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Fuji-JPG-Rezept – Filmsimulation Black and White-Street

Eigentlich kenne ich meine Stadt. Ich weiß, wie sie tickt. Aber wenn schon Sätze mit „eigentlich“ beginnen, ist klar, dass es doch wohl anders ist. So auch aktuell. Die Menschen sind seit Wochen mit nichts anderem beschäftigt, als den Entwicklungen im Hinblick auf Covid-19 hinterherzukommen. Beruflich, wirtschaftlich, familiär, und auch sorgenvoll bezogen auf die massiv politischen Eingriffe in bis dato gültige Freiheiten. Was sich diesbezüglich im Einzelnen hinter den Türen und Fenstern bei jedem zu Hause abspielt, vermag ich nur zu erraten. Aber was in den Straßen los ist, oder viel eher, was dort nicht mehr los ist, erkennt man sofort. Und das ist einzigartig! Filmsimulation Fujifilm Black and White-Street – Meine Stadt in Covid-19 – Fotografiert mit einem JPG-Rezept für die Fuji-Filmsimulation:

Fotografie in der Stadt unter den Umständen der Covid 19-Epoche

Die Läden und Geschäfte sind geschlossen, Cafés und Restaurants ebenfalls, eigentlich alles. Und als wäre das nicht schon skuril genug, herrscht Kontaktverbot. Mehrere Personen gemeinsam, das ist tatsächlich ein ungewohntes Bild. Ich habe mir daher gedacht, meinen österlichen Foto-Spaziergang nicht wie üblich in die Wälder zu verlegen, sondern mal ein wenig in der Stadt nach Motiven zu suchen, die ein Indiz sind für diese jene Zeit, an die wir sicherlich noch lange denken werden.

Zu diesen doch sehr speziellen Umständen habe ich mir daher auch ein paar spezielle fotografische Vorgaben gestellt. Ich ziehe los mit nur einem einzigen Objektiv, und zwar dem FUJINON XF 16 mm, 1:1,4 R WR, das Stativ bleibt auch daheim. Ich hatte die Idee, mich fotografisch dem Thema “STREET” zu nähern. Und zwar schwarz/weiß zu fotografieren, aber eben nicht einfach so. Genialer Weise bieten die FUJIFILM Simulationen eine perfekte Basis, um es entweder 1 zu 1 zu nutzen, oder eben innerhalb einer Simulation die einzelnen Parameter nach Belieben zu verändern. Mit der Absicht, teilweise körniger, kontrastreicher und mit knackiger Schärfe vom Standard abzuweichen, habe ich dann zu experimentieren begonnen. Dazu habe ich auf Basis der Simulation ACROS + Rotfilter etwas ganz Brauchbares entstehen lassen. Genannt habe ich es

Fuji-JPG-Rezept – Filmsimulation Black and White-Street

  • Filmsimulation: ACROS + Rotfilter
  • Körnungseffekt: Schwach / Weak Small
  • Weissabgleich: AUTO
  • Dynamikbereich: DR 100
  • Tonkurve: Ton / Lichter / H: 0, Schatten / S: +3
  • Schärfe: +1
  • Rauschreduktion / Hohe ISO-NR: -3

Ein paar Erklärungen dazu:

Den Umfang der Rauschreduzierung habe ich um 3 Punkte reduziert, (es rauscht also etwas mehr) und die Schärfe leicht angehoben. In Summe ist das schon deutlich wahrnehmbar, und macht daher auch überflüssig, zusätzlich den Körnungseffekt anzuheben. Ich habe das mal testweise gemacht. Für meinen Geschmack gerät das dann aus dem Gleichgewicht.

Mit Veränderung der Einstellung Schattier. Ton ins Plus beeinflusst man schlicht gesagt die Intensität der Schatten. Da ist allerdings Fingerspitzengefühl gefragt, da je nach Lichtverhältnissen jegliche Bildinformation im schwarzen Loch verschwinden. Mir ist das bei einigen Fotos hier auch fast passiert, und ich habe das nachträglich noch ein wenig korrigiert. Das ist einfacher, als für jedes Foto den Wert in der Kamera anzupassen. Es kann aber auch hilfreich sein, bei dem einen oder anderen Foto eine ins Plus gestellte Belichtungskorrektur zu nutzen, da die Tendenz der gesamten Belichtung gerne zugunsten der Schatten ausfällt.

