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Fotoausstellung “Nach August Sander” – Museum für Gegenwartskunst Siegen

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Ich habe für Sie die Ausstellung Nach August Sander“ besucht und möchte sie Ihnen empfehlen. Neben wissenswerten Informationen rund um den Ausstellungsort, den Künstler & die Ausstellung, vermittle ich Ihnen auch meine fotografischen Ergebnisse:

Fotoausstellung Nach August Sander

Museum für Gegenwartskunst Siegen

Die Ausstellung „Nach August Sander“ läuft vom 28.01. – 29.05.2022, und befindet sich im Museum für Gegenwartskunst in Siegen. Von der Architektur her unterscheidet sich das Museum für Gegenwartskunst durch einen alten, und einen neuen Gebäudeteil. Der alte Teil entspricht dem 1894 errichteten Telegrafenamt Siegen. An diesen angeschlossen, errichtete man einen Neubau samt freigestellter Betonwand. Auf dieser ist ein Video-Großbildschirm installiert.

Im Museum dauerhaft beheimatet ist die Sammlung Lambrecht-Schadeberg. Diese bezieht sich in ihrem Konzept auf den Rubenspreis der Stadt Siegen. Der Namensgeber dieses Preises ist der bekannte Maler Peter-Paul Rubens, der in Siegen geboren wurde. Das Museum versteht sich als Museum der Gegenwartskunst von der Malerei über die Fotografie und Videokunst bis hin zu raum- und zeitbezogenen Installationen. Wegweisende Ausstellungen haben in der jüngsten Vergangenheit die Themen und Strategien der internationalen Gegenwartskunst verstärkt in den Blick genommen.

Das Siegener Museum für Gegenwartskunst wurde 2011 vom internationalen Kunstkritikerverband dafür ausgezeichnet, dass es als Museum Gegenwart in der Vergangenheit, bzw. die Vergangenheit in der Gegenwart sucht und findet. Letztlich ist die aktueller Ausstellung „Nach August Sander“ ein weiteres, sehr gelungenes Beispiel für eben diese Kompetenz des Hauses.

Person August Sander

Der Fotograf August Sander stammt aus dem kleinen Ort Herdorf, und gilt als eine weltbekannte, und doch regional verankerte Persönlichkeit des Großraumes Siegen/Westerwald. Dank seines Onkels, der ihm zur ersten Kamera verhalf, konnte sich August Sander schon früh der Fotografie widmen. Bei dem Siegener Fotografen Siebel bekam er Gelegenheit, auf diesem recht neuen Gebiet Erfahrungen zu sammeln. Spätere Stationen seines fotografischen Wirkens sind Trier, Berlin, Dresden, Halle, Magdeburg, Leipzig, und Linz in Österreich. Dort findet auch 1906 seine erste Einzelausstellung statt. Seine nächste große Wirkungsstätte ist Köln, wo er um 1910 ein Fotostudio eröffnet. Lange Jahre verbrachte August Sander in Köln, und fertigte dort in einem Langzeitprojekt etliche hundert dokumentarische Fotografien der Stadt an. Köln als Wohnort, mit seiner Nähe zum Westerwald, führt schließlich aber auch dazu, seine immens umfänglichen Werke entstehen zu lassen, die später auch einfließen in „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Eine Ausstellung dazu findet 1927 mit über 100 Fotografien statt. Später beteiligt sich Sander an Ausstellungen zur neuen Fotografie der Gegenwart in Magdeburg, Basel, München, Hagen, und Amsterdam. Der WDR überträgt 1931 eine 6-teilige Reihe „Wesen und Werden der Fotografie“, in der A. Sander sein Verständnis von Fotografie formuliert.

1936 werden große Teile seiner Exemplare zu „Antlitz der Zeit“ von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und die Druckstöcke zerstört. August Sander siedelt um in den Westerwald, sein Atelier in Köln fällt den Bomben zum Opfer. Wichtige Teile seines Archivs können gerettet werden. 1946 vernichtet ein Brand in der Kölner Wohnung 25.000 Negative. Sander fotografiert währenddessen im Westerwald unter erschwerten Bedingungen weiter. 1951 werden auf der zweiten „Photokina“ in Köln seine Fotografien gezeigt. 1955 nimmt er auf Einladung von Edward Steichen (Direktor der Fotografischen Abteilung, Museum Of Modern Art, NY) an der Foto- und Wanderausstellung „The Family Of Man“ teil. Er wird 1958 Ehrenbürger seines Geburtsorts Herdorf. 1960 erhält er das Bundesverdienstkreuz, und 1961 den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Fotografie. Sander, der 1964 in Köln verstirbt, zählt ganz sicher zu den wichtigsten und einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, die für die Geschichte des Genres Portraits in der Fotografie stehen. Er erschuf sozusagen das Portrait einer ganzen Gesellschaft, bei der es ihm um das Wesen des Menschen in Beziehung zur Gemeinschaft ging. Seine Bilder sind in der dokumentarisch-sachlich-konzeptuellen Fotografie beheimatet.

