Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Fuji-JPG-Rezept – Filmsimulation „Car-Action bei Sonne“

Artikel ursprünglich verfasst am 29. Juni 2020

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Liebe Fotobegeisterte,

alles, was man unter den Begriff Standardeinstellung fassen kann, hat eins gemeinsam: Es ist der größtmögliche Kompromiss für alle nur erdenklichen Situationen. Es ist aber eben auch nur ein Kompromiss in ganz bestimmten Situationen. Das gilt zum Beispiel für das Standard- oder Sportfahrwerk eines Autos, und das gilt eben auch im Bereich Fotografie. Die Spannung liegt meist abseits der Standards.

Der erste machbare Schritt für FUJI-Fotografen ist sicherlich der Weg in die fest installierten Film-Simulationen. Dort sind sowohl Standard, als auch bestimmte Looks hinterlegt. Der Kick mag nun darin bestehen, die naheliegendste Simulation für das bevorstehende Fotoprojekt als Basis zu wählen, und noch eins drauf zu setzen: Wir verändern die bestehenden Fuji-Einstellungen. Ich entscheide, welchen Look, welche möglichst stimmige Wirkung meine Fotos zu einem bestimmten Thema haben sollen. Meiner individuellen FUJIFILM JPG Rezeptur, die ich hier vorstellen möchte, habe ich den Namen „Car-Action bei Sonne gegeben. Worum geht es bei diesem eigenen Bildstil?

Hintergründe Fujifilm Filmsimulation „Car-Action bei Sonne“

„Car-Action bei Sonne“ ist meiner Idee gefolgt, ein wenig Sepia-Effekt zu schaffen, ohne die Sepia-Einstellung selbst zu nutzen. Es ging mir um ein Ergebnis, bei dem die Tendenz für Sepia gegeben ist, aber in jedem Fall die Farben als solche erhalten bleiben. Was ich mir als Hauptmerkmal wünschte, war diese bräunliche Färbung, die allem eine leicht vergilbte, nostalgische und warme Stimmung verleiht, ohne direkt uralt und farblos auszusehen. Vor allem erinnere ich mich gerne an Kinderbücher und Jugendbücher von früher, in denen Bilder zu finden waren, irgendwo zwischen gemalt und fotografiert, meist ländliche Motive, der Onkel am Traktor vorm Bauernhof, irgend so etwas halt. Ich hoffe, ihr wisst, was ich meine. Diese farbliche Wirkung sollte stilgebend sein und in aktuellen Projekten Anwendung finden.

Anwendung und Wirkungsweise von „Car-Action bei Sonne“

Im Rahmen eigener Projekte habe ich in entsprechender Umgebung immer wieder klassische Automobile vor der Linse, die ich auch gerne abseits standardisierter Bildlooks und vorgefertigter Filmsimulationen fotografiere. Das Motiv und die jeweilige Umgebung sind dabei immer sehr speziell, und ich halte es für bedeutsam, mir im Vorfeld zu überlegen, welche Wirkung die Fotos haben sollen, und vor allem, welcher Look den Kompositionen am besten entspricht.  Denn das gibt dem einzelnen Foto erst den eigentlichen Charakter, der gesamten Serie den roten Faden, und adelt in gewisser Weise auch das Motiv.

Der Name „Car-Action bei Sonne“ hat seinen Grund, sagt er doch schon viel darüber aus, dass Sonne, bzw. Licht einen erheblichen Einfluss nehmen auf die Wirkung des Rezepts. Hat man noch bei Schatten/Halbschatten den Eindruck, als wäre der Effekt höchstens durchschnittlich wahrnehmbar, entfaltet sich bei direkter Sonne (Achtung, Meinung!) die ganze Schönheit dieses Bildlooks. Am Beispiel eines klassischen ´89er FORD Escort XR3i, aufgenommen im mainfränkischen Iphofen und Umgebung, möchte ich das verdeutlichen. Die Einwilligung des Besitzers zu der Veröffentlichung der Fotos liegt mir vor.

