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Interaktion in der Street-Photography – Street Photography Projekt 2022 Teil 5

Interaktion – Street Photography Projekt 2022 Teil 5-006

Über Interaktion in der Street-Photography geht es in diesem Street Photography Projekt 2022 – Teil 5. Außerdem stelle ich ihnen vor, in welchem Zusammenhang die Begeisterungsfähigkeit zu dem steht, was man als Erfolg beschreiben möchte. Die Fotografien, die sie hier im Artikel finden, habe ich belichtet mit der FUJIFILM X-T2 und dem XF 35 mm F1,4 R. Sie sind vorrangig dem Anspruch gefolgt, Interaktion, Licht und eine besondere Situation zusammenzuführen. Über den Erfolg lässt sich wie immer trefflich streiten, ganz sicher aber steckt viel Begeisterung darin.

Obwohl die Street-Photography auf den ersten Blick Nischen-Fotografie zu sein scheint, sind haufenweise Videos, Bücher und Journale dazu zu finden. Im Zuge meines Projekts „Street-Photography 2022“ schaue ich mir vieles davon an, um mich inspirieren zu lassen, und nicht nur zickzack zu laufen in der eigenen Schublade.  Ausstellungen, Bücher, Videos, und natürlich auch einzelne Fotografien geben Einblicke, und ganz sicher auch andere Sichtweisen und Auffassungen zur Street-Photography. Neben den klassischen Motiven und Bildanteilen, die fast keine gängige Veröffentlichung auslässt, möchte ich ihnen mit diesem Artikel gerne meinen Standpunkt vermitteln zu einem Thema, das für meine eigene Street-Photography zunehmend an Bedeutung gewinnt, und meines Erachtens viel zu selten angesprochen wird: Interaktion!

Street Photography Interaktion

Die klassischen Szenen, die sich in vielen Veröffentlichungen zur Street Photography gerne wiederholen, sind Menschen, die irgendwo irgendwie auf Straßen gehen, der Kaffee trinkende Mann hinter einer Scheibe im Bistro, und Passanten, die aus dem Schatten heraus in eine sogenannte Lichttasche laufen. Ich denke, Sie alle wissen, was ich meine, und es gibt noch unzählige Klassiker der Street-Photography, die einem darüber hinaus dazu einfallen. Zugegeben, es ist immens schwierig, dann den spontanen Auslöse-Reflexen zu widerstehen. So manche dieser Fotos mag ich sogar sehr, und ich selbst habe auch oft solche Szenen belichtet. Aber was mir dann beim Betrachten dieser Fotos auch immer wieder fehlt, ist das Spannungsvolle einer einmaligen Situation. Es erscheint mir doch oft austauschbar, belanglos, ja fast schon langweilig. Wo ist die kleine Erzählung des Moments, die fesselnde Spannung, der AHA-Effekt, irgendein wechselseitiges Agieren jener Dinge, die dort Bildanteile sind, oder eben nicht?

Die Spannung der Situation

Die folgenden 4 Fotos haben für mich etwas von dem. Da sind die Zugreisenden, die im stehenden Zug auf Abfahrt warten. Es ist heiß, man sieht und ahnt, was jedem gerade so in den Sinn kommen mag. Auch dem Mann auf der Treppe sieht man an, was los ist. Bahnsteigwechsel, wahrscheinlich nur wenige Minuten bis Abfahrt. Er geht nicht, er rennt, er ist in Eile. Ohne die Bahnsteigschilder gäbe es diese Interaktion nicht. Die gleiche Treppe, Bahnreisende kommen herab, Fotografie bitte ohne Gesichter. Telefon in der Hand, die Bahn-App auf, unten schon der Zug und die wartende Schaffnerin, sie schaut vielleicht sogar zur Treppe. Doch alles wirkt ruhig, es ist noch Zeit genug. Auch die Dame am letzten Foto steht dort, und irgendetwas passiert. Wartet sie, bis alle anderen Leute ausgestiegen sind? Ist es nicht ihr Zug? Ich weiß es nicht, aber alles steht in Verbindung miteinander, und eine hohe Spannung liegt in diesem Augenblick:

In der Begeisterungsfähigkeit steckt alles Potential.