 

Choreografie und inhaltlichen Ausrichtung der Ausstellung „Nach August Sander“

Beeindruckend gut gelungen präsentiert sich die gesamte Ausstellung den BesucherInnen. Im Kern der Ausstellung sind in 2 Räumen die wunderbaren Portraits von August Sander ausgestellt. Kleine Texttafeln helfen bei der Orientierung, um welche Berufsstände, Gesellschaftsschichten und/oder welche einzelnen Personen es sich jeweils handelt. Die Anordnung in den großzügigen Sälen läßt zu, mit ausreichend Abstand sowohl einzelne Fotografien, wie auch die Serien insgesamt zu betrachten.

Auffällig sind bei nahem Herantreten die teilweise ungewöhnlichen Schärfeverläufe der Fotos. An etlichen Portraits ist zum Beispiel die Hand des Protagonisten, oder eine Stuhllehne leicht schärfer, als das Gesicht selbst. Beachtlich ist die überwiegend ausgewogene, sehr präzise Belichtung. Schaue ich mir den Verlauf der Grautöne an, ist das bei vielen Fotos so, als hätte er in dieser frühen Phase der Fotografie mit so etwas wie dem Zonensystem von Ansel Adams gearbeitet. Der “erfand” das allerdings erst, als August Sander lange berühmt war. Diese 70 ausgestellten Fotografien von Sander waren übrigens schon in den 1960er Jahren erstmals in Siegen zu sehen. Zum 20. Geburtstag des Museums für Gegenwartskunst hat Frau Barbara Lambrecht-Schadeberg sie dem Museum als Geschenk überreicht.

Die Ausstellung „Nach August Sander“ verbindet sein fotografisches Werk mit einer gegenwärtigen Perspektive von 13 Künstlern*innen, deren Werke sich wunderbar arrangiert in den weiteren Räumen des Gebäudes befinden. Die Ausstellung vollzieht den Sprung aus der Epoche Sanders´ über 100 Jahre hinweg in die heutige Zeit. Die komplett veränderten Lebensumstände und -auffassungen werden so sichtbar gemacht. Die Ausstellung „Nach August Sander“ wurde daher nicht im historischen Spektrum seiner Fotografie belassen, sondern durch Skulpturen und moderne Videoinstallationen in einen ganzheitlichen Zusammenhang gestellt.

Spannende Ausstellung

Die hoch interessante und spannend gemachte Ausstellung ermöglicht es so, nicht nur visuell die Fotografien zu betrachten, sondern in Form der Videos, und durch Nutzung ausgelegter Kopfhörer, der Ausstellung zu folgen. Es wird so plastisch möglich, der Entwicklung von gestern nach heute auch technisch zu folgen. Die Beiträge von August Sander, Mohamed Bourouissa, Jos de Gruyter & Harald Thys, Hans Eijkelboom, Omer Fast, Soham Gupta, Sharon Hayes, Bouchra Khalili, Ilya Lipkin, Sandra Schäfer, Collier Schorr, Tobias Zielony und Artur Zmijewski schlagen einen gut dosierten, höchst vielseitigen Bogen aus der Vergangenheit ins Jetzt. Das gelingt dem Arrangement wundervoll. Am Ende des Besuchs bleibt der Eindruck, dass kein einziger der Künstlerinnen und Künstler mit den jeweiligen Werken hätte fehlen dürfen. Die Ausstellung als Gesamtkonzept ist einfach nur genial. Als Kurator war übrigens Thomas Thiel (Direktor & Geschäftsführer MGK) tätig.

 

Fazit Fotoausstellung “Nach August Sander”

Wer dem Leben und Schaffen von August Sander inhaltlich und fotografisch folgen möchte, ist mit der Ausstellung „Nach August Sander“ bestens beraten. Abgesehen von dem großartig inszenierten Teil der Ausstellung, die seine Fotografien betrifft, wird aber auch sehr wirkungsvoll vermittelt, in welchem Kontext sein Schaffen und Denken zur heutigen Zeit, zur heutigen Kunst steht. Durch die bestens ausgewählten und installierten Werke dieser 13 Künstlerinnen und Künstler der aktuellen Zeit entsteht so eine umfassende Präsentation, die überaus verständlich zeigt, dass man die jeweilige Kunst nicht losgelöst und ausschließlich gegenwärtig betrachten sollte. Denn in all´ den historischen Fotografien zeigt sich ein Bezug zur lebendigen Gegenwart, und auch die modernen Werke und Skulpturen der anderen Künstlerinnen und Künstler nehmen die Betrachtenden mit hinaus in eine Vergangenheit, ohne die es all das nicht gäbe.

