Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Blaue Stunde in Brügge

Die Blaue Stunde in Brügge ist etwas ganz Besonderes. Die Straßen sind leer, es ist still und nur ab und an huscht jemand auf dem Weg zur Arbeit vorbei. Ich liebe diese frühen Morgenstunden, wenn die Sonne noch nicht ganz aufgegangen ist und man den Eindruck hat, als würde die ganze Welt noch schlafen. So ging es mir auch an unserem Brügge-Wochenende im Januar. Der Winter bietet sich für wunderschöne Aufnahmen zur Blauen Stunde ganz besonders an, denn erstens geht die Sonne nicht ganz so früh auf – das hat den Vorteil das man ein wenig länger schlafen kann – und sie dauert deutlich länger als im Sommer. Das gibt dem Fotografen doch ein wenig Zeit, um sich ganz in Ruhe dieser wunderschönen Stimmung zu widmen.

Was ist überhaupt die Blaue Stunde und warum schwärmen Fotografen so sehr davon? Es gibt viele Erklärungen, astronomische, physikalische usw. Um es einfach zu machen und einen Richtwert zu haben: Die Blaue Stunde ist die (knappe) Stunde vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang. Das Licht wird meist als weicher bezeichnet, die Schatten sind noch nicht ganz schwarz, weil der Himmel entweder noch nicht hell ist oder noch nicht ganz dunkel ist. Meist weist der Himmel eine wunderschöne Blaufärbung auf. Um die Blaue Stunde je nach Standort und Jahreszeit genau zu definieren (um auch ja keine Minute zu verpassen), gibt es viele (kostenfreie) Apps für das Smartphone oder auch schon zur Vorbereitung am heimischen Rechner. Eine Empfehlung möchte ich eigentlich nicht aussprechen, denn jeder hat andere Vorlieben. Die Wahl ist da auch recht einfach. Kann man die App bedienen und kommt damit zurecht, dann ist es die richtige Wahl!

 

Doch zurück zur Blauen Stunde in Brügge. Um genau  zu sein, haben wir ein wenig gepfuscht und sind schon fast zu spät losgezogen. Bewaffnet mit einem Stativ, was übrigens für die Low Light oder Available Light Aufnahmen unerlässlich ist, sind wir nicht wirklich weit gekommen. Dafür bietet Brügge einfach zu viele schöne Foto-Spots.

Blaue Stunde in Brügge

Manchmal spielt einem der Zufall Streiche, manchmal entpuppen sie sich jedoch als großer Glücksfall! Derzeit lese ich das Buch „Nachtfotografie und Lichtmalerei“ von Lance Keimig (eine Rezension folgt), doch auf die Idee, das Gelesene und Gelernte in Brügge umzusetzen, bin ich einfach nicht gekommen. Da mussten mich die öffentlichen Verkehrbetriebe von Brügge erst mit der Nase drauf stoßen. Das Ergebnis, dieses Stupsers, sehr ihr hier:

Lichtspuren zur Blauen Stunde in Brügge

Einmal auf den Geschmack gekommen, hat sich die Gelegenheit natürlich nicht mehr ergeben. Dabei habe ich beim ersten Foto noch gejammert, das mir der erste Bus durchs Bild gefahren ist. Beim zweiten Bus habe ich dann nicht mehr gejammert, denn da entstand das hier gezeigte erste Bild. Daher bin ich umso glücklicher, das mein Timing bei diesen beiden Aufnahmen, doch recht gelungen ist (finde ich).

Der Winter hat, neben der späten Blauen Stunde, auch noch schöne Sonnenaufgänge zu bieten. Auch wenn die Blaue Stunde mit dem Sonnenaufgang sein Ende findet, mag ich auch diese Stimmung und die Farben des Himmels, sehr.

Die Blaue Stunde in Brügge geht zu Ende

 Die Sonne bescheint die Türme der Kirchen und so fragen wir uns …

Ist das noch die Blaue Stunde in Brügge?

Nein, das ist sie natürlich nicht. Die blaue Färbung des Himmels weist eher darauf hin, das wir uns schleunigst zurück unter ein Dach begeben sollten, denn es liegt Regen und Schnee in der Luft.

 

Wer sich übrigens fragt, warum wir ausgerechnet im Winter nach Brügge fahren, der mag mal hier schauen. Es hat sich gelohnt!

 

Wer das Venedig des Nordens besucht, wie Brügge auch gerne genannt wird, sollte die Blaue Stunde, ob nun morgens oder abends nicht verpassen!

 

Wie immer würde ich mich über Kommentare, Anregungen und/oder Kritik sehr freuen. Danke!