Nicht ganz so kritisch gesehen, könnte man argumentieren, dass auch eine Einzelperson in durchlaufener Lichttasche mit eben jenen Lichtverhältnissen interagiert. Der seriöse Herr im Café sei doch schon eine Story als solche, und ein Passant in den Straßen der Stadt interagiert automatisch mit seiner Umgebung, der Architektur, dem Licht, den anderen Leuten. Ja, das stimmt. Solche Fotos sind völlig legitim, sind 100 % Street-Photography, und haben ihren festen Platz im Kaleidoskop der Möglichkeiten. Die spannende Frage, die zumindest für mich offen bleibt, ist die, ob das die Fotos sind, mit denen ich meiner Begeisterung Ausdruck verleihen kann und möchte. Sind trotz aller fotografisch-technischen Qualität diese vorhersehbaren Ergebnisse das, was mich an der eigenen Street-Photography begeistert?

Die Begeisterung im Leben

Wer sich für irgendwas brennend begeistert, der leuchtet. Vielleicht ergibt es Sinn, gelegentlich einen kleinen Schwenk zu machen zur eigenen Begeisterungsfähigkeit. Kennen Sie jemanden, von dem Sie denken, dass er/sie sich für nichts begeistert? Oder andersherum gefragt: Was exakt macht die Begeisterung aus, die Sie selbst für Dinge aufbringen? Wie definieren Sie ihre eigene Begeisterung, und woran dürfen Dritte das erkennen?

Ich habe festgestellt, dass sich viele Menschen schwertun, auf die Frage wofür sie sich begeistern, spontane, und exakte Antworten zu finden. Da ist oft ein bestimmtes Interesse für etwas, dem bei genauerem Hinsehen aber eher halbherzig nachgegangen wird. Vielleicht, weil es immer schon so war. Oder weil es zu einer liebgewonnenen Gewohnheit wurde, von der man sich nicht zu trennen wagt. (Überwiegend “normale” Passanten in Lichttaschen fotografieren, könnte so eine Gewohnheit sein…) Gerade auch in der Fotografie hat Begeisterungsfähigkeit einen unmittelbaren Einfluss auf die Qualität der Ergebnisse, und entsprechend auf die eigene Zufriedenheit damit. Im Podcast „Radio Jorns“ hat Andreas Jorns kürzlich auch etwas sehr Bedeutsames zum Thema Begeisterungsfähigkeit gesagt, und zwar mit Blick auf Erfolg: Erfolg steht immer auf 3 Säulen. Talent, Fleiß, Begeisterungsfähigkeit. Eins der drei darf fehlen, meistens reichen tatsächlich 2 dieser 3 Komponenten. Bedingung ist allerdings, die Begeisterungsfähigkeit darf in der Konstellation NICHT fehlen. Fleiß + Talent alleine machen es eben nicht aus. In diesem doch so simpel klingenden Appell steckt alles Essenzielle, um eine erfolgreiche Fotografie zu betreiben, wie immer man auch individuellen Erfolg für sich definieren wird.

In der konstruktiven Interaktion eines Netzwerks steckt die Voraussetzung zur eigenen Entwicklung.

Interaktion macht den Unterschied

Interaktion läuft nicht nur als Geschehen vor der Kamera ab. Für mich geschieht Interaktion zur Fotografie auch durch Kontaktpflege, Vernetzung, Inspiration. Wie bedeutungsvoll das sein kann, vor allem, wenn es fehlt, lässt sich ausgezeichnet vermitteln durch Fotos, auf denen Interaktion nicht zu erkennen ist. Die uncharismatische, ohne Kontakt zu irgendwas alleine vor sich hin laufende Figur am Foto, könnte bildlich stehen für Fotografen*innen ohne Kontakt zu irgendwas.

