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Fotografie damals und heute, Fokussierung und Besinnung

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Ich stehe in der Dunkelkammer der Schule. Nur ein wenig rotes Licht hilft mir bei der Orientierung. Je länger ich mich in dem großen Raum aufhalte, desto mehr gewöhnen sich meine Augen an die Dunkelheit. Ich finde mich hier wie im Schlaf zurecht. In der Nähe des Waschbeckens finden sich drei großen Schalen aus Plastik, von denen eine schon mal bessere Zeiten gesehen hat. Alle drei sind so groß, dass A3-Abzüge hineinpassen. Die Luft riecht nach Essig und einigen anderen Chemikalien. Ein Geruch, den ich unbewusst in mein Herz schließe.

Negativentwicklung

Meine Schwarzweiß-Filme lege ich in einem absolut dunklen Raum, der nur etwa 2 × 2 m groß ist, in eine Jobo-Entwicklungsdose. Bevor ich das Licht ausschalte, habe ich die Entwicklungsdose, eine Schere und die Filmdose so vor mir aufgebaut, dass ich sie im Dunkeln finde. Der Trick in absoluter Dunkelheit besteht darin, ohne Licht alle Bewegungen wie im Schlaf zu beherrschen. Ich öffne die Blechdose des Kleinbildfilms mit den Fingernägeln. Nachdem ich die Spule mit dem Film vorsichtig heraushole, schneide ich den Anfang des Films genau zwischen den Perforationen rund. Mit dem Finger prüfe ich die Rundung, die keinen Widerstand aufweisen darf, um nicht anschließend beim Einlegen in die Filmspule Probleme zu bereiten. Probleme dürfen nicht auftreten, denn Licht zu machen verbietet sich, um den Film nicht unbrauchbar zu machen.

Fotografie damals und heute, Fokussierung und Besinnung
Analoges Fotos mit Rolleicord 6×6 Mittelformatkamera (120er Rollfilm, 12 Aufnahmen pro Film), Aufnahme in Frankreich

Ich ziehe den Film mit gegenläufigen Bewegungen in die Jobo-Entwicklungsdose ein. Der Deckel der Plastikdose, schützt meinen Negativfilm vor dem Licht, das ich jetzt wieder anschalte.

Ein Blick auf die Rezeptverordnung von Neofin Blau oder Neofin Rot verrät mir die Entwicklungszeit. Ich fülle die Entwicklungsflüssigkeit in die Entwicklungsdose, schließe sie mit einem roten Deckel und drehe die Dose in regelmäßigen Abständen immer wieder auf den Kopf und zurück. Der Vorgang ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Eine Wasserspülung beendet die Entwicklung, bevor ich Fixierer in den schwarzen Schlund der Dose laufen lasse. Irgendwann ist der Film entwickelt und ich streife vorsichtig das verbleibende Wasser mit der Plastikzange über den Film, den ich in meiner linken Hand hochhalte, damit er nicht den Boden berührt. Ein erster Blick bestätigt, dass genügend Kontraste vorhanden sind. Mein Herz macht einen Freundensprung. Ich hänge den Film an eine Wäscheleine zum Trocknen.

Gleich anschließend schneide ich die Negative zwischen den Aufnahmen in gleichlange Streifen und lege sie bei Rotlicht auf ein 20 x 30 Fotopapier von Ilford. Ich werfe ein paar Sekunden das Licht aus dem Vergrößerer darauf. Ab in die erste Schale und bereits nach dem Entwicklungsprozess werfe ich bei schummrigem Licht ein Blick auf die positiven Fotos im Format 24 x 36 mm. Ich habe einen Kontaktabzug in Händen, über den ich eine Lupe halte, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Der Abzug

Lege ich die Negative in den Vergrößerer, benötigt es ein bisschen Vorstellungsvermögen, sich die Fotos als Positive vorzustellen. Das belichtete Papier wird gleich entwickelt. Immer wieder findet sich Staub auf den Motiven. Staub ist der größte Feind der analogen Zeit. Es dauert oft Stunden drei Bilder auf das Gradiationspapier zu bannen. Im roten Licht, gemeinsam mit dem Dunst der Chemikalien ist es fast ein meditativer Prozess. Die Freude über die fertigen Abzüge ist groß.

