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Industriedenkmal – Technik & Menschen fotografieren

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Industriedenkmal – Technik + Menschen fotografieren: In einem großen Industriedenkmal die Architektur, die Technik, und die sich dort aufhaltenden Menschen zu fotografieren, ist eine spannende Sache. Ein Industriedenkmal ist sicherlich bezogen auf die Architektur alleine schon Motiv genug. Auch Menschen, in welcher Umgebung auch immer, wären als Motive lohnend. Beides wäre für sich gut, doch es steckt für mich eine besonderer Reiz darin, es hier in einem Industriedenkmal als Gesamtmotiv Technik + Menschen umzusetzen.

Industriedenkmal – Technik & Menschen fotografieren

Bezug zum Motiv Industrie

In einem großen Industriemuseum, wie es das Hüttenwerk im Duisburger Stadtteil Meiderich darstellt, erleben wir alle anderen Besucher und uns selbst als staunende Freizeitmenschen in einer Umgebung, die ursprünglich ein Areal knochenharter Arbeit darstellte. Für mich persönlich sind sogar beide Welten präsent. Heute als Fotograf und kulturell interessierter Mensch bin ich in den 80er-Jahren als Mechaniker und Monteur für Werkzeugmaschinen regelmäßig in den Stahl verarbeitenden Betrieben im Ruhrgebiet tätig gewesen.

Lange ist es her, doch Eisen, Technik und die Menschen darin, begeistern und faszinieren mich nach wie vor. Und es ist auch ein, beruflich wie regional, heimatliches Gefühl. Denn Südwestfalen/Siegerland ist ebenfalls eine Montan-Region, in der ich aufgewachsen und beheimatet bin. Insofern ist ein jeder meiner Besuche solcher Industrieanlagen umweht von Spannung und fotografischem Interesse, aber auch von einer großen Portion Sentimentalität. Mit dem fotografischen Blick auf alles das sehe ich ganz sicher auch einen Teil meiner eigenen Geschichte.

Unter anderem hier, im Landschaftspark Duisburg-Nord, bin ich mehrmals im Jahr, und das gerne. Schon alleine deshalb, weil „der Pott“ sich bestens für die gemeinsamen Foto-Tage für Peter Roskothen und mich eignet. Und ganz sicher auch, weil u.a. eine der größten Foto-Veranstaltungen Deutschlands, die „Photo & Adventure“, hier stattfindet.

Was sich als LaPaDu (Landschaftspark Duisburg) zeigt, ist ein gut 180 Hektar großer Landschaftspark, der das alte, stillgelegte Meidericher Hüttenwerk einschließt. Sowohl der Park als auch die Anlagen selbst sind kostenlos und frei zugänglich. Wir als Besucher dürfen schauen, staunen, verweilen, und selbstverständlich fotografieren! Genau das habe ich nun getan. Auf die Ausrüstung bezogen, bin ich spartanisch unterwegs gewesen, nämlich mit 1 Kamera und 1 Objektiv. Diese Vorgehensweise setzt sich in meiner Fotografie mehr und mehr durch.

Für den heutigen Tag habe ich mich entschieden für die FUJIFILM X-T2 + XF 23mm F2 (ca. 36mm KB).

Dokumentarischer Aspekt

Abgesehen davon, einfach nur schöne Fotografien zu belichten, können wir Fotografen und Fotografinnen allesamt dazu beitragen, eine breite, gesellschaftliche Dokumentation zu schaffen. Eine Dokumentation, die einem kollektiven Gedächtnis verhilft, Erinnerungen und die Wertschätzung aufrechtzuerhalten, die unser Menschsein, und entsprechend solche Industrieanlagen und ihre Bedeutung, verdienen. Durch die Diversität von uns Schauenden ergibt sich eine Diversität der Resultate, und infolgedessen erst die Unterschiedlichkeit der Wirkungen und Botschaften.