Die generelle Möglichkeit, mit Personen gleicher Interessen in Kontakt zu treten, ist nicht nur bei der Street-Photography, sondern eigentlich immer gegeben. Für mich ähnelt diese geniale Option einem Gutschein. Man kann ihn einlösen, oder verfallen lassen. Und genauso, wie sich bei einem Gutschein nicht die Kaufhäuser, Tankstellen oder Online-Shops zwecks Einlösen bei uns melden, melden sich auch längst nicht alle Menschen bei uns, mit denen zusammen etwas Gutes entstehen könnte. Es wird nichts, ohne sich nicht selbst auf den Weg zu machen. Ein riesengroßer Vorteil ist dabei: Man ist auf seinem eigenen Weg!

Wenn dann der Eigennutz nicht die erste Geige spielt, sondern die Idee, mit wem auch immer, zusammen etwas zu schaffen, das bleibt, ist die Richtung gut. So wie bei einem Gutschein beide Seiten etwas davon haben, lebt auch ein gutes Netzwerk davon, sich gegenseitig zu unterstützen und zu motivieren. Für mich hat das wirklich auch viel zu tun mit dem, wie wir die Motive der (Street-) Photography sehen. Zwischen der Motivation zu einer guten, kommunikativen Interaktion, und dem Gespür für Interaktion vor der Kamera, besteht wahrscheinlich ein grundsätzlicher Zusammenhang, über den sich nachzudenken durchaus lohnen kann.

Auch das ist für mich Interaktion. Gleißende Sonne, den Oberkörper im Schatten, die Schuhe aus, und die Beine lässig in die Wärme gestreckt. Genuss und Entspannung als Summe aller Belange. Zum Straßenmusiker und seinem Gönner muss ich nicht viel sagen. Außer, er hat mich erwischt. Meine Aktion fand er cool, und ich seine Musik. Interaktion, die den Kreis schließt.

Interaktion wertet auf und begeistert!

Lernkurve Fotografie

Die Lern- und Begeisterungskurve, die ich seit Januar bis jetzt für meine eigene Street-Photography zeichnen könnte, zeigt nach wie vor aufwärts. Und bei aller eigenen und fremden Kritik, und mancher eigenen Unzufriedenheit mit diversen Ergebnissen, zeigen sich Fortschritte nicht nur im Foto selbst. Wie eigentlich in jedem Foto-Genre ist das (Hin-) Sehen der Punkt. Schauen, Sehen, Erkennen, Umsetzen, das ist eindeutig eine große Lern-Baustelle. Dem Reiz, den vorbei schlendernde Passanten ausüben, verweigere ich mich mittlerweile gerne, weil es viel interessantere Momente gibt. Das sind die, in denen was passiert. Jene, die mir eine Geschichte erzählen, ein Geheimnis preisgeben, oder ganz profan zeigen, was da gerade auf welche Weise miteinander in Kontakt, in Austausch ist. Wenn Betrachter später in meinen Fotos unkommentiert die noch so kleine Interaktion erkennen, für welche ich es aufgenommen habe, ist etwas Großartiges geglückt.

Die Situation im Parkhaus wäre für mich banal und ohne Interaktion, wenn das Einschieben der Karte nicht wäre. Denken Sie sich den Arm weg, und das Foto ist hinüber. Das rechte Foto bildet für mich ein verständliches Beispiel einer perfekten Interaktion. Da ist die Figur des Papstes, die Hand erhoben, und in der Spiegelung die Dame, mit höchstwahrscheinlich konträr religiösen Hintergrund, auch mit erhobener Hand. Richtig komplett wird die Interaktion dieses Fotos dadurch, dass ich das Motiv nicht selbst gesehen habe. Inspiriert durch den Austausch mit Kira Crome, mit der ich zwecks Street-Photography ein paar Stunden unterwegs war, kam alles zustande. Interaktion, zwischen was auch immer, ist immer auch Kommunikation.