Ich wache auf aus meiner Erinnerung.

Noch heute bewahre ich einige der Abzüge von analogem Film auf. Blicke ich jetzt auf die Fotografien, so entdecke ich meine Gefühle aus der Zeit vor 40 Jahren wieder. Es war die Dunkelkammer meines Gymnasiums (Werner-Jaeger-Gymnasium Nettetal, Kunstlehrer Justus Zedelius), in dem ich die analogen Entwicklungsschritte lernte. Heute kann ich jungen Menschen die analogen Prozesse kaum erklären. Warum wäre das auch interessant? Weil es so anders war als heute? Was waren die Unterschiede?

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Fotografie damals und heute

Da ist sie, die digitale Zeit, in der wir tausende Bilder in kurzer Zeit erst auf den Sensor, später auf den Monitor bannen. Die Ausgabe eines Abzugs erfolgt heute nach einem Knopfdruck in Minutenschnelle auf dem Tintenstrahldrucker oder im Drogeriemarkt.

Früher warteten wir auf die entwickelten Aufnahmen oft Wochen, bevor der Film vollständig belichtet war und es sich lohnte, ihn aus der Kamera zu nehmen. Wir wussten nicht, ob unsere Fotos gut geworden waren, denn wir sahen nicht im Sucher oder auf dem Display bereits das Resultat unserer Auslösung. Wenn Aufnahmen zu dunkel oder zu hell wurden, war uns oft nicht klar, welche Fehler wir beim Fotografieren gemacht hatten. Heute können wir die Aufnahme sofort begutachten, die Blende, Belichtungszeit, ISO und Brennweite studieren.

Der positive Unterschied von Analog und Digital liegt in der Zeit und Lernkurve.

So ist die Fotografie heute einfacher, hat eine steilere Lernkurve, ist müheloser als in der Dunkelkammer. Macht sie deshalb mehr Spaß als damals? Ist die Fotografie heute besser geworden?

Fotografie damals und heute, Fokussierung und Besinnung
Analoge Kamera (Rolleiflex 6×6 Mittelformat) und Digitale Kamera (Leica Q2 Monochrom)

Anforderungen

Früher fotografierte ich mit einer Praktika, einer Rolleicord 6 x 6, später mit einer Pentax K2 DMD. Fotografieren war ein Luxus. Ich verdiente in den Schulferien Geld in der Fotoabteilung eines Supermarktes, um mir die Filme und Abzüge leisten zu können. Aus Geldmangel griffen viele Fotografen auf Schwarzweiß-Filme wie den HP5 oder FP4 zurück. Die Schwarzweiß-Entwicklung war überdies recht unempfindlich für Temperaturschwankungen, weshalb ich die Farbentwicklung mied. Wer viele schwarzweiß Aufnahmen belichtete, der wusste schnell, welche Motive sich für die farblose Fotografie eigneten. Wenn ich heute auf Farbe beim Fotografieren verzichte, schöpfe ich aus diesen Erfahrungen.

Erst in der letzten Woche hatte ich die digitale Schwarzweiß-Kamera, Leica Q2 Monochrom in den Händen. Mit dieser monochromen Kamera sehe ich die Welt in Graustufen. Gleichzeitig stellen sich Gefühle aus vergangen Zeiten ein, die in mir ein Gefühl von Besinnung auslösen. Ich weiß, warum ich die farblose Fotografie schätze. Schwarzweiß erdet mich, ist eine Konzentration und Entschleunigung.

Der Verzicht auf Farbe ist für mich auch eine Reise in die Vergangenheit.

Im digitalen Zeitalter fürchten Fotoamateure oft den Verlust der Farbe. Die Schwarzweiß-Fotografie ist für viele keine Option, auch weil sie es nie probieren. So wird der Gewinn durch den Verzicht nicht gelernt, nicht erfahren.