© Britta Dicken schreibt zum Thema: Blaue Stunde in Brügge

Autor: Britta Dicken

Als leidenschaftliche Amateurfotografin ist seit Sommer 2013 kaum etwas vor meiner DSLR sicher. Ob im Urlaub, auf Veranstaltungen und natürlich auch gerne im heimischen Garten, fast immer ist meine Kamera dabei. Gerne experimentiere ich auch mit speziellen Objektiven und Aufnahmetechniken. Ich möchte weiterhin meinen Horizont erweitern und freue mich daher über jede Anregung! Eine Auswahl meiner Bilder ist auch hier zu finden: www.d-photography.de/

10 Kommentare

  1. Hallo Britta,
    Deine Fotos in der blauen Stunde gefallen mir sehr sehr gut. Gerade die mit den Lichtspuren!
    Brügge ist ja eine Reise wert – doch leider sehr weit weg von mir….

    Doch die Idee mit der blauen Stunde und mit alten Häusern gefällt mir ausgezeichnet – und in meiner näheren Umgebung könnte ich mir in einem älteren Dorfteil so was vorstellen – auch wenn es nicht so gross ist – doch ich glaube, die blaue Stunde ist ja nicht ewig, und so wird das für mich als erstes bestimmt reichen. Schöne Idee, danke. Muss ich versuchen an meinem nächsten freien Morgen das mal umzusetzen (dauert leider noch 14 Tage) – an den Wochenenden bin ich nicht frei, denn ich bin für den Stall zuständig – da ist meine blaue Stunde bei unseren „Braunen“.
    Gut Licht, Coni

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    • Hallo Coni,

      lieben Dank!
      Ja, Brügge ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert :-) Von uns aus sind es zum Glück nur 2,5 Stunden Fahrt. Das geht recht zügig. Ansonsten hat Belgien ja durchaus noch mehr zu bieten. Auf dem Weg nach Brügge kommt man an Brüssel fast vorbei und Gent ist auch direkt um die Ecke. Das kann man verbinden :-)

      Zur Blauen Stunde: So als Richtwert kannst Du Dir für die Blaue Stunde immer eine Stunde vor Sonnenaufgang und eine Stunde nach Sonnenuntergang merken. Das variiert natürlich nach Jahreszeit. Es gibt sowohl im Netz unzählige Seiten auf denen man die exakte Uhrzeit recherchieren kann, als auch einige kostenfreie Apps für das Smartphone. Ich arbeite mit meinem Android mit Exsate Golden Hour. Dort kann ich meinen Standort entweder händisch eingeben oder über meinen Standort suchen lassen. Einziger Nachteil: Die App gibt es leider nur auf Englisch. Ist aber ansonsten wirklich selbsterklärend.

      Also, vielleicht versuchst Du die Blaue Stunde auch einfach mal am Abend ? Es müssen auch nicht alte Häuser sein. Ich könnte mir die Blaue Stunde inmitten von verglasten Wolkenkratzern auch sehr gut vorstellen. Gerade in der Landschaftsfotografie ist die Blaue Stunde auch sehr beliebt. Die Farben des Himmels sind dann einfach ungewöhnlich. Versuch es mal und viel Spaß!

      LG
      Britta

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      • Das Übel an der „blauen Stunde“ ist, dass sie keine Stunde dauert. Du musst sehr früh vor Ort sein und sehr fix sein. Die abendliche bS ist unbedingt zu bevorzugen. Morgens ist es mir des öfteren so passiert: Tolles Moriv – alles aufbauen – kontrollieren – auslösen… aber Sekunden vorher wurde das automatisch Licht ausgeschaltet. *heul*

      • Hallo Ruhri.

        danke für Deinen Kommentar. Allerdings stimmt das so nicht ganz. Es kommt auf die Jahreszeit und den Standort an. Im Moment dauert die Blaue Stunde ca. 30 Minuten und am längsten Tag des Jahres ca. 50 Minuten. Zumindest in unseren Breitengraden ;-) Hoch im Norden oder am Äquator sieht das ganz anders aus.
        Aber darum geht es in meinen Augen eigentlich auch gar nicht. Die Blaue Stunde ist für mich eigentlich eher ein Richtwert, um den Hintern früh genug aus dem Bett zu bekommen, um die herrliche Lichstimmung auf die Speicherkarte zu bannen. Auch wenn ich nicht so der Frühaufsteher bin, liebe ich die morgendliche Ruhe im Urlaub, wenn die Straßen leer sind. Natürlich sind auch die abendlichen Blauen Stunden sehr schön, aber da fehlt mir persönlich – zumindest in der Stadt – die Ruhe. Auch sonst ist man meist nicht ganz alleine unterwegs. Aber das ist sicherlich Geschmackssache :-)
        Bezüglich Deines „Zeitproblems“ kann ich Dir nur zwei Dinge ans Herz legen:
        1. Schau Dir am Vortag die Lokation an und entscheide Dich, wohin Du zum Fotografieren gehen willst. Das verschafft Dir – gerade morgens – genug Zeit, wenn Du nicht gerade bis zur allerletzten Minuten in den Federn bleibst ;-)
        2. Mach Deine Kameratasche schon am Vorabend fertig. Stelle ggf. die Aufnahmeparameter schon grob vorher ein, so dass Du alles direkt parat hast. So habe ich den Fernauslöser meist schon in der Jackentasche und brauche ihn nur anzustöpseln, ohne lange danach zu suchen. Alternativ kannst Du natürlich auch schon die Kamera am Stativ befestigen, wenn der Weg nicht zu weit ist.
        Ach ja, 3. Plane genug Zeit für den Weg ein, auch wenn Du ggf. im Stockdüsteren ankommst. Eine kleine Taschenlampe ist dann natürlich für den Aufbau hilfreich. Besser wäre es natürlich noch, wenn Du alles fast blind bedienen kannst :-)

