Wenn ich mit der Kamera herausgehe, dann ist die digitale oder entschleunigte analoge Fotografie pure Meditation für mich. Was auch immer Sie von der analogen Fotografie wissen, die Fotografie auf Film ist wieder auf dem Vormarsch. Ein paar Hintergründe und eine Motivation zur Slow-Photography:
Analoge Fotografie ist pure Meditation
Auch die digitale Fotografie kann Meditation sein. Man fühlt sich erfüllt und erfrischt, nachdem man auf Fototour war. Der Fokus lag auf der Fotografie, man dachte nicht an das Gestern oder das Morgen. Weder Planung noch Ablenkung sind erwünscht, wenn wir uns auf die Technik des Fotografierens, die Bildgestaltung und das Motiv konzentrieren. Wir werden bestenfalls eins mit der Kamera und der Umgebung.
So geht es mir, wenn ich fotografiere. Nein, nicht so sehr bei einem geschäftlichen Fotoshooting wie Imagefotos, Bewerbungsfotos oder der Hochzeitsfotografie. Aber wenn ich privat fotografiere, Themen suche oder einfach nur die Natur in Bildern festhalte, dann entspanne ich.

Teezeremonie und Plattenspieler
Was hat die Fotografie mit einer Teezeremonie und dem Plattenspieler gemeinsam? Erst heute sagte meine liebe Freundin und Coautorin Jeannette, dass auch die Teezeremonie entschleunigt. Das ist der Sinn und Zweck der Zeremonie: Zu sich selbst zu finden.
Gleich darauf verglich Jeannette die analoge Fotografie mit dem Plattenspieler. Auch der Plattenspieler war zunächst mit der Audio-CD, spätestens seit digitalen Streamingdiensten für tot erklärt worden. Ist der Plattenspieler tot? Nein, der Plattenspieler erlebt ein Revival, genau wie seit wenigen Jahren die analoge Fotografie.
Woran das liegt? Die Schallplatte, die wir vorsichtig an den Rändern aus der Hülle nehmen und die nach etwa 25 Minuten umgedreht werden will, ist eine wunderschöne Alternative zum Musikhören aus dem digitalen Speicher. Manchmal knistert es, in jedem Falle ist es ein akustischer Ohrenschmaus, der nicht mit der digitalen Musik zu vergleichen ist.

Zurück zur Analogen Fotografie
Ähnlich verhält es sich mit dem guten alten Film, der nach 12, 24 oder 36 Bildern zu Ende geht. Es entstehen andere Foto-Ergebnisse, auf die manche Fotografen schwören. Einen echten Farbfilm oder Schwarzweißfilm kann man nur schwer digital sublimieren. Das Korn ist besonders schön und kann eine Fotografie erst richtig zur Geltung bringen. Die Kontrasteigenschaften, die Farben, alles ist anders im analogen Film von Kodak, Ilford, Fujifilm oder anderen.
Eine analoge Kamera liegt in manchen Haushalten noch herum. Ansonsten bekommen Sie für wenig Geld eine Gebrauchte oder gar Neue bei Ihrem Fotofachhändler aus der Vitrine. Wer schon immer mal besser fotografieren wollte als im Kleinbildformat, der findet heute hervorragende gebrauchte analoge Mittelformatkameras wie eine Rolleiflex, Mamyia oder Hasselblad für Preise ab EUR 300,-. Nein, das sind keine kleinen und leichten Kameras, wohl aber besonders schöne technische Werkzeuge, die noch eine Seele zu haben scheinen.
Analoge Meditation
Was Sie beim Kauf der Analogen und anschließendem Film Einlegen erhalten, ist eine entschleunigte Fotografie und pure Meditation. Sie überlegen sich beim Fotowalk dreimal, ob Sie abdrücken, wenn Sie wissen, dass Ihr Rollfilm 120 nur 12 Aufnahmen zulässt und überdies noch Geld kostet. Sie werden plötzlich wieder über die genaue Gestaltung nachdenken, das Motiv beobachten, sich über den Motiv-Hintergrund klar werden, die Blende mit Bedacht auswählen. Wenn Sie dann nach einer oder drei Minuten abdrücken, werden Sie durch ein unendlich schönes Geräusch des Auslösers belohnt. Und Sie müssen warten…
Nein, Sie wissen nicht, ob der mitgenommene externe Belichtungsmesser Sie belogen hat, das erfahren Sie bestenfalls nach der Entwicklung des Films, wenn Sie die Abzüge oder Scans erhalten. Aber gerade das ist auch der Witz bei der Geschichte: Das Warten hat etwas ungeheuer Positives…
Der Abzug ist die Belohnung
Die Belohnung der analogen Fotografie ist nicht nur die Entschleunigung und Meditation (letztere kann man auch in der digitalen Fotografie finden), sondern meist auch echte Abzüge und Farben, die anders sind und Charakter haben. Schon die Tatsache, dass Sie endlich wieder Abzüge in den Händen halten ist ein gewaltiger Unterschied, denn wie viele der tausenden digitalen Fotos haben Sie in den letzten Jahren denn tatsächlich zu Abzügen gewandelt? Die Billionen von Handyfotos oder digitalen Aufnahmen horten wir auf Rechnern oder Laufwerken. Das ist nur digitaler Staub, unendlich nichtig, bis wir daraus ein Poster, einen Abzug oder ein digitales Album erstellen.
Wie viele der heutigen Fotografen mit digitalen Fotoapparaten gönnen sich denn den Luxus ihre schönsten Aufnahmen auf Papier zu bringen? Ja klar: Das wollen Sie immer mal tun und nehmen es sich ganz fest vor, aber es passiert nicht, richtig? Und wenn Sie die Bilder nicht bei *fotowissen, sondern einem Dienst wie Instagram oder Pinterest oder wie sie alle heißen zeigen, dann bekommen Sie auch noch dumme und aberdumme, nichtssagende Kommentare wie: “Wunderschön!”, “Tolles Foto!” oder “Das hätte ich besser hingekriegt.”.