Ein wirklich gutes Foto in der Dunkelkammer zu entwickeln, ist noch heute eine Kunst, eine Form der Meditation, ein Hobby, eine Berufung, ein großer Luxus und die schnellste Möglichkeit, eigene analoge Aufnahmen in den Händen zu halten. Müsste diese Technik heute wieder erlernt werden, um eine Wertschätzung, Fokussierung und Besinnung auf das Foto zu erreichen?

Digitales Foto mit Leica Q2 Monochrom
Digitales Foto mit Leica Q2 Monochrom

Wertschätzung

Im digitalen Zeitalter der Fotografie, sind wir in der Lage, in wenigen Minuten von der Aufnahme zum fertigen Bild zu gelangen. Dennoch ist die Fotografie flüchtig. Nicht nur weil viele Menschen die wichtigsten Erinnerungen des Lebens auf ihren Festplatten verloren haben. Eine Wertschätzung guter Fotos findet oft nicht mehr statt. Auch die Auseinandersetzung mit dem Bild fehlt bei Facebook und Instagram, wo in Sekunden durch die Bilder geblättert wird.

Ich habe Hochzeitspaare beim Kennenlern-Gespräch beobachtet, die meine Bilder in Sekunden durchblätterten – und habe anschließend den Auftrag abgelehnt, weil das Paar keine Wertschätzung der Fotografie besaß. Fotografie wird auf der Schule meist nicht mehr unterrichtet. Und das, obwohl wir alle immer wieder im Leben mit der Fotografie in Kontakt kommen. Ein Grund, warum ich gerne Fotokurse für Kinder anbiete, um ihr Talent zu fördern und ihren Blick auf die Welt zu schärfen.

Nur wenige Fotografen sind heute noch mit den Mühen der Dunkelkammer vertraut. Die mediale Reizüberflutung der Werbung macht es uns zusätzlich schwer, uns noch auf eine einzige Aufnahme zu konzentrieren. Wenn wir nur mal stehen bleiben würden…

Entsprechend sind viele Menschen heute nicht in der Lage ein gutes Foto zu wertschätzen, es überhaupt wahrzunehmen. Hat der Luxus der digitalen Technik die Fotografie zerstört?

Fokussierung und Besinnung – Zurück zum Wesentlichen

Viele Menschen lachen, wenn sie hören, dass Ansel Adams (wer ist das?) mit 12 guten Fotos pro Jahr zufrieden war. Seine Aufnahmen gehören auch heute noch zu den besten Fotografien der Welt. Liegt die Qualität seiner Aufnahmen auch an der Konzentration, die Ansel Adams für seine Motive und die Technik aufbrachte? Hat es mit dem ungeheuren Aufwand zu tun, der damals auch in der Dunkelkammer notwendig war? Sicherlich hatte seine Fotografie eine besondere Fokussierung und Besinnung auf die Motive.  Die Mühseligkeit des Arbeitsprozesses zwang dazu, sich auf das Wesentliche, auf die eigentliche Bildaussage, zu konzentrieren. Auch weil Film teuer und die Anzahl der möglichen Belichtungen beschränkt war. So war man gezwungen, wider der Flüchtigkeit ganz in dem Moment zu sein.

Bestseller Nr. 1

Müssen wir zurück zur analogen Schwarzweiß-Fotografie, um die digitale schätzen zu lernen? Ich selbst bin dankbar für meine Erfahrungen, die mir mein Kunstlehrer ermöglichte und wie er mich förderte. Als ich 2019 wieder einmal analog fotografierte, war es eine Reise in die Vergangenheit. Nur 12 Aufnahmen pro Film waren im Mittelformat mit der Rolleicord möglich. Ich überlegte lange, bevor ich abdrückte.

Sich zu reduzieren, kann uns bereichern. Wir hinterfragen unsere Motivation und prüfen genau, warum und wie wir etwas fotografieren. Damit schieben wir der Beliebigkeit einen Riegel vor und entwickeln ein Verständnis für Qualität. Die Schwarzweiß-Fotografie ist kein Verzicht auf Farbe, sondern eine Form der Achtsamkeit, eine Fokussierung und Besinnung auf die wesentlichen Dinge. Auch deshalb müssen wir Leica für die Q2 Monochrom ein Lob aussprechen. Allerdings ist die Reduktion auf Monochrom auch mit den meisten anderen Kameras möglich. Wählen Sie JPG oder JPG und RAW, stellen die Kamera auf die Filmsimulation oder den Bildstil Monochrom ein.