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Für mich waren die Eindrücke und Informationen sehr bereichernd, und sollten sie Zeit und Muse verspüren, in eine aktuell laufende Ausstellung zu gehen, möchte ich ihnen “Nach August Sander”, Museum für Gegenwartskunst, Siegen, sehr ans Herz legen.

Die Fotos dieses Artikels sind entstanden mit der FUJIFILM X-T2, sowie dem FUJINON Xf 16mm 1,4. Ausgelöst habe ich ausschließlich aus der Hand. Abgesehen vom dokumentarischen Charakter der Fotos ging es mir auch darum, die Fotografie als solche dabei nicht aus dem Auge zu verlieren. Die Kamera war eingestellt auf ISO-Automatik & Belichtungsautomatik. Einzig die Blende habe ich frei gewählt, bzw. gelegentlich noch die Belichtungskorrektur benutzt. Alle Fotos (JPEG) sind ohne zusätzlichen Blitz belichtet, und das mit der FUJI-Filmsimulation “Classic Chrome”. Zuzüglich zum Bildaufbau habe ich ganz bewußt noch einmal verschiedene Formate eingesetzt.

Als besonders erwähnenswert möchte ich die Tatsache anführen, dass die Leitung des Museums für Gegenwartskunst/Siegen auf meine Anfrage bzgl. Fotos/Artikel im Vorfeld stark interessiert war und besonders entgegenkommend reagiert hat. Dafür an dieser Stelle meinen ausdrücklichen Dank! Für ihr Interesse an meiner Fotografie und ihre Aufmerksamkeit für meinen Artikel möchte ich mich ebenfalls bedanken!

Meine Buch-Empfehlungen (Links zu Amazon)

Menschen des 20. Jahrhunderts >>

Antlitz der Zeit >>

August Sander >>

August Sander – Köln wie es war >>

 

Link zum Museum

Museum für Gegenwartskunst in Siegen >>

Fotoausstellung "Nach August Sander" - Museum für Gegenwartskunst Siegen - *fotowissen

© Dirk Trampedach Journalist und Fotograf – Fotoausstellung “Nach August Sander”

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Geschrieben von:

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Dirk Trampedach

Eine Geschichte, ein Bild, eine Stimmung. Erlebnisse, Schreiben und Fotografieren, das hängt für mich unmittelbar zusammen. Große Bereiche, denen ich mich widme, sind Reise, Natur, Landschaften, Street Photography, sowie Stories um klassische Automobile und deren Besitzer. Wenn Sei mehr über mich erfahren möchten: dt-classics.de.

5 Kommentare

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  • Guten Morgen Herr Trampedach,
    vielen Dank für Ihren ausführlichen und sehr inspirierenden Bericht über August Sander, den Ausstellungsort und die aktuelle Ausstellung Nach August Sander. Ihr Bericht und Ihre Fotos machen wirklich Lust, die Ausstellung zu besuchen. Leider ist für mich die Entfernung zu weit. Also habe ich mich inspiriert durch Ihren Bericht gern an eine von mir vor etlichen Jahrzehnten besuchte August Sander Ausstellung erinnert. Und ich habe mit Freude die an der Ausstellung beteiligten zeitgenössischen Künstler gegoogelt.
    Große Klasse finde ich Ihre Treppenhaus Fotos, wirklich sehr gelungen.
    Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Sonntag
    sfo

    • Sehr geehrter sfo,

      ihr Kommentar freut mich ungemein, herzlichen Dank dafür! Klasse, wenn sie schon vor längerer Zeit die Gelegenheit hatten, eine Ausstellung von A. Sander anzuschauen. Die anderen 13 KünstlerInnen sind in jedem Fall einen Blick wert, schön, wenn ihnen deren Werk und Wirken auch gefallen hat.

      Die nette Beurteilung meiner Treppenhaus-Fotos nehme ich als Motivation für Weiteres gerne an, auch dafür einen lieben Dank!

      Ihnen eine gute Zeit, und mit den besten Grüßen,

      Dirk Trampedach

    • Ein Hallo nach München!

      Es gibt ein mehrseitiges Hand-Out, dass im Museum ausliegt, und die BesucherInnen bei der Ausstellung unterstützend mit Informationen versorgt. Die Kenntnis, ob es darüber hinaus eine Ausgabe gibt, die als Katalog o.ä. zu bekommen ist, liegt mir leider nicht vor, ich habe dergleichen aber auch vor Ort nichts wahrgenommen.

      Herzliche Grüße, Dirk Trampedach

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