Maßgeblich Einfluss nehmend auf die eigene Street-Photography und deren Ergebnisse wird sicherlich die Frage sein, was es denn mit uns als Teil von Interaktion auf sich haben mag. Interaktion per längerer Brennweiten aus sicherer Distanz ist kaum denkbar. Erst mit dem Schwinden von Abständen gelangen wir selbst an die Szenen heran, oder teilweise hinein. Irgendwas passiert dann nicht nur weit vor uns, sondern auch mit uns. Im Spiel mit Unsichtbarbleiben, und irgendwie doch nicht, sind wir weiterhin Randfiguren eines Geschehens, aber in jedem Fall Teil dessen. Diese Atmosphäre wird erlebbar, die eigenen Aktivitäten stehen in unmittelbarer Abhängigkeit zu dem, was passiert, und was wir daraus machen möchten. All das ist gerade bei der Street-Photography bildprägend. Die Ergebnisse dieser in Interaktion entstandenen Fotografie müssen zwangsläufig andere sein als die aus distanzierter Perspektive. Zugespitzt betrachtet, werden nämlich auch wir beim Fotografieren beobachtet. Möglicherweise werden wir auch angesprochen, oder erwischt. Lassen wir es darauf ankommen!

Dieser Artikel erhebt keinen Anspruch auf die eine Wahrheit. Es ist mein Ansatz, mich dem Thema Interaktion in meiner eigenen Street-Photography zu nähern, und eine Einladung an Sie, zu schauen, ob es Sie anspricht, oder nicht. Motivieren möchte ich Sie sehr gerne, bei Ihrer Street-Photography nie aus dem Blick zu verlieren, WAS sie jeweils anspricht, WAS einen Foto-Reflex auslöst, und vor allem, WARUM. Vielleicht kommen Sie ja sogar zu dem Schluss, dass Ihre Street-Photography überhaupt nicht das ist, was ich hier vertrete. Prima, auch das wäre dann ein tolles Ergebnis einer Interaktion, die Sie und mich betrifft. Wenn Sie mögen, schreiben Sie doch was dazu, es würde mich sehr freuen.

Für Ihre eigene Fotografie wünsche ich Ihnen viel Motivation, gutes Licht und schöne Interaktionen, und bedanke mich für das Interesse an meiner Fotografie und diesem Artikel!

Es grüßt sie, Ihr
Dirk Trampedach

© Dirk Trampedach, Journalist für Fotografie – Interaktion in der Street-Photography – Street Photography Projekt 2022 Teil 5


Buchtipps Street Photography

  1. Fotografie-Streetfotografie – „Der Atem der Straße“, Andreas Pacer, FRANCIS Verlag
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    Neben den handelsüblichen Verweisen auf die Rechtslage bei „Street“ punktet dieses Buch ganz klar mit einer sehr persönlichen Retrospektive zur eigenen Fotografie, sowie einer Rubrik, in der sympathische Protagonisten der Straßenfotografie u.a. auch in Interviews zu Wort kommen. Abgesehen von einem glücklicherweise nicht vorhandenen Besserwissertum, werden Bildgestaltung, Praxisbeschreibungen und Technik der Kamera angenehm dosiert und auf den Punkt einbezogen. Die ausgewählten Fotos sind die Goldstückchen des Buches. Wer sich mit Inspirationen und Erfahrungen Dritter zu Street auseinandersetzen möchte, ist hiermit bestens beraten.
  1. „Die Magie der Schwarzweiß-Fotografie“, Torsten Andreas Hoffmann, dpunkt Verlag
    In diesem über 400 Seiten umfassenden Schwergewicht sind gut zergliedert die Themen Ausdrucksmittel, Grundgenres, Kompositionslehre und technische Voraussetzungen für S/W-Fotografie thematisiert. Viele ergreifend gute Fotos finden sich zum Text ergänzend darin. Alles in allem zielt das Buch aber auch darauf ab, mit der Schwarzweiß-Fotografie die Sinne zu sensibilisieren, die ausdrücklich reduzierten Farbreize zu nutzen, und das Asketisch-Wesentliche der Schwarzweiß-Fotografie als Gewinn zu verstehen. Volle Empfehlung!
  2. Momente fotografieren
  3. Open City. Street Photographs since 1950

