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Alles rund um Graufilter – Teil 4/4 – Die Aufnahme

Graufilter / ND-Filter – Die Aufnahme

 

  • Aufnahme mit dem Fernauslöser starten; bei Zeiten über 30 Sekunden zum richtigen Zeitpunkt beenden.
  • Ist kein Fernauslöser zur Hand und die Belichtungszeit liegt unter 30 Sekunden: Selbstauslöser der Kamera auf ein kurzes Vorlaufintervall stellen, n.M. die Spiegelvorauslösung aktivieren und den Auslöser der Kamera sehr vorsichtig durchdrücken.

Markusplatz - Fotografieren mit Canon 24mm TS-E

Bei Langzeitbelichtungen sollte man Tilt-Shift-Objektive abdecken; sie sind nicht lichtdicht.

Einstellungsdetails

  • Einen ggf. in der Aufnahme vorhandenen Farbstich (durch einen starken oder qualitativ nicht optimalen Graufilter) in der Bildverarbeitung korrigieren.
  • Wenn man nicht im RAW-Format fotografieren kann oder möchte: U.U. die gleiche Aufnahme nochmals mit einer anderen Weißabgleicheinstellung wiederholen, damit man später am PC / Mac bei Farbabweichungen die am besten geeignete Aufnahme dafür verwenden kann.
    Wenn man etwas Übung hat und weiß, welche Weißabgleicheinstellung mit dem eigenen Filter am besten geeignet ist, kann man später vor der Aufnahme gleich den passenden Weißabgleich einstellen.
  • Manche Kameras haben eine „Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtungen“ die ein- oder ausgeschaltet werden kann.
    Dabei wird nach Aufnahme das Bild in der Kamera einer Bildbearbeitung unterzogen und versucht mögliches Bildrauschen bereits vor Speichern des Bildes herauszurechnen. Die hierfür benötigte Zeit entspricht der Zeit, die die Belichtung selbst benötigt hat. (siehe „Schwarzbildabzug“)
    Hier wäre mein Tip einfach mal zwei Testaufnahmen mit und ohne aktive „Langzeit Rauschunterdrückung“ zu erstellen. Ich denke Sie selbst können am besten beurteilen, ob diese Kamera-Funktion in der jeweiligen Belichtungssituation, für Sie nützlich ist, oder nicht.Für die Aufnahmen in der „blauen Stunde“: Schalten Sie bei solchen Aufnahmen diese Funktion eher aus. Die Lichtverhältnisse die Sie bei solchen Aufnahmen erhoffen, halten sich u.U. nur 20-30 Minuten oder auch kürzer. Sie nehmen sich u.U. die Möglichkeit in dieser kurzen Zeitspanne eine zweite oder dritte Szene aufzunehmen, da die Belichtungen zu lange dauern.
  • Für Nachtaufnahmen: Taschenlampe (ggf. Kopfleuchte) nicht vergessen! Es ist ausgesprochen blöd, wenn Sie nach den Aufnahmen Ihre Ausrüstung in den Fotorucksack verstauen möchten und dabei kaum die Hand vor Augen sehen. Auch ist dann der Rückweg in unbeleuchtetem Gelände nicht ganz so einfach. (eigentlich trivial, aber wehe Sie haben – als es noch hell war – nicht daran gedacht…)

Randbemerkung: Slow down !

Ich denke, Sie können jetzt nachvollziehen, dass solche Aufnahmen nicht mal eben gemacht sind.

Wenn Sie die Szene fotografiert haben und eine weitere Szene aufnehmen möchten, müssen Sie zunächst den Graufilter wieder herunternehmen, da Sie sonst (bei stärkerem Graufilter) nicht scharfstellen können und auch die neue Belichtungszeit nicht messen können. Ein ggf. angebrachter Okulardeckel muss wieder herunter, usw. usw.

Es dauert also etwas bis man bereit ist für eine weitere Aufnahme. Der Aufwand ist nicht unerheblich. Wenn Sie Fotos gut machen möchten, werden Sie sehr schnell feststellen, dass es hilfreich ist vorher zu planen was Sie aufnehmen möchten und wann dies möglich ist.

Sie werden bei dieser Art Fotografie nicht mit 50 aufgenommenen Szenen nach Hause kommen, sondern vielleicht mit 5.

Wenn Sie also an Ihrem gewünschten Ort ankommen, wäre es ausgesprochen ärgerlich, wenn die Sonne oder der Mond an der (für Ihr Foto) völlig falschen Stelle stehen würde. Sie sind eher der Architekturfotograf ? Denken Sie über Länge und Richtung der Schlagschatten von Gebäuden nach. Schade, wenn die von Ihnen fotografierte Szene von einem dunklen kontrastreichen Schlagschatten durchzogen wird, wo sie ihn so gar nicht haben wollten.

