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Capturing Light – Buchrezension Fotobuch

Ein neues Buch am Fotohorizont – Capturing Light – hat den Silbernen Deutschen Fotobuchpreis erhalten. Doch wovon handelt das  Buch und wen spricht es an?

Capturing Light Michael Freeman Capturing Light Michael Freeman Buchrücken

Capturing Light – Das Herz der Fotografie

Die Fachliteratur aus der Profi Edition Fotografie ist im mitp-Verlag erschienen. Viele Fotografen schätzen den Verlag als zuverlässige Quelle interessanter und lehrreicher Fotobücher. Capturing Light ist nun eines der wenigen Bücher, welches den deutschen Fotobuchpreis 2015 in Silber erhalten hat. Diese hohe Auszeichnung haben in diesem Jahr nur zwei Titel aus der Kategorie “Fotolehrbuch” bekommen. Warum ist das passiert?

Doch klären wir zunächst, worum das Buch sich dreht (Versuch einer Antwort weiter unten): Der Autor Michael Freeman ist Profi Fotograf und bringt Verständnis in die Thematik Licht. Der Fotograf belichtet in diesem Werk die Naturfotografie, manchmal People- und auch die Architekturfotografie, aber viel mehr ist es ein Lehrbuch für den richtigen fotografischen Licht-Moment.

Licht einfangen

Morgen Freeman zeigt welche Lichtarten für die Fotografie interessant sind und wir können daraus lernen, dass er viel Geduld hat, plant und auch mal schlechtes Wetter in hervorragende Fotografien bannt. Dabei geht es im Buch nicht technisch daher – keine Blende, Zeit und Bildbearbeitung – das wird voraus gesetzt. Dafür lernen wir Fotografen mit natürlichem, vorhandenem Licht zu arbeiten.

Capturing Light Grau auf Schwarz liest sich nicht gut
Capturing Light Grau auf Schwarz liest sich nicht gut

Nach der Einführung, die viele von uns wohl überspringen werden und können, geht es um das Wichtigste in diesem Buch: Das Warten. Buchdrucktechnisch schade, denn schwarze Schrift auf dunkelgrauem Untergrund ist nicht gut zu lesen und widerspricht der Lichttechnik, lieber mitp-Verlag. Die Essenz der Worte im Prolog: Intelligentes Warten. Gemeint ist geplantes Warten auf bestimmtes vorhersehbares oder überraschendes Licht. Was Freeman darunter versteht ist dann gut erläutert mit dem Takt der Sonne.

Im Buch geht der Verfasser dann auf das Licht ein und unterteilt es in verschiedene Arten. Beispiele:

  • Weiches Sonnenlicht
  • Seitenlicht
  • Reflektiertes Licht
  • Gegenlicht
  • Goldene Stunde
  • Lichter der Stadt
  • Spot
  • Blendenflecke
  • Schlagschatten-Licht
  • Flutlicht
  • Aufhelllicht
  • Umhüllendes Licht
  • Licht mit unvollständigem Spektrum
  • Zeitraffer-Licht

Licht und SchattenAuf alle Lichtarten geht Freeman einzeln mit Fotobeispielen und Erklärungen ein. Jedes der Fotos zu den Lichtsituationen ist dabei ein Kunstwerk an sich. Seine Fotografien, die überwiegend in Südostasien aufgenommen sind, überzeugen von dem Wissen und der Kunst des Fotografen.

Nichts für Schappschüsse

Viele von uns warten nicht gerne. Das liegt zum einen daran, dass die meisten Fotoamateure mit ihren Bildern kein Geld verdienen und die Kamera heraus holen, wenn sie Zeit zum Fotografieren haben. Viel Zeit zum Warten haben wir alle nicht. Dazu muss man sich der Fotografie mit Haut und Haar verpflichten und bereit sein früh aufzustehen und vor allem darf man keine Familie haben.

So ist das Buch nur begrenzt eine Anleitung zum Fotografieren mit Licht. Die Idee des Wartens ist nichts für Schnappschüsse oder für diejenigen unter uns, die los ziehen, um zu entdecken. Das Werk kann allerdings zum richtigen Sehen von Licht anleiten. Damit haben wir die halbe Miete.

Für geduldige Menschen kommt vielleicht nach dem Lesen die Einsicht, dass es sich lohnen kann, eine bestimmte Naturaufnahme zu einer bestimmten Zeit einzufangen. Für ungeduldige Menschen ist das Buch höchstens eine Quelle hervorragender Fotos.

Zurück zur Frage: Warum hat das Werk den Deutschen Fotobuchpreis erhalten? Die Antwort: Genaues wissen die Juroren. Für mich hat das Buch überragende Fotos auf sehr gutem Druck zu bieten. Es fehlt ein Hardcover für ein so wertvolles Fotoarchiv. Der Stil der Worte ist aus meiner Sicht nicht herausragend. Wohl aber die Fotografien. Vermutlich hat es deshalb die Auszeichnung erhalten. Ich kann nur mutmaßen.

Die Zielgruppe der Publikation ist sicher eingeschränkt. Ich halte es für ein tolles Werk für Profi-Fotografen und Fotokünstler. Nicht mehr für Fotoamateure, die gerne mal erst lernen möchten, wie man mit Zeit, Blende und Stativ solche Fotos grundlegend möglich macht.