 

Interaktion in der Street-Photography – Street Photography Projekt 2022 Teil 5 - *fotowissen

Dies ist eine Serie von Beiträgen - Street Photography - Lesen Sie die ganze Serie:

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Geschrieben von:

Avatar von Dirk Trampedach

Dirk Trampedach

Eine Geschichte, ein Bild, eine Stimmung. Erlebnisse, Schreiben und Fotografieren, das hängt für mich unmittelbar zusammen. Große Bereiche, denen ich mich widme, sind Reise, Natur, Landschaften, Street Photography, sowie Stories um klassische Automobile und deren Besitzer. Wenn Sei mehr über mich erfahren möchten: dt-classics.de.

9 Kommentare

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  • Lieber Dirk,
    abermals vielen Dank für einen wunderbaren Beitrag von dir, der im Grunde genommen nicht nur um Fotografie geht. Fasst finde ich es unangebracht, mit wenigen Zeilen deinen Bericht kommentieren zu wollen. Tiefgründig bringst du Dinge zum Ausdruck, die eigentlich nach mehr Worten, als in einem Kommentar möglich, verlangen.
    Deshalb möchte ich lediglich auf zwei Dinge in Bezug auf Begeisterungsfähigkeit extrahiert eingehen.

    Zum einen, im Rahmen unseres firmeninternen Talentassessment (wir schauen, ob wir Beschäftigte zur Führungskraft entwickeln wollen) frage ich die Teilnehmer immer: „Wofür begeisterst du dich und was hält deine innere Flamme am Brennen?“. Schlecht, wenn da nur Punkte in Bezug auf den Beruf genannt werden. Beschäftigte ohne Ausgleich, ohne Begeisterungsfähigkeit für etwas „außerhalb“, laufen Gefahr, dass sie für den Job ausbrennen.

    Zum anderen, die Erfahrung, die Peter Roskothen mit mir und meiner Begeisterungsfähigkeit direkt nach meinem Urlaub in Cornwall, der unter dem Motto Street- und Storytelling stand, machen musste. Ich löste in Cornwall viele „Gutscheine“ ein und trat mit den Menschen des Fotografierens wegen in Kontakt. Schnell ergaben sich Gespräche zu Themen über die Fotografie hinaus. Ich war nach dem Urlaub so energiegeladen, so beeindruckt vom Erlebten, dass Peter zwei Tage nach meiner Rückkehr einen angesetzten Podcast mit mir kaum thematisch steuern konnte. Zum Glück versagte dann auch noch meine Technik, so dass wir es erst einmal den Hörenden ersparen konnten, wie mich die Energie meiner Begeisterung vom Hölzchen zum Stöckchen und wieder zurück trieb.

    Insofern möchte ich bestätigen, Streetfotografie kann einen so viel mehr geben, wenn sie nicht verschämt aus der Hüfte heraus oder mit langen Brennweiten erfolgt. Streetfotografie bietet die Chance einander zu begegnen, lässt uns wahr(!)nehmen … und letztendlich auch Menschsein.
    Es lohnt sich, die eigene rote Linie der Hemmung zu überwinden.

    Noch einmal recht herzlichen Dank … und ggf. demnächst einmal begegnend in Wetzlar.
    Liebe Grüße,
    Bernhard

    • Lieber Bernhard,

      danke dir für deine detaillierte Reaktion! Mir ist vor allem was dran gelegen, die Diversität in der Street Photography nicht zu schmälern. Von daher sind eigentlich alle meine Artikel gar nicht allgemein, sondern sehr speziell meiner Auffassung entsprechend. Mehr nicht. Zustimmen kann ich dir in jedem Fall. Die Möglichkeiten von Begegnung & Erkennen sind herrlich, soweit man die Bereitschaft dazu aufbringen mag. Und die Begeisterungsfähigkeit… ;-)

      Bzgl. Wetzlar tickt die Zeit nicht für uns, ich melde mich mal privat.