Wenn sie vorher wissen was Sie aufnehmen möchten, können Sie bereits vorher planen wann Sie an einem bestimmten Ort sein sollten.

Im Internet gibt es z.B. die Webseite http://suncalc.net mit deren Hilfe Sie zu jedem Ort und Zeitpunkt! genau sehen können, wann die Sonne wo stehen wird. Da dies eine WEB-Seite ist, ist noch nicht einmal die Installation einer Software auf Ihrem Rechner erforderlich.

Wer es noch etwas genauer haben möchte, kann sich unter http://photoephemeris.com/ eine Desktop Lösung kostenlos herunter laden, die noch mehr kann.
Sie zeigt z.B. auch zu erwartende Schattenlängen und Richtungen, Mondauf- und Untergangszeiten (Vollmond und Neumond führen logischer Weise bei Nachtaufnahmen zu völlig unterschiedlichen Belichtungssituationen), den Winkel der Sonne über dem Horizont.

Wird die Sonne z.B. zum Zeitpunkt des ursprünglich erwarteten Sonnenuntergangs bereits von einem Berg verdeckt der Sonnenuntergang ist hier viel früher ?
Hierzu gibt es dann auch eine (kostenpflichtige) App (TPE) für iOS Geräte. Eine Alternative zu TPE gibt es auch ( im App-Store von Apple ) unter „PhotoPills“. Mit beiden kann man dann auch unterwegs genau ermitteln, wann man wo sein sollte.

Es wäre doch schade, wenn Sie den tollen Sonnenuntergang, den Sie mit Ihrem Graufilter aufnehmen wollten, gerade um 10 Minuten verpasst hätten.

Warum nicht einfach den Grauverlaufsfilter der Bildberarbeitung nachträglich nutzen?

  1. Wenn ich den Graufilter genutzt habe um Bewegungsunschärfe ins Bild zu bekommen (‚Wasserfall‘), nutzt mir der Grauverlaufsfilter in meiner Software gar nichts.Wie sollte dieser die Bewegungsunschärfe erzeugen?Die lange Belichtungszeit fehlt in der Aufnahme. Seit kurzem gibt es z.B. in Photoshop CC einen Filter der Bewegungsunschärfe simuliert, das ist aber nicht das gleiche.
  2. Wenn ich einen Grauverlaufsfilter genutzt habe um die Kontrastumfang im Bild zu reduzieren: Hier kann Lightroom & Co. ansatzweise helfen. Dies funktioniert um so besser, je mehr Strukturinformationen im Bild vorhanden sind.Wenn der Himmel im Bild nahezu weiß ist, fehlen die Struktur-Informationen in der Bilddatei. Die kann eine Bildbearbeitung auch nicht mehr nachträglich hinein zaubern.Sind noch Reste an Struktur-Informationen im Bild, kann die Bildverarbeitung diese ggf. sichtbar machen. Ziel sollte es aber sein einem korrekt belichteten Bild in der Bildverarbeitung den letzten Schliff zu geben – und nicht ein teilweise ‚falsch‘ belichtetes Bild irgendwie passabel zu machen.

Warum nicht HDR als Ersatz für Graufilter?

Hier gilt ähnliches. Selbstverständlich ist HDR für das Thema „Bewegungsunschärfe“ ebenfalls keine Lösung.
Ein HDR Bild erzeugt man, in dem mehrere unterschiedlich belichtete Bilder von einer passenden Software miteinander verrechnet werden, so dass im Ergebnis alle Bereiche des Bildes durchgezeichnet sind.
Damit gibt man aber einen Teil seines Gestaltungsspielraums ab. Welchen Bereich des Bildes ich durch den Graufilter in der Helligkeit reduziere kann ich selbst genau bestimmen. Beim HDR nicht.

So, Interesse an Graufiltern bekommen ? Dann nichts wie los !

Kaufempfehlung ND Filter von Peter Roskothen
Ich persönlich nutze drei ND Filter mit sogenannten Step-Up-Ringen für verschiedene Objektivdurchmesser (Links zu Amazon):

Warum drei verschiedene Stärken? Ich wollte im Laufe meiner fotografischen Jahre immer wieder mal in der hellsten Sonne lange Zeit belichten. Dann benötigt man je nach Blendenzahl den 10 EV oder 6 EV Filter. Für Aufnahmen im Wald sind oft der 3 EV oder 6EV Filter perfekt.

Warum 77mm Filterdurchmesser? Einige wenige Objektive im APS-C Format (Fujifilm) und Vollformat (Canon) haben einen größten Filterdurchmesser von 77 mm. Mein Tipp: Suchen Sie sich den größten Durchmesser ihres Objektivssortiments heraus und denken dabei noch an die Zukunft. Es kann durchaus sein, dass sie mal ein Objektiv mit 77 mm Durchmesser nutzen. Dann ist es wertvoll, dass sie alle Filter mit 77 mm Durchmesser erwerben plus den Step-Up-Ringen. Spielen Sie mit der Idee, sich eine Mittelformatkamera zu kaufen, dann sollten Sie gleich über Filter mit einem Durchmesser von 82 mm nachdenken.

