Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Digital oder Analog Fotografieren – Pro und Contra

Artikel ursprünglich verfasst am 10. April 2016

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Digital oder Analog Fotografieren? Ulrich und Peter schreiben Pro und Contra der herkömmlichen und modernen Art der Fotografie. Für wen ist die Digitale Fotografie, für wen die Analoge interessant?:

Digital oder Analog Fotografieren - Pro und Contra

Digital oder Analog Fotografieren * Pro und Contra

Fotojournalist, Fotograf und Fototrainer Peter RoskothenContra Digital Fotografieren

Die Meinung von Peter Roskothen

Ulrich Schiffrings schreibt bei *fotowissen.euPro Digital Fotografieren

Die Meinung von Ulrich Schifferings

Seitdem alle digital fotografieren ist doch viel Müll dabei, Ulrich. Wir alle hatten uns in Zeiten der analogen Fotografie noch überlegt, was und wie wir es fotografieren. Heute kann man oft nur von Knipsen reden, nicht von Digital Fotografieren.

Früher hieß es Fotografieren – Heute ist es oft Knipsen

Als wir noch nicht viel besaßen („Wir hatten ja Nichts!“), besannen wir uns immerhin, einzelne Fotos  vorher nachzudenken, bevor wir belichteten. Gut, ich ahne wie Du argumentieren wirst, Ulrich: „Heute kann jeder das Ergebnis kontrollieren und fast immer sofort korrigieren.“, Richtig, aber was hilft das, wenn nicht mal die einfachsten Gestaltungsregeln klar sind und die Menschen statt dessen überwiegend selbstverliebte Selfies knipsen? Am besten noch mit Selfiestick und Kussmund – ich könnte kotzen. Und zwar nicht über die Menschen die knipsen, sondern über G8, welches keinen Spielraum mehr gibt für die Kunst der Fotografie.

Diejenigen, die hier lesen sind vermutlich nicht betroffen, sondern begeisterte Fotografen oder Fotoeinsteiger. Fotografie soll einfach nur Spaß machen und die digitale Fotografie trägt natürlich dazu bei. Fragen wir aber wie ich mal bei Fotolaboren nach, dann lachen die sich schief, Ulrich. Die berichten von meist unterirdischen Fotos, die weitaus schlechter sind als zu analogen Zeiten.

Es gibt Fotografen, die behaupten, dass Film einem größere Fehler verzieh als die Digitale Fotografie. Das mag so sein. Was aber der Qualität der 90 Prozent Knipser noch viel schlechter macht, ist der kostenlose digitale Film.

Bevor es den kostenlosen digitalen Film gab, war es wenigstens noch eine Überlegung wert, bevor die meisten Menschen den Auslöser betätigten.

Analoges Fotografieren – Bewusstes Fotografieren

Ich selbst habe mit gründlich überlegt, warum viele Fotoamateure zurück zur analogen Technik gehen. Die Firma Jobo hat wieder erhöhten Zulauf im Bereich analoger Vergrößerer und Entwicklungstechnik. Zurück zum ruhigen, bewussten analogen Fotografieren heißt der Trend. Das Hobby Fotografie als Ausgleich zum hektischen Arbeitsleben.

Wohl deshalb haben auch die Hersteller Fujifilm mit einer X100T oder die Firma Leica mit ihren eigenen Messsucherkameras einen solchen Zulauf. Vorne am Objektiv stellt man auf Wunsch die Schärfe manuell ein, es existiert noch ein Blendenring und die Belichtungskorrektur hat ein eigenes, sofort erreichbares Einstellrad. All dies hat wieder mit Fotografie zu tun.

Das sagt einer, dessen digitalen Kameras zum verlängerten Arm geworden sind, lach. Meine Canon EOS Modelle kenne ich in und auswendig. Ich könnte für Aufträge gar nicht mehr analog fotografieren. Zu kurz sind heute die Wege und auch die Geduld der Menschen. Ich selbst bearbeite wie Du sicher auch, jedes digitale Bild einzeln und spendiere ihm meine Aufmerksamkeit und Konzentration, mit dem Ziel meinen Kunden das beste Ergebnis abzuliefern. Fotografiere ich für Firmen muss das Foto meist noch am gleichen Tag in einer Cloud sein. Keine Chance für Analog. Umso mehr freue ich mich, wenn ich meine alte Rolleicord in der Vitrine sehe und mich wehmütig an die einzelnen Aufnahmen erinnert. Nur 12 Fotos konnte ein Rolfilm aufnehmen. Aber die hatte man sich gut eingeteilt. Der heutige Konsum macht die Menschen doch nicht glücklicher. Schau Dir doch die Gesichter von Menschen an, die einkaufen gehen. Sehen die meist glücklich aus?

