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Fotografie als Medizin #2

Fotografie als Medizin #2 4-1

Dezember 2022 – Meilen und Steine: Nachfolgend die Fortsetzung zu meinen Gedanken: „Fotografie als Medizin“ (Teil #1), veröffentlicht auf *fotowissen.eu im Juli 2021. Einige Gedanken entstanden beim Lesen des Buches von Sean Tucker: „Sinn in der Kreativität finden“, welches ich jedem ans Herz legen kann. Andere Gedanken entstanden während den Vorbereitungen zu einer Foto-AG in einer Brückenschule. (Brückenschule, Wiesbaden)

Fotografie als Medizin #2

Manche Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene fühlen sich von der Sprache entfremdet und haben so weder die Möglichkeit noch den Raum für die Suche nach ihrem Selbst. Fotografien können helfen, ihrem Inneren Ausdruck zu verleihen und so auch ein Teil ihrer Sprache, ihrer Ausdruckskraft werden.

Wie auch die Sprache, die wir auf zwei Arten verwenden:

  • Erstens verwenden wir die Sprache, um den Menschen, mit denen wir sprechen, die gewünschte Reaktion zu entlocken, ungeachtet der Richtigkeit des Gesagten.
  • Zweitens verwenden wir die Sprache, um Wahrheit zu vermitteln, auch auf die Gefahr hin, dass sie ein negatives Echo hervorruft.

Haben wir die Wahl in der Kunst. Wie möchten wir unsere künstlerische Stimme einsetzen? Wollen wir eine positive Reaktion bei anderen hervorrufen, indem wir ihnen zeigen, was sie sehen wollen? Oder wollen wir mit dem, was wir machen, unsere eigene Wahrheit ausdrücken, auch wenn die Reaktion der Leute nicht die ist, wie wir uns wünschen?

Auch bei den folgenden Fotografien, geht es mir, schon wie im ersten Teil, nicht um das perfekte Ablichten von Motiven um uns, sondern dem Entdecken von Momenten in uns.


Tipp: Sinn in der Kreativität finden:


 

Meilen und Steine

Jeder Mensch erfindet früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält. Wir können nicht nur aktiv unser Leben gestalten, sondern auch aktiv und bewusst unsere Lebensgeschichte über das Vergangene mit unseren Augen schreiben. Wir können unsere eigene Biografie aus unserer aktuellen Lebenslage bzw. Lebensphase neu verstehen. So schreiben wir unsere Geschichte immer wieder neu – mit Blick in die Zukunft, aber auch mit Blick in die Vergangenheit. In unserem Leben gibt es Meilensteine, die unser Leben verändert haben. Wir sollten aber verstehen, dass diese Meilensteine keine Fixpunkte sind. Unser Verständnis zu ihnen kann im Laufe der Zeit wechseln.

Ich möchte Sie hiermit einladen, etwas Zeit Ihres Lebens mit dem Betrachten der Fotografien zu verbringen.

01 “Gesellschaftsspiele”

“Ein Teil unserer Gesellschaft wird “verbrannt” durch Vorurteil und Ausschluss. Ich glaube, dass wir uns dahin gehend stets prüfen müssen. Vieles geschieht auch unbewusst. Ein Lauf gegen die Zeit, sonst gibt es früher oder später den “Brand” hier. Die Bildung – insbesondere der Fähigkeit zur Selbst- und Gesellschaftskritik auf beiden Seiten – entscheidet, was Du glaubst und siehst. Für mich ist Bildung das wichtigste Instrument für die Bewahrung der Zukunft.”

[Sven von Werner]

Fotografie als Medizin #2 0-1

02 “Das Kinderparadies”

“Regen fällt, kalter Wind
Himmel grau, Frau schlägt Kind
Keine Nerven und so allein
Das Paradies kann das nicht sein.

Warum hast Du mich gebor’n
Bevor ich da war, war ich schon verlor’n
Land der Henker, Niemandsland
Das Paradies ist abgebrannt.”

[Purple Schulz, Sehnsucht]

Fotografie als Medizin #2 0-2

03 “Offensichtlich”

“Traust du dich hinaus?
Traust du dich hinein?
Was könnte dein Verlust, was dein Gewinn wohl sein?
Und gehst du hinein, gehst du nach links oder rechts?
Oder nach rechts und dreiviertel?
Oder tust du doch nichts?
Du rennst los,
Bist ganz bang,
Durch verschlungene Wege,
Gefährlich und lang,
Und schindest Dich
Mühsam
Durch Wildnis hinfort
An einen, Ich fürchte,
Völlig nutzlosen Ort.”

[Wie schön! So viel wirst du sehen! Dr. Seuss, Der Warteort]

Fotografie als Medizin #2 0-3

„I had a dream“

 

“Life Cycle – Ligths, Curves and empty Waves”

 

“Men and Bricks”

 

“Paths and Goals”

 

“Resilience”

Meine Gedanken zu “Meilen und Steine”

Wir müssen uns frei davon machen, zu denken, dass wir Hier und Heute alles richtig machen. Uns stets selbst zu prüfen, die eigenen Werte zu hinterfragen bzw. unseren Weg zu prüfen, muss tägliche Aufgabe sein. Hierzu bedarf es Bildung, welche auch unsere Wirkungen auf andere nicht aus den Augen verliert. Die Zukunft eines Menschen darf nicht zum Spielball unserer Gesellschaft werden.

