratorin und Jurorin des Festivals, Tina Schelhorn (Galerie Lichtblick), die eine jahrzehntelange Erfahrung mit internationalen Festivals und Awards hat.

DK: Wie kommt man als Kölner Kuratorin und Galeriebetreiberin zu einem Fotofestival in Georgien?

Schelhorn: Alles hängt mit der Köln-Tiflis Connection zusammen…

Seit 2002 gibt es in Georgien den jährlich stattfindenden Kolga Fotowettbewerb (www.kolga.ge). 2011 war ich als Jurorin eingeladen zur festlichen Preisvergabe. Es waren nur 3 Tage, die ich in Tiflis verbrachte, aber es war Liebe auf den ersten Blick zu dieser Stadt und ihren Menschen.

DK: Was ist an dieser Stadt so besonders?

Schelhorn: Die Eindrücke waren unglaublich: die energiegeladene Atmosphäre der Stadt nimmt einen sofort mit; die vielfältigen Eindrücke der Architektur: von Wohnblocks aus Sowjetzeiten, wunderbar restaurierten Art Deco Straßenzügen, der Altstadt mit ineinander geschachtelten Häusern mit verschnörkelten Holzveranden; futuristische Großbauten und dazwischen natürlich unendlich viele orthodoxe Kirchen.Und dann die Menschen: sie sind offen, kontaktfreudig und wissbegierig. Die Frauen sind schön, elegant und selbstbewusst und die georgische Gastfreundschaft macht einen sprachlos.

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Dinner mit musikalischer Unterhaltung

DK: Und dann?

Schelhorn:  2011 war also unsere erste Zusammenarbeit zwischen Galerie Lichtblick/Köln und dem Kolga Fotowettbewerb in Tiflis. Wir hielten im Ministerium für Kultur Vorträge über deutsche und internationale Fotografie und trafen eine große Anzahl an Fotografie Interessierter, darunter viele junge Fotografen und Studenten aus unterschiedlichen Studienbereichen.

Die Resonanz auf diese erste Zusammenarbeit war auf allen Seiten positiv und wir beschlossen eine intensivere Zusammenarbeit. Beso Khaindrava, Kolga Gründer und Organisator, bat mich den Kolga Fotowettbewerb zu strukturieren und auf ein internationales Fotopublikum abzustimmen. Daraus entstand die Idee eines Fotofestivals in einem besonderen Format: Im Rahmen der Preisverleihungen des Kolga Awards gibt es Ausstellungen renommierter internationaler Fotografen, die selbstverständlich auch Workshops halten, Vorträge und Portfolio Reviews und natürlich gemeinsame Dinner und Parties und all das soll ein familiäres Gefüge ergeben, eine Community soll sich daraus bilden…. und so entstand Kolga Tbilisi Photo.

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Eine Ausstellung in der Alten Karawanserei

DK: Ein wichtiger Bestandteil dieses Festivals sind die Awards, also ein Fotowettbewerb..

Schelhorn: Die Kolga Awards sind nun zu einem international angesehenem Wettbewerb gewachsen.

Die Eröffnungsevents sind spektakulär und es kommen 4000-5000 Besucher zusammen zu dieser Mischung aus Preisvergabe, Ausstellung aller Gewinner und Fotografen der Shortlist aus verschiedenen Kategorien und immer mit einem Konzert der gerade ‘hipsten’ georgischen Bands.

DK: Was macht diesen Fotowettbewerb so besonders?

Schelhorn: Die Kolga Tbilisi Photo Awards haben ein absolutes ‘Alleinstellungsmerkmal’… die jeweilige Jury wählt eine Shortlist von insgesamt 100 der besten Serien und Einzelbilder aller Kategorien aus und diese werden alle in der Award Ausstellung gezeigt und auch alle im Katalog abgebildet als komplette Serien mit zugehörigem Text – jeweils in Georgisch und Englisch. Das ist wunderbar und einzigartig in der großen internationalen Awardszene und die Kataloge zeigen in jedem Jahr einen kompletten Überblick über die gesamte Fotoszene, ihre Vielfalt und hochkarätigen Arbeiten von Fotografen aus aller Welt.

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Beso Khaindrava, Gründer des Festivals im Gespräch mit Tina Schelhorn

DK: Kann jeder an diesem Wettbewerb teilnehmen oder ist der nur für Profis?

Schelhorn: Nein, alle können mitmachen. Das ist auch eine hochinteressante Mischung aus Arbeiten, die da jedes Jahr eingereicht wird. Fotoamateure sind ja oft nicht schlechter als Profifotografen. Beide eint ihre Liebe zu diesem aussergewöhnlichen Medium. Und gerade in der Kategorie “Mobile Photo” (Handyfoto) haben Amateure den Profis einiges voraus.

DK: Was denn?

Schelhorn: Amateure sind oft unvoreingenommener, was neue Techniken angeht. Auch spielerischer, innovativer. Profis tendieren manchmal dazu, etwas konservativ zu sein.

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Fotograf Nikos Pilos im Gespräch mit Kuratorin Teona Gogishaishvili

DK: Was bietet das Kolga Festival dem Besucher ausserdem?

