Individueller Fotokurs - Besser fotografieren lernen

Analog Fotografieren mit Film – Zurück in die Vergangenheit?

Analog Fotografieren mit Film erlebt seit einigen Jahren eine starke Renaissance. Was ist dran an dem Thema, warum sollten Sie Ihre analoge Kamera wieder herausholen? Wie kann man heute Filme entwickeln lassen? Antworten:

Analog Fotografieren mit Film - Zurück in die Vergangenheit?

Zurück in die Vergangenheit

Wenn wir nicht Sammler und Jäger wären, würden wir unser alten analogen Kameras längst verschenkt oder verkauft haben. Tatsächlich hängen wir an unserer fotografischen Vergangenheit. Vermutlich wird jemand, der vom Hobby Fotografie begeistert ist, so lange fotografieren, bis sie / er in die Kiste geht.

Das digitale fotografische Zeitalter

Nun sind wir seit Jahren sehr verwöhnt mit der digitalen Fotografie, die vermeintlich kostenlos ist. Doch ist sie das wirklich? Benötigen wir nicht zunächst einen gewissen Investitionsbedarf, auch einen Rechner und jede Menge Software? Ein Stativ*, einen Blitz*, einen Fernauslöser*, ein weiteres Objektiv*, Filter*, Kameratasche #2*, Fotorucksack* und vieles mehr (*diese Dinge benötigt man natürlich auch in der analogen Fotografie)? Natürlich ist das nicht kostenlos. Aber später müssen wir uns pro Foto nicht mehr so große Gedanken machen. Doch aufgepasst:

Ohne Abzüge ist die Fotografie nicht besser sondern weniger

Was möchte ich bitte mit den digitalen Bilddaten auf dem Rechner oder dem Smartphone? Verschickt sind die flüchtigen Fotos recht schnell an Freunde und Verwandte. Aber sie werden dort im Zeitalter der vielen Eindrücke kaum mit mehr als einem „Schön!“ gewürdigt. Das war´s. Das Ende der digitalen Fotografie?!

In der analogen Fotografie mit Negativen bekomme ich Abzüge, die ich fühlen kann, besprechen kann, hervorholen kann. Ist das der einzige Unterschied zwischen analoger Fotografie und digitaler Fotografie? Oder ist da noch etwas weitaus Spannenderes?

Video Analoges Fotografieren und Entwickeln lassen

Die Schallplatte ist anders

Schon beim Einlegen des Films ist das Gefühl ein ganz anderes, als beim Einlegen einer Speicherkarte. Das Erlebnis analoge Fotografie ist vergleichbar mit der Musik-CD und der Schallplatte. Auch die Schallplatte vorsichtig mit den Händen am Rand aus der Hülle zu nehmen und auf den Schallplattenspieler zu legen ist ein Erlebnis, welches wir nicht vergleichen können mit dem Einlegen einer CD, schon gar nicht mit dem Hören eines Titels aus der digitalen Musikbibliothek. Es ist pure Nostalgie, die mitschwingt, ganz ähnlich wie beim Einlegen eines Films.

Das Hörerlebnis einer Schallplatte ist auch ein anderes. Die Töne sind wärmer, einfach schöner. Das kann auch mit dem analogen Fotografieren auf Film der Fall sein:

Rolleicord

Belichtungseinstellungen leicht gemacht

Belichtungseinstellungen beim Analog Fotografieren leicht gemacht. Falls mal kein Belichtungsmesser zur Verfügung steht.

Analog Fotografieren versus Digital Fotografieren

Wir legen den Film ein und begeben uns auf eine Reise zurück in die Vergangenheit. Oder ist es die Gegenwart? In meinem Falle sind es inzwischen gefühlte 20 Jahre der ausschließlich digitalen Fotografie mit Aufträgen aus allen Lebensbereichen, bevor ich wieder zum Film greife:

Ich bestelle kurzer Hand zwei Fujifilm Acros Schwarzweiß Filme mit ISO 100, ähem ASA 100 (älteren Semestern wird 21° Din noch etwas sagen). Leider sind beide Filme beim Eintreffen nur in Aluminium verpackt und es gibt keine Pappverpackung. Die Verpackung hätte ich doch gerne für diesen Beitrag fotografiert!

Fujifilm Acros 120er und Belichtungsmesser

Fujifilm Acros 120er und Belichtungsmesser

120er Film einlegen

Hinein mit dem 120er Acros-Film in die alte Rolleicord. Ich weiß noch wie es geht, allerdings mache ich beim Vorspulen irgendeinen Fehler, denn das erste Negativ ist später zur Hälfte weiß. Dabei hatte ich doch die Pfeile mit den roten Punkten in Übereinstimmung gebracht? Denkste, irgend etwas lief schief!

