Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Fotografieren im Herbst

Artikel ursprünglich verfasst am 3. November 2019

Liebe Fotofreunde,

der Herbst war, zumindest was die bunten Blätter und herbstlichen Farben anbelangt, bei uns in den Höhenlagen Südwestfalens kurz und knackig. Die lang anhaltende Trockenheit und die kürzlich frostigen Nächte haben wenige Möglichkeiten gelassen, an freundlichen Tagen durch die bunten Wälder zu streunen. Mit etwas Glück bin ich dennoch an den wenigen Tagen draußen gewesen, an denen es tatsächlich nach „goldenem Herbst“ aussah, denn mittlerweile sind die Bäume größtenteils kahl, und das Laub liegt matschig am Boden.

Und trotzdem zieht´s mich vor die Tür. Paar Tage ohne Kamera sind seltsam, und gerade in den Stunden „outdoor“ steckt viel an Erholung, Regeneration und Freude. Wenn ich kurzgefasst in Worte ausdrücken sollte, was genau Landschaftsfotografie (für mich) ausmacht, dann würde ich sagen: Das jeweilige Licht, die Art zu Schauen, und eine emotionale Verbundenheit zur Szenerie, in der sich alles abspielt. Jeder Ort hat seine eigene Magie, jeder Moment seine Einzigartigkeit, und jede Art Licht einen heimlichen Zauber, dem wir verfallen dürfen. Auf alle Fälle aber braucht es dafür Zeit.

Einen großartigen Tag mit sehr viel Zeit habe ich auf den Höhen des Rothaargebirges verbracht, genauer gesagt, am „Giller“. Für diesen Tag hatte ich mir vorgenommen, Landschaftsfotografie nicht per Weitwinkel zu machen, sondern so ab 50mm aufwärts. Das ist ja sonst eher nicht die übliche Brennweite, doch gerade das macht´s manchmal aus. Als herausfordernd sehe ich darin, die Totale mehr als per Weitwinkel einzuschrumpfen auf den zusammengezogenen, wichtigen Teil, der das Motiv bilden soll. Trotzdessen, oder vielleicht vor allem bei Aufnahmen in der Landschaft mit etwas längeren Brennweiten, ist der Vordergrund dabei schnell verschwunden. Ihn beim Bildaufbau nicht zu vernachlässigen, ist dabei  gar nicht so einfach. Der Tiefeneffekt geht im „Tele-Blick“ allzu schnell verloren, und raubt dem Bild das Landschaftliche. Ein paar Beispiele meiner Ergebnisse zeige ich hier mal.

Im Bild links zu sehen den Vordergrund in Form von Bäumen/Ästen, das Hauptmotiv (Forsthaus) ist im mittleren Bildbereich auf der Drittel-Linie. Den Horizont auf die Drittel-Linie zu legen, habe ich hier bewußt vermieden. Am rechten Bild stehen die hell erleuchteteten Bäume als großformatige Hauptmotive durchs Bild gezogen gleichzeitig vorne und weiter hinten. Der abgeschattete Wald im Hintergrund bildet den eher undetaillierten Abschluß der Bildtiefe, ist aber dennoch gut zu erkennen.

Beim Hochformat links unten stehen die halb erkennbaren Bäume im Vordergrund, der Blick wandert über den bunten Wald ans Windrad, und endet an den markanten Wolkenbändern. Mein Hauptmotiv in dieser Komposition ist auch das zwischen Herbstwald und Wolken hochragende Windrad. Eine noch längere Brennweite habe ich dabei vermieden, weil mir sonst zu viel gefehlt hätte, was das Foto für mich ausmacht. So, nicht zu dominant, aber durchaus gut erkennbar in der waldreichen Wildnis, verdeutlicht das Windrad eindringlich die Proportionen und Distanzen, und gibt der Tiefe eine andere Dimmension. Finde ich zumindest ;-)

Bei dem Waldbild habe ich den knorrigen Stamm als Blickfang gewählt. Den Wald dahinter in seiner herbstlichen Färbung und Stimmung empfinde ich als Projektionsfläche und starken Kontrast, der den Stamm in seiner Einzigartigkeit im Bild nochmal deutlich hervorhebt.

Bei den folgenden Aufnahmen hatte ich auch Glück mit dem Wetter. Sie sind entstanden während einer Wochenendreise nach Waldhessen. Dahinter verbirgt sich die Gegend um Bad Hersfeld, Bebra, und dem hessischen Werratal. Im Gegensatz zum heimatlichen Mittelgebirge ist die Landschaft hier ziemlich weit, offen, und es gibt überall wunderbare Pferdehöfe und Koppeln, die paradiesisch gelegen sind.

Bei dem linken Foto habe ich als Hauptmotiv das gelbe Blatt gewählt, Hintergrund samt Pferd unscharf, aber immer noch erkennbar. Rechts ist ganz klar das Pferd das Motiv. Deutlich erkennbar bleiben sollte aber auch die Weite der Koppel. Den Baum im Hintergrund, wie auch die Blätter im Vordergrund habe ich gewählt, um die Tiefe zu unterstreichen. Was mich dabei auch total anspricht, ist, dass Pferd und Baum auf einer Linie sind.

