Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Fotografieren aus dem Zug

Artikel ursprünglich verfasst am 19. Juli 2019

In regelmäßigen Abständen fahre ich die Strecke Koblenz – Görlitz, also mehr oder weniger, quer durch Deutschland. Die Reise geht mal mit dem Auto, mal mit dem Zug. Und manchmal habe ich das Glück, dass das Wetter schön genug ist, um unterwegs zu fotografieren. Motive gibt es auf meiner Strecke genug: Züge, Bahnhöfe, Industrielandschaften, Brücken und Türme, Natur und vieles mehr. Hier ist nur eine kleine Auswahl aus einer der letzten Reisen und ein paar Tipps zum Fotografieren aus dem Zug oder Auto oder Flugzeug. Mehr Infos unter www.fokuszauber.de

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ICE: könnte man wieder gewaschen werden.

Frankfurt Main Hauptbahnhof.

Herausforderungen

Die Deutsche Bahn stellt einen jedoch vor mehrere Herausforderungen, wenn man aus dem fahrenden Zug fotografieren will. Die besonderen Herausforderungen sind:

  • Die Geschwindigkeit des Zugs, die einen Einfluß auf die maximale Verschlusszeit hat. Je näher sich das Motiv an dem Zug befindet, umso kürzer muss die Verschlusszeit sein, wenn das Bild scharf sein soll.
  • Die Geschwindigkeit des Zugs ist so hoch, dass man nicht lange nachdenken kann, wann das Motiv perfekt in Szene gesetzt wird. Nachdenken macht einen langsam, der Autofokus braucht auch ein wenig Zeit und schon ist das Motiv vorüber. Bei Fotos aus dem fahrenden Zug löse ich eine Serie aus, sobald ich was Interessantes sehe.
  • Handelt es sich um ein bewegtes Motiv, dann muss seine Geschwindigkeit zusätzlich zu der Geschwindigkeit des Zugs berücksichtigt werden. Kurze Verschlusszeiten sind Pflicht.
  • Sträuche und Masten an den Bahngleisen stören oft die Fotos. Das Abwarten auf eine Lücke zwischen den Masten und Sträuchern ist keine Lösung. Meistens ist dann das Motiv schon aus dem Blickfeld. Meine Lösung ist, die Kamera auf Serienbild mit hoher Geschwindigkeit zu stellen. So wird das eine oder andere Foto doch ganz gut.
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Industrielandschaft.

 

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Frankfurt am Main aus einem fahrenden ICE.

Besonderheiten der Scheiben im Zug

Die Schreiben im Zug weisen einige Besonderheiten auf, die man beim Fotografieren beachten soll. Das alles muss beachtet werden:

  • Meisten sind die Scheiben verschmutzt oder zerkratzt: Ist die Scheibe einigermaßen in Ordnung, dann kann man diese Störungen im Bild nachträglich beseitigen oder zumindest abmildern.
  • Scheibe bestehen aus Sicherheitsglas. Die Folge davon ist, dass sie das Licht polarisieren können. Hat man aus Versehen den Polarisationsfilter drauf, entstehen interessante Farbeffekte. Leider lassen sich diese nur sehr schlecht bis gar nicht entfernen. Außerdem haben diese Scheiben immer einen gewissen Farbstich. Da muss man nachher entscheiden, wie man so ein Foto korrigiert oder bearbeitet.
  • Spiegelungen sind das typische Problem der Scheiben. In diesem Fall hilft nur, so nah wie möglich an die Scheibe zu kommen. Am besten polstert man das Objektiv mit einem Schlafhörnchen ab, damit es nicht gegen die Scheibe schlägt und schon sind die Spiegelungen weg. Sind sie nämlich auf dem Bild, lassen sie die Spiegelungen nur sehr schwer nachträglich entfernen.
  • Gekrümmte Scheiben: Die Scheiben im Zug sind nicht ganz flach und besonders in den Ecken und an den Rändern haben sie Krümmungen, die sich auf das Bild auswirken. Wenn es möglich ist, sollte man durch die Mitte der Scheibe fotografieren, um die wenigstens Verzeichnungen zu haben.

 

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Viel befahrende Autobahnbrücke bei Eisenach.

Fotografieren aus dem fahrenden Zug

Fotografieren aus dem fahrenden Zug ist nicht ganz einfach, aber nicht unmöglich und mit ein paar Tricks funktioniert es sogar ganz gut. Meine Spiegelreflexkamera ist an sich recht gut, as eine gute Hilfe ist. Dazu habe ich ein recht schnelles und einfaches Objektiv der Brennweite 28–80mm. Um auf der sicheren Seite zu sein und keine Probleme mit zu langen Belichtungszeiten zu haben, verwende ich immer das manuelle Programm mit der Zeiteinstellung 1?320 oder 1?400 Sek. Und Blende um die 8. So stelle ich sicher, dass das Bild durchgängig scharf ist. Für genug Helligkeit sorgt die automatische ISO-Einstellung, die ich jedoch auf ISO 1000 begrenze, damit das Rauschen nicht zu stark wird. Leicht unterbelichtete Bilder lassen sich am Computer sehr einfach aufhellen, so dass ich tagsüber keine sehr hohen ISO-Werte benötige. Und zu Letzt ist meine Kamera auf eine schnelle Bildserie eingestellt.

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Bahnhof in Görlitz.

 

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Brückenträger.

 

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Ein Vogel liebt das Fahrrad – aufgenommen beim Warten auf den Anschlußzug.

4 Kommentare

  1. Ein super schöner Beitrag, Blandyna. Die Fotos gefallen mir sehr. Sind das mit Ausnahme vom Bahnhof Görlitz (tolle Aufnahme) nicht alles schwarzweiß-Motive? Ich frage nur zur Anregung :-). Herzlich, Peter

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    • Hallo Peter,

      vielen Dank für das Kompliment. Und vielen Dank für die Anregung. Ich werde die Bilder auf den Fall bearbeiten, ob es Schwarz-Weiss oder eher Monochrom wird, das kann ich noch nicht sagen. Aber ich werde sie auf jeden Fall mal bearbeiten und veröffentlichen.
      Die Bildstörungen durch die Zugscheiben erlauben keine echten Farbbilder :-(.

      Grüße
      Blandyna

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  2. Irgendwie schade, dass die Zeiten vorbei sind, als man noch die breiten Fenster im Abteil herunterschieben konnte, und im Fahrtwind das Zugfahren erlebte, oder eben auch mal unbeeinträchtigt fotografieren konnte. Ich habe „damals“ gerne Fotos in Kurven vom Zug selbst gemacht.
    Durch diese fürchterlichen Fenster der Neuzeit so klasse Aufnahmen zu machen, ist schon nicht so einfach, ich finde sie wirklich gut gelungen. Vor allem eben auch, da ICE oft sehr schnell fährt. Top Fotos!
    LG, Dirk

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    • Hallo Dirk,

      vielen lieben Dank für Dein Kommentar. Es wird immer schwieriger, aus dem Zug zu fotografieren. Geschlossene Fenster und Sicherheitsscheiben sind nur ein Aspekt. Dazu kommen die Büschungen und Lärmschutzwände. Für Fotografen macht Bahnfahren immer weniger Spaß.

      An dem Tag der Reise hatte ich aber auch Glück: gutes Wetter, ich kenne die Strecke und der ICE war nicht zu schnell. Dann geht es :-).

      Viele Grüße
      Blandyna

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