Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Eine Bildbetrachtung

Naturfotografie Eine Bildbetrachtung

Vor einiger Zeit las ich einen Beitrag, in dem sich ein Hobbyfotograf darüber beklagte, dass seine Frau gar nicht mehr gern mit ihm spazieren gehen möchte, weil er überall nur Motive sieht, stehen bleibt und fotografiert.
Motive sehen – das heißt doch aus einer Vielzahl von beieinander stehenden Objekten einen Ausschnitt zu erkennen, der ein Bild ergibt. Ein Bild, das einfach ein Objekt zeigt oder ein Bild das etwas besonders Schönes dokumentiert oder ein Bild das anklagt oder ein Bild das Erinnerungen wach werden lässt oder auch eine Bild, das bei längerer Betrachtung Gedanken herauf beschwört.

So ging es mir, als ich eine Fliege fotografierte, die von einer fleischfressenden Pflanze, dem Fettkraut eingefangen worden war. Für die fleischfressenden Pflanzen gibt es in der Wissenschaft unterschiedliche Bezeichnungen: Geht man von der Tatsache aus, dass Pflanzen Tiere fressen, in der Regel ist das ja gerade umgekehrt, so nennt man sie Karnivoren. Da aber diese Tiere doch in aller Regel nur Insekten sind, tragen sie auch die Bezeichnung Insektivoren.
Das Foto war gemacht, einigermaßen gelungen und ich freute mich, dass ich nun einen Beweis habe, auf unserem Fensterbrett steht eine Pflanze, die ein Fliegenfänger ist.

Foto vom Fettkraut

 

Gedanken um eine Fliege

Immer mal wieder schaute ich mir dieses Foto an und eines Tages fragte ich mich, wie es denn zu diesem Foto kommen konnte. Da war eine Fliege auf der Suche nach Futter und fand das Fettkraut. Eine sehr schön aussehende Blüte und herrlich grüne Blätter, die, wo man auch hinschaut, voller duftender und glänzender Tröpfchen sind. Wie konnte die Fliege auch wissen, dass sie das Angebot einer fleischfressenden Pflanze nutzen will. Sie ließ sich nieder und war schon in die Falle gegangen. Die Verdauungssäfte kamen und holten aus der Fliege alles heraus, was für das Fettkraut von Bedeutung war, als Rest verblieb der Chitinpanzer.

Ja, so ist das in der Natur, fressen und gefressen werden. Die Fliege wollte doch ihren Hunger stillen und wurde vom Fettkraut hinters Licht geführt – ist das Fettkraut heimtückisch?

Folge – Gedanken

Auch wir sind Tag für Tag auf der Suche, aber nicht nur in unserer nächsten Umgebung, Dank des Internets unter Umständen weltweit. Und was lesen oder hören wir da? Wie lockt man uns? Da gibt es etwas das ist noch besser als …, noch schöner als …, noch billiger als … und nur noch bis …! Greifen Sie zu! Lassen Sie sich das nicht entgehen!
Das Fettkraut stellt seine Verlockungen nur aus, wir Menschen stellen nicht nur ein Objekt aus, wir zeigen viele Bilder dazu, wir reden so als gäbe es keine Morgen. Und so mancher greift zu und sitzt wie die kleine Fliege plötzlich in der Falle. Und dann kommen sie, die Mahnungen, die Anwälte, die Inkassobüros und die interessiert nicht, was da noch bleibt.
Ist es nicht toll, was aus einem Foto herausgelesen werden kann?

Günter Hauschild

Autor: Günter Hauschild

Günter Hauschild ist Hobbyfotograf. Seine Begeisterung für die Digitalfotografie verbindet er mit seinem Interesse für die Natur und seinen didaktisch - methodischen Fähigkeiten. Sein "Fotokurs für junge Fotografen" (http://www.vierfarben.de) wendet sich an den Fotografen-Nachwuchs, seine "Naturfotografie - Fotografisch durch die Jahreszeiten" (http://www.it-fachportal.de) an die biologische Interessierten Hobbyfotografen. Hier auf "Fotowissen" schreibt er vorrangig Beiträge zur Naturfotografie.