Eine Reduktion kann uns bereichern.

Versuchen Sie mal, einen Tag am Wochenende – oder eine Woche Ihres Urlaubs – ausschließlich Schwarzweiß zu fotografieren. Schalten Sie nicht in Farbe zurück, damit Sie weiterhin monochrom denken und aufnehmen. Sie werden sehen, wie sehr sich Ihr Blick auf Details und das Wesentliche konzentriert. Ich wünsche Ihnen großen Spaß dabei.

© Peter Roskothen ist Profi-Fotograf, Fototrainer, Fotojournalist – Schwarzweiß Analog und Digital – Ein Vergleich

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Peter Roskothen

Peter Roskothen
Ich bin Profi-Fotograf, Fototrainer ganz besonderer individueller Fotokurse und Fachjournalist für Fotografie. Ich schreibe auf *fotowissen für Sie als Fotograf*in. Die Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.

Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.

Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter P. Roskothen Fotokunst & Design.

5 Kommentare

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  • Lieber Peter,

    Ich gehöre auch zu dieser Generation von damaligen Schülern.

    In fast ALLEN Bereichen des Lebens bewirkt Mangel an Ressourcen, daß man diese wertvollen verfügbaren und limitierten Resourcen bewusster und ich möchte fast sagen: „demütiger und dankbarer“ nutzt. Man weiß sie eigentlich durch den Mangel erst richtig wertzuschätzen.
    Ich weiß genauso wie Du, wie sehr man beim Auslösen daran dachte, daß man gerade einen nicht unerheblichen Geldbetrag „ausgegeben hat“ und man nur dafür, daß man als „Feedback nach Tagen oder Wochen“ erfährt, ob man den richtigen Film eingelegt hat (ISO war ja durch den Film vorgegeben, für 36 Bilder – ebenso wie „Diapositiv, Farbnegativ oder S/W-Film egal, ob das gerade passte oder nicht) ob man das Foto richtig gestaltet, richtig belichtet hat, ob man den belichteten Film ausreichend vorsichtig nach Belichtung behandelt hat NOCH EINMAL für die Entwicklung Geld ausgeben musste – und er (bspw. Bei Kodachrome ) auch nicht auf dem Postweg zum Entwickler oder auf dem Rückweg verloren ging…

    Ich fand die Gerüche in der Dunkelkammer (die ich nicht häufig einatmen musste) übrigens nur eins: TOXISCH.
    Die Chemikalien waren höchstgradig gesundheitsgefährdend – was umso bewusster wurde, je mehr man von Chemie und Medizin Ahnung hatte…

    Aber ich erinnere mich auch an wunderbare Momente… an die Abzüge von zwei (!) Kodachrome 25 Dias auf Cibachrome , für deren Optimierung ich als mittlerweile Erwachsener im netterweise zur Verfügung gestellten Labor satte 16 h benötigte… ich war stolz wie Bolle, als ich die Abzüge in der Hand hielt, während inzwischen – von mir unbemerkt – draussen die Sonne aufging und die Vögel sangen… passte aber gut zu meiner Hochstimmung.

    Auch erinnere ich mich gut, wie ich einmal endlich einen ganz besonderen Film entwickeln wollte und einen Abzug machen wollte, den ich 2 Monate zuvor (!) im Urlaub belichtet hatte:
    Der sagenumwobene Kodak Technical Pan. Ein S/W Film, der aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten dirch die USA über Jahrzehnte mit einem Exportverbot belegt war – denn er war höchstauflösend: bis zu 1000 Linien pro mm!
    Es gab Tricks, wie man den 12 ISO Film (KEIN TIPFEHLER!) mit Neofin Doku auf 25 ISO „pushen “ konnte.