Streng genommen geht es meinem Verständnis nach dabei in aller Tiefe ums Menschsein. Aktuell hier im Industriedenkmal in Meiderich um eine bestimmte Facette des Menschseins im Ruhrgebiet. Menschsein in der Vergangenheit lässt sich hier erahnen, und das gegenwärtige Menschsein ist konträr dazu sichtbar und erlebbar. Als Besucher oder Fotografierende geben wir uns möglicherweise dem Versuch hin, vor allem der Atmosphäre von damals auf die Spur zu kommen, um es mit dem, was nun ist, in Relation zu setzen. Je nachdem, was Emotion, Vorstellungskraft und Kreativität mit uns machen, gelingt das auf individuelle Art vielleicht sogar recht lebhaft.

Tipp: Wer sich von Ihnen, verehrte Leser und Leserinnen, mit der speziellen, fotografischen Dokumentation von Zechen, Gruben, Hütten- und Stahlwerke beschäftigen möchte, die dazu schon vor Jahrzehnten in bahnbrechend neuartiger Weise von Hilla und Bernd Becher (Zitat H.+B. Becher: „Man muss sich beeilen, alles verschwindet“) geleistet wurde, wird verstehen, wie eklatant wenig heute überhaupt noch übrig geblieben ist von dieser atemberaubenden Welt der Bergleute und Stahlkocher.

Hochöfen von Bernd und Hilla Becher >>

Ansätze und Sichtweisen

Zum Fotografieren solcher Industrieanlagen zeigen sich uns verschiedene Ansätze und Sichtweisen. Wir können sie als Architekturfotografie auffassen, und gerade hier im Landschaftspark Duisburg bringt uns der Name auf eine weitere Spur: Auch Landschaftsfotografie ist eine Zugangsmöglichkeit. Als höchst ansprechend empfinde ich persönlich allerdings das Urbane, das eine solche gebirgshafte, historische Arbeitsstätte verströmt. Denn exakt jenes Urbane ist hier spürbar, was wir auch in den Straßen und Städten suchen und finden können.

Vergänglichkeit und Ewigkeit

Wie eine Ameise komme ich mir vor, während ich als einer von vielen Winzlingen durch diesen menschgemachten Stahlkoloss klettere. Auch, wenn ich es besser weiß, drängt sich mir der Eindruck auf, dieses Meidericher Hüttenwerk sei unvergänglich. Ein Hauch von patinierter Ewigkeit weht hier über allem. Vor 50-100 Jahren sind hier Menschen ein und aus gegangen, und in weiteren 50 bis 100 Jahren wird das höchstwahrscheinlich immer noch so sein. Aussehen, Nutzen, Bedeutung und Verwendung mögen sich ändern, aber diese monströse Anlage wird bleiben. Alles andere ist mir hier und heute unvorstellbar. Einzig wir, die dort sind, lösen uns gegenseitig ab.

Industriedenkmal-Technik+Menschen-007
Industriedenkmal-Technik+Menschen-007

 

Die Menschen und ihre Tätigkeiten längst vergangener Tage kommen nicht zurück, die Menschen einer nahen und fernen Zukunft werden auf uns unbekannte Weise hier sein, und die faszinierten Menschen von heute, von denen ich einer bin, prägen die Gegenwart des Menschseins hier auf diesem Gelände . Die Kürze unserer Zeit wird empfindlich spürbar in Anbetracht dieses imposanten Bauwerks. Eklatanter als hier, in diesem riesigen, hoch komplizierten Stahlwerk, könnte dieser Gegensatz von Ewigkeit und Verfall kaum ausfallen. Doch es ist nicht lähmend oder erschreckend, sondern animierend, inspirierend und einfach nur genüsslich und schön. Auf den Punkt gebracht, lässt es erst die Kenntnis von Endlichkeit geschehen, Kreativität zu entwickeln und unsere Zeit sinnvoll zu nutzen.

