Digital s/w Fotografieren
Warum s/w?
Es gibt viele Möglichkeiten aus einer digitalen Farbdatei ein s/w Foto zu erzeugen. Allerdings lassen sich z.B. mit neueren Canon-Kameras auch s/w-JPGs erzeugen, die tatsächlich im Display schon als s/w-Foto angezeigt werden.
Das hat in meinen Augen den Vorteil, dass man auch s/w fotografiert. Was ich meine: als man mit einem s/w Film nach draußen ging und fotografierte, hatte man den Blick deutlich auf s/w-Motive gelenkt und dachte nach einiger Erfahrung in schwarz/weiss. Unterstützt wurde dieser gedanklich Fotovorgang auch durch den Gelb-/Orange-/Rotfilter, den man vor das Objektiv der Spiegelreflexkamera gesetzt hatte und durch den man ständig guckte.
Das ist heute nicht mehr ohne weiteres möglich. Zwar lässt sich aus jedem digitalen Farbfoto auch ein s/w-Foto erzeugen, aber deshalb hat man beim Fotografieren nicht unbedingt “s/w gedacht”.
Immer noch ist die s/w Fotografie eine wunderbare Form der Fotografie. Schließlich hat sich auch in der Vergangenheit trotz Farbfilmen ein großer Teil der Fotografen mit der s/w Fotografie beschäftigt. Vielleicht liegt es daran, dass s/w den Blick auf den wesentlichen Inhalt legt, Formen und Kontraste besser betont? Darüber kann man sicher lange philosophieren.
Neuere Canon SLRs erzeugen auf Wunsch s/w JPGs. Tipp: Schalten Sie sowohl RAW als auch s/w JPG ein, erhalten Sie auch die Original-RAW-Farbdatei, die Sie später individueller in s/w wandeln können. Trotzdem haben Sie die Wahl zwischen dem fertigen JPG und der eigenen Wandlung von RAW nach s/w.
Voraussetzungen für ein gutes s/w-Foto:
Ein gutes s/w Foto lebt vom Tonwertumfang. Für ein gutes s/w Foto versuchen Sie bitte während der Aufnahme schon die Lichter (hellen Bildteile) festzuhalten, sprich die Überbelichtung zu vermeiden. Zeichnung in den Lichtern (die Lichter sind nicht einfach weiß/überbelichtet, sondern haben noch Helligkeitsabstufungen) ist wesentlich und man kann sich helfen durch Unterbelichtung, Belichtungsreihenautomatik oder ein RAW-Foto.
Wichtig auch: wenn Sie können, fotografieren Sie im RAW Modus um 16 BIT Farbtiefe zu erhalten. 16 BIT Farbtiefe (bedeutet zwei hoch 16 = 65.536 Abstufungen pro Farbkanal anstatt 2 hoch 8 = 256 Abstufungen mit 8 BIT) überträgt viel mehr Details, Abstufungen, Verläufe als 8 BIT Tiefe. Auch wenn man nachträglich die Tonwerte in der Tonwertkurve verschiebt, bleiben mehr Details erhalten.
Übrigens: moderne Digitalkameras haben immer noch nicht den Kontrastumfang wie analoger Film (Dia Dichte 3.0, Kontrastumfang etwa 10 Blendenstufen). Soll heißen: bei extremen Lichtsituationen – sehr hell und gleichzeitig sehr dunkel – schaffen es die meisten Digitalkameras nicht, den kompletten Lichtumfang zu erfassen (hierzu in Kürze ein eigener Artikel über die Erhöhung des Dynamikumfanges). In der Tonwertkurve macht sich das bemerkbar durch fehlende Tiefen oder/und Höhen, die eigentlich hätten da sein müssen…
Hier hilft nur zwei verschiedene Belichtungen übereinander zu montieren (geht wieder nicht bei bewegten Motiven, sondern nur bei Stills: Ausnahme RAW), um damit die besten Lichter des einen Fotos und besten Tiefen des anderen Fotos zusammen zu fügen (DRI = Dynamik Range Increase).