      Ganz herzliche Grüße, Dirk

  • Sehr geehrter Herr Trampedach,

    das sind für mich bisher Ihre gelungensten Fotografien zum Thema Street. Sie sprechen mich an und sie sind eben nicht das „übliche, schon hundert Mal gesehene“. Die Interaktion, die Geschichte kommt gut „rüber“. Abgesehen vom Straßenmusiker, der Sie erwischt hat, haben Sie aber eher inkognito belichtet. Ich kann mir persönlich schlecht vorstellen, Menschen bewußt „gesehen“ zu fotografieren, die ich nicht kenne. Vielleicht auf Festivals, wie dem Dark Wave in Leipzig, wo man ja hingeht, um im speziellen Look gesehen zu werden, aber auf der Straße…? Wie machen Sie das?
    Haben Sie vielen Dank für Ihre Arbeit und Ihre Gedanken zum Thema, die zum einen lehrreich und zum anderen auch noch sehr motivierend sind, sich selbst mal an der Straßenfotografie zu versuchen, zumal das XF 35 bei mir eigentlich ständig „drauf“ ist.
    Liebe Grüße
    Frank Seeber

    • Lieber Herr Seeber,

      über ihr Statement samt Frage freue ich mich sehr, und möchte gerne eine Antwort geben. Die Frage “Wie machen sie das..?” habe ich mir lange selbst gestellt, und sie hat mich ebenso lange an Street Photography gehindert. Bis ich entdeckt habe, dass solche Fotos immer dann funktionieren, wenn, übertrieben gesagt, aus dem “Spanner” ein “Teilnehmer” wird. Dem Straßenmusiker habe ich eine ganze Weile zugesehen, völlig ohne Kamera. Voreingestellt war sie allerdings schon. Der Augenblick des Münzeneinwurfs war plötzlich vorhersehbar, wenige Sekunden, aber die haben mir gereicht. Mit Auslösen und Kamera halten, schaute der Musiker zu mir. Aber er hat erst seinen Song fertig gespielt, und ich habe höflicherweise gewartet. Es war klar, angesprochen zu werden. Mein Hauptaugenmerk liegt auf einer positiven Fotografie. Habe ich etwas vor Augen, wie z.B. diese Situation, stelle ich mir folgende Frage: Ist es Pech oder Glück für jenen Menschen, dass ich hier fotografiere?

      Ihnen eine gute Zeit, und vor allem viel Freude beim Fotografieren!

      Herzliche Grüße, Dirk Trampedach

      • Vielen Dank für Ihre Antwort! Mein Augenmerk liegt zur Zeit gar nicht auf street photography, was ja nicht heißt, dass es nicht probiert werden will. Und wenn es dann losgeht, weiß ich ja, wo ich Ihre hilfreichen Artikel und Ansichten dazu finde. Schon jetzt noch mal vielen Dank dafür!
        Herzliche Grüße und auch Ihnen gut Licht!
        Frank Seeber

  • Lieber Herr Trampedach,

    auch wenn ich nicht alle Ihre Beiträge kommentiere, lese ich sie dennoch immer und mit Gewinn. So finde ich denn auch Ihre Überlegungen zur Interaktion in der Straßenfotografie sehr interessant. Die alleinige Wahrheit gibt es in diesen Dingen natürlich nicht, und so möchte ich ein paar abweichende Meinungen beitragen.