Schicksalsschläge verändern unser Leben, doch nie kann uns die Möglichkeit genommen werden, uns zu einer Situation so oder so zu positionieren. Bedenken wir, Geschehenes können wir nicht ändern, wohl aber unsere Einstellung dazu. Lassen Sie uns nicht Opfer, sondern Täter unseres Schicksals werden. Diese Erkenntnis nimmt uns aber nicht nur unsere Unschuld, sondern vertreibt uns auch aus dem Paradies der ach so bequemen Verantwortungslosigkeit.

So ist es dann auch keine Gefahr sich für einen Schritt, für einen Weg zu entscheiden. Ja, Türen mögen hinter uns zufallen, aber jeder Raum, den wir durchschreiten, hat neue Türen, hat neue Möglichkeiten. Insofern ist es nicht schlimm eine falsche Entscheidung zu treffen, viel schlimmer wäre es, keine Entscheidung zu treffen.

So manchen Traum heben wir für später auf, allerdings wissen wir tief in unserem Inneren, unsere schönsten Träume in die Zukunft zu schieben, heißt, sie aufzugeben.

Wir ignorieren, dass das Licht, was uns gegeben wurde, nur begrenzte Leuchtkraft im Hier und Heute hat. Sehen Sie all die leeren Stühle, die einmal besetzte waren …. So wie der unsere, der in nicht allzu ferner Zukunft ebenfalls wieder unbesetzt sein wird.

Lassen Sie uns hinausgehen, in den Tiefen in unserem Selbst Kraft schöpfen und nicht an den Ufern der Belanglosigkeit verharren. Es wird immer Situationen geben, die uns zu schaffen macht, die uns zwingen eine weitere unbequeme Meile zu gehen. Doch lassen Sie uns nicht jene vergessen, die nicht gehen können. Lassen Sie uns nicht helfen, um des Gesehen Werdens. Hinterfragen Sie das Licht Ihrer Werte mit: „Was würden Sie tun, wenn es niemand mitbekommen würde? Was würden Sie lernen, wenn es keine Prüfungen gäbe? Wem würden Sie helfen, wenn es keinen Dank gäbe?” … Lassen Sie den Stein der Eitelkeit fallen.

Wege können verschlungen oder geradlinig sein. Richtig gelebt, werden es aber Ihre Wege sein. Wege, die Sie an ihr Ziel bringen – Auch wissend, der beschwerlichste Weg ist jener, der über Ihr Selbst führt.

Und so ist es nicht das Umfeld, dass Sie und Ihr Leben ausmacht, sondern es sind Ihre Wurzeln.  Ihre Wurzeln geben Ihnen Halt und Widerstandskraft. Seien Sie sich bewusst, mit den Wurzeln Ihrer Werte und Ihrer echten Liebe zu Menschen, können Sie leben, auch wenn es scheint, dass das Umfeld lebensfeindlich ist.

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© Bernhard Labestin – Fotografie als Medizin #2

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Bernhard Labestin

Bernhard Labestin hat auch Artikel im Onlinemagazin „Fujilove“ veröffentlicht und stand verschiedenen Content Creatorn auf Youtube, als auch dem Photokinakanal „Imagin Friends“ für Interviews zur Verfügung. Für Fujifilm.de testete er die GFX100s auf einer Tour über dem Polarkreis.

In dem Wissen, dass ein beruflicher Werdegang in der Kunstbranche notwendigerweise Kompromisse für den Markt mit sich bringen und somit seinen in der Fotografie realisierbaren Freiheitsdrang einschränken könnte, entschied sich Bernhard Labestin für eine Laufbahn im Berufsfeld der Naturwissenschaften. Die Kamera blieb dennoch seine ständige Begleiterin: Seit 40 Jahren darf für Naturdokumentationen seine Fotoausrüstung trotz begrenztem Reisegepäck auf seinen Solo-Trekking-Touren über den Polarkreis nicht fehlen.
In seinem anderen, künstlerisch ausgerichteten fotografischen Feld, welches er "Neue Emotionale Sachlichkeit" nennt, geht es ihm darum, die Welt in uns zu entdecken und uns mit unseren Emotionen und Gedanken beobachtend auseinanderzusetzen. Unser Selbst aus dem Motiv heraus zu entwickeln und den Keim unseres authentischen Selbst wieder freizulegen, welcher durch Konditionierungen und Sozialisierung im Laufe unseres Lebens vergraben wurde. (www.nes-lichtbilder.de)

Bernhard Labestin gestaltet seine Werke mit: Fuji x-pro 2, Fuji GFX50s, GFX 100 II und analog im Mittelformat mit einer Pentax 67.

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Journalist, Fotograf, Fototrainer Peter Roskothen

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