Mittelformat Kamera Rolleicord 6x6

Mittelformat Kamera Rolleicord 6×6

Ich spule vor, bis ein Klack-Geräusch zu hören ist. Jetzt kann es los gehen. Vor lauter Aufregung, vergesse ich beinahe meinen Belichtungsmesser mitzunehmen. Der muss mit, schließlich bietet die alte 6×6 Kamera keinen eingebauten Belichtungsmesser. Ich setze noch einen Orange-Filter vor das untere Objektiv, welches die Aufnahmen mit besonderer Note auf den Schwarzweiß-Film bannt. Das obere Objektiv der zweiäugigen Kamera dient ausschließlich dem Fokussieren durch den Schachtsucher. Mit dem Orange-Filter begehe ich den zweiten Fehler…

Hinaus zum analogen Fotografieren

Ich gehe in den nahe gelegenen Park. Dort hoffe ich auf 12 Motive für den breiten Film. Mit 56x56mm ist ein Negativ im Mittelformat groß genug für ein Poster an der Wand. Ich finde schnell die ersten Schwarzweiß-Motive. Durch den Schachtsucher korrigiere ich ständig in die falsche Richtung. Schließlich steht nichts auf dem Kopf, aber alles ist seitenverkehrt. Analog zu Fotografieren ist tatsächlich anders. Slow Photography – Achtsame Fotografie holt jeden Fotoamateur aus dem stressigen Alltag herunter auf den Boden. Ich drücke nicht gleich ab. Ich überlege gefühlte zwei Minuten, ob sich das Motiv auch lohnt.

Dann endlich macht es leise Klick. Der Zentralverschluss der Kamera hat ausgeführt, was ich ihm mit Hilfe des Belichtungsmessers auftrug. Mit dem Klick-Geräusch geht mir das Herz auf. Nostalgische Gefühle finden sich in meiner Brust. Schnell ist anders: bei einer 1/500 Sekunde ist die kürzeste Verschlusszeit erreicht. Die Blenden reichen von F3.5 bis F22. Wer das Fotografieren mit dem Mittelformat gelernt hat, der weiß, dass eine Blende 8 bei diesem 75mm Objektiv je nach Distanz zum Objekt nur wenig Schärfentiefe bedeutet. In der Aufregung der Vergangenheits-Erinnerungen verschwitze ich es, den Orange-Filter in meine Belichtungsmessung einfließen zu lassen. Kommentare zu meinen Fehlern sind übrigens nicht erwünscht :-).

Nur 12 Fotos pro Film

Ich erreiche schnell die Marke von 9 Bildern. Dann treffe ich auf Melvin (Name von der Redaktion geändert), einen meiner Lieblingshunde im Park, der mich freudig begrüßt. Ich schaffe es die Rolleicord vor ihm in Sicherheit zu bringen und tanze dabei fast auf einem Bein. Melvin schaffte es beinahe mich aus den Schuhen zu hauen, als er wie immer kräftig seine Schnauze in den Schritt drückt, bevor sein Frauchen fragend um die Ecke schaut. Melvin hatte mich gehört, gerochen oder sonst wie gefunden und war dem Frauchen entschwunden.

Zur Belohnung für die süßsaure Begegnung fotografiere ich die beiden mit der alten Rolleicord im Mittelformat. Eine Belichtungsmessung geht dem Foto voraus. Ich versuche die störende Straßenlaterne im Hintergrund auszublenden und gehe prompt wieder in die falsche Richtung, bevor ich mich an die Seitenverkehrung des Mittelformat-Schachtsuchers erinnnere.

Beide Probanten hatten genau beim Klick den Kopf gen Rasen gesenkt. „Verflucht“, denke ich, wieder ein Euro im Gulli. Ich lasse es noch einmal Klick machen und achte bewusst darauf, beide Blicke erst in meine Kamera zu lenken. Das scheint funktioniert zu haben. Wir machen uns zu Dritt auf den Weg zum Ausgang des Parks. Noch ein Bild und ich bin durch. Der Film ist zu Ende.

Analog Fotografieren – Digital Verarbeiten

Ich sende den Film in einem gepolsterten Umschlag an das Labor „MeinFilmLab“. Dazu fülle ich vorab ein PDF-Dokument aus der Webseite aus und wünsche mir alles, was möglich ist:

  • Entwicklung des Schwarzweiss-Filmes per Hand
  • TIF 16BIT Dateien
  • Brennen auf Datenträger
  • Silverhalide Abzüge im Format 15x15cm
  • Scans in hoher Auflösung
  • Rückversand der Negative

Um die EUR 42,- kostet diese Premium-Version der Filmentwicklung und Digitalisierung, es ginge auch sehr viel billiger. Ich denke nicht weiter drüber nach, sondern freue mich auf die Ergebnisse. „Hoffentlich geht das schnell!“, schießt es mir durch den Kopf, bevor ich mich wieder erinnere zu entschleunigen. Hatte ich das nicht gerade gelernt?