    Sie anerkennen zwar den Wert “klassischer” Motive der Straßenfotografie (Mann im Bistro, Personen in der Lichttasche), wenden sich aber offenbar von solchen Motiven mehr und mehr ab, da sie Ihnen zu wenig Spannung bieten. Das kann ich nachvollziehen; wer will nur das fotografieren, was schon etliche Male fotografiert wurde? Andererseits habe ich generell manchmal beim Anschauen von Aufnahmen, die Menschen in der Lichttasche zeigen, das Gefühl, dass es sich viele Fotograf*innen etwas zu einfach machen. Die Interaktion zwischen Person und Licht ist ja nicht per se fotogen und voll Spannung. Glücklicherweise haben uns Cartier-Bresson und andere Größen der Straßenfotografie vorgemacht, wie es gehen kann. In HCB’s Fotos z.B. spielt oft die Geometrie eine wichtige Rolle. Aus solchen und anderen Dingen lässt sich viel für das eigene Schaffen lernen.

    Wenn ich Sie richtig verstehe, ziehen Sie Ihre Begeisterung aus Aufnahmen, die eine einmalige Situation zeigen oder einen Aha-Effekt haben, eine kleine Geschichte erzählen. Das ist im Prinzip ein guter Ansatz. Der von mir hoch geschätzte französische Fotograf Willy Ronis sagt, er wolle mit seinen Fotos ” die einfache Schönheit des täglichen Lebens abbilden”. Ich muss gestehen, dass mich anders als Sie etwa die Bahnhofsaufnahmen nicht sehr gefesselt haben. Klar, sie erzählen etwas, aber dieses Gefühl geht nicht sehr tief. Das Papst-Bild hat dagegen, wie ich finde, eine ganz andere Qualität. Dass die vermutlich aus dem arabischen Raum stammende Dame gerade neben dem Schaufenster steht, ist einer jener Zufälle, für die es sich lohnt, Straßenfotografie zu betreiben. Zudem wirft der Gegensatz auch bei mir viele Fragen auf, und ich vermute, Sie hatten darüber anschließend eine gute Diskussion mit Frau Crome.

    Was die Interaktion mit anderen angeht, darüber lässt sich wahrscheinlich lange diskutieren. Natürlich ist Kommunikation essentiell, Kritik muss sein. Andererseits waren (sind) viele große Fotografen Einzelgänger. Vivian Maier z.B. wurde überhaupt erst nach ihrem Tod “entdeckt”, und auch der Chilene Sergio Larrain (vgl. die Buchtipps zu meinem Podcast) wirkte ganz überwiegend allein.

    Ein letzter Punkt: Interaktion aus sicherer Distanz per längerer Brennweiten sei kaum denkbar, schreiben Sie. Ist das wirklich so? Wenn ich Ihr Parkhausfoto nehme, hätte die Verwendung eines Teleobjektivs nichts an der Aussage der Aufnahme geändert: Jemand schiebt eine Parkkarte in den Automatenschlitz. Das ist etwas ganz anderes als das Foto vom Straßenmusikanten, was mit einem Tele aufgenommen vermutlich weniger interessant ausgefallen wäre. Ich denke, es kommt ganz auf die Situation an. Je näher, desto besser, das ist wohl wahr. Aber genauso wahr kann sein, Foto per Tele oder kein Foto.