Bei Landschaftsaufnahmen fokussiere ich generell manuell, und arbeite ausschließlich mit vorgegebener Blende. Die in der FUJI X-T2 ablesbare Hyperfokaldistanz ist dabei eine super gute Unterstützung. Außerdem im Einsatz waren ein CPL-Filter, wie auch ein Verlaufsfilter. Entgegen meiner sonstigen Vorgehensweise sind diese Fotos auch unterwegs ohne Stativ entstanden. ISO ist deshalb etwas höher, als ich sonst bei Landschaftsaufnahmen wähle.

Waldhessen hat zum Glück nicht nur Wald. Ein Großteil der Landschaft schreit nach Weitwinkel. Das habe ich daher auch ganztägig drauf behalten. Auf den Bildern links und rechts dominieren die Weite und der Himmel. Am Foto links rahmen die Böschung links und der Wald am Horizont das Rapsfeld ein und geben dem Bild seine Tiefe. Rechts führt der Weg den Betrachter durch die Felder bis ins nahezu Endlose am Horizont.

Beim Bild in der Mitte habe ich die Kiefern deutlich am Rand belassen. Die freie Landschaft umläuft sie sozusagen. Die gelbe Grasböschung ist dabei ein unaufdinglicher Teil des Vordergrundes. Durch die Weite der Landschaft und die erst am Horizont stehenden Wälder kommt die Weite nicht zu kurz dabei.

 

Zum Herbst gehören aber nicht nur Weitblicke, bunte Wälder und Felder, sondern auch die Kleinigkeiten, die für diese Jahreszeit typisch sind. Da ich aktuell (noch) ohne Makro-Objektiv auskomme, und auch keine Makro-Zwischenringe besitze, bin ich den Pilzen mit dem 18-55er Zoom auf die Lamellen gerückt.

Faszinierend links, der Pilz stand auf einem festgefahrenen, knüppelharten Waldweg. Kaum zu fassen, wie der weiche Pilz den Weg durchdrungen haben mag. Das Herbstgold schmeichelte ihm jedefalls prächtig. Bild Mitte ist völlig ungestellt, obwohl ich sofort dachte, es sieht arrangiert aus. Ist es aber nicht! Das hatte die Natur schon alleine so vorbereitet…

Und die Pilze rechts machen den Eindruck einer kleinen, beweglichen Herde, wo jeder des Anderen Deckung ist. Mich erstaunen so Wahrnehmungen jedesmal selbst. Wir sind echt von tausenden kleiner Wunder umgeben. Schaut man mal wirklich aufmerksam zu Boden, kommen die tollsten Kompositionen, Ideen und Gedanken zutage. Man ist hoch konzentriert, aber völlig entspannt zugleich. Nach solchen Fototouren kehre ich jedesmal sehr beglückt nach Hause.

Abschließen möchte ich meinen Beitrag mit Fotos, die an einem grauen, trüben, diesigen Tag entstanden sind. Ich mag so Tage total! Zum Einen sollte nicht so brilliantes Wetter uns nicht abhalten, zum Fotografieren rauszugehen. Zum Anderen macht dieses weniger helle Wetter möglich, auch zu Tageszeiten zu fotografieren, an denen sonst eher keine guten Ergebnisse möglich sind. Diese Fotos zum Beispiel sind zwischen 12h-15h entstanden. An grellen Sommertagen mit hoch stehender Sonne ist das eher ein K.O.-Kriterium.

Zum grauen, kontrastlosen Himmel sei noch gesagt, dass der halt an so Tagen so aussieht. Ein authentisches Herbstbild hat eben auch einen grauen Himmel. Bei solchen eher diffusen Bedingungen versuche ich dennoch gerne, den Himmel möglichst „außen vor“ zu lassen. Das grau wirkt zuweilen ähnlich ausgebrannt wie bei Sommersonnenlicht zur Tagesmitte. Wie das im Ergebnis aussehn kann, zeigen diese beiden Bilder .

Derselbe Baum, derselbe Weiher. Einmal mit, einmal völlig ohne Himmel. Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, habe ich noch zusätzlich den Baum vor das Stückchen Himmel positiert, denn es ist auch ziemlich im Gegenlicht aufgenommen. Das Bild rechts, mit dem Licht fotografiert, ist auch ohne sonnigen Himmel stimmungsvoll und zeigt alles, was der Herbst an einem trüben Tag zu bieten hat.

Euch allen wünsche ich einen fotogenen Herbst und kreative Shootings. Jede Zeit ist Fotozeit!

Zu Kommentaren, Tipps und konstruktiver Kritik möchte ich einladen, ich bin gespannt auf Rückmeldung.

Vielen Dank für´s Interesse, und kommt gut durch die dunkle Zeit!

Herzlich grüßend, Dirk

 

Autor: Dirk Trampedach

Eine Geschichte, ein Bild, eine Stimmung. Erlebnisse, Schreiben und Fotografieren, das hängt für mich unmittelbar zusammen. Große Bereiche, denen ich mich widme, sind Reise, Natur, Landschaften, sowie Stories um klassische Automobile und deren Besitzer. Wer Zeit und Interesse hat, bisschen mehr über mich zu erfahren, ist herzlich eingeladen: www.dt-classics.de

1 Kommentar

  1. Lieber Dirk, das sind tolle Fotos. Ich mag die Pilzfotos sehr. Wenn Du Dich an die Makrofotografie heran wagen möchtest, dann bitte nicht mit dem 16mm, sondern mit dem 11mm Makrozwischenring. Die Bildqualität ist sehr gut für den Einstieg.
    Herzlich, Peter

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