Ton/Lichter nimmt deftigen Einfluss auf Lichter. Meine Experimente damit habe ich mit Belassen in der Null-Stellung beendet, da Folgendes passiert: Ist der Wert zu niedrig, sieht das Licht teils aus, als wäre eine Nebelschwade beleuchtet. Ist er erhöht, geraten für mein Auge die Kontraste leicht aus dem Gefüge. Null ist daher ok.  Aufgenommen habe ich die Fotos bei ISO 400, manueller Blendenvorwahl und automatischer Verschlußzeit. Das war rückblickend wahrscheinlich nicht mutig genug, denn ich denke, mit einer noch etwas höheren ISO-Einstellung, vielleicht so 800-1200, träte der kontrastreiche Effekt samt Körnung noch stimmiger zutage.

Die Tour:

Als Erstes hat mich meine Foto-Tour in den Schloßpark des „Oberen Schlosses“ geführt. Hier ist bei gutem Wetter schon an normalen Wochenenden eine Stimmung wie in München an der Isar, oder in den Rheinauen in Bonn. Ich war daher sehr gespannt, was mich dort jetzt an Ostern so erwarten würde an weiteren Spaziergängern, die auch irgendwo ihre legitime Ecke Freiluft suchen. Die erste Überraschung des Tages zeigt sich mir. Ich bin-alleine! Spannend zu sehen, wie das dort ohne Menschen aussieht und wirkt. Das Tor ist normalerweise immer vollständig offen, auf den Kanonen turnen tagsüber die Kinder, und abends treffen sich dort die Geister der Stadt. Im Park selbst, zwischen den Skulpturen und Beeten, sitzen in großen und kleinen Gruppen die Menschen am Rasen und quatschen, singen, und prosten sich mit Bier und Wein zu.

Auf meinem Weg vom Schloß stadtabwärts lasse ich mich ohne Ziel und Plan durch die Gässchen der Altstadt treiben. Hier Niemanden zu sehen, sowas gibt´s eigentlich gar nicht. Eigentlich…

 

Sowohl auf dem Gemälde, als auch im abgebildeten Torbogen selbst herrscht übereinstimmende Leere. Die steile, mit altem Kopfsteinpflaster ausgeführte Straße unterhalb des Rathauses kommt ohne das Getrappel der Füße vieler Besucher aus, die hier normalerweise flanierend die alten Häuser anschauen. Und selbst die Menschen, die in diesen Häusern leben, und sonst lächelnd in den Fenstern lehnen, bleiben unsichtbar. Auch die Nikolaikirche, das Wahrzeichen Siegens, bleibt zu Ostern leer. Einzig der in Kreide geschriebene Ostergruß macht deutlich, dass eigentlich Ostern ist. Eigentlich …

Aber selbst der Osterhase steckt in Quarantäne. Für ihn gibt es dieses Jahr nichts zu tun. Zum kollektiven Eiersuchen darf niemand raus.

 

Die wenigen Leute, die dann außer mir doch noch unterwegs sind, halten Abstand. Und überall, wo ich hergehe, ist Geisterstadt. Es ist bedrückend und beeindruckend zugleich. Ich versuche mich zu erinnern, wann das so wie jetzt überhaupt mal ist. Es fällt mir nicht ein. Vor dem Eis-Café sind die Schirme noch eingeklappt. Das Modell der Altstadt davor sieht beinahe lebendiger aus, als die Realität drumherum. Selbst sonntags sitzen vor dem überdachten Eingang des KARSTADT immer Leute. Die Pizzeria SAN MARINO zählt zu den längst rausgeplapperten Geheimtipps der Stadt. Da ist an kaum einem Tag einfach mal so noch ein Platz zu finden, die Gäste stehen teils redend am Bürgersteig. Die Hinterhöfe der Reihenhäuser haben fast alle einen kleinen Spielplatz. Auch dort ist es leer, und vor allem, völlig still. Die Stille ist das wirklich Seltsame. In einem Vorgarten haben die Bewohner ein Papierschiffchen aufgehängt. “open the borders-refugees welcome”. Ich freue mich sehr darüber, ein Stückchen veröffentlichte Menschlichkeit zu entdecken, auch wenn das vorerst keiner lesen wird. Bänke, Arcaden, und die Geschäftsstraßen habe ich für mich alleine.

 

Wirklich gespenstisch ist die Szenerie auch am Großraumparkplatz. Den kann man sonst vor Autos kaum erahnen. Ich sehe die Striche am Boden bewusst zum ersten Mal. Dann mache ich mich auf den Weg in die Unterstadt. Im Augenwinkel erhasche ich die großen Buchstaben am Altkleider-Container. “Mehr Liebe-Mehr Mut”. Das sollten wir uns eigentlich alle öfter mal zu Herzen nehmen. Eigentlich …

 

In der “Alten Poststrasse” steht eine Kneipe an der anderen, ein Restaurant neben dem nächsten, und alle haben üblicherweise ihre Biergärten davor. Das ist gänzlich anders geworden. Die lauschige Musikbar “SCHELLACK” sieht heute ohne Gäste davor bei Tageslicht ganz trostlos aus, so zu und verlassen wie sie ist. Niemand ist zu sehen, die ganze Straße entlang warte ich immer, ob noch jemand anderes kommt. Aber es tut sich nichts. “There is no Planet B”. Stimmt wohl. Hier ist noch nicht mal eine Kneipe B, oder ein Spaziergänger B.