Schelhorn: Das spezielle Programm von Kolga Tbilisi Photo hat auch Workshops und Vorträge, Portfolio-Reviews. Und durch die besondere Atmosphäre entstehen da viele dauerhafte Kontakte zwischen den Fotograf/innen. Und auch zu den Juroren. Letztes Jahr hatten wir u.a. auch den GEO-Magazin Fotochef Lars Lindemann dabei. Solche Kontakte können unbezahlbar sein. Man trifft und sieht sich ja drei Tage lang immer wieder. Ohne Termine machen zu müssen.

Viele der Fotografen, die jährlich an unserem Education Programm teilnehmen, kenne ich schon seit meinem ersten Besuch und wir sind Freunde geworden. Es ist wunderbar im Lauf der Jahre zu sehen, wie sie verschiedene Themen angehen, neue Sehweisen entwickeln oder wie die ersten Fotobücher entstehen. So war es für mich eine große Freude georgische Fotografen für das Buch “Georgien Inside./.Outside” auszuwählen.

DK: Ein Buch mit Reportagen von georgischen und deutschen/internationalen Fotograf/innen…

Schelhorn: Ja, ich durfte für das Buch, verlegt im Franzis Verlag, auch als Kuratorin mitmachen. Du bist als Fotograf ja auch mit drin. Ich habe einige Arbeiten ausgesucht, die in den letzten Jahren bei Kolga Tbilisi Photo eingereicht wurden, aber auch andere Essays, Reportagen und Kunstprojekte, die einen vielfältigen Einblick in das Land und seine Kultur erlauben. Ohne ein klassisches Coffeetable- oder Reisebuch zu sein. “Georgien Inside ./. Outside” zeigt Blicke von innen und von aussen, eine fantastische Melange aus Themen und Stilen.

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Fotografentreffen abends in der Disko “Tresor”

DK: Zurück zum Award: Wie sind die Teilnahmebedingungen?

Schelhorn: Es gibt verschiedene Kategorien: Documentary, Reportage, Conceptual, One Shot, Best Portrait und Mobile Photo. In den meisten Kategorien kann man Serien mit bis zu 12 Fotos einreichen. Einsendeschluss ist der 15. März. Es gibt eine Gebühr für die Teilnahme, aber man kann dann so viele Bilder und Serien senden, wie man möchte. Und die Preisgelder sind auch nicht zu verachten. Je nach Kategorie kann man 500 bis 1.500 US Dollar gewinnen. Ausserdem kommen alle Serien aus der Shortlist komplett in den schönen Katalog, den wir jedes Jahr machen. Die Website des Festivals ist in georgischer und in englischer Sprache. Trotz der Köln-Tbilisi Connection haben wir die Seite leider noch nicht in deutsch. Einreichen kann man auf der Website www.kolga.ge

DK: Und was geschieht sonst noch so in Tiflis, gibt es so etwas wie Aprés-Foto?

Schelhorn: Mit vielen Freunden und Fotobegeisterten, die mit uns nach Tiflis zum Festival gereist sind, frühstücken wir jeden Morgen zusammen im Hotel, in dem wir alle wohnen. Dann erkunden die Gäste Tiflis und Umgebung und abends gibt es Eröffnungen und Parties und natürlich lange gemeinsame Tafeln mit köstlichen georgischen Spezialitäten und Wein und Diskussionen über Fotografie.Ich hoffe, Sie sind neugierig geworden und vielleicht sehen wir uns 2019 in Tiflis…. als Teil des Kolga Tbilisi Photo Meetings – einer Kombination aus Fotografie, Freude am Reisen und am Entdecken neuer Städte, Länder und Kulturen – mit georgischen und internationalen Freunden. Es geht doch immer um Kommunikation und Fotografie ist ein wunderbares ‘Tool’ dafür.

DK: Liebe Tina, ich danke dir für das Gespräch!

Das Buch “Georgien Inside ./. Outside” gibt es bei Amazon zum Preis von 39,95 € zu kaufen.

Fotos in diesem Beitrag copyright by Davidklammer.com

 

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David Klammer

2005: Berufung in die DFA (Deutsche Fotografische Akademie)
2007: World Press Photo 3. Preis Sport Feature Series (Fussball-Fans bei der WM 2006)
2010: VG Bild Stipendium für das Foto-Project "Hard Work"
2011: Hasselblad Award Semi-Finalist
Shortlisted für DZ Bank Preis
2012: Deutscher Preis für Wissenschaftsfotografie 1. Preis Reportage
2015: VG Bild Stipendium für da Fotoprojekt "Auroville I Das letzte Utopia"
2017: Kolga Tbilisi Photo: 1. Preis Conceptual Photography "The Last Utopia"
Robert-Bosch Stiftung: Grenzgänger Stipendium
2019: Rückblende 2018, Preis für politische Fotografie: 1. Preis Serie "Der Kampf um den Forst"
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seit 2007 Mitglied der Fotografenagentur laif.de. Arbeitet als Portrait- und Reportagefotograf für Editorial und Corporate Kunden, u.a. GEO, Der Spiegel, Die Zeit, DPDHL, Misereor und Andere

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Journalist, Fotograf, Fototrainer Peter Roskothen

Willkommen bei *fotowissen sagt Peter Roskothen im Namen aller Autoren.

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