Technik + Mensch individuell gesehen

Lässt sich zeigen, was ich denke? Kann ich belichten, was ich empfinde? Diesen gedanklichen Bogen spannend, schaue ich durch den Sucher meiner Kamera. Was ich dort sehe, sind lauter vergängliche Menschen in einer Stahlwelt für die Ewigkeit. Mag sein, dass dies die Botschaft ist: Alles ist vergänglich. Wie auch in der klassischen Streetfotografie, zeigen sich hier im Hüttenwerk die schnelllebigen Aktionen und Mikro-Momente in Bruchteilen von Sekunden, und dies alles verstärkt durch die Kulisse jenes unerschütterlichen Monuments. Möglicherweise zeigen solche Fotografien aber auch, wozu wir als Menschen fähig sind, mit unserer Schaffenskraft, unserer positiven Kreativität und Intelligenz.

Eigene Ansichten und Botschaften

Warum schreibe ich Ihnen das alles? Vielleicht, weil ich Ihnen verdeutlichen möchte, wie wichtig es ist zu erkennen, wie sich Dinge ändern, sobald sich der Blick darauf ändert. Auf mich bezogen, und auf meinen Blick das Ruhrgebiet betreffend, trifft das absolut zu. Und auf meinen Blick, die Straßen und Städte im Allgemeinen betreffend, trifft das auch zu. Aus profanen Gassen, betonierten Plätzen, und solchen Dingen wie einem lauten, schmutzigen Stahlwerk, können wir etwas werden lassen, das unsere Sinne berührt. So wie wir fühlen und schauen, so sind wir. Und so, wie wir sind, fotografieren wir auch.

„Die Dinge, die wir erschaffen, haben die Macht, Gefühle zu vermitteln. Sie können anderen zeigen, was wir fühlen, und im Gegenzug können wir bei den Menschen, die diese Dinge betrachten, Gefühle hervorrufen.“ (Sean Tucker)

Und dennoch ist vorstellbar, dass niemand es versteht oder nachvollziehen kann, wie wir sehen und was unsere Fotografien erzählen. So wie wir auch nicht alles verstehen und nachvollziehen können, was aus Fotografien Dritter zu uns spricht. Niemand, außer uns selbst, kann entscheiden, wie unsere kreative Stimme klingen soll. Themen, die uns ansprechen, sind unsere Themen. Und die Fotos, die wir belichten, sprechen durch unsere einzigartige, eigene Stimme.

Aus dieser Erkenntnis heraus mögen wir auf Werke Dritter schauen. Akzeptanz mag dabei ein höheres Gut sein, als der Anspruch, alles zu deuten oder zu verstehen. Verstehen, Verständnis… In erster Linie gelingt uns das vielleicht dadurch, offen und interessiert zu bleiben, und auf die Welt abseits von Moral und Klischees zu schauen. Die ur-eigenen Dinge im Blick behalten, und mit der eigenen, kreativen Stimme sprechen, ist mit das beste, was wir für uns und die eigene Fotografie unternehmen können. Gute Momente und Orte lassen sich dafür zum Beispiel in einem Industriedenkmal finden, während wir Technik + Menschen in Augenschein nehmen und fotografieren.

Mit freundlichem Dank für alle Aufmerksamkeit und ihr Interesse wünsche ich Ihnen für ihre weiteren Projekte, Tages-Aktionen und kreativen Ideen zur Fotografie in allererster Linie Freude!

Herzlich grüßend
Ihr Dirk Trampedach

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© Dirk Trampedach, Journalist für Fotografie bei *fotowissen – Industriedenkmal – Technik & Menschen fotografieren

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Dirk Trampedach

Eine Geschichte, ein Bild, eine Stimmung. Erlebnisse, Schreiben und Fotografieren, das hängt für mich unmittelbar zusammen. Foto-Themen, denen ich mich gerne widme, sind Berichte von Touren im VW T3 WESTFALIA, Street Photography, sowie Storys um klassische Automobile und deren Besitzer. Wenn Sie mehr über mich erfahren möchten: www.dt-classics.de.

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