Ich kenne viele Hochzeitspaare, die alle Fotos haben wollen, die der Fotograf macht. Was für ein Unsinn! Weniger ist mehr. Natürlich müssen das nicht 2.000 Fotos in fünf Stunden sein. 300 sehr gute Fotografieren reichen doch aus. Oftmals entwickeln Ehepaare selbst nach Jahren kein einziges Foto auf Papier. Keine Zeit! Zu viele Fotos?

Gut, ich gestehe Dir zu, dass Du anders fotografierst und es noch mindestens geschätze 10% der fotoaffinen Menschen gibt, die ebenso wie Du hervorragend fotografieren. Und das sogar wegen der digitalen Fotografie, die das Ergebnis zeigt und oft sofort korrigierbar ist.

Früher gab es viele Fotoalben und Fotokisten, in denen tausende gute Fotos schlummerten. Heute verliert jeder Zweite seine Fotos beim Festplattencrash. Wie schade, aber es zeigt, dass das analoge Material oft eine viel längere Lebenszeit hat als digitale Daten. Ich verschweige lächelnd, dass in analogen Zeiten viele Fotoamateure nach dem Urlaub feststellten, dass der Film nicht richtige eingelegt war. Wem ist das nicht passiert?

Wirklich Ulrich: ich sehe bei meinen Fotokursen immer wieder begabte Fotoamateure, denen ich gerne helfe besser digital zu fotografieren und Bildgestaltung erkläre. Viele kommen zu mir und sagen: „Die Ausrüstung hat viel Geld gekostet – ich finde es zu schade immer im Automatikmodus zu fotografieren.“. Denen muss ich ein Lob aussprechen, denn sie haben erkannt, dass auch gute Fotografie eben ein bisschen Zeit und Know-how benötigt.

Am Liebsten würde ich mit jedem Einsteiger mal im Labor einen Film und Abzüge entwickeln, damit alle den Duft der Chemie und des Rotlichts kennen lernen. Ich glaube die meisten wären total angefixt (kommt von Fixierer, lach) und würden ihre teure digitale Ausrüstung gegen eine alte Rollei eintauschen.

Fazit

Lass es uns doch mal so sagen: Decken wir besser den Mantel des Schweigens über die Mehrzahl der geknipsten Fotos und entschleunigen uns. Als Kompromiss empfehle ich jedem enthusiastischen Fotografen mit einem Augenzwinkern einen Blick auf die Fuji X100T, damit es wieder Fotografien werden. ;-)

Fuji X100T bei Foto Koch >> (eine der sexysten digitalen Kameras)

Ja, Peter, da dürfte ich ja dieses mal leichtes Spiel mit meinen Argumenten habe, oder :-) ?!!

Nachdem die ersten digitalen Kameras Anfang 2000 exorbitant teuer waren und technisch noch viele Unzulänglichkeiten hatten, stellt sich dies heute komplett anders dar. Viele Hersteller haben ihre analogen Produktreihen extrem ausgedünnt oder komplett eingestellt und die Qualität der Fotos ist auch schon ganz lange kein Thema mehr.

Vieles das heute selbstverständlich ist, wäre ohne digitale Fotografie gar nicht denkbar. Stell Dir z.B. facebook mal zu Zeiten der analogen Fotografie vor…

Die wichtigsten Argumente sind aus meiner Sicht folgende:

Sofortige Kontrolle des Fotos über das Kameradisplay

  • Wenn Sie Anfänger sind, hilft Ihnen dies fehlerhaft aufgenommene Fotos sofort zu erkennen und sehr schnell die Zusammenhänge zu begreifen welche Einstellungsänderung das Foto wie beeinflusst hat. Früher mussten Sie die Filmrolle erst einmal belichten lassen und wussten mit hoher Wahrscheinlichkeit anschließend nicht mehr welche Einstellung man bei welchem Foto gewählt hatte. Der Lerneffekt ist mit digitaler Fotografie sehr viel besser, da die eigenen Fehler direkt erkannt werden können.
  • Profis können die eigenen Ergebnisse beurteilen um die Fotos zu optimieren. Auch Änderungen an Kleinigkeiten können manchmal die Bildwirkung deutlich verbessern. Man lernt halt nie aus!
  • Aufnahmen die Misslungen sind, können sofort wieder gelöscht werden und benötigen keinen Speicherplatz. Man macht das Bild ein zweites Mal mit korrekter Belichtung / Bildgestaltung und alles ist gut. Zu analogen Zeiten war das Foto auf der Filmrolle, löschen ging ja nicht… und das es ggf. misslungen war merkte man erst später. Nochmal fotografieren um den Fehler zu korrigieren war dann zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen.
  • Hatte man früher einen Film mit seinen 36 Aufnahmen belichtet, brachte man ihn zum Fotogeschäft und lies (alle) Bilder in 9×13, 10×15 oder 13×18 belichten. Heute kann man sich die Fotos ansehen und entscheiden, welche man auf Papier haben möchte und welche nicht.
  • Wie eingangs schon angesprochen, kann man heute Fotos über digitale Medien sehr schnell verteilen.  Das beginnt bei Hobbyfotografen, die (was auch immer) mal schnell in soziale Netzwerke einstellen (was die Kommunikation erheblich verändert hat) und endet bei professionellen Fotografen, die z.B. Sportveranstaltungen fotografieren und die Bilder Sekunden nach der Aufnahme Bildagenturen elektronisch zum Kauf anbieten.
  • Jedes Foto kann mit anderem Weißabgleich aufgenommen werden. Früher hatte man z.B. einen Kunstlicht Film in die Kamera eingelegt. Wenn man dann den Film nicht aufgebraucht hatte und die letzten Aufnahmen auf dem Film später unter Tageslicht Bedingungen geschossen hat, war der Farbstich gleich auf dem Foto „mit eingebaut“
  • Jedes Foto kann mit einer anderen ISO-Einstellung aufgenommen werden. Hatte man früher einen ISO 400 Film eingelegt (viel mehr war gar nicht drin…), waren die Aufnahmen auch unter schlechteren Lichtbedingungen möglich, hatten aber auch ein entsprechendes, sichtbares „Korn“ auf den Fotos. Heute hat man erheblich!! höhere Empfindlichkeiten zur Verfügung und kann jede Aufnahme mit anderer Einstellung machen. Je nach dem was nötig ist – und nicht je nach gerade noch eingelegtem, nicht aufgebrauchtem Film.
  • Wer mag, hat heute bei fast allen Kameras auch gleich eine Video Funktion mit dabei und kann auch filmen.
  • Einfache Nachbearbeitung am eigenen Computer, Korrektur von leichten Belichtungsfehlern, verändern des Bildausschnitts, usw. Wer mag, kann sich auch gleich künstlerisch am eigenen Foto austoben.

Fazit

Digitale Fotografie hilft Anfängern beim Lernen, Profis beim „noch besser werden“, ist kostengünstig, in Form von Smartphone Kameras immer dabei und ermöglicht in der digitalen Welt eine ganz andere Kommunikation als früher denkbar.

Fujifilm X100S – Test – Wunschkamera Reise Reportagefotografie


Anmerkung * Pro und Contra

Bildbearbeitung Pro und ContraDas Projekt „*fotowissen Pro und Contra„: Die neue Form für *fotowissen Leser aus dem Jahr 2016. Die beiden Streithähne von Pro und Contra vertreten immer gegensätzliche Meinungen. Übrigens kennt keiner die Meinung des anderen im Vorhinein. Beide stellen ihre Meinung im Artikel ein, ohne den anderen Text vorab zu kennen.

Ihre eigene Meinung zu dem Thema würde uns besonders interessieren. Diese können Sie unter dem Artikel in der Kommentarfunktion schreiben. Wir würden uns sehr freuen!

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Autor: Ulrich & Peter

Ulrich Schifferings und Peter Roskothen schreiben Pro und Contra Themen der Fotografie. Beide sind Fotojournalisten bei *fotowissen und erfahren im Umgang mit der Kamera.