Das Labor

Tags drauf lese ich schon eine eMail mit der PDF-Rechnung, die ich promt überweise. Nur fünf Arbeitstage später erhalte ich eine ausführliche eMail mit dem freundlichen Hinweis: „Ihr Auftrag war teilweise knapp belichtet.“. Das war sehr freundlich ausgedrückt und ich bekomme das beklemmende Gefühl die Aufnahmen könnten daneben gegangen sein.

Nochmal einen Werktag später halte ich freudestrahlend den Umschlag in der Hand, der sogar eine CD mit den digitalen Daten enthält. Das Labor hat ganze Arbeit geleistet und sauber gescannt. Auch die Abzüge sind sehenswert. Eine sehr gute Arbeit. In dieser Hinsicht überraschend war die ausführliche eMail mit den wertvollen Hinweisen. Wer macht sich schon solche Mühe? Dieses Labor kann ich guten Herzens empfehlen! Es war nicht mein letzter Film, ich habe Spaß am Analogen gefunden und Lunte gerochen…

MeinFilmLab >>

Mein Beitrag wird in keiner Weise von dem Unternehmen MeinFilmLab initiiert oder unterstützt. Ich habe den regulären Preis für die Arbieten selbst gezahlt und den Serivce sehr gerne für Sie getestet. Der Artikel hat ungefähr 3 Tage Arbeit gekostet, inklusive des Videos, der Bilder und des Berichts. Ich hoffe, Sie werden motiviert und gut informiert? Bitte schrieben Sie Ihren Kommentar unten in das Kommentarfeld. Hier die Bilder:

Mein Film Lab - Entwicklung und Digitalisierung

Mein Film Lab – Entwicklung und Digitalisierung

Die analogen Bilder

Diese Bilder sind unbearbeitet, so wie MeinFilmLab die Fotos digitalisierte:

Bei Calumetphoto bestellen:

Fujifilm Acros Rollfim >>

Ilford Pan F >>

Bei Amazon bestellen:

Acros Rollfilm >>

Ilford Pan F >>

Ilford FP4 Plus >>

Ilford Delta 3200 120 >>

In eigener Sache:

Fotokurs mit Peter Roskothen

Haben Sie Spaß am digitalen oder analogen Fotografieren und möchten sich weiterbilden? Ich biete den individuellen Fotokurs (max. zu Zweit: Paare, Freunde,…), in dem Sie als Anfänger und Fortgeschrittener Fotoamateur genau das lernen, was Sie möchten. Detaillierte Infos finden Sie hier:

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© Peter Roskothen ist Profi-Fotograf, Fototrainer, Fotojournalist – Analog Fotografieren mit Film – Zurück in die Vergangenheit?

Dies ist eine Serie von Beiträgen - Analoges Fotografieren - Lesen Sie die ganze Serie:

Autor: Peter Roskothen

Ich, Peter Roskothen bin Profi-Fotograf, Fotojournalist sowie Fototrainer und schreibe auf *fotowissen für andere Foto-Amateure und ambitionierte Fotografen. Die digitale Fotografie ist meine Passion. Ich liebe alle Fotogenre und fotografiere genauso begeistert, wie ich Fotokurse gebe.

Jeder kann fotografieren und mit *fotowissen möchten alle Autoren zu Ihren besseren Fotos beitragen. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit Pixelzählen, sondern mit Technik für Menschen und den Bildern im Speziellen (Fotoblog). Im Fotoblog helfen wir Fotos zu analysieren und konstruktiv nach vorne zu bringen. Übrigens stellen dort viele meiner Fotokursteilnehmer ihre Bilder aus.

Meine ganz eigene Homepage mit Fotografien, Fotokursen und Webdesign finden Sie unter Peter Roskothen Fotokunst & Design.

3 Kommentare

  1. Ich kann dieses Loblied auf die «gute alte» Analogfotografie nicht nachvollziehen. Der Autor insinuiert, dass allein durch das Fotografieren auf Film die Bilder ein höheres Niveau an Qualität erlangen. Das ist verklärende Nostalgie pur, die insbesondere die vielen Vorzüge der digitalen Fotografie ausblendet.

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    • Wer lesen und zuhören kann ist klar im Vorteil. Dieser Kommentar hätte eine Schulnote von 6 verdient. Nicht gelesen, nicht verstanden, nicht begründet, nicht gedacht.

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  2. Es muss ja nicht immer der große Fluss sein: Bei https://www.fotoimpex.de/ kostet die 5er Packung Acros 31,50 – und auch bei den vielen anderen Filmen, Zubehörteilen, Studiobedarf, Filtern (!) etc. lohnt ein Blick …

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