    Als ich mit dem damals zur Verfügung gestellten top-Vergrößerer inkl. Dem damals besten Vergrößererobjektiv (Rodenstock Apo-Rodagon) mit einer Lupe die Fokussierung bei einem Abzug auf Postergröße einstellen wollte, sah ich immer noch kein Korn!

    Wahnsinn…

    Die Abzüge sind wunderbar geworden…

    Zusammenfassung:
    Ich vermisse keinen Moment der stundenlangen Exposition mit stark gesundheitsschädlichen und umweltschädlichen Chemikalien – aber die analoge Fotografie hat mich durch die damit verbundene Beschränkung der Ressourcen „auf die harte Tour“ geschult.
    Framing damals bei Dias hieß: in dem Moment der Auslösung hat man sich festgelegt. Ist nix mit Beschneiden, der Diarahmen lässt das Licht auf 24×36 mm durch. Basta!
    Film eingelegt hieß: mit der Filmempfindlichkeit musst Du jetzt hinkommen! Du kannst bei der Filmentwicklung zwar pushen, aber damit veränderst Du nicht nur dieses eine Foto, sondern ALLE 36 Bilder auf der Kleinbild-Filmrolle!

    Ich bin total begeistert vin den heutigen Möglichkeiten der digitalen Fotografie, aber ich bin auch dankbar für die „harte Schule“ durch die vielen Limitationen der analogen Fotografie, welche einen dazu zwang, VOR dem Auslösen die (hoffentlich) richtige Entscheidung zu treffen.

    Das prägt, das schult – und wenn man heutzutage darauf verzichtet, sich das geschossene Bild anschliessend anzuschauen und es erst dann zuhause anschaut, wenn man es nicht noch einmal machen kann, der kann diese harte, analoge „Schule“ auch im digitalen Zeitalter nutzen, um sich und seinen fotografischen Blick zu schulen.
    In diesem Sinne
    Allen gutes Licht und den rechten Blick für den präzisen Schuss.

    DWL

  • Lieber Peter Roskothen.
    Beim lesen dieses Beitrags laufen mir (77) die Tränen über das Gesicht. Entschuldigung. Genau so habe ich beim meinem Opa vor 68 Jahren das Handwerk gelernt. Dieses Ambiente mit seinen besonderen Düften zieht gerade durch meine Nase. Seit einigen Wochen bin ich genau wieder an diesem Punkt und belichte und entwickle immer wieder gerne eine 120er Rolle. Was heute digital möglich ist kenne ich aus dem beruflichen PhaseOne Alltag, aber meine innere Seele berührt nur dieses analoge Erlebnis. Genau so, wie das genüssliche aufziehen einer mechanischen Taschenuhr liebe ich auch den Sound von Verschluss und Spiegelmechanik einer hochwertigen DSLR. Mit dieser Liebe entstehen auch meine Fotos in Ruhe und Gelassenheit.

  • Lieber Peter,

    vielen Dank, dieser emotionale Beitrag ist das Stückchen Zart-Bitter Schokolade des heutigen Tages!

    Deinen Ausführungen, wie auch denen der anderen Kommentatoren, möchte ich gerne ein paar eigene Gedanken anhängen:

    Schwer tue ich mich damit, dem “Früher-Heute” dieses “Besser-Schlechter” gleich mit anzuhängen. Zugegeben, auch mir kommen so Gedanken in den Sinn, das früher alles besser war, und sich die aktuellen Qualitäten nur wertschätzen lassen, wenn man entweder die alten Umstände erlebt hat, oder sich zu den heutigen hingelitten haben mag. Die Kunst wird sein, so wie du, aus der Großartigkeit deiner Lebens- und Fotoerfahrung heraus damit nicht hinter dem Berg zu halten, sondern davon zu berichten. Oder besser noch, es vorzumachen. Denn dieses evolutionäre Weiterreichen von Wissen und Erfahrung hat zunehmend seinen Platz verloren. Der war früher der Tisch der Großfamilie, oder der 4-Generationen-Handwerksbetrieb. Ich mag es daher sehr, wenn an solchen top-modernen, hochtechnisiserten Stellen wie *fotowissen Raum geboten wird, um zu erzählen, wie Dinge waren, und was Geschichte für einen Anteil hat an dem, was ist. Dem wachen Geist gibt das viel! Wir dürfen denen, die deutlich jünger sind, kein schlechtes Gewissen machen, weil sie keine Dunkelkammer kennen, oder einen Unterbrecherkontakt eher bei Paarship vermuten. Denn das ist nur ein anderer, zeitversetzter, ebenso einmalig genialer Lauf der Dinge.