Zwei sehr helle Punkte (#1, #2) könnten noch etwas mehr Zeichnung haben. Aber bei reflektierenden Materialien (hier die Maske beim Karneval in Venedig) ist ein “Ausbrennen” verschiedener Stellen fast nicht zu vermeiden. Die Maske zeigt über die gesamte Fläche immer noch sehr viel Zeichnung, obwohl sie zum Zeitpunkt des Fotos sehr hell war. Ein guter “hellster” Wert in einem RGB-Foto ist 245, 245, 245.
Belichtungsreihenautomatik (englisch “bracketing”) bedeutet z.B. drei Fotos zu machen: eines unterbelichtet, eines “korrekt” belichtet, eines überbelichtet. Viele Kameras haben hierfür eine Automatik, die diese drei Fotos schießt. So stellt man sicher, dass man schwierige Belichtungssituationen korrekt fotografiert. Das funktioniert nicht bei Menschen die sich bewegen, Sport- oder Actionfotografie, da dort alle drei Fotos verschiedene Situationen zeigen werden. Nichts ersetzt die Erfahrung mit Belichtungen und das Nachdenken darüber beim Fotografieren. Außer vielleicht der RAW-Modus, da hier noch einiges gerettet werden kann, was analoges Material sowieso besser verkraftet hat.
Lösungen zur Wandlung von Farbe nach schwarz/weiss
Möglichkeit #1: Graustufenwandlung
- Vorteile: sehr schnell, manchmal gute Zufallsresultate
- Nachteile: keine Kontrolle
Die einfachste Methode ein s/w Foto aus einem Farbbild zu erzeugen, ist die Datei in Graustufen zu wandeln. Das ist gleichzeitig meist die schlechteste Lösung für das s/w Foto, kann in bestimmten Fällen aber auch gute Ergebnisse liefern. Es hängt stark vom Foto ab. In jedem Falle bieten andere Wandlungen nach s/w Möglichkeiten zur Einflussnahme, während das Wandeln in Graustufen keine Einstellungen bietet. Natürlich kann man hinterher etwas per Gradiationskurven korrigieren, was aber meist die Ergebnisse nicht besser macht, als bei Wandlung der Fotos auf anderem Wege.

Um das s/w-Foto im Internet übrigens nicht zu dunkel erscheinen zu lassen, müssen Sie es vor dem Speichern mit Photoshop wieder von Graustufen in ein RGB Bild (Bild – Modus – RGB) wandeln. Probieren Sie es mal aus.


Farbbild vor der Wandlung s/w Bild nach der Wandlung zu Graustufen
Möglichkeit #2: Kanalmixen:
- Vorteile: relativ schnell, gute Einflussnahme
- Nachteile: keine Einstellungsebene an der die Einstellungen nachvollzogen werden können
Eine bessere Lösung (wenn nicht die beste Lösung) ist das Kanalmixen mit Hilfe von RGB-Kanälen – hier am Beispiel von Photoshop® CS2. Dabei werden die drei Kanäle R-Rot, G-Grün, B-Blau in verschiedenen Anteilen zusammengemixt und in einem schwarzweissen-RGB Bild ausgegeben. Voraussetzung ist, dass Sie unten das Häkchen bei “Monochrom” setzen. Das entspricht dem klassischen Filter beim Analogen-Fotografieren:
Rot: +100%, Grün 0%, Blau 0% = Rotfilter
Rot: +50%, Grün +50%, Blau 0% = Gelbfilter
Beim Kanalmixen bleibt ein Foto im RGB-Modus und behält den ursprünglichen 8 BIT oder 16 BIT Farbraum. Ein unschätzbarer Vorteil für gute Fineart-Fotos.
Kanalmixen: Bild – Einstellungen – Kanalmixer
Das Ergebnis unten mit den Einstellungen:
Monochrom 100%, -50%, +50%


Ein anderes Beispiel mit anderen Farben ergibt ganz andere Wandlungsideen (rechts das Original in Farbe). Die Prozente im Kanalmixer sollten sich idealer Weise zu 100 addieren. Allerdings kann das auch mal gut und gerne etwas anders ausfallen. Richten Sie sich am besten nach Ihrem eigenen Empfinden.
Die Konstante unten im Kanalmixer (Constant) verändert die Gesamthelligkeit. Solchen Einstellungen traue ich aus gutem Grund nicht über den Weg und verwende sie nicht. In diesem Falle wird nämlich die gesamte Tonwertkurve verschoben. Das ist ähnlich falsch wie “Helligkeit” oder “Kontrast” in Photoshop zu verwenden. Besser ist die Möglichkeit die Gradiationskurve anzuheben oder abzusenken, da damit der tiefste und lichteste Punkt im Foto nicht geändert wird.
Tipp: nutzen Sie nicht die Einstellungen “Helligkeit” oder “Kontrast”. Dabei gehen Bildinformationen verloren. Verwenden Sie statt dessen die Gradiationskurve.