Fazit

Ob Fotobuchpreis oder nicht. Ein solches Buch muss einem gefallen. Ansprechen wird es alle Fotobegeisterten, die gerne Naturaufnahmen sehen und Ideen für ihre eigene Fotografie sammeln möchten. Dabei sind die Motive, Orte und das Licht die eigentliche Inspiration.

Sie benötigen Geduld und Zeit, um das Buch nicht nur durchzublättern, sondern zu lesen. Möchten Sie verstehen, welche Lichtsituation sich für welche Art von Fotografien eignet, dann ist das Lesen des Druckwerks unumgänglich. Somit passt weder die Fotografie vom Verfasser, noch das Buch in die heutige, schnelllebige Zeit der Handygeneration. Hier besteht die Chance des Buches: zurück zu guter Fotografie!

Nicht alle von uns werden die Zeit haben so lange auf bestimmte Lichtsituationen zu warten. Aber wir lernen das Licht in bestimmte Formen und Arten zu unterteilen und damit zu arbeiten. Das ist bewusstes Fotografieren und wird uns alle immer weiter bringen. Aus diesem Grunde ist das Buch zwei mal wertvoll: Einmal zum Anschauen, einmal zum Lernen.

Besonders gut gefällt mir der Umgang mit schlechtem Wetter, welches den Verfasser nicht vom Fotografieren abhält. Dass er genau diese Fotos zeigt und auch erklärt, wie wir Fotografen bei Regen und Trübem Himmel etwas daraus machen können, ist sehr hilfreich.

Es fehlen mindestens zwei Dinge in der Publikation:

  1. Ein Hardcover zum Schutz der wertvollen Aufnahme. Dementgegen steht der günstige Preis von unter EUR 30,-, welchen man mit Hardcover nicht erreicht.
  2. Die Kamerainformationen zu Blende, Zeit, ISO und Brennweite der Aufnahmen. In unserem Falle hindert es das Werk daran, von uns eine Auszeichnung zum Gold Award zu erhalten. Die wohl wichtigste Kritik am Buch, auch wenn vielleicht viele Aufnahmen noch analog entstanden sind. Dennoch sollten wenigstens die digitalen Fotos mit diesen Informationen versehen sein.
  3. Eventuell kann man Schwarzweiß Aufnahmen vermissen. Auf den Seiten 32 und 33 erklärt der Autor, warum diese fehlen. Offenbar ist der Fotograf ein Fan von Farbfotos und hat das Thema nicht für sich entdeckt. Bestätigt wird die Vermutung durch das andere Buch “Der fotografische Blick”, in dem das Thema fast ebenfalls vollständig fehlt. Aus meiner Sicht ist dies ein Fehler für ein Buch über Licht, Herr Freeman.

Capturing Light Michael FreemanCapturing Light ist eine Empfehlung!

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Über den Autor

Peter Roskothen

Ich bin Profi-Fotograf, Fototrainer ganz besonderer individueller Fotokurse und Fachjournalist für Fotografie. Ich schreibe auf *fotowissen für Sie als Fotograf*in. Die Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.

Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.

Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter P. Roskothen Fotokunst & Design.

4 Kommentare

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  • Hallo Peter,
    vielen Dank für die Rezension des Buchs. Ich habe es in meiner Sammlung und habe mich noch nicht so richtig daran getraut. Es wird eine Lektüre für den grauen November, um neue Ideen zu sammeln.

    Viele Grüße
    Blandyna

  • Hi Peter,

    Danke, jetzt ist das Buch wieder nach oben auf meine Wunschliste gerutscht. Ich fang den Titel schon sehr ansprechend und bin nun umso neugieriger geworden. Eines hat mich die Fotografie auf jeden Fall gelehrt: Für schöne Bilder muss man manchmal leider :-) Ob es nun frühes Aufstehen ist oder frieren im Winter. Meist wird man auch entsprechend belohnt!
    Geduld ist etwas, das ich auch nur beim Fotografieren aufbringen kann. Ich finde, fotografieren erdet und das macht mich persönlich viel ruhiger und entspannter (solange ich die Kamera in der Hand halte).

    LG
    Britta

  • Diese Buchempfehlung hört sich zumindest danach an, dass ich mir als guten Vorsatz doch öfter vornehmen sollte, gezieltere Fotoausflüge zu planen! Ich gehöre zwar auch zur Kategorie derer, die die Kamera “dabei” haben, habe aber gerade im letzten Urlaub doch auch bemerkt, wie traumhaft schön es sein kann, zum Sonnenaufgang am richtigen Ort zu sein. Natürlich braucht ein solches Vorhaben einige Versuche, aber wunderschöne Fotos sind ein toller Ausgleich fürs frühe Aufstehen. Somit hast du, Peter, zumindest einen guten Vorsatz meinerseits bewirkt. Vielen Dank dafür und liebe Grüße,
    Maike

  • Hallo Peter,

    das Buch hört sich wirklich sehr interessant an. Es rückt ziemlich weit nach oben auf meinem

    Wunschzettel, da das Thema Licht mich sehr interessiert.

    Vielen Dank für Deine Rezension.

    Lieben Gruß

    Susanne

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