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12 Kommentare

  1. Maike Lehmann

    Lieber Günter,

    schön, dass du wieder aktiv bist! Ich würde dein Foto gern vergrößern können, um zu schauen, wo die Schärfe liegt. Aber es ist auch so beeindruckend, wie man die haarige Oberfläche der Blätter fast schon spüren kann. Ich stimme dir völlig zu, es ist erstaunlich, was man alles aus einem Bild lesen kann. Mir gefällt sehr, wie du den Bogen von der Fotografie zur Natur schlägst (und umgekehrt), da erkennt man den Biologen. Zu gern würde ich mehr Bilder aus dieser Reihe sehen…
    Liebe Grüße
    Maike

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    • Günter Hauschild

      Liebe Maike, deinen Wunsch nach weiteren Bildern werde ich bald erfüllen. Es grüßt dich Günter

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    • Günter Hauschild

      Das ist mir nicht bekannt, ich werde aber in nächsten Zeit einen Beitrag ins Netz stellen, in dem ich meine Gedanken zur Fotografie als Hobby niederschreibe. Es grüßt dich Günter

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    • Günter Hauschild

      Mir kommt der Verdacht, ihr (Frank und Rolf) glaubt der Hobbyfotograf sei ich. Ich werde in nächster Zeit einen Beitrag ins Netz stellen, in dem ich meine Gedanken zur Fotografie als Hobby niederschreibe. Dann erfahrt ihr ob ich es bin. Bis dahin grüßt dich Günter

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      • Verdacht nicht bestätigt! Ich bin jedenfalls gespannt, welche Gedanken in deinem Beitrag zu finden sind.
        mfg (mit fielen Grüßen)
        Frank

  2. Britta Dicken

    Hallo Günter,

    schön, wieder etwas von Dir zu lesen! Und was für einen Einstand Du uns gibst …
    Auf jeden Fall ein sehr interessanter Gedanke, den Du da verfolgst. Ich hoffe doch, das wir nicht alle so leicht in die Falle gehen, wie es der Fliege geschehen ist. Aber so ganz davon lossprechen kann sich wohl keiner.

    Den besten Rat den ich übrigens dem Hobbyfotografen geben kann: Der Frau auch eine Kamera in die Hände drücken. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe oder Karnivore, um bei den Metaphern zu bleiben 😉

    1. Die Frau langweilt sich beim Spaziergang nicht mehr und
    2. das Ehepaar entwickelt hoffentlich ein gemeinsames Hobby, das einem so viel Freude bescheren kann!

    Bin schon sehr gespannt auf Deine weiteren Artikel!

    LG
    Britta

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    • Hallo Britta, ich habe auch schon den Versuch mit dem „Kamera in die Hände drücken“ gemacht, die gleichen Hoffnungen gehegt, bei uns hat es leider noch nicht wirklich funktioniert. Ich werde es also weiterhin versuchen, mit Geduld haben meine Frau und ich hoffentlich Erfolg!
      mfg (mit fielen Grüßen)
      Frank

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      • Britta Dicken

        Hallo Frank,

        das ist aber sehr schade! Dabei ist Fotografieren so ein schönes Hobby, bei dem sich gegenseitig so toll unterstützen kann. Aber ich kenne das Problem auch mit Familienmitgliedern, die (glaube ich) meine Kamera manchmal hassen 😉 Immer warten, bis das Bild im Kasten ist. Nie vorlaufen dürfen, weil man dann im Bild steht etc. Da hilft nur viel gegenseitiges Verständnis und sehr viel Geduld – von beiden Seiten! Ich drücke Dir die Daumen, das ihr die Gradwanderung bewältigt 🙂

        LG
        Britta

  3. Günter Hauschild

    Hallo Britta.
    Danke für den Kommentar. Wer hat denn wem die Kamera in die Hand gedrückt, die Britta dem Klaus oder der Klaus der Britta oder haben beide zugleich nach Kameras gegriffen? Es grüßt Günter

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    • Britta Dicken

      Hallo Günter,

      richtig müsste es heißen: Wer hat wem die Kamera zuerst aus der Hand gerissen 😉

      Geknipst haben wir beide schon immer gerne. Der erste gemeinsame Urlaub war der erste Sargnagel. Da hatten wir nur eine kleine Kompaktkamera (von Klaus), zu wenig Speicherkarten und zu wenig Speicherplatz auf dem externen Datenträger. 10 Tage haben wir um die Kamera gezankt – so was festigt auch eine Beziehung 😉
      Danach gab es dann zwei Kameras. Ich bin den Kompakten lange treu geblieben, bis wir Peter trafen. Peter war dann sozusagen der zweite Sargnagel. Irgendwann wurde es dann doch eine Spiegelreflex und seitdem haben wir ein tolles gemeinsames Hobby und viele neue Freunde gewonnen 😉

      LG
      Britta

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