        Aber ich gebe zu, die von Dir geschilderte Problematik ist mir auch nicht ganz unbekannt. So weiß ich jetzt zum Beispiel, dass am Markusplatz in Venedig gegen 7 Uhr die Lichter ausgehen. Dann muss man halt das beste aus der Situation machen oder wiederkommen ;-)

        LG
        Britta

  2. Kleine Kritik, ich mag die blaue Stunde auch sehr. Die blaue Stunde ist aber nicht die Nacht. Die Schatten müssen erheblich heller werden. Der Vorteil der blauen Stunde ist ja, das man kaum die Richtung des Lichtes sieht. Die Bilder sehen trotz blauer Stunde aus wie Gegenlichtaufnahmen mit Shilouette. Bilder, die während der blauen Stnde gemacht werden müssen genauso belichtet und die Kontraste ausgeglichen werden wie andere Fotos, nur dass eben eine besondere Lichtstimmung da ist.

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    • Hallo Andreas,

      vielen Dank für Deine Kritik, die ich aber ehrlich gesagt gar nicht als Kritik aufnehme ;-)
      Du hast recht, einige der Bilder sind eher als Nachtaufnahmen zu sehen. Ich sehe das für mich eher als Ansporn, mir noch mehr Gedanken bezüglich der korrekten Belichtung zu machen. Ich arbeite dran und werde mir beim nächsten Mal mehr Zeit für die Belichtung nehmen. Danke!

      LG
      Britta

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  3. Liebe Britta,
    abgesehen vom Fachausdruck ist mir egal, ob du zur blauen Stunde morgens oder abends unterwegs bist. Deine Auswahl besticht durch den klaren Himmel und deinen durchdachten Bildaufbau. ich liebe deine Aufnahmen der Lichtspuren und freue mich auf weitere Ergebnisse in der Zukunft!
    Herzliche Grüße
    Maike

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    • Liebe Maike,

      danke für Deinen lieben Kommentar. Es freut mich sehr, dass Du Dir meine Bilder gefallen.
      Ja, die Lichtspuren sind schon ein richtiger Glücksgriff gewesen. Leider habe ich in letzter Zeit kaum Zeit zum Fotografieren gefunden und hoffe auf die nächste „passende“ Gelegenheit :-)

      LG
      Britta

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  4. Tolle Fotos & Artikel!
    Ich wollte mal fragen- gibt’s denn in Brügge besondere Plätze wo sich Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang besonders gut fotografieren lassen? :-)

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    • Danke, Julia :-)

      Hm, die Frage ich jetzt nicht so einfach zu beantworten. Ich war schon einige Male in Brügge und mein persönlicher Lieblingsplatz ist am Morgen der Beginenhof. Das liegt aber eher an der Atmosphäre, weil es später am Tag einfach nicht mehr so ruhig und leer ist. Morgens finde ich auch die Groenerei ganz toll, wenn die Kanäle ganz ruhig sind und sich die angrenzenden Gebäude darin spiegeln.

      Einen klassischen Sonnenauf- oder untergang kann man halt in einer Stadt – meiner Meinung nach – immer nur schlecht fotografieren, da meist einfach die Fernsicht fehlt. Aber wirf doch mal einen Blick in den folgenden Artikeln zu Brügge:
      http://www.fotowissen.eu/bruegge-sehen-und-fotografieren-teil-1

      Die Bilder sind alle am frühen Morgen entstanden und dürften die bekanntesten Plätze in Brügge zeigen. Es gibt noch mehrere Artikel zu Brügge. Einfach „Brügge“ oben recht auf der Seite in die Suche eingeben, da werden Dir dann alle Artikel angezeigt. Vielleicht findest Du so einen für Dich geeigneten Platz zum Sonnenauf- und/oder untergang. Perfekt wäre sicherlich der Belfried, aber der öffnet leider erst später, denn von dort kannst Du die gesamte Altstadt überblicken. Der Aufstieg lohnt sich aber auf jeden Fall!

      Viel Spaß in Brügge, es ist wirklich eine schöne alte Stadt mit einem besonderen Flair!

      LG
      Britta

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