    Gut finde ich, wie du den Bogen schlagen kannst bis hin zur heutigen Jugend, und deine Angebote diesbzgl. spiegeln ja genau das, was ich meine. Die Freude an einer gemeinsamen Sache, aus völlig unterschiedlichen Welten heraus.

    Das erste Foto in der Gasse in Frankreich ist übrigens zum Niederknien… ;-)

    Freundschaftliche Grüße,

    Dirk Trampedach

  • Lieber Herr Roskothen,

    Ihre Reminiszenz aus dem Reich der analogen Fotografie habe ich genüsslich gelesen. Versetzte sie mich doch selbst in jene Zeit zurück, als ich vor 51 Jahren meine ersten fotografischen Gehversuche machte. Damals hatte sich wohl niemand vorstellen können, mich eingeschlossen, was es in mir auslösen würde, als man mir eine erste Knipse, überwiegend aus Plastik, schenkte.

    Mein fotografischer Weg war allerdings keineswegs kontinuierlich und schon gleich alles andere als ansteigend. Es gab auch zu viel weitere mich sehr anregende Interessengebiete, die Musik zum Bleistift. Erst als ich mir mit ca. 17 Jahren meine erste eigene Kamera kaufte, eine Canon AE1, begann ich mich mit der Technik und Physik eingehender zu beschäftigen und es kristallisierten sich schnell zwei Schwerpunkte heraus – Nah-/Makro- und Portraitfotografie.

    Obgleich mich ein Man Ray sehr ansprach, ein Ansel Adams natürlich auch, entwickelte ich erst deutlich später ein reges Interesse für die S/W-Fotografie und somit auch für die selbständige Entwicklung. Aber und das zieht sich bei mir bis heute durch, Farbe bedeutet für mich nicht bunt. Schon immer hatte ich ein Hang zum eher monochromen Bild. Geometrie und Strukturen lassen sich so schlicht eindeutiger darstellen, was ja ein Wesensmerkmal der S/W-Fotografie ist und das sagt einer, der den Fuji Velvia 50 lieben lernte. ;-)

    Dennoch konnte ich der Filmentwicklung nie viel Leidenschaft abgewinnen, der Belichtung auf unterschiedlichen Papieren schon eher, aber auch das hielt sich in Grenzen. Mir waren Filmwahl, Ausschnitt und Belichtung zu steuern wichtiger. Überlegt fotografieren, vielleicht trifft es “gezielter” besser, war mein Fokus, was ich leider über die Digitalfotografie lange Zeit viel zu sehr vernachlässigte.

    Mit Einzug der digitalen Fotografie überwältigte auch mich die Möglichkeit des nahezu kostenfreien Bildüberflusses. Doch wurde ich dadurch besser?!
    Keineswegs und zu allem Überfluss verlor ich über die Durchsicht der Bilder, was ich zuvor beim Auslösen an Konzentration und Zeit einzusparen geglaubt habe. Es brauchte lang mir das einzugestehen.

    Kurz um, auch ich will nicht behaupten das zu analogen Zeiten alles besser war. Das war es ganz sicher nicht, aber es war (selbst)bewusster, genussvoller, sinnlicher und vielleicht sogar seelisch gesünder. Zu dieser Überzeugung gelange ich, wenn ich mir die beiden hedonistischen Strömungen der Antike vor Augen halte. Es war ein Epikur der dem Orgiastischen eines Aristippos von Kyrene das Mäßigende und somit für meine Begriffe Befriedigendere entgegen hielt.