5 Kommentare

  1. Ein schönes Pro/Contra Thema mit interessanten Meinungen. Ihr habt aber einen Aspekt völlig außen vor gelassen, wahrscheinlich mit Absicht denn es kommt bestimmt in einem späteren Artikel (Zaunpfahl schwenk). Nämlich die unterschiedliche Wirkung von analog entwickelten Bildern und digitalen Bildern wegen Farben, Körnung usw.

    Ich unterstütze die Idee mit dem Entschleunigen zu 100%. Mehr Zeit pro Bild, mehr Qualität pro Bild, weniger Bilder sichten und löschen müssen. Weg von dem Zwang, alles festhalten zu müssen. Wir machen uns doch schon verrückt, wenn von einem x-beliebigen Spaziergang mal kein Foto gemacht wurde. Weltuntergang!

    LG Michael

    Beantworten
    • ich habe unlängst auch ein paar analoge Filme belichtet. Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich. Am besten haben mir die S/W Fotos von der REVUE 400SE gefallen, gestochen scharf (jedenfalls die meisten) und schön anzusehen. Leider gibt es keine Einflußnahme auf den Entwicklungsprozess, es sei denn man entwickelt und vergrößert selbst. Aber dazu habe ich echt keine Lust mehr. Ist doch so schön bequem mit Lightroom.
      Außerdem der Kostenfaktor: für 37 Bilder über 30 EUR! Für das Geld kann ich mir ein schönes Fotobuch anfertigen.
      Aber es stimmt. Nicht nur wegen dieser doch ungewohnt hohen Kosten. Man denkt eher nach WAS und WIE man fotografieren will, denn es soll ja was rauskommen am Ende. Ein schönes Stück Nostalgie, dass man nebenbei pflegen kann. Die Betonung liegt bei mir auf NEBENBEI.
      Gruß Peter

      Beantworten
      • Danke Dir, Peter. Ich denke wenn Analog dann vielleicht entwickeln und gleich scannen lassen? Ich werde das in 2016 mal probieren.

    • Danke Michael, Du hast Recht mit dem vergessenen Aspekt. Vielleicht möchtest Du mal darauf eingehen? Fände ich toll.

      Beantworten
  2. …die Frage ist letzendlich was man machen möchte. Will ich sowieso nur schwarzweiss Fineart fotografieren steht die entscheidung digital oder analog doch nichteinmal im raum. Also mein Ziel ist doch die Großformatfotografie…und da kommt nunmal nichts ran…
    reportagefotografen werden sichewr sher zur Digitaltechnik greiffen…

    Jedoch gibt es auch in der Reportagefotografie mittlerweile Probleme wegen der Digitalisierung von Bildern. Bilder sind zu leicht manipulierbar…ständig steht dir Frage im Raum…das gab es zu zeiten Analoger reportagefotografie in diesem Ausmaßen nicht. Seine wir mal ehrlich…davon Profitiert kein Amateur….was wir auch sehen in der Werbung…

    Für mich ist die Analoge Fotografie eine Art Philosophie….ich versuche zu kanalisieren wie ich die Welt empfinde…dazu muss ich mich mit der Umwelt auseinandersetzen… der Blick durch den Sucher und dann auf des Display erlaubt mir aber genau das nicht.

    Vergleicht man das vorgenen eines Fine art Forografen mit dem der Digitaltechnik kommt einem die Digitale fotografie schon ein wenig vor wie ein kleiner angeber, der zwar optiscj glänzen kann dem es aber an Tiefe fehlt.

    Nicht ohne Grund kopiert die digitale Fotografie auch die vorgehensweisse analoger Fotografen.
    Längst hat das Zonensystem auch anwendung in der Digitalen Fotografie gefunden.

    Ich denke wer nach dem Zonensystem mit Previsualisierung arbeitet wird sich eher an der besseren Auflösung von Filmen freuen als sich überber sein fehlendes Display zur vorbeurteilung ärgern.

    Eine perfekte lichtführung erübrigt jedes Display und jegliches aussortieren!

    Gerade im Künstlerischen bereich erfreuen sich alte Techniken immer mehr beliebtheit…weil sie aus der Masse rausstechen…und weil man damit zwangsläufig einen eigenen Stiel prägt.

    Vergleicht man hingegen HDR Fotografien wirken diese Steril und Leblos. Lichtstimmungen werden der Technik willen zerstört um so die Illusion perfekter lichtsituation zu simulieren.

    Beantworten

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