    Herzliche Grüße,

    Detlef Rehn

    • Lieber Herr Rehn,

      auch ihnen einen herzlichen Dank dafür!
      Ihre Bemerkungen zur Lichttasche und des “Einfachen” gehen schon sehr in meine Richtung. Ich muss allerdings sagen, u.a. auch so zu fotografieren. Halt nur nicht ständig. Ich spähe sicher nicht verkrampft nur noch nach Mega-Stories und Interaktion. Aber es kommt meines Erachtens gerne zu kurz, daher bewegt sich dieser Artikel zur Interaktion sehr im Thema.
      Interaktion verstehe ich sehr weit. Daher auch weit gefasst etliche Beispiele von Zusammenhängen und diesbzgl. Varianten, z.B. zwischen Bildanteilen,. zwischen Leuten untereinander, zwischen Leuten und mir u.s.w. Und auch auf den Fotos der von ihnen genannten Einzelgänger sehe ich sehr viel Interaktion. Letztlich bin auch ich bis auf wenige Ausnahmen “Einzelgänger”, habe nur sehr, sehr selten direkten Kontakt. Aber ich kann mich in die Situation hineinspüren, weil ich dicht genug bin.A Anders funktioniert meine Street-Photography mittlerweile kaum mehr. Das darf aber bitte jede/r gerne auch anders sehen und machen!
      Vielleicht noch eine Rückmeldung bzgl. Parkhausfoto. Es stimmt, ein Teleobjektiv hätte meinen Abstand verändert, ohne die Situation zu verändern. Gerade bei diesem Foto habe ich daher die Interaktion auf Auto-Arm-Ticketautomat bezogen. Ohne Arm sind alle erkennbaren Interaktionen, die mir wichtig waren, nicht mehr sichtbar.

      Für ihre Ausführungen und Gedanken möchte ich gerne nochmals danke sagen. Ich finde darin sehr viel, was ich auch so einschätze. Und Einiges ist wieder einmal dabei, was mich nochmal zum nachdenken/nachschauen anregt. Vielen Dank!

      Herzliche Grüße, und gutes Gelingen, was immer sie vor die Linse bekommen… ;-)

      Ihr, Dirk Trampedach

  • Servus Dirk,
    mit großem Interesse hab ich Deinen Beitrag gelesen und die dazugehörigen Beispielbilder gesehen.

    Ich beschäftige mich seit vielen Jahren damit, Menschen in Ihrem Umfeld, beim Arbeiten, in der Freizeit, bei all Ihrem Tun und Lassen zu fotografieren…..

    Street-Fotografie eben,

    es ist für mich das aufregenste und interessanteste Genre der Fotografie und auch das technisch und visuell anspruchsvollste….( Studio mit Blitz, Astro, Macro.. etc. mal aussen vor)

    Gerade in der “Streetfotografie” braucht es ( ich zitiere aus deinem Bericht ) das Hin/Sehen, die Situation erfassen , erkennen wie man es in den Rahmen bringt…( was soll rein-was nicht? ), um dem Bild die Aussage zu geben….und dann der richtige Moment den Auslöser zu drücken.

    Ich bin bei Dir, wenn du schreibst, dass viele Fotografen die “Streets” als Lernbaustelle sehen, bewaffnet mit Telezooms um von ” weit weg ” Bilder zu erhaschen….

    Wirkliche, ehrliche und Interaktive Fotografie auf der Strasse funktioniert nur inmitten unserer Motive, und das geht nur “mittendrin”…( man muss sich trauen )
    man erlebt die Momente, man riecht und fühlt, man gehört dazu, man stört nicht – man ist einer von Ihnen….

    Ich hatte auch einige Jahre die xt2 mit gleichem Motiv am Start, war dann zweigleisig mit A7, jetzt nur noch Sony, denn ein zuverlässiger und schneller AF ist mit das wichtigste, dass wir alles blitzschnell aufnehmen können…

    Ps. Deine Beispielbilder finde ich Super, es ist die Art wie auch ich “unterwegs bin”….ich mag es aber auch, Gesichter und Emotionen zu sehen….( leider nicht veröffentlichbar…..)

    Evtl. kann ja ein informeller Austausch zum Ansehen und Besprechen stattfinden….

    Ohne Fleiß, Talent und Begeisterungsfähigkeit funktioniert nix….( im ganzen Leben nicht ) ich wüsste jetzt grad nicht, welches der dreien ich weglassen sollte….

    in diesem Sinne,
    Michael

    • Lieber Michael,
      Einen fetten Dank für deine Gedanken und den Beitrag zum Artikel! Ich bin zur Zeit auf Reisen, melde mich in jedem Fall anschließend ausführlicher!

      Herzlich, Dirk

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