    Herzlichen Dank für Ihre Anregung, Herr Roskothen
    Mark Kant

  • Lieber Herr Roskothen,
    das war mal wieder ein toller Bericht aus Ihrer Feder – über Ihre ersten Berührungen mit der Fotografie! Klar, die typischen Erlebnissen rund um die “Dunkelkammer” gehören dazu: Einfädeln des Films in völliger Dunkelheit, 3-Bäder Abläufe in der Dunkelkammer bei Rotlicht / Grünlicht, Staub auf Filmmaterial und dessen Konsequenzen beim Vergrößern etc.etc. Ich wagte mich dann noch einen Schritt weiter, nämlich zur Farbentwicklung mit ILFORD Produkten. Als die erste Vergrößerung in zumutbaren Farben aus der Trommel kam war ich stolz und glücklich zugleich, dies hinbekommen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt war die techn. Weiterentwicklung der Photographie bereits in vollem Gange. Das mache ich fest an unserem Familienalbum und den ersten Aufnahmen aus den 1860-er Jahren der Familie. Meine Oma erzählte mir, daß der Photograph damals die Köpfe der Abzulichtenden mit Holzhalterungen am Hals von hinten stabilisieren musste, um Verwacklungen wegen der damals langen Belichtungszeiten zu verhindern. Das erklärt auch die meist ernsten Gesichter auf alten Aufnahmen- die Leute durften sich ja über Sekunden nicht bewegen.
    Bei mir begann das Abenteuer Dunkelkammer 1959 mit 24x36mm, später dann 6x6cm bis 6x9cm. Der absolute Knaller waren Versuche mit einer alten Plattenkamera und “Glasplatten Film” in s/w, 9×12 cm. Damit gelangen Portraits besonders gut, da die Filme m.E. “weicher” aufzeichneten als normales Filmmaterial. Vielleicht lag es auch am Entwickler. Nach wie vor besitze ich eine Reihe von Büchern des Altmeisters Anselm Adam, wie “The Negative” und “The Print” oder auch “Examples – The Making of 40 Photographs” und weitere.
    Ansel Adams verstarb 1984 im Alter von 82 Jahren. Er verstand sich als Photograph wie auch als Wissenschaftler und hat uns Jüngeren ein überaus wertvolles Erbe hinterlassen. Seine Welt war 100% analog. Wo stehen wir heute, gerade einmal 37 Jahre später? Seine Erkenntnisse finden heute nach wie vor Anwendung in digitalen Kameras, wenn wir z.B. an das “Zonensystem” denken, also an die Fähigkeiten heutiger Sensoren, Bilddetails über viele Stufen von weiß bis schwarz aufzeichnen zu können.
    Wie in jeder anderen Technologie, baut auch in der Fotografie eine Generation auf den Erfahrungen der Vorgeneration auf. Mir scheint, diese Entwicklung verläuft exponentiell. Was sich bzgl. der Fotografie seit Ansel Adams ergeben hat und nach wie vor ergibt, ist einfach sensationell. Wir müssen nicht mehr eine Woche warten, bis die Abzüge / DIAs vom Labor zurückkommen, brauchen uns wegen der Filmkosten keine Gedanken mehr zu machen, ja können sogar z.T. missglückte Aufnahmen noch retten und vieles, vieles mehr, von der Hardware ganz zu schweigen. Insoweit sehe ich weniger ein “Früher war alles besser” als vielmehr die Freude , an all den vielfältigen Neuerungen und Verbesserungen dieser Industrie teilhaben zu dürfen. Heute können wir alte wie hochmoderne Techniken und Software einsetzen, Produkte und Stilrichtungen nicht nur verwenden sondern auch miteinander verbinden. Der Kreativität sind kaum noch Grenzen gesetzt. Die Leica Q2 Monochrom ist dafür ein gutes Beispiel, wie von Ihnen unlängst besprochen. Jedem steht die Fotografie offen. Das ist die gute Nachricht. Was wir daraus machen, liegt an uns selbst. Und darum liebe ich Ihren Newsletter so: Sie sprechen immer wieder Themen an, die uns nachdenken lassen. Ich freue mich auf weitere Denkanstöße.
    Danke, Herr Roskothen und beste Grüße,

    Ihr Roland Gosebruch

Journalist, Fotograf, Fototrainer Peter Roskothen

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