In meinen Augen eignet sich „Car-Action bei Sonne“ hauptsächlich für Motive aus dem technischen Bereich; wie z.B. Eisenbahn, Schiffe, Zweiräder, Flugzeuge, oder auch Baustellen. Ein paar Eindrücke abseits des Themas Automobil finden sich hier bei *fotowissen im Foto-Duell zwischen Peter Roskothen und mir. Die dort veröffentlichten Fotos sind auch mit „Car-Action bei Sonne“ entstanden. Wichtig ist, dass Sonne mit im Spiel ist. Für mich hat das den großen Vorteil, nicht nur in den goldenen, blauen, und sonstigen Stunden besten Lichts arbeiten zu können, sondern auch zu eigentlich unsäglichen Zeiten zu fotografieren. Vielleicht ist das ja auch mal ein fotografischer Regelbruch, in dem Potential steckt.

 Hier also meine Backmischung dazu:

Fuji-JPG-Rezept – Filmsimulation „Car-Aktion bei Sonne“

  • Filmsimulation: Classic Chrome

  • Dynamikbereich: DR 100

  • Schärfe: +2

  • Rauschreduktion: -4

  • Körnungseffekt: Schwach

  • Weissabgleich: 10.000K

  • Ton/Lichter: -1

  • Schattier. Ton: +1

  • Farbe: 0

Ein paar Erklärungen dazu:

Den Umfang der Rauschreduzierung habe ich um 4 Punkte reduziert, (es rauscht also etwas mehr) und die Schärfe leicht angehoben. das verleiht dem ganzen Look eine körnige Ausstrahlung. Es macht Sinn, einfach auszuprobieren, wozu das Fuji-JPG-Rezept gut paßt. Dabei merken wir Fotografen auch, zu welchen Motiven und Situationen es nicht vorteilhaft ist. Der Grad der Anwendungen ist schmaler, als er teilweise erscheinen mag.

Mit Veränderung der Einstellung Schattier. Ton ins Plus beeinflusst man schlicht gesagt die Intensität der Schatten. Tatsächlich macht es entgegen sonstiger Gewohnheit richtig Spass, bei Knallsonne zu fotografieren, und sich den Machtkampf zwischen Hell und Dunkel zunutze zu machen. Eins obendrauf setzt noch ein POL-Filter, den ich teilweise auch bei diesen Aufnahmen nutzte.

Ton/Lichter nimmt deftigen Einfluss auf Lichter. Meine Einstellung schwankte immer mal wieder zwischen 0 und -1, allerdings hier bei den Aufnahmen habe ich es bei -1 belassen. Ein nicht ganz so magerer ISO-Wert setzt dem Look in Sachen Körnern die Krone auf.

Je weiter man sich mit „Car-Action bei Sonne“ aus der Sonne heraus begibt, umso mehr nimmt der Effekt dieser Rezeptur ab. Die Innenaufnahmen des Escort XR3i sehen fast noch neutral aus. Aber im schräg stehenden Abendlicht zeigt sich endlich, was der Look wirklich drauf hat. Als ich nach dem Termin die Fotos zu Hause angeschaut habe, hatte ich echt Gänsehaut. Ja, SO hatte ich mir das gewünscht!

 

Grundsätzlich bleibt zu sagen, dass die Belichtungskorrektur bei „Car-Action bei Sonne“ zu einem guten Begleiter wird. Auch möchte ich anregen, mutig zu sein. Man kann auch innerhalb dieses Rezeptes die volle Bandbreite aller sonstiger Möglichkeiten nutzen. Ruhig mal mit anderen ISO-Werten experimentieren, und sich die hoch stehende Sonne zum Freund machen. Über Rückmeldungen zu eigenen Erfahrungen würde ich mich sehr freuen. Vielen herzlichen Dank für das Interesse an meinem Beitrag, und mit „Car-Action bei Sonne“ wünsche ich viel Freude !

Freundliche Grüße,

Dirk Trampedach

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Autor: Dirk Trampedach

Eine Geschichte, ein Bild, eine Stimmung. Erlebnisse, Schreiben und Fotografieren, das hängt für mich unmittelbar zusammen. Große Bereiche, denen ich mich widme, sind Reise, Natur, Landschaften, sowie Stories um klassische Automobile und deren Besitzer. Wer Zeit und Interesse hat, bisschen mehr über mich zu erfahren, ist herzlich eingeladen: www.dt-classics.de

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