Möglichkeit #3: Wandeln im RAW-Modus
- Vorteile: relativ gute Einflussnahme, hohe Qualität
- Nachteile: man vernichtet die Einstellungen für das Farbbild, welche im zugehörigen Cache-Dateien “.xmp” festgehalten werden
So früh wie möglich in einem Foto die entsprechenden Einstellungen vorzunehmen, bedeutet auch gleichzeitig minimale Verluste im Foto zu erhalten. Im Falle von RAW arbeiten wir mit dem Foto, welches sehr nah am Original aus der Kamera heran reicht. Wir können es im 16BIT Modus bearbeiten und leicht an Farbtemperaturen anpassen oder leichte Über- und Unterbelichtungen korrigieren.
Genau hier im RAW-Modus haben wir auch die Möglichkeit über das Heruntersetzen der Sättigung (engl. saturation) ein schwarzweiss-Foto zu erzeugen. Dabei kann man durch Verschieben der Farbtemperatur einen Filter simulieren, ähnlich dem Gelb-/Orange-/Rotfilter vor dem Objektiv einer analogen Fotokamera.



Noch eine Anhebung der Mitten über die Gradiationskurve, die man als Einstellung im RAW-Modus leicht vergisst, weil sie unter einem der vielen Reiter zu finden ist. Eine geniale Einstellungsmöglichkeit wenn man vorher den dunkelsten und hellsten Bildpunkt eingestellt und so den Kontrastumfang bestimmt hat:

Das Ergebnis in s/w sieht in einem großen Rahmen auf entsprechendem Fineart-Papier umwerfend aus. Im Internet in dieser Größe ist kaum etwas von den sanften Graustufen zu sehen, aber dies soll ja eine Anleitung zum eigenen Experimentieren sein:

Das Ergebnis mit einer Farbtemperatur von 2050 Kelvin:


Weitere Möglichkeiten: PlugIns für Photoshop
- Vorteile: einfach, digitale Dunkelkammer
- Nachteile: teilweise kostenpflichtige Software
BW Workflow Pro
Ein PlugIn für Photoshop (Windows und MAC), welches gerade Fotografen gut liegt, die früher mit Filtern und Gradiationen gearbeitet haben und zusätzlichen Wert auf Korn im Foto legen. Das PlugIn wandelt das Foto nach genauen Vorgaben und Presets. Man kann die Farbfilter auswählen, Korn einrechnen und Tönungen hinzurechnen.
http://www.fredmiranda.com/shopping/BW
Kostenpflichtige Software für Windows und Mac, englisch
Black and White conversion plugin for Adobe Photoshop
Vorgegebene Einstellungen für Farbfilter mit einer Vorschau ermöglichen die Wandlung nach schwarzweiss.
http://www.robwilliams.ca/Software/bw_conversion.htm
Kostenpflichtige Software für Windows und MAC, sehr preiswert, englisch

Power Retouche Black & White Studio
Vorgegebene Einstellungen für Farbfilter, Filmsimulationen z.B. von Tri-X von Kodak, tolle Einstellungen für Graduationen mit reproduzierbaren Ergebnissen, dank Speicherung der Einstellungen. Sehr professionell.
http://powerretouche.com/Black-white_plugin_introduction.htm
kostenpflichtige Software für Win und Mac, englisch
Nik B&W Filter
Einfacher Filter für die Konversion von Farbe nach schwarzweiss. Er ist nur in der Select Edition und Complete Edition von Nik zu erhalten, aber die anderen Filter sind auch ein Nachdenken wert. Ich persönlich fühle mich nicht an eine digitale Dunkelkammer erinnert, dazu fehlt mir die Gradiation des Papiers, die Filmeigenschaften und das Korn.
kostenpflichtige Software für Win und Mac, deutsch oder englisch

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