Mit Hilfe der Ringe schrauben Sie diese Filter an alle Objektive, können aber die Streiflichtblende nicht mehr nutzen. Für einen Polfilter ist die gleichzeitige Verwendung der Steiflichtblende meist sowieso nicht möglich, da Sie den Filter meist immer wieder neu einstellen.

Für alle, die gerne ein komplettes Set von Schiebefiltern haben möchten:

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Dies ist eine Serie von Beiträgen - Alles rund um Graufilter - Lesen Sie die ganze Serie:

Über den Autor

Ulrich Schifferings

Ich bin seit vielen Jahren Hobby-Fotograf und arbeite seit 2003 mit NIKON Kameras. Zuerst mit einer der ersten digitalen Bridge-Kameras, später mit einer DSLR.

6 Kommentare

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  • Hallo Ulrich,

    kann mich nur wiederholen, ein super den du da geschrieben hast.

    Ich finde ihn sehr verständlich, das soll wohl was heißen;-)

    Lieben Gruß

    Susanne

  • Ein hervorragender Beitrag, Ulrich.
    Ich habe mir alles genau angesehen und frage mich jetzt gerade, ob ich von Cokin auf Lee umsteigen soll. Cokin hat keinen ND 3.0 Filter im Programm. Es gibt wohl einige Fremdhersteller, die einen Filter für das Cokin P System anbieten, aber ob die taugen?
    Zudem ist einer der ND Filter von Cokin mir gerade an der Ecke abgebrochen. Das wäre mit Glas sicher nicht passiert. Und das Aufstecken und Abnehmen der Filter zum Bestimmten des Bildausschnitts ist extrem fummelig. Ist das bei LEE besser gelöst?
    Darum hier die ultimative Frage: Welche Filter nutzt Du selbst?

    • Hallo Peter,
      ich habe mich seinerzeit für die Cokin Filter entschieden.
      Es ist aber weniger wichtig was ich nutze – als warum.
      Ich habe vor dem Kauf sehr lange überlegt und abgewogen.
      Ich selbst habe keinen Lee Filter, diese aber mehrfach im Einsatz gesehen und glaube sie schon beurteilen zu können.
      Ergebnis: Ja, aus meiner Sicht ist Lee besser. (Punkt).
      Warum habe ich trotzdem Cokin gekauft ? Weil ich Fotoamateur bin und Lee zum Kaufzeitpunkt rund 60% teurer war als Cokin.
      Da Cokin ja keinesfalls schlecht ist (dann hätte ich sie nicht gekauft), sondern ” im Vergleich zu Lee zweiter Sieger,
      war mir der Kostenvorteil wichtig. Ich war mir auch noch nicht klar wie viel ich die Filter dann tatsächlich nutzen würde.

      Zum ND 3,0: Nein, den gibts von Cokin nicht. Ich nutze dafür einen klassischen Rundfilter. Nachteil: Diesen mit einem weiteren
      ND Filter zu kombinieren ist fummelig. Umgekehrt: Ich habe meinen Cokin Halter so umgebaut dass eh nur ein Filter aufgenommen
      werden kann um Randabschattungen bei Weitwinkel Aufnahmen zu verhindern. Mit zwei Einschüben mußt Du ausprobieren ob das passt.

      Also: Wenn Dich die Kosten für Lee nicht schrecken, wäre das eine super Wahl. Wenn Du preisbewußter bist, tut es Cokin in jedem Fall auch.
      Ist halt der Golf und nicht der Audi :-)

      • Danke Ulrich, ich möchte auch keinen Systemwechsel betreiben. Ich habe gerade einige Langzeitbelichtungen erstellt, für welche ich im Cokin-Filterhalter drei Filter addiert habe. Ich hatte keinen ND 3.0 Filter, so habe ich einen Polfilter, einen ND-Filter P153 und P154 kombiniert. So kam ich auf 20-30 Sekunden Belichtungszeit.

        Aber das ist sehr fummelig. Ich neige auch dazu einen 77mm ND 3.0 Filter zu kaufen. Hattest Du jemals Reflektionsprobleme, so dass Du in der Aufnahme die Front Deines Objektives sehen konntest?

      • Hallo Peter,
        nein, keine Reflexionen.
        Ich nutze dafür einen Heliopan ND3,0 82mm mit Step-Down Ring auf 77mm damit ich ihn auf Objektiven mit beiden Durchmessern nutzen kann.
        Der Big Stopper von Lee passt übrigens meines Wissens nach (im Gegensatz zu den sonstigen Filterscheiben von Lee) nicht auf Cokin.

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Die *fotowissen Autoren

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