Die Entwicklung
Sie müssen analoge Filme nicht selbst entwickeln und ein Fotolabor Ihr eigen nennen. Genau wie früher gibt es Entwicklungsdineste für alle möglichen Filme. Dort kann man nicht nur den Diafilm / Negativfilm entwickeln lassen, sondern auch Abzüge oder Scans bestellen.
Fazit analoge Fotografie ist Meditation
Was ich zum Ausdruck bringen möchte ist: Die digitale Revolution hat sicher ihre schönen Seiten. Aber wir leben immer schneller, fahren immer mehr im Auto zum Briefkasten, leben ungesünder, schauen zu viel auf Monitore, leben bei LED-Licht und Neonlicht in Räumen. Das alles erzeugt Allergien, Bewegungseinschränkungen, schlechte Verdauung, im schlimmsten Falle Depressionen oder Krebs.
Die Fotografie, besonders die analoge, veranlasst uns umzudenken. Wir müssen wieder runter von dem zerstörerischen Pferd der Beschleunigung, der Zerstörung der Natur, dem gedankenlosen Umgang mit dem Planeten und der Abhängigkeit von dümmsten Politikern, die nur Wirtschaft im Kopf haben.

Was können wir tun? Wir können uns entschleunigen, uns konzentrieren und wieder Achtsamkeit erlernen. Das alles kann man tatsächlich durch ein Vehikel wie das der analogen Fotografie bewegen (Slow Photography). Nehmen Sie sich Ihre alte Kamera, legen genüsslich einen Film ein und gehen Fotografieren. Sie werden sehen, wie anders das ist, welche Gefühle von Nostalgie, Meditation, innerer Ruhe, Energie, Genuss, Echtheit, Sensibilität und Lebensqualität Sie damit genießen.
Ziehen Sie los mit Ihrer analogen Kamera oder kaufen sich eine. Sie werden reich belohnt!
Hinweis: Ja, es gibt sie noch, die analogen Filme, die Entwicklung und den Abzug. Hier ein Artikel über die Rollfilme 120 >>
In Kürze auch ein Labortipp für die Entwicklung, Abzüge und den Scan der Negative.
Fotokurs in eigener Sache
Auch die analoge Fotografie können Sie gerne von mir erlernen oder mit mir fotografieren gehen. Ich freue mich auf Ihren Anruf:
Tel.: 0 21 58 40 40 62
© Peter Roskothen ist Profi-Fotograf, Fototrainer, Fotojournalist – Entschleunigte analoge Fotografie ist pure Meditation
Dies ist eine Serie von Beiträgen - Analoges Fotografieren - Lesen Sie die ganze Serie:
- Digital oder Analog Fotografieren - Pro und Contra
- Analog oder Digital Fotografieren? Digitale Fotografie versus Analoge Fotografie
- Rollfilme 120
- Entschleunigte analoge Fotografie ist pure Meditation
- Analog Fotografieren mit Film - Zurück in die Vergangenheit?















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