Farbumfang von digitalen Fotos und RAW-Fotografie
Wer ambitioniert oder professionell fotografiert, wird sich früher oder später mit dem RAW-Format seiner Kamera auseinander setzen wollen. Aber auch wer mit JPG (Kurzform von JPEG) glücklich ist, weil es weniger Platz benötigt oder weil die Kamera nichts anderes liefern kann, der sollte wissen, was Farbumfang in der Fotografie bedeutet.
RAW-JPG ein Vergleich:
- RAW-Fotos sind das Beste was Sie von einer Digitalkamera bekommen können
- RAW-Fotos haben mögliche 48 BIT Farbtiefe
- RAW-Fotos benötigen mehr Speicherplatz auf der Karte und der Festplatte
- RAW-Fotos müssen alle bearbeitet werden (Tonwerte, Gradiationskurve, Weißabgleich…)
- RAW-Fotos benötigen mehr Zeit und Know-how
- RAW-Fotos erleichtern die Korrektur der Farbtemperatur
- RAW-Fotos verleihen ungeahnte Möglichkeiten bei der Korrektur der Belichtung
- JPG (gesprochen “dschjeipäg”) sind einfacher, haben aber auch weniger Bearbeitungsspielraum
- JPG sind komprimiert und verlustbehaftet aber auch kleiner und sparsamer
- JPG kann ich nicht in 16 BIT Farbtiefe pro Kanal erhalten, sondern nur mit 8 BIT pro Kanal (24 BIT insgesamt)
- JPG ist hinsichtlich der Farbkorrektur schwierig. Die Korrektur ähnelt mehr einem Ratespiel wenn das Foto keine Grautöne enthält
- JPG ist eine sehr gute Vereinfachung für Nichtfachleute hinter der Kamera. JPG korrigiert vieles recht optimal
TIP: Canon SLR-Kameras (Single Lens Reflex = Spiegelreflex) haben die Möglichkeit beides gleichzeitig zu speichern: RAW und JPG. Hat man wenig Zeit, greift man zum fertigen JPG, hat man falsche Belichtungen oder Farben durch falschen Kamera-Weißabgleich, kann man zum RAW greifen.
Zunächst arbeiten wir mit Digitalkameras alle im RGB-Farbraum. Das steht im Gegensatz zum Offsetdruck oder auch zu den meisten Tintenstrahlern, die den CMYK-Farbraum nutzen. In der Kette der Verarbeitung ist daher eine Farbabweichung zwischen Motiv, Aufnahme, Monitor und Druck unausweichlich. Beide Farbräume haben nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Wiedergabe der Farben, die das menschliche Auge im Original wahrnimmt.
Der RGB-Farbraum ist additiv. Je mehr Licht ich von den drei Kanälen Rot, Grün und Blau hinzugebe, desto heller wird das Bild, bis es bei voller Helligkeit aller Kanäle weiß wird. Leicht verständlich ist das am Monitor: wenn alle drei Strahlen vorne in der feinen Maske mit voller Helligkeit zusammentreffen, entsteht Weiß. Der CMYK-Farbraum ist subtraktiv: er entzieht mit mehr und mehr Farbauftrag dem weißen Papier die Helligkeit.

Es gibt verschiedene RGB-Farbräume: SRGB und Adobe-RGB zum Beispiel. Während es sich in der Arbeitskette für Profis anbietet den Adobe-RGB-Farbraum zu nutzen, weil dieser einen größeren Farbraum zur Verfügung stellt, ist die Ausgabe ja meist eine Wandlung in den SRGB oder CMYK-Farbraum, weil die meisten Ausgabemedien nicht anders drucken können.
Tip: Wir wandeln für Kunden die Fotos bei Auslieferung in SRGB um, weil wir Abzüge in beiden Varianten nebeneinander gehalten haben und die Farben und Hauttöne bei den Fotos im SRGB-Farbraum besser waren. Das ist natürlich nur ein subjektiver Eindruck und daher sollte das mal jeder selber versuchen (und seine Erfahrungen ruhig hier als Kommentar posten). Das beste Licht für einen Vergleich ist Normlicht, das beste kostenlose Licht, eines was durch ein Nordfenster einfällt an einem bedeckten Tag.
Der Farbumfang eines Fotos ist dann entscheidend, wenn man hinterher am Bild die Tonwertkurve spreizt oder sagen wir einfach wenn man die Tonwertkurve bearbeitet. In einem 24 BIT Foto entstehen beim Spreizen des Fotos hässliche Lücken in der Tonwertkurve, in denen später Bildinformationen fehlen. Das kann bei Verläufen zum Beispiel im Himmel oder in der Haut sehr leicht zu plakativen Eindrücken und Abrissen führen.