 

So langsam gelange ich unten im Tal in die Unterstadt. Hier ist das ganze Jahr über eher so das zu finden, was einer Großstadt entspricht. Breite Straßen, viel Autos, Lärm, Menschenmassen. Und das 24/7, wie man so sagt. Mit wenigstens ein wenig dessen rechne ich auch jetzt. Es kann doch nicht sein, auch hier völlig alleine zu sein! Die Hotspots einer Stadt, und alleine …? Aber das Unfassbare zeigt sich doch massiver als angenommen. Kaum jemand ist da. Ich überschreite die Hauptstraße wie Gary Cooper in “12 Uhr mittags”. Absolut krass! Nirgends kann man sitzen, die Stühle der Cafés sind zu Halden aufgetürmt, hinter denen ein Pärchen Platz gefunden hat. Kaum jemand zu sehen am großen Platz zwischen den Cafés und der Brücke. Und auch der Eingang der Bank, wo sonst gerne noch mal Geld geholt wird, scheint ohne Sinn heute.

 

Dort, wo ich sonst gerne die lange Stufen herunter trete, die sich an der Sieg zum Sonnenbaden, zum “sehen-und gesehen-werden”, und einfach zum entspannten Genießen anbieten, findet sich eine massive Absperrung. Kontaktsperre, Betretungsverbot. Wenn überhaupt, überall, sonst maximal nur zu zweit. Das ältere Pärchen und auch die Tauben halten sich dran.

Auf dem Weg nach Hause komme ich noch an meinem Lieblings-Second-Hand-Plattenladen vorbei. Die sonst konsequent auf “Retro” getrimmte Szene im Schaufenster ist brandaktuell gestaltet. Und nichts könnte dazu trefflicher erscheinen, als die Spiegelung einer im Sonnenlicht liegenden, völlig leeren, leblosen Strasse, in der sich ein geschlossenes Ladenlokal ans nächste reiht.

Bei aller unwirtlichen Umstände, die ich hier heute vorfinde, umschleichen mich durchaus auch Gedanken darüber, was wohl so an Potential in einer solchen Zeit stecken mag. Wo sind sie, die Möglichkeiten, die sich uns dadurch bieten? Bei allen tiefgründigen, persönlichen Dingen, zu denen wir jeder für sich Antworten finden werden, ist eines offensichtlich: Auf die Fotografie bezogen zeigen sich ungeahnte Voraussetzungen. Nie hätte ich mir träumen lassen, an genau diesen Orten an einem Ostertag genau solche Bilder machen zu können! Die Stimmung dieser Covid-19 Krise ist ohnehin allgegenwärtig. In unserem Gemüt ist sie bewusst und unbewusst längst angekommen. Warum also nicht damit durch eine Kamera schauen? Diese Zeit wird uns prägen. Mein Augenmerk lag darauf, Perspektiven und Kompositionen zu finden, die diesem “Ausnahmezustand” gerecht werden mögen, aber bei allem die Fotografie im Vordergrund zu behalten. Dem Vorhaben dienlich empfand ich die Brennweite 16 mm, das spezielle Setting der Kamera, wie auch, monochrom zu fotografieren. Für meinen Teil finde ich das Erhoffte in den Fotos auch wieder, und wie immer freue ich mich über Kommentare, Kritik & Anregung, wozu ich gerne animieren möchte.

Ich danke euch allen für euer Interesse und wünsche beste Gesundheit, Gelassenheit und vor allem: Viel Freude beim Fotografieren!

Mit freundlichem Gruß
Dirk Trampedach

Tipp: Wenn Sie mehr über die Fuji-Filmsimulationen wissen möchten, dann lesen Sie bitte auch diese fotowissen-Kategorie JPG-Rezepte >>

Fuji-JPG-Rezept – Filmsimulation Black and White-Street - *fotowissen

© Dirk Trampedach, Journalist für Fotografie bei *fotowissen – Fuji-JPG-Rezept – Filmsimulation Black and White-Street

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Dirk Trampedach

Eine Geschichte, ein Bild, eine Stimmung. Erlebnisse, Schreiben und Fotografieren, das hängt für mich unmittelbar zusammen. Foto-Themen, denen ich mich gerne widme, sind Berichte von Touren im VW T3 WESTFALIA, Street Photography, sowie Stories um klassische Automobile und deren Besitzer. Wenn Sei mehr über mich erfahren möchten: www.dt-classics.de.

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