Jeder Naturfotograf kennt das: Man geht voller Erwartung auf die Tour und kehrt ohne wesentliche Ausbeute zurück. Besonders die Tierfotografen können davon ein Lied singen. Weil mir das auch schon des Öfteren passiert ist, gehe ich immer mal wieder gern in unseren heimischen Wald. Ein ziemliches Areal von fleißigen Leuten mit Lehrpfaden als Naherholungsgebiet gestaltet. In jedem Wald gibt es so unendliche viele Motive für den Naturfotografen, dass man sicher reichlich Beute mit nachhause bringt. Trotzdem wird es vor jedem Waldbesuch von Vorteil sein, wenn Sie sich zunächst klar werden, was denn der Wald überhaupt ist. Natürlich ist er vorrangig eine „Ansammlung von Bäumen“. Manchmal sind es immer wieder die gleichen Baumarten, es gibt aber auch Wälder, in den alles schön „durcheinander wächst“, so wie wir Naturfotografen das gern haben.
Motivgruppen im Wald
– Die erste Motivgruppe wären die Bäume mit ihren Ästen und Zweigen, den Blättern, den Blüten und den Früchten.
– Die Kronen der Bäume auch ihre Stämme bieten verschiedenen Tieren Unterschlupf. Das wäre die zweite Motivgruppe.
– Bäume werden oft sehr alt, sterben aber auch durch negative Umwelteinflüsse ab. Dieses Totholz wird dann der Lebensraum zahlreicher Insekten, von denen wieder so mancher Vogel lebt. Als dritte Motivgruppe können Sie das Totholz mit den Tieren in oder an ihm wählen.
– Unterhalb der Baumkronen wachsen andere Holzgewächse. Sie haben keinen so kräftigen Stamm, sondern viele weniger starke Äste und Zweige, an ihnen gibt es Blätter, Blüten und Früchte, in ihnen leben auch Tiere. Die Sträucher des Waldes können für den Naturfotografen die vierte Motivgruppe sein.
– Blicken Sie noch weiter nach unten, dann entdecken Sie als fünfte Motivgruppe die Kräuter des Waldes, also die im Vergleich zu den Bäumen und Sträuchern kleinen Pflanzen, deren Stängel nicht verholzt sind. Von denen erscheinen im Frühjahr andere als im Sommer. Im Frühjahr blühen die lichthungrigen, später die die den Schatten lieben.
– Nun schauen wir noch wo wir eigentlich stehen, auf der Moosschicht – Motivgruppe sechs. In diesem Bereich stehen nicht nur unterschiedliche Moose, darin leben wieder viele Insekten.
Nun wählen Sie aus, welche Motivgruppe Ihr Interesse findet und überlegen in welchen Wald Sie dann gehen möchten. Natürlich in den, der in der Nähe Ihres Wohnortes ist, den Sie schnell und ohne große Umstände erreichen können. Aber schauen Sie sich diesen Wald auch ganz genau an.
Der Wald kann deutlich das Wirken des Menschen zeigen. In manchem Wald hat er massiv eingegriffen oder er wurde sogar von ihm geschaffen. Oft sind das Anpflanzungen, die nur der Holzwirtschaft dienen.
Weil darin immer nur eine Baumart wächst, werden sie Monokulturen (mono – eins) genannt. Darin finden Sie wenige Pflanzen, weil die Licht- und Bodenverhältnisse nicht günstig sind. Tiere fühlen sich hier auch nicht wohl, die finden selten ihr Futter. In manchen dieser Wälder sieht es schlimm, dunkel und trostlos aus. Für den Fotografen haben solche Waldgebiete allerdings auch ihren Reiz. So kann man Düsternis, Märchenstimmung und Bedrohung wie in einem Kriminalfilm ausdrücken. Aber das ist ja nicht die eigentliche Naturfotografie.
Naturfotografen suchen in aller Regel Wälder auf, die ohne wesentlichen Einfluss des Menschen entstanden sind. Dort stehen die verschiedensten Bäume, unterschiedliche Sträucher und die schönsten Kräuter, Farne und Moose. Zwischen all diesen Pflanzen leben Tiere, große wie ein Reh aber auch kleine wie die Würmer und Käfer. Und das alles kunterbunt durcheinander, als hätte man die Bestandteile solcher Wälder gemischt, es sind eben Mischwälder.
Bei meinem letzten Gang durch den heimischen Wald kam bedauerlicher Weise noch eine Motivgruppe hinzu, der ich dann auch meine ganze Aufmerksamkeit schenkte:
Die durchaus traurige Fototour
Ich lebe an der Nordseeküste Schleswig – Holsteins in Husum. Über uns zogen vom 27. bis 29.10.2013 der Orkan Christian und vom 4. bis 6.12. 2013 der Orkan Xaver hinweg und demonstrierten uns die Kräfte der Natur. Ein großer Teil (ca. 60 %) des Baumbestandes im Husumer Wald bei Schobüll wurde in diesen Tagen gefällt. Aus verschiedenen Gründen konnte ich den Wald erst in diesen Tagen besuchen. Ich stellte mir die Aufgabe, das Ausmaß der Schäden und den Zustand der Waldflächen nach ersten Maßnahmen der Forstwirtschaft in wenigen Fotos zu dokumentieren, denn ich denke, dass der Naturfotograf nicht nur nach wunderschönen Motiven suchen soll, sondern auch Zustände in der Natur dokumentieren muss.
Größere Bereiche wurden vom Orkan in Kahlschläge verwandelt, man kann sehen wie und wo er durch das Waldgebiet zog.
Aber auch einzelne Flachwurzler in Beständen haben Christian und Xaver gefällt.
Das ganze Ausmaß der Schäden lässt sich aus diesem beiden Bildern herauslesen. Nicht nur die Masse der Bäume, der Stapel im Bild ist nicht der einzige im Waldgebiet, auch was hier für prächtige Bäume standen und gefällt wurden, stimmte mich traurig. Neben den zahlreichen Holzstapeln lagen ebenso viele Haufen mit Ästen und Zweigen. Darunter auch ein prächtiger Ast einer Lärche. Obwohl er zum Absterben bestimmt war nutzte er seine noch verbliebene Kraft und trieb aus. Und auf einer kleinen Insel mitten in einem Kahlschlag blühte das Hasenglöckchen.
Meine Gedanken beim Verlassen des Waldgebietes: Viele Bäume sind gestorben, der Wald wird leben – ich weiß aus Veröffentlichungen in der örtlichen Medien, dass ihm der Mensch dabei helfen wird.
https://www.fotowissen.eu/fotokurs-fuer-junge-fotografen/
http://www.vierfarben.de/der-fotokurs-fur-junge-fotografen/3313/titel/
http://www.aulis.de/items/view/digitalfotografie-fur-den-biologieunterricht.html


















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