Tonwertkurve vor der Bearbeitung – Tonwertkurve nach der Bearbeitung
Diese Lücken entstehen beim RAW im 48 BIT Modus nicht. Dort hat man statt 8 BIT pro Kanal (2 hoch 8 ist 256) nicht nur 256 Helligkeiten pro Kanal zur Verfügung, sondern man hat 16 Bit (2 hoch 16 ist 65536), also 65536 Helligkeiten pro Kanal zur Verfügung. Das bedeutet man arbeitet bei drei Kanälen (RGB) statt mit 16.7 Mio. Farben (bei 24 BIT) mit 281.474.976.710.656 Farben (65536 * 65536 * 65536 statt 256 * 256 * 256). Natürlich entstehen hier riesige Dateien, die man aber ja gerne nach der Bearbeitung auf 8 BIT Farbtiefe reduzieren, uns so verkleinern kann. Der Unterschied zwischen dem fertigen Foto in 16 BIT oder 8 BIT ist für mich persönlich nicht feststellbar. Wenn ich allerdings von vorneherein an einem 8 BIT Foto die Tonwertkurve verändere und dann ausgebe, habe ich unter Umständen Abrisse in Verläufen oder plakative Wirkung vom Foto.
Tip: Oft verwirrend, sprechen einige von 8 BIT, andere von 24 BIT: gemeint ist immer das selbe: 256 Helligkeiten pro Kanal ergeben im RGB-Farbraum eine Farbtiefe von 256 * 256 *256 = 16.7 Mio. Farben.
Spricht jemand von 16 BIT oder von 48 BIT Farbtiefe, dann ist der größere Farbraum gemeint, der 65536 Helligkeiten pro Farbkanal zulässt und somit im RGB-Farbraum 281.474.976.710.656 Farben zulässt.
Tip: Wir arbeiten in unseren Beispielen und Erklärungen mit Adobe® Photoshop®. Jedoch haben auch andere Bildbearbeitungsprogramme sehr ähnliche Funktionen. Auch haben viele Programme Bearbeitungsfunktionen für RAW.
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Nicht nur Canon-SLRs koennen die Kombination RAW/JPG gleichzeitig speichern, zumindest Nikon-SLRs machen das ebenfalls. Wuerde mich nicht wundern, wenn das auch bei Pentax, Minolta, Fuji, Olympus usw. ebenfalls moeglich ist.
Ich habe eine Panasonic DMC-FZ50 Lumix (nicht SLR-Digital) und die speichert auch RAW und JPG gleichzeitig.
Eure Seite hier find ich echt gut, hab sie gleich bei Favoriten reingeschmissen!
Meine Leica D-Lux 3 speichet auch RAW & Jpeg parallel, wie ich gerade beim sammeln meiner ersten Raw-Erfahrungen feststellen durfte. Und auch schoen das IrfanView RAW anzeigen kann!
Zum ersten mal hab ich gerafft warum man in RAW fotografieren sollte. Meine D40x kann auch RAW und Jpeg parallel, allerdings werden dann die Jpeg nur in niedriger Qualität (“Basic”) gespeichert.
Hallo, Diese Seite ist einfach Spitze. Ich habe eine Nikon D70S,die auch beides kann.
Eine Frage.
Wo gibt es eine Seite wo man Schritt für Schritt erklärt wird,wie mit der Tonwerkurve gearbeitet,bzw.ein Foto mit eingestellt wird?
Es grüßt herzlich,
Peter
Hallo Peter, es gibt diverse gute Bücher und auch in Magazinen wird es immer wieder mal erklärt. Hier habe ich online was gefunden, was ich sehr gut erklärt finde:
http://www.puchner.org/Fotografie/technik/nachbearbeitung/helligkeit.htm.
Herzlichen Gruß, Peter
Unglaublich was sich aus unterbelichteten Bildern in RAW geschossen noch rausholen lässt.
Hallo,
der Beitrag ist schon informativ und sehr gelungen.
Aber, wie kann ich denn jetzt tatsächlich an dem Histogramm, welches hier aufgeführt ist erkennen, wie es aussehen sollte? Ihr Beispiel zeigt nur in dem unteren Bild Striche,was hat sich da verändert, ich kann nichts erkennen.?
MFG. Peter
Sony NEX-5